Pferdeopfer - Reiterkrieger in Hamm/Westf

Dieses Thema im Forum "Ausstellungen | Historische Sehenswürdigkeiten" wurde erstellt von Sissi, 19. April 2007.

  1. Sissi

    Sissi Neues Mitglied

    So ihr lieben, ich hab hier mal ein kleines Schmankerl nicht nur für Freunde von Nicole Uphoff und Ludger Beerbaum...

    In der Ausstellung "Pferdeopfer und Reiterkrieger. Fahren und Reiten durch die Jahrtausende" geht natürlich nicht um die Pferderstärken eines AUtomobils, sondern um - ganz primitiv ;) - um die des Pferdes.

    Die Wichtigkeit des Nutztieres für den Menschen steht dabei im Vordergrund: Von den Reiterkrieger, die sich auch mit ihrem Tier beerdigen ließen bis zu den heutigen Rekordjägern auf der Rennstrecke; es ist alles dabei.

    Die Ausstellung wird am 22. April im Gustav-Lübcke Museum in Hamm eröffnet und wird dort bis zum 27. Juli zu sehen sein. Die Eröffnung wird um 11.30h sein (wer dahin gehen möchte; ich bin auch da, vllt sieht man sich ;) )

    Hier noch ein paar externe Angaben:
    http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/tipps/101665/index.html - Ein paar Bilder

    http://www8.citeq.de/20/vk/index.cfm?&ca=9&d=20&dv=18.04.2007&db=25.04.2007&k=&v=14143 - Hamm

    Liebe Grüße :winke:
     
  2. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    "Um 2000 vor Christus hatte der Mensch das Pferde domestiziert und als Zugtier genutzt."

    Der altesten Grab eines Mensches mit Pferd zusammen wurde in Potyr, neben Płońsk (Masovien) entdeckt. Der Grab gehort der "Kugelbecher Kultur", etwa 2500 - 2000 vor Christus.

    Die Bestattungen mit Pferde waren typisch fur Balten seit der romischen Kaiserzeit (so gen. "Westbaltische Kultur"). Ein Beispiel : http://www.korsze.com/Historia gminy/rowniana_dolna.htm - baltisches Graberfeld in Korsze (Masuren). Neben um 350 Leuten wurden auch 70 Pferde bestattet. Alle Pferde wurden lebendig begraben. brrr...

    Noch im Mittelalter (XIII-XIV) war die Pferde-Liebe der baltischen Jatwingen gut bekannt. Die Jatwingen haben zwei Bestattung-Sitten gehabt. Die erste - Brandbestattung - war typisch fur normalen Leuten. Die zweite (und fruhere)- Korperbestattung - wurde nur fur die wichtigen Personen reserwiert. In Szwajcaria und Osinki haben die Jatwingen ihr politisches Zentrum mit dem grossen Graberfeld gehabt. Szwajcaria wurde in 1950-en Jahren archeologisch untergesucht. Die Archeologen haben hier die reichen Hugelgraber entdeckt, wo die jatwingischen Kriegern mit ihrer Bewaffnung und Pferd bestattet wurden.
     
  3. Sissi

    Sissi Neues Mitglied

    So, die Ausstellung ist eröffnet, da geb ich gleich mal meinen Senf dazu.
    Als erstes muß ich sagen, ist das ganze sehr umfangreich, besonders was die Zeit angeht. Die Ausstellungsstücke reichen vom Paläolythikum bis ins Mittelalter hinein. Allerdings muß man dazu sagen, dass das ganze sehr heterogen ist, die Themen können in verschiedene Zeiten transzendiert werden.
    Die Aufteilung find ich zwar nicht sehr überschaubar, allerdings ist die IDee gar nicht so schlecht. Anfänglich war das Pferd noch als Beute des Menschen gesehen, da zu gibt es einige Knochen sowie Reliefe zu sehen. Erst die domnestizierung des Pferdes brauchte ihm seinen hohen Status ein, denn von nun an wurde es nicht mehr als Beute sondern Nutztier gehalten, jedoch weniger als Zugtier (wobei es das auch gab), sondern mehr als Reittier. Es gibt unzählige Beispiel von Zaumzeug, Sätteln und Sporen, die aus den verschiedenen Epochen stammen, jedoch sich regional meistens auf das Gebiet Rhein Emscher bewegen (ausnahmen...).
    Dadurch ergibt sich einer weiterer Blickwinkel, nämlich der des Reiterkriegers. Hierzu gibt es viele Fundstücke aus der römischen Zeit, zwei wunderschöne Grabsteine mit Reiter, Helme sowie auch Waffen und Ausrüstung. Die damit verbundene Bestattung des Reiters samt Pferd ist durch ein Grab eines Fürsten aus Beckum gezeigt (nicht mehr röm. Zeit;) ). Zu dieserm Begräbdnis wurde auch ein Hirsch bestattet, um im Jenseits als Jadgtier zu dienen.
    Eine der wichtigsten erfindungen des Menschen, das rad, findet auch hier seinen Platz, quasi als Mittelpunkt des geschehens. Neben den verschiedenen Formen der Herstellung (Guß, Holzbearbeitung) sind auch die ersten Wege durch das Moor, die Bohlenwege.
    Was natürlich als "Highlight" nicht fehlen darf, ist der Status des Reiters, der durch sein Pferd eine besondere Stellung einnahm. Besonders schön ist dies an dem Zaumzeug des Fürstes von Krefeld-Gellep zu sehen (Zaumzeug für sein Pferd...). Aber auch schon die Sporen konnten wunderschön verziert sein, und Satteltaschen mit Silberbeschlägen dürfen natürlich auch nicht fehlen.
    Alles in allem ist die Ausstellung zwar sehr direkt und nicht für jeden Geschmack geeignet, dennoch zeigt sie die 'gehobene Position' des Pferdes durch die Jahrtausende. Das Pferd ansich wurde nicht zum Nutztier deklariert, sondern diente der Kultausübung (Sonnenwagen, Pferdeopfer), Abwendung von bösen Schicksalen und dienste seinem Besitzer als Statussymbol.


    Infos: http://www8.citeq.de/20/vk/index.cfm?v=14143&s=&k=14,15&d=3&a=&u=&dv=23.04.2007&db=23.05.2007

    Liebe Grüße :winke:
     

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