Pferdeköpfe, Donnerbesen und "germanische" Kontinuität

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Skald, 31. März 2009.

  1. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    @Skald: Von der Buchrezension halte ich persönlich nichts. Das klingt nach „entweder/oder“, dazwischen hat es nichts zu geben. Aber trotzdem mal interessant, auch solche Meinung zu lesen.
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    Zu dem Foto aus Bötersheim: fahr mal von Stade aus ins Alte Land Richtung Twielenfleth, Lühe. Da wimmelt es von Häusern mit Ornamenten (und auch noch den Prunkpforten). Wie alt die sind, kann ich Dir leider nicht sagen. Ich habe mich bisher nicht darum gekümmert, finde sie nur einfach schön.
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    Auf einer Seite hat natürlich auch florian recht: die Menschen haben schon immer Ornamente benutzt, um etwas schön aussehen zu lassen. Bei der Glockenbecherkultur z. B. machen wir uns keine Gedanken, ob die Ornamente eine Symbolik beinhalten – mal überspitzt gesagt. Da gestehen wir einfach aus heutiger Sicht eine Verschönerung zu. Auf der anderen Seite hast Du ebenso recht: die Menschen brauchten Symbole, um Glück und Heil zu beschwören und Unheil abzuwenden. Sind aber evtl. die echten Bedeutungen verloren gegangen und wir versuchen, etwas Passendes wiederzufinden? Gibt es überhaupt alte schriftliche Aufzeichnungen darüber, was welche Symbole bedeuteten oder wurde es nur mündlich weitergegeben?
    … und haben wir „aufgeklärten“ Zeitgenossen nicht auch noch so etwas Ähnliches? Ein „Symbol“, das wir evtl. mit uns rumschleppen? Wir nennen es Maskottchen.
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    Allerdings würde ich auch bei älteren Gebäuden mit Vorsicht an die Deutung herangehen. Derjenige, der vor 240 Jahren das Haus in Bötersheim errichtet hat, fand das vielleicht auch „nur“ schön, weil er es von noch älteren Gebäuden her kannte. Evtl. wusste er nicht um die Bedeutung aus uralten Zeiten. Mein Cousin hat z. B. solche Pferdeköpfe an seinem Pferdestall angebracht. Er hat sie geschenkt bekommen, weil er Pferde züchtet. Weder die, die geschenkt haben, noch er haben auch nur den geringsten Schimmer von Geschichte. Alle finden es einfach nur schick. Welche Gedanken könnte sich in 1000 Jahren ein Archäologe machen, wenn er das finden würde?
     
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    "Ich bin das Licht der Welt." (Joh. 8,12)
    Die Wahl der antiken Kirche, den unbekannten Geburtstag Jesu auf das Fest sol invictus zu legen, kommt nicht von ungefähr; Sonnensymbolik findet sich auch in Kirchenliedern, und damit auch dem ungebildten Volk zugänglich, wieder. Solare Verzierungen im Mauerwerk des 18. Jahrhunderts sind daher wohl eher auf christliche, als auf heidnische Vorstellungen zurückgehend, wenn sie denn, wie Ostrogotha kritisch anmerkte, überhaupt eine Bedeutung hatten und nicht bloße Verzierung waren.
     
  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Frage ist nicht wie alt das Haus ist, sondern wie alt die der Backstein im Fachwerk ist.
    Im Grunde handelt es sich um ziemlich einfache geometrische Figuren, die alles mögliche bedeuten.
    El Quitotes Hinweis aus mögliche christliche Bedeutung klingt da irgendwie naheliegend. Ein ähnliches Phänomen gibt es auch auf Dachziegel; diese wurde wohl im vor ein paar Jahrhunderten ganz gerne mit Pentagrammen/Drudenfüßen verziert. Der Aberglaube schöpft aus vielen Quellen und am Ende kommt etwas sehr merkwürdiges dabei heraus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. April 2009

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