Polen als Wegbereiter der Deutschen Einheit?

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Barbarossa, 5. Juni 2009.

  1. ak_2107

    ak_2107 Gast

    "Auf der Linie" hat es - wie 1989 gezeigt hat - kaum gehalten. Aber
    es dämpfte schon ein gewisses Interesse für die Nachahmung.
    Zum einem geschickte Darstellung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten
    als Folge der "antisozialistischen Umtriebe" (und der "polnischen Wirtschaft") im Allgemeinen. Zum anderen hat die Demonstration der Stärke am 13.12.1981 in Polen gezeigt, daß zu diesem Zeitpunkt ein "aufmucken" keinen Sinn hatte.

    Man darf auch nicht vergessen daß, "das Volk" in der DDR an wesentlich
    kürzeren Leine - als das in anderen Baracken des sozialistischen Lagers der Fall war - gehalten wurde.

    Die Kommunisten aus den in den beiden Ländern regierenden "Brüderparteien" waren sich - darüber hinaus - nicht besonders grün.
    Die Tränengasgranaten "Made in GDR" standen zwar bei der polnischen
    Miliz sehr hoch im Kurs ( Hitzeentwicklung nach dem Abschuss -
    kaum eine Möglichkeit die Kartusche zurückzuwerfen - im Gegensatz
    zu den paralell eingesetzten polnischen, bzw. sowjetischen Fabrikaten).
    Ebenso waren in Dresden im Oktober 1989 bei der VoPo - Bereitschaft
    die bewährten Wasserwerfer aus der
    FSC Starachowice zu sehen.
    Auf der anderen Seite wurde schon kräftig gegen Schienenbeine getreten - sofern "der große Bruder" nichts unternahm.
    Stasi hat relativ früh gewisse Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen den Tschekisten der Brüderländer über Bord geworfen und angefangen ( 1980 ?) unter den polnischen Staatsbürgern Informanten zu werben, ebenso ist der Nachrichtendienst der NVA aktiv geworden. Von der Unterstützung der konservativen Gruppierungen innerhalb der
    PVAP durch die SED abgesehen.
    Dazu kommen Konflikte mit wirtschaftlichem Hintergrund , die z. B. Ende 1989 zum Schußwechsel entlang der Seegrenze zwischen Polen und
    DDR geführt hatten. (Ohne der Intervention des großen Bruders hätten
    sich da die Brüderländer vermutlich ernsthaft in die Haare gekriegt).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. Januar 2010
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nun mach nicht aus einer Mücke einen Elefanten. Außerdem bitte ich dich um Belege.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2010
  3. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Das würde mich jetzt mal interessieren: Ende 1989 - das wäre ja schon die "Wendezeit".
    Um welche wirtschaftlichen Interessen soll es dabei gegangen sein? Und wie sollte da der große Bruder noch intervenieren?
     
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  4. ak_2107

    ak_2107 Gast

    ua. hier.

    LSK / LV: DDR gegen VR Polen - Zwischenfälle vor Swinemünde

    es gibt dazu auch eine Reihe Berichte aus der lokalen Presse.
    (plus Berichte polnischer Militärs.)

    Bis dato wenig aus den Archiven.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. Januar 2010
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Natürlich wurde das gemacht.
    Ich musste nach dem Wehrdienst einmal für 21 Tage bei einer Reservistenübung im Wald schlafen.
    Zwei Jahre später holten die mich noch mal für drei Monate.
    Aber da habe ich mir nichts mehr gefallen lassen.
    Reservisten mussten nicht nachdienen, wenn man mal im Knast landete.
    So kam ich auf 21 Monate und einundzwanzig Tagen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2010
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Naja, 2x Warnschüsse auf arme Fischer. Wie gesagt, eine Mücke...
    Trotzdem vielen Dank für den Link vom Ostseevögli.
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe ein Wildschwein getötet mit 10 Schuss Dauerfeuer aus der Kalaschnikoff. Die arme Sau wollte nur ihre Kinder beschützen.
    Zum Glück war ich nie an der Grenze, das dürfte ich nicht, weil zu viel Westverwandtschaft.
    Der Papierkram danach war am schlimmsten.
     
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  8. kaksi

    kaksi Neues Mitglied

    Preussen-Deutschland

    Darunter verstehe ich das 1871 entstandene (Klein-)Deutsche Reich unter preußischer Vormacht (polemisch und im Sinne einer zeitgenössichen Karikatur: Deutschland ohne Österreich vereint unter der preußichen Pickelhaube). Auch „Bismarck-Reich“ genannt. Vereinigungsbasis war die – schon lange vorher von dem Amtisemiten (Prof. Dr.) Ernst-Moritz Arndt geforderte und besungeme („Der Gott, der Eisen wachsen ließ“...) „Erbfeindschaft“ mit Frankreich. Dieses Frankreich (Republik nach Niederlage und Abdankung Napoleons III.) wurde ja durch die Proklamation des preußischen Königs zum Deutschen Kaiser im Schloss von Versailles bewusst gedemütigt. –
    In Preußen galt bis 1918 das Dreiklassenwahlrecht; es wurde nur unter dem Druck der sich abzeichnenden Niederlage und unter dem Druck der Forderungen der USA (Wilson) abgeschafft.
    Im Selbstverständnis seiner Führungsschichen verstand sich dieses Reich verfssungsmäßig als idealer Kompromiss zwischen den angeblich chaotischen liberaleren westlichen Staatsformen und der Zarendespotie im Osten.

    Die Vormachtstellung Preußens blieb auch nach 1919 unangetastet. Versuche des Rheinländers Adenauers, sie zu schwächen, scheiterten auch am Widerstand der SPD, die damals in Preußen die Regierung stellte. Hitler und die NSDAP waren darüber sicherlich sehr froh und ließen sich dann 1934 am „Tag von Potsdam“ von dem Reichspräsidenten von Hindenburg und den konservativen protestantischen preußischen Eliten als Fortsetzer und Vollender preußisch-deutscher Traditionen feiern.

    Und was geschah und geschieht nach der „Wieder-“ statt Neu-Vereinigung Deutschlands 1990 ff.? Die Vereinigung Deutschlands hat auch Adenenauer angestrebt, aber sicherlich nicht in dieser Form und mit diesen unkritschen Anknüpfungen.
    Näheres hierzu kostenlos einsehbar im esten Teil von (Anmerkungen dort beachten):

    GRIN - Die NS-Zeit in Dorfchroniken der Lüneburger Heide - Wissenschaftlicher Aufsatz 

    Führende Schichten in Polen dagegen fühlten und fühlen sich den liberalen Traditionen im Westen mehr verbunden. Näheres dazu in späterer Antwort auf weiter unten stehende Frage.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Was ist das denn für ein Unsinn?

    Bis zum Preußenschlag ist das Land - (sicher noch unabsehrbar) als potentieller Widerstandsherd gegen Hitler bzw. seine NSDAP - von SPD, Zentrum und DDP regiert worden.

    Preußenschlag – Wikipedia

    Am Tag von Potsdam (1933, nicht 1934) war die Messe nach der Reichstagswahl, dem Einschwenken der Reichswehr und unter dem anschwellenden Druck der Gewalt resp. Straße gelesen. Mit Preußen hatte das außer der üblichen Propaganda (übrigens: Wirkungseinschätzung?) wenig zu tun. Zu dem Zeitpunkt mußte Adenauer bereits vor den Nationalsozialisten flüchten.
    http://www.geschichtsforum.de/289756-post8.html

    Selbst wenn man das Ermächtigungsgesetz nimmt: die NSDAP war nicht gerade von "preußischen Eliten" durchsetzt, die DNVP etc. (hier könnte man den preußischen Schwerpunkt setzen) mit 8% bereits fest gebunden, und der Rest der Abstimmung hing an Zentrum und Bayerischer Volkspartei, beide wiederum nicht gerade als Sammelbecken "preußischer Eliten" bekannt.

    Die Versuche des Rheinländers Adenauer zur "Schwächung Preußens" vor 1933 sollen wohl unter den Aspekt "Rechtsweg gegen den Preußenschlag" einzusortieren sein? Wo bitte ist hier der Widerstand der SPD?
     
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  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Solche wie dieser?:
     

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  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Du machst ja ganz schöne zeitliche Sprünge!

    Als E.M.Arndt gegen die Franzosen wetterte, war Deutschland zufälligerweise von den Franzosen weitgehend dominiert und besetzt, es handelte sich nicht um ein Hirngespinst.

    1871 war Frankreich wiederum die führende Militärmacht in Europa, der Sieg Deutschlands für alle Beteiligten und nicht Beteiligten eine große Überraschung. die Proklamation in Versailles war garantiert nicht als Demütigung der "Republik" Frankreichs gedacht (dazu war Versailles ein denkbar falscher Ort) sondern eher gegenüber Frankreich als Reich und Hegemon.
     
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  12. ak_2107

    ak_2107 Gast

    Auf dem von Dir verlinkten Bild ist ein Wasserwerfer von IFA - Made in GDR aus den 60-er zu sehen.

    Ende (Mitte?) der 80-er wurden in die DDR einige Wasserwerfer
    "Hydromil" auf dem Fahrgestell des polnischen LKW Star 660 geliefert


    [​IMG]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Januar 2010
  13. ak_2107

    ak_2107 Gast

    Najaaa.....bein manchen Genossen saß die Pistole ziemlich locker im
    Holster.....;)

    Insgesamt muß es etwa 180 Vorfälle gegeben haben - in zwei
    Fällen wurden Warnschüsse von den DDR Küstenschützboten abgege-
    ben, in einem Fall hat polnischer Grenzschutz mit Warnschüssen
    das Abschleppen eines Segelbotes zu verhindern versucht.


    "die Gruppe in der Partei, die vom Konflikt mit der DDR profitieren wollte, habe sich im April 1988 auf der Sitzung des Politbüros über den Grenzkonflikt entlarvt. "Sie forderte einen Konfrontationskurs gegenüber der DDR, der zu einer ernsthaften internationalen und im Endeffekt auch internen politischen Krise führen mußte".

    An diese Sitzung kann sich auch Admiral Waga erinnern, der damals als Vertreter der Kriegsmarine eingeladen war. "So manche Anwesende forderten, die Flotte solle in Aktion treten und sofort auf deutsche Schiffe schießen. Ich sagte ihnen, ich würde jeden Befehl ausführen, doch bat ich sie, sich Gedanken darüber zu machen, was sie damit erreichen wollten. Wir würden schießen, viel Lärm machen, aber moralisch und juristisch nichts gewinnen".
    Der Admiral will aber nicht sagen, welches Mitglied des Politbüros das Schießen forderte. Nach Namen von Politikern gefragt, die das Schießen auf deutsche Schiffe verlangten, entschuldigen sich auch Wojciech Jaruzelski, Czeslaw Kiszczak, Stanislaw Miskiewicz, die dem Plenum beiwohnten, mit ihrem schlechten Gedächtnis.
    Nach Ansicht von Jozef Czyrek seien viele Menschen in Stettin für eine bewaffnete Konfrontation mit den DDR-Aufklärungsschiffen eingetreten. Schießen wollten dortige Offiziere der Kriegsmarine, des Grenzschutzes und der Dienste des Innenministeriums; eine Kampfaktion der polnischen Kriegsmarine forderten auch Hafenarbeiter und Fischer. "Die Spannungen flauten nach meiner zweiten Intervention 1988 beim DDR-Verteidigungsminister, General Heinz Kessler, ab. Von dan an patrouillierten die DDR-Kriegsschiffe nicht mehr in den umstrittenen Gewässern", so General Florian Siwicki.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Januar 2010
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Dass das so ernst war wusste ich nicht. Polen war doch ein Bruderstaat.
     
  15. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    @ak 2107: Das hört sich jetzt aber doch etwas anders an. Vor allem nicht nach "Schusswechsel". Das es Vorfälle gab, darüber wurde gemunkelt, aber genau gesagt wurde nichts. Ich war 1987 und 88 mit der Volksmarine in Gdansk und Gdynia. Wir durften uns da frei bewegen und unser Schiff wurde auch nicht extra bewacht.
    Ausser einigen "Heil Hitler Rufen/Grüßen" von Kindern und Jugendlichen sind mir eigentlich keine Anfeindungen in Erinnerung geblieben.
    Es muß demnach auch nur von lokalem Interesse in Polen selbst gewesen sein.
     
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  16. ak_2107

    ak_2107 Gast

    Es dürfte derartige Geschichten nicht geben. Also gab es sie nicht.
     
  17. kaksi

    kaksi Neues Mitglied

    Noch mehr Unsinn? Zu Deutschland, Frankreich und Polen

     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um noch mal an das eigentliche Thema erinnern: Polen als Wegbereiter der deutschen Einheit? Es wäre schön, wenn die ausgetauschten Argumente das Ziel erkennen ließen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen.
     
  19. kaksi

    kaksi Neues Mitglied

    Thema verfehlt?

    Polen hat (richtiger: viele Polen haben) im Rahmen seiner Tradition mehr und beständiger gegen die Teilung Europas und gegen seine Zwangseingemeindung in den Ostblock rebelliert und gestänkert als die - im Rahmen ihrer Tradition - stets auf Ruhe und Ordnund und Gehorsma bedachten meisten Deutschen - in Ost UND West. Und als Nebenprodukt fiel eben auch etwas für die deutsche Einheit ab.

    "Polen" kann nicht verstehen, wer seine Traditionen ausblenden will, und "Deutschland" ähnlich.

    Das Eingangszitat der ehemaligen DDR-Bürgerin und jetzigen Bundeskanzlerin ist eine - vermutlich bewusste - Geschichtsverfälschung. Die Hauptdissidenten in der DDR, vereint im NEUEN FORUM, riefen: "Wir sind DAS Volk." Sie wollten die Beibhaltung der zu reformierenden und tatsächlich zu demokratisierenden DDR (wollte übrigens auch der Vater der Bundeskanzlerin, ohne Mitgliedschaft im NEUEN FORUM). Der Ruf "Wir sind EIN Volk" ist möglicherweise Westimport. Westagenten waren auch 1953 in der DDR aktiv, einen davon kenne ich. Er wurde nicht entdeckt und hingerichtet, sondern versteckte sich erfolgreich vermutlich bei Verwandten.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das erste "Wir sind das Volk!" ertönte auf einer Montagsdemo, nachdem ein VoPo der Menge per Megaphon mitgeteilt hatte: "Hier spricht die Volkspolizei!"
     

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