Psychische Belastung von Soldaten 1.WK/2.WK

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von RandomGuest, 3. Oktober 2012.

  1. Hallo liebes Forum!

    Ich lese momentan das Buch "Soldaten" von Sönke Neitzel und Harald Welzer. Als ich gerade einmal auf Seite 98 angelangt war, stellte sich mir eine Frage:

    Wenn es um den 1.WK geht, denkt man sofort an den Grabenkrieg und an Posttraumatische Belastungsstörung, an "Kriegszitterer". Wieso ist dies bei dem 2.WK weniger der Fall? Gab es im 2.WK wirklich weniger psychisch belastete Soldaten? Und wenn ja, warum? Weil die Truppen, außer in Stalingrad, immer in Bewegung waren (Blitzkrieg, Russlandfeldzug)? Weil die Waffen schon weiterentwickelt waren?

    Natürlich gibt es auch vom 2.WK Berichte, Erzählungen, Romane über psychisch kaputte Soldaten (z.B. Trümmerliteratur: Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür"), aber im Geschichtsunterricht ist dieser Aspekt weniger wichtig als im 1.WK.

    Wieso ist das so?
     
  2. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Ich glaube, das ist auch stark eine Wahrnehmungssache. Mir fallen dazu jetzt spontan drei Aspekte ein:

    1. Wie du sagst, war der Zweite Weltkrieg in Europa gegenüber dem Ersten Weltkrieg deutlich eher ein Bewegungskrieg: Grade in den Jahren bis 1942 kamen die Fronten erst nach abgeschlossenem deutschen Feldzug zu stehen - beispielsweise am Atlantik. Als die Alliierten dann landeten kam es erneut zum Bewegungskrieg - und nicht zum Stellungskrieg.

    Allerdings gibt es da auch Gegenbeispiele: Die Gustav- und Gotenlinie in Italien, der Krieg in Nordafrika mit seinen ausgedehnten Minenfeldern und auch langwierige Kesselschlachten wie Stalingrad.

    Ich glaube, dass aber in der Wahrnehmung der Bewegungscharakter überwiegt, grade wegen der populären (i.S. von bekannt, nicht beliebt) Blitzkriege. Und einen Bewegungskrieg verbindet man weniger mit dem bloßen Verschleißen gegnerischen Menschenmaterials - vielmehr ging es um konkrete Ziele, die dann gegenüber dem Abnutzungskampf in den Vordergrund der Wahrnehmung treten.

    2. Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg waren Luftwaffe und Panzerwaffe enorm vorangeschritten. Auch das führte dazu, dass man sich mehr an die "technische Dimension" des Zweiten als an die des Ersten erinnert - was der "menschlichen Dimension" sicher Konkurrenz macht.

    3. Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg wurde der Zweite Weltkrieg von deutscher Seite von einem massenmordenden fanatischen Regime geführt. Wenn man sich an den Zweiten Weltkrieg erinnert, tritt einem - zumindest in Europa - direkt Hitler vor Augen. Grade in den heutigen Schullehrplänen wird dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den individuellen Schicksalen der Soldaten. Auch das führt meiner Meinung nach zu einer Überlagerung in der Wahrnehmung.
     
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  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Und deshalb kann das auch kein Grund sein, warum das Thema "Kriegszitterer" weniger akut gewesen sein sollte. Stellungskrieg und Bewegungskrieg hin oder her. Traumatisch dürfte beides gewesen sein, egal wie das von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

    Aber sicher nicht so direkt im Erleben des einzelnen Soldaten. Dem wird der Fortschritt in der Waffentechnik nicht wirklich ein Trost gewesen sein.

    M. E. ist dieser Punkt ausschlaggebend:

    Zwar stimme ich nicht überein, was den Schulunterricht angeht, denn da hat sich seit den 1950er Jahren durchaus viel getan, was die Thematisierung des Zweiten Weltkrieges angeht. Was die öffentliche Thematisierung eigener (persönlicher als auch gesellschaftlicher) Beschädigungen angeht, so waren die Rahmenbedingungen dafür nach dem Ersten Weltkrieg wohl günstiger, weil schließlich auch die Frage nach der Kriegsschuld offener war, als nach Ende des Zweiten Weltkrieges (da war die Antwort wohl mehr als klar). Und auch die Perspektiven waren andere: Bildete in Weimar der Krieg noch einen konsensfähigen Bezugspunkt für die Tagespolitik (es sei an diverse Frontkämpfer- und Veteranenvereinigungen erinnert), so war die Nachkriegszeit nach ´45 doch stark durch Verdrängung des Geschehenen geprägt. Borchert hat das in seinem Stück übrigens bereits durchaus deutlich gesehen.
     
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  4. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Soweit ich weiß, wird in der Literatur immer betont, daß der 1. Weltkrieg kriegstechnisch einfach eine bedeutende Zäsur darstellt. - Ich meine sogar, daß es sogar schon zu meiner Schulzeit schon Topos war, daß die Kriegsführung grundlegend verändert hatte (prominentes Beispiel war das Senfgas, Einsatz der Maschienengewehre) - die Menschen wurden sowieso schon Ende des 19. Jh. zunehmend anfälliger für nervöse Erkrankungen (so zumindest plausibel dargelegt in Das Zeitalter der Nervosität - Joachim Radkau - Google Books)
    Auch fand ich es im Zusammenhang der Diskussion um die "traumatische Neurose" ab 1919/20 durchaus bestätigt (der Begriff der traumatischen Neurose war der vorläufer der BTBS): http://www.geschichtsforum.de/238489-post3.html
    Ansonsten habe ich diese Fernsehtipps noch über die hiesige Suchmaschine gefunden, eine Dokumentation über Kriegstraumata aus dem zweiten Weltkrieg:http://www.geschichtsforum.de/f319/kriegstrauma-13952/
    http://www.geschichtsforum.de/f319/kriegstrauma-wie-menschen-mit-dem-zweiten-weltkrieg-leben-14236/
    Ich könnte mir vorstellen, daß du darin eine Antwort auf deine erhalten könntest.
    Vorstellbar wäre, daß es auch noch andere soziohistorische Gründe dafür geben könnte, der sich ggf. von der Kritischen Theorie näher erklären ließe. (Dabei denke ich an die geschichtsphilosophische These der Rebarbarisierung der bürgerlichen Kultur oder an das, was Marcuse auf den Begriff der Entsublimierung gebracht hatte.) Ich habe darüber schon lange nicht mehr nachgedacht, deswegen verzeihe man mir diese Andeutung.
    Aber mir ist eben auch der Gedanke gekommen, daß die frühen Psychoanalytiker, die sich mit der traumatischen Neurose beschäftigten, klinisch zwar mit einem Traumamodell arbeiteten, aber theoretisch auf der Grundlage der Freudschen Triebtheorie argumentierten; es kam auch der Begriff der Rentenneurose auf, der quasi den sekundären Krankheitsgewinn betont. (dazu müßte ich allerdings einmal Lorenzer raussuchen, der sich in seiner Anfangszeit seiner sozialwissenschaftlichen Arbeit mit dem Thema befaßt hatte). Jedenfalls gab es innerhalb der Psychoanalyse im Zuge intradisziplinärer Zwistigkeiten seit den 30er Jahre eine Art implizite Norm, überhaupt reale Traumata zu thematsieren, so kam es denn auch innerhalb der Psychoanalyse überhaupt auch relativ spät (eher siebziger Jahre) dazu, daß über die traumatische Belastung der Überlebenden der Naziverfolgungen publiziert wurde und damit öffentlich das "Schweigen" - so ein Romantitel von Joshua Sobol - gebrochen wurde. Wenn man bedenkt, daß es in der Opfergeneration des Nationalsozialismus sehr lange gedauert hat und die Shoah erst in der Generationenfolge aufgearbeitet werden konnte, ist es nicht allzu verwunderlich, daß die Thematsierung in der Generationsabfolge der Tätergeneration grundlegend erschwert ist, angesichts eines Mechanismus', den Mitscherlichs auf den Begriff der Derealisierung gebracht haben (Mitscherlich, Unfähigkeit zu trauern ? Docupedia), daß überhaupt das Thema "Trauma" - zumindest auch in Deutschland diskutiert - in den öffentlichen Diskurs Eingang fand, ist sogar erst seit den 1980er Jahre der Fall.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2012
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  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es hört sich vielleicht merkwürdig an, aber im Gegensatz zum WW1 gab es im WW2 umfangreiche Kriegsgefangenschaft.

    Ein substantieller Teil der Kriegsteilnehmer war über einen langen Zeitraum in Kriegsgefangenenlagern.

    Diese Lager, so meine These, fungieren ungewollt als "Gruppengesprächstherapie", in denen Soldaten entweder verarbeiteten, was sie an Grausamkeiten erlebt haben und es diente der kollektiven Mysthifizierung bzw. Legendenbildung und ermöglichte somit auch eine kollektive Verdrängung von tramatischen Erlebnissen.

    Unabhängig davon wird es eine sehr hohe Dunkelziffer gegeben haben, die ein Leben lang durch die Kriegserlebnisse massive psychische Erkrankungen erlitten haben.

    Erleichtert wurde die kollektive Verdrängung durch die Erfolge beim Aufbau, die den Prozess unterstützt haben.

    Die radikale Desillusionierung der Kriegsteilnehmer mündet ein in die "skeptische Generation", die Schelsky für die Nachkriegsperiode konstatiert und auch den Rückzug auf das Private beinhaltet mit der Tendenz, dass es auch offiziell totgeschwiegen wurde.

    Diskutiert wurde das Buch unter anderen Vorzeichen bereits hier:

    http://www.geschichtsforum.de/f196/...m-k-mpfen-t-ten-und-sterben-37659/#post601173
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2012
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist eine interessante Hypothese. Aber muss man nicht davon ausgehen, dass das im WK I im Unterstand oder in der Etappe genauso passierte?
     
  7. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Die Wehrmacht neigte auch dazu, psychisch Kranke Soldaten zu Drückebergern zu erklären und zurück an die Front zu schicken. Im SPIEGEL special "Hitlers Krieg" wird eine S-Flakbatterie 1000 (o) erwähnt, die vor allem "Zitterer, Schüttler und Stotterer" aufnahme. ( Krankenbataillone - Hitelrs letztes Aufgebot)

    Andere endeten lautdem Krieg vorm Kriegsgericht und in Strafbataillonen. "Mangelnder Gesundungswille sei unter Strafe zu stellen", so ein Zitat.

    Vom Spiegel angeführte Quelle: Rolf Valentin: Die Krankenbataillone. Sonderformationen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

    Ansonsten schliesse ich mich thanepower an: in der Nachkriegsgesellschaft war das kein grosses Thema. Hier wurden m.E. NS-Einschätzungen übernommen. Weichheit war auch unter den Überlebenden des Kriegs kein positiver Charakterzug. Die Psychoten hatten es nicht drauf, waren halt nicht hart genug.

    Systematische ärztliche Betreuung gab´s nicht und damit wurde das Thema wahrscheinlich auch nicht solide erfasst.

    Ein offensichtlich komplett durchgeknallter Stalingradheimkehrer bei uns im Dorf, der permanent die eigene Familie verdrosch und gern auch mit dem KK auf die anrückende Polizei schoss, wurde alle zwei-drei Monate für ein paar Tage ins örtliche Arrestlokal gesprerrt, damit war die staatliche Betreuung erledigt. Fürsorge von irgendeinem der anderen Ostfrontveteranen im Kaff gab´s m.W. auch nie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2012
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Voraussetzungen sind unterschiedlich wäre meine Vermutung. Im WW1, vor Ende des Krieges, gab es keinen Zwang, sich der Niederlage zu stellen und die völlige Sinnlosigkeit der persönlichen Opfer einzugestehen. Das ist natürlich stark vereinfacht und berücksichtigt nicht die massive Auflösungserscheinung des Heeres zum Ende des Krieges 1918 hin.

    Eine Sinnkrise, die für die Teilnehmer des WW2 massiv auftrat. Es war nicht nur sinnlos angesichts des verlorenen Krieges, sondern sie waren stigmatisiert als Soldaten einer Organisation, deren Verhalten als verbrecherisch eingstuft worden ist.

    Das waren ja die strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen der einzelne Soldat zusätzlich litt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2012
  9. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Wenn man sich mt Afghanistan-Heimkehrern unterhält, hört man von der großen Unvereinbarkeit der grausamen Bilder in ihren Köpfen mit der völlig "normalen" und auch sorglosen Lebenswirklichkeit hier. Das bekommen anscheinend einige nicht zusammen und das macht sie im Nachhinein so fertig. Sie können nicht einfach wieder ein normals Leben anknüpfen, so als wäre nichts gewesen. Gleichzeitig erleben sie, dass ihr Umfeld nichts von dem erahnen und verstehen kann, was sie gesehen und gespürt haben.

    Nach dem 2. WK lag das ganze Land in Schutt und Asche. Die Heimkehrer hatten oft noch weitere Schicksalschläge zu verarbeiten, Angehörige verstorben, Haus zerbombt, etc. Aber sie erlebten auch, dass es irgendwie allen gleich ging. Da war keine Normalität mehr. Das einzige was zählte, war zu überleben und wieder irgendwie zur Nomalität zu finden, in dem man anpackt, aufbaut und vergisst. Es blieb vermutlich gar keine Zeit für Depressionen. Es war notwendig, zu funktionieren.

    Nach dem 1. WK ging es den meisten Heimkehrern eher ähnlich wie den heutigen Heimkehrern. So tröstlich es vermutlich gewesen war, dass zuhause noch halbwegs alles in Ordnung war, so befremdlich muss es auch nach den zermürbenden Jahren in Schützengräben gewesen sein.
     
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  10. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Meine Überlegung wäre die, dass ein Mensch in einer psychologischen Überlastungssituation versucht, seiner Umwelt von seinem Stress etwas mitzuteilen. Die Ausdrucksform, die dazu gewählt wird, ist abhängig von seiner sozialen Umwelt und deren Erwartungen.

    Bei Freud traten z. B. Hysterikerinnen durch einen "Veitstanz" in Erscheinung, im Wandel der Zeit hat sich das Krankheitsbild anders geäußert und heute existiert die Krankheit irgendwie nicht mehr so recht.

    Die Zeitskala der Veränderung war ähnlich schnell wie die 25 Jahre, die zwischen den beiden Weltkriegen liegen. Offenbar hatte eine gesellschaftliche Veränderung stattgefunden, die dazu führte, dass sich im 2. WK der Frontsoldat (und die Hysterikerin) einer anderen sozialen und ärzlichen Erwartung ausgesetzt sah, so dass sich die gequälte Seele in anderer Weise Ausdruck verschaffen musste als noch eine Generation zuvor.
     
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  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bei Bartov findet sich der Hinweis, dass die WM-Soldaten teilweise während des Einmarsches in Russland dermaßen psychisch überbelastet waren, dass Gewalt gegen Nicht-Deutsche als Ausdruck der Stressreduktion betrachtet und auch stillschweigend, teilweise akzeptiert wurde.

    In diesem Sinne haben sie sich durchaus unmittelbar "mitgeteilt".

    Ein Aspekt, den die unmittelbare Führung der Einheiten wahrnahm, aber gezielt nicht eingeschritten ist, um keine radikaleren Formen der Zersetzung der Einheiten zu erleiden.

    Wäre sie eingeschritten, wäre fraglich gewesen, ob die militärische Disziplin noch aufrechtzuerhalten gewesen wäre.
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Zumal die Gewalt gegen Nicht-Deutsche ideologiekonform war und in das Bild des Vernichtungskrieges passte.

    M. :winke:
     
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  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Man spricht heute nicht umsonst von der Posttraumatischen Belastungsstörung (engl. Postraumatic Stress Disorder) und vielleicht ließe sich gar anhand des Begriffes "Stress" läßt somit zeigen, wie eng eigentlich gesellschaftliche Phänomene und wissenschaftliche Konzepte miteinander verbunden sind; anhand der Begriffsgeschichte ließe sich vielleicht zeigen, wie diese sich im Zuge des sozialen Wandels verändern oder ggf. ersetzt werden, oder auf andere Phänomenbereiche angewendet werden, die dadurch ggf. wiederum verändert werden. Aber mit meinen mehrfachen anläufen bin ich noch nicht sehr weit gekommen!


    Was verstehst du unter "Veitstanz"? Verwechselt du etwa Freuds Hysterikerinnen, also seine Patientinnen, mit einer von ihm auch durchaus retrodiagnostizierten "Teufelsneurose"? Christoph Haitzmann ? Wikipedia
    Jedenfalls hat er wohl auch den Vergleich seiner Hysterikerinnen mit den Hexen der frühen Neuzeit gewagt. (aber vielleicht irre ich mit damit auch:historicum.net: Hexenverfolgung und Psychoanalyse und verwechsel das mit der "Geschichte der Hysterie":http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Geschichte_der_Hysterie.pdf ) Aber wie dem auch sei, seine Patientinnen hatten keinen Veitstanz aufgeführt (und suggerierte ihnen das nicht unter Hypnose), sondern litten an Lähmungserscheinungen, Tics, Erblindungen, Ohnmachtsanfälle ...

    Letztendlich ist die menschliche Psyche gewissermaßen sehr formbar, so daß man historisch mit Veränderungen von Symtombildern sprechen kann, wie unterschiedliche Epochen je ihre eigenen Sozialcharaktere hervorbringen. Aber ob wirklich die "histrionische Persönlichkeit(sstörung) etwa wirklich ein adquätes Konzept ist, wie Wikipedia nahelegt, bezweifel ich- hier, z. B. http://www.ipp-bochum.de/downloads/histrionische-pd.pdf gleich auf der ersten Seite erscheint mir eher das Gegenteil der Hysterie zu sein: mir fehlt zum Beispiel die Suggestibiltät, die Freud & Breuer beschrieben. Dann schon eher noch die Dissoziative Störung oder borline Störung (nach psychoanalytischem Modell) oder wie wäre es mit der somatoformen Erkrankung Somatoforme Störung ? Wikipedia
     
  14. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Glaube das der Bewegungskrieg schon einen Unterschied gemacht hat. Im 1.WK sind die Soldaten Wochen lang in der Schützengräben gewesen und hatten fast keine Möglichkeit sich zu bewegen. Und wenn dann nur im Graben oder beim Sturmangriff aus dem Graben heraus. Neben der Nervlichen Belastung durch den Lärm beim "Stahlgewitter" fiel den Soldaten die verletzten Kameraden viel stärker auf.
    Durch Bewegung kann man viel an "Stress" oder auch nervlicher Anspannung abbauen. Viele Leute gehen nach einem angespannten Tag, nach der Arbeit joggen um sich abzulenken und die Anspannung abzuarbeiten. Deshalb vermute ich das es im Bewegungskrieg nicht ganz so viele "Kriegszitterer" gab, wie im Grabenkrieg.
    Heute haben die Soldaten in den gepanzerten Fahrzeugen auch kaum noch die Möglichkeit sich zu bewegen, vielleicht treten deshalb die Kriegstraumata auch wieder verstärkt auf.

    Apvar

    P.S. Von meiner Mutter weis ich, das mein Großvater übrigens gar nichts von den Erlebnissen an der Front erzählt hat. Vermute auch das die ehemaligen Soldaten ihre Familien nicht mit den Erlebnissen belasten wollten und auch das ganze nicht noch einmal gedanklich erleben wollten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Oktober 2012
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Aus den Erzählungen von meinen Großeltern und deren "Kriegskameraden" wird deutlich, dass etliche Wehrmachtssoldaten und Kriegsheimkehrer körperlich und psychisch schwer kranke und extrem traumatisierte Menschen waren. Mein Großvater hatte sich in den Pripjetsümpfen das "Wolhynische Fieber" eingefangen, litt an Magengeschwüren und musste jahrelang eine diätische Nahrung zu sich nehmen. Eine längere Kriegsgefangenschaft blieb ihm erspart. Ursprünglich sollte seine Einheit mit der Wilhelm Gustloff evakuiert werden, doch es erging Befehl, dass diese Einheit den Rückzug decken sollte und Zivilisten deren Platz einnehmen sollten. Mit einem kleinen Minenräumboot mogelten sie sich bis kiel durch, wo sie von den Briten gefangen genommen wurden. Darauf sollte der Weg in französische Gefangenschaft gehen, doch gemeinsam mt einem Nachbarn aus dem gleichen Ort sprang er heimlich vom Zug ab. Nach den Auskünften meiner Oma litt er monatelang an Alpträumen und konnte nicht in einem Bett schlafen. Der Nachbar, der mit ihm floh, ist nicht sehr alt geworden und vermutlich an Spätfolgen gestorben, die er sich im Kriegseinsatz zuzog. Frauen, Freunde, Kriegskameraden und Kollegen, die ähnliche traumatische Erlebnisse hinter sich hatten, halfen, kaschierten oder überspielten traumatische Erlebnisse und mieden Klippen, viele Kriegsheimkehrer aber schafften es nie so recht, im Nachkriegsdeutschland der Wirtschaftswunderzeit heimisch zu werden. Es gab viele, die ihren Frust im Alkohol ertränkten, deren Ehen und Partnerschaften zerbrachen und nicht wenige, die sch das Leben nahmen.

    Besonders tragisch war der Fall eines Unteroffiziers, der zu den wenigen gehörte, dem das Ritterkreuz und andere hohe Auszeichnungen verliehen wurden. Mit dem Halsorden war offenbar eine Pension verbunden, und er hat damit seine Hochzeit bezahlt. Dass Ritterkreuz brachte aber kein Glück. Jeder Vorgesetzte sah in ihm nicht einen zufälligen "Helden", der in einer aussichtslos scheinenden Lage Glück hatte, sondern einen schneidigen Krieger, so dass er für jedes Himmelfahrtskommando ausgewählt wurde. Er überlebte den Krieg mit zahlreichen Blessuren. Im Durcheinander des Zusammenbruchs der Ostfront wurde er als vermisst erklärt, und seine Frau nahm sich einen anderen. Für viele Jobs war er als Invalide nicht geeignet, und ein soziales Netz von Freunden, Verwandten und Kriegskameraden hatte er nicht, bzw. wollte/ konnte er deren Hilfe nicht annehmen. Ein Nachbar fand ihn tot, mit allen Kriegsauszeichnungen und daneben ein leeres Röhrchen Veronal (ein starkes Barbiturat)
     
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  16. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Ich bin heute zufällig über diesen Artikel zu kranken in der Wehrmacht gestoßen:

    SPIEGEL SPECIAL 2/2005 - Das letzte Aufgebot

    Auch wenn man bei journalistischen Arbeiten immer vorsichtig sein muss, zeigt es doch, dass das Phänomen keineswegs an der Wehrmacht vorbei gegangen ist.
     
  17. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    ...eine kleine wissenschaftlichere Leseempfehlung zu diesem Thema:
    Die Gesellschaft der Überlebenden

    allerdings sollte man Fremdworte auch mal überlesen können, sonst wirds etwas zäh ;-)
     
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  18. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Nach längerer Abwesenheit melde ich mich auch mal wieder kurz zu Wort. :winke: Zu den psychischen Belastungen der Soldaten im zweiten Weltkrieg kann ich zwar nichts beitragen, weil ich mich mit dem Thema bislang nicht beschäftigt habe, aber zu den Kriegszitteren im ersten Weltkrieg habe ich seinerzeit meine Abschlussklausur geschrieben und noch ein Fragment einer "Musterlösung" auf einem alten PC gefunden, die ich mir mal im Rahmen meiner Klausurvorbereitung erstellt habe. Faul wie ich bin, kopiere ich die einfach mal hier rein. ;)

    1 Einleitung:

    Der erste Weltkrieg, der von Historikern oft nach George F. Kennan als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird unterscheidet sich von früheren Kriegen nicht nur durch seine weite geographische Ausdehnung. Es war auch der erste Krieg, der als sog. „totaler Krieg“ in quasi industriellem Maßstab geführt wurde. Dies bedeutet die kriegsbedingte Nutzung aller gesellschaftlichen und ökonomischer Ressourcen und führte zu Belastungen von Soldaten und Zivilbevölkerung in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

    Welchen körperlichen und psychischen Belastungen vor allem Frontsoldaten ausgesetzt waren, lässt sich feststellen, wenn man ihre Kriegserlebnisse untersucht.

    2. Kriegserlebnis und psychische Belastung.

    An der Westfront kam der Bewegungskrieg nach dem Abbruch der deutschen Offensive rasch zum Erliegen. Stattdessen entwickelte sich, nachdem die deutschen Soldaten den Befehl erhalten hatten, „sich einzugraben“ der Stellungskrieg, der nicht nur an die militärischen Strategen und Taktiker neue Anforderung stellte, sondern auch an jeden einzelnen Frontsoldaten. Erst die Besonderheiten des Stellungskrieges führten dazu, dass die psychischen Anforderungen an die Soldaten so hoch waren, dass sich Kriegsneurosen in einer bislang nicht bekannten Anzahl ausbilden konnten.

    2.1 Quellen zur Erforschung des soldatischen Kriegserlebens

    Um das soldatische Kriegserlebnis erforschen zu können, stehen verschiedene Quellen zur Verfügung. Um die medizinisch wissenschaftlichen Aspekte zu ergründen, können die Akten aus Lazaretten und von Behörden, die mit der Beurteilung und ggf. Entschädigung der Kriegsversehrten betraut waren, eingesehen werden.

    Das Erleben bzw. die Gefühlswelt der Soldaten selbst kann man z. B. aus Feldpostbriefen ableiten. Dabei ist jedoch einschränkend zu sagen, dass diese grundsätzlich der Zensur unterlagen, was bei der Interpretation berücksichtigt werden muss. Auch ist es denkbar, dass von Kriegsneurosen Betroffene dieses Thema aus naheliegenden Gründen wie Scham etc. nicht thematisierten. Es sind allerdings Feldpostbriefe bekannt, in denen die eigene Nervenerkrankung thematisiert wird, z. B. der des Soldaten Franz Müller vom 21.01.1915, den Ulrich in seiner Dissertation zitiert. Müller schildert, wie er nach dreitägiger Überanstrengung im Schützengraben unter gegnerischem Artillerie-Dauerfeuer sich eine Nervenerkrankung zugezogen habe und nun an Lähmungen der Beine und eines Armes leide und nun „zwischen Stühlen, Tischen und Betten herumkrebsen müsse“.

    Viele Soldaten haben nach dem Krieg ihre Erlebnisse literarisch festgehalten bzw. aufgearbeitet. Vereinzelt kann man solchen Büchern auch die besondere Belastung, denen man an der Front ausgesetzt war, entnehmen. Sogar Schilderungen wie Soldaten wahnsinnig werden, tauchen auf. Dies ist umso bemerkenswerter, als diese Bücher meistens aus einer eher patriotischen Sicht heraus verfasst wurden, in der das Thema „Kriegsneurosen“ eigentlich nicht unbedingt zu erwarten wäre. Dass solche „Vorkommnisse“ dennoch erwähnt werden, deutet darauf hin, dass sie einerseits durchaus bekannt waren und andererseits nicht ohne Eindruck auf die Autoren geblieben sein dürften.

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    2.2 Erleben des Stellungskriegs

    Für die Soldaten, die 1914 nur mit einem kurzen Feldzug gerechnet hatten, bedeutete der Stellungskrieg nicht nur eine Umstellung, sondern eine ganz neue „Qualität“ an Anforderungen und Belastungen.

    Nicht nur, dass die Abwesenheit von Heim und Familie nun, ggf. von kürzeren Heimaturlauben unterbrochen, monate- und sogar jahrelang dauerte, waren die Bedingungen mit denen die Soldaten in den Schützengräber fertig werden mussten, in mehrerer Hinsicht extrem. Die Bedrückung, die in den übermannstiefen Schützengräben geherrscht haben muss lässt sich nur schwer beschreiben, zumal wenn der Aufenthalt dort i. d. R mehrere Tage dauerte, in denen sich die Soldaten in unterirdische Tunnels zurückzogen, welche bis zu 40 m tief und einen Kilometer lang waren, wie z. B. der sog. „Kronprinzentunnel“ am Frontabschnitt „Toter Mann“ vor Verdun. Dort hatten die Truppen zwischen den Angriffen unter schwierigsten hygienischen Bedingungen (Latrinenproblem, Ratten- und Läuseplagen) auszuharren, wobei sie nicht selten feindlichem, bis zu 24-stündigem Trommelfeuer ausgesetzt waren, immer in der Angst, bei einem Tunneleinsturz lebendig begraben zu werden. Gefürchtet waren auch Gasangriffe.

    Darüber hinaus wurden die Soldaten mit dem Anblick verstümmelter gefallener oder verwundeter Kameraden konfrontiert und mussten die Hilflosigkeit des Sanitätspersonals erleben, ebenso wie den Mangel an Lebensmitteln und Trinkwasser. Besonders bedrückend muss auch der ohrenbetäubende Lärm gewirkt haben. Artillerie wurde z. B. taktisch oft nicht wegen ihrer verheerenden materiellen Wirkung eingesetzt (die bisweilen auch wegen der gut befestigten Gräben und Unterstände ihre Zerstörungskraft nicht voll entfalten könnte), sondern wegen ihrer demoralisierenden Wirkung auf die gegnerischen Truppen. So seien teilweise extra laut explodierende „Brisanzgeschosse“ eingesetzt worden.

    Viele der später an Neurosen erkrankten Soldaten waren auch verschüttet und lebendig begraben worden und nur äußerst knapp dem Tod durch Ersticken entronnen und konnten dieses Erlebnis nicht ausreichend verarbeiten.

    2.3 Kriegsneurosen

    Es ist nicht verwunderlich, dass viele Soldaten, sowohl auf Seite der Mittelmächte, als auch bei den Alliierten diese Belastungen nicht unbeschadet überstanden.

    2.3.1 Schilderungen von Kriegsteilnehmern

    Soldaten schilderten, dass sie durch die ständigen Monotonie und das Dauerfeuer jegliches Zeitgefühl verloren hätten. Die Einwirkungen des Dauerfeuers wurden mit der der Wirkung von Seekrankheit oder Narkosemedikamenten verglichen, die zu einem Verlust der Selbstkontrolle führten. Auch sei vielfach das Gefühl, Mitleid empfinden zu können verloren gegangen, was sich dann in erhöhter Brutalität äußerte.

    Auch in den oben erwähnten Büchern von Kriegsteilnehmern finden sich teilweise Episoden, in denen beschrieben wird, wie Kameraden wahnsinnig werden. Als Beispiel sei hier das Schicksal des Vizefeldwebels Segmüller erwähnt, das von Ettighofer beschrieben wird: Segmüller verliert nach tage- und wochenlangen Kämpfen am hart umkämpften Frontabschnitt „Toter Mann“ seinen Verstand. Er sieht die Gespenster gefallener und auch anwesender Soldaten, darunter sogar sich selbst am Himmel zwischen all den Leuchtkugeln und Mündungsfeuern kämpfen und leitet daraus seinen baldigen Tod ab. Tatsächlich soll er Tage später „an Gehirnkrämpfen“ verstorben sein. Auch wenn diese Episode in Ettighofers Buch nicht einmal zwei Seiten umfasst, so muss sie, sofern sie sich tatsächlich so abgespielt hat, den Autor tief beeindruckt haben. Immerhin nannte er das Buch nach der Kapitelüberschrift „Gespenster am toten Mann“.

    2.3.2 Der Umgang mit dem Phänomen der Kriegsneurosen

    Anfangs wurde der Krieg noch als Ursache für die außerordentliche Gesundheit im deutschen Heer angesehen, da dieser die Kräfte für außergewöhnliche Leistungen entfesselt habe und natürlich der Aufenthalt an der frischen Luft an sich gesund sei. Der Krieg galt geradezu als das ideale Heilmittel des „nervösen Zeitalters“, das sozusagen eine Modeerscheinung der Vorkriegszeit war.

    Als sich nun die Zahl der Kriegsneurotiker zu häufen begann, deren unkontrolliertes Zittern und Auftreten nicht nur bei der Zivilbevölkerung teilweise für größeres Entsetzen gesorgt haben soll, wie der Anblick von Schwerstverwundeten und Verstümmelten, sondern auch offizielle Stellen vor neue Herausforderungen stellte, war man gezwungen, Lösungswege im Umgang mit diesem Phänomen zu suchen.

    Als Ursache wurde durch die Militärärzte zunächst der schwache oder fehlende Wille der Betroffenen ausgemacht. Dies schien insoweit naheliegend, als oftmals gerade jüngere Kriegsfreiwillige als Kriegsneurotiker auffielen, denen eine entsprechende körperliche und seelische Unreife attestiert wurde. So erklärte z. B. der Neurologe und Generaloberarzt Gaupp: „Das waren jugendliche Psychopathen mit oft noch unausgereiftem Körper und halb kindlicher Seele, die für das harte und furchtbare Zerstörungswerk des Krieges nicht geschaffen waren“.

    Bedenkt man allerdings, dass gerade die Gruppe der jungen Soldaten, die noch keine Familie zu versorgen hatten oft bevorzugt an der vordersten Front eingesetzt wurden, wo sie am intensivsten den Einwirkungen des Krieges ausgesetzt waren, scheint es nicht verwunderlich, dass diese Altersgruppe besonders anfällig für das Auftreten von Kriegsneurosen war.

    Des Weiteren konnte man bei der Diskussion der Ursachen für die Neurosen auf Erfahrungen zurückgreifen, die man in Friedenszeiten im Bereich der Sozialversicherung, insbesondere der gesetzlichen Unfallversicherung gemacht hatte. Hier konnten Neurosen entschädigt werden, wenn sie auf äußere Einwirkungen zurückzuführen waren, wobei der Nachweis hierfür i. d. R. durch medizinische Gutachten erbracht werden musste.

    Als äußere Ursachen für das Auftreten von Kriegsneurosen wurden vor allem Einwirkungen durch Giftgas sowie die Schall- und Druckwellen von Explosionen ausgemacht. Hier hatte man zumindest greifbare Ereignisse, auch wenn sich körperliche Schäden medizinisch nicht ausmachen ließen. Besonders das Gas war eine neue, noch relativ unerprobte Waffe, so dass sich zumindest gewisse Wahrscheinlichkeiten konstruieren ließen, dass Giftgas die Ursache der Beschwerden sein könnte. Betroffene Soldaten wurden dann als nicht weiter kriegsverwendungsfähig aus der Armee entlassen und berentet. Mit zunehmender Zahl von betroffenen begann man diese Haltung allerdings bald zu überdenken. Nun stand das Ziel im Vordergrund, die Berentungen möglichst einzudämmen, einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits, weil die erkrankten Soldaten weiterhin benötigt wurden und deshalb wieder fronttauglich gemacht werden sollten. Die Suche nach der Ursache der Neurosen geriet gegenüber dem Versuch von Therapien in den Hintergrund. Da eine vollständige Heilung zur Wiederherstellung der Fronttauglichkeit nicht unbedingt erforderlich schien, wurde die Ursachenforschung auch als Therapiegrundlage in gewissem Grade entbehrlich. Wichtiger erschien es den Militärärzten, echte Neurotiker von Simulanten zu unterscheiden.

    Therapeutisch stand man den Kriegsneurosen eher hilflos gegenüber. Das Ziel, zumindest die zahlreich vermuteten Simulanten wieder dem Kriegsdienst zuzuführen, dürfte bei der Auswahl der Therapieoptionen eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben, denn ein großer Teil der versuchten Therapien war nicht nur unangenehm oder schmerzhaft, sondern sogar gefährlich.

    Neben Isolation der Erkrankten, lange andauernden Badekuren und Strafexerzieren wurden vor allem Elektroschocks als therapeutische Mittel eingesetzt, wobei Offiziere gegenüber den Mannschaften eine weitaus bessere und persönlichere Betreuung in gesonderten Einrichtungen genossen und auch von den schlimmsten Therapien verschont geblieben sein dürften.


    So, wen das abrupte Ende wundert; an dieser Stelle kam in der echten Klausur noch ein Fazit, das ich je nach Fragestellung und Schwerpunkt behandeln wollte. Was ich tatsächlich geschrieben habe, weiß ich nicht mehr, aber man war ganz zufrieden mit mir... :D

    Viele Grüße

    Bernd

    P. S. Wer sich für meine damalige Literatur zum Thema interessiert, das war sie:

    [FONT=&quot]Berghahn, Volker: Der erste Weltkrieg. München, Verlag C. H. Beck, 2006[/FONT]

    [FONT=&quot]Chickering, Roger: Das deutsche Reich und der erste Weltkrieg. München, Verlag C. H. Beck, 2002[/FONT]

    [FONT=&quot]Eckart, Wolfgang: Die Medizin und der erste Weltkrieg. Pfaffenweiler, Centaurus-Verl.-Ges., 1996[/FONT]

    [FONT=&quot]Eckart, Wolfgang: Wenn die Seele das Herz quält. Nervöse Herzklopfer, Erster Weltkrieg und die Popularisierung der Herzneurose, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2003, Heft 128, S. 2155-2158[/FONT]

    [FONT=&quot]Ettighofer, Paul "Gespenster am Toten Mann". Gütersloh, Verlag C. Bertelsmann, 1937[/FONT]

    [FONT=&quot]Glaser, Georg K.: Geheimnis und Gewalt. Basel u. a., Stroemfeld u. a., 1989[/FONT]

    [FONT=&quot]Hirschfeld, Gerhard; Krumeich, Gerd; Renz, Irina u. a.: Enzyklopädie Erster Weltkrieg 2. Auflage, 2004[/FONT]

    [FONT=&quot]Hofstätter, Peter: Deutsche Wehrmachtspsychologie. München, Verlag für Wehrwissenschaften, 1985[/FONT]

    [FONT=&quot]Leese, Peter: Shell Shock: Traumatic Neurosis and the British Soldiers of the First World War[/FONT][FONT=&quot], Palgrave Macmillan, 2002[/FONT]

    [FONT=&quot]Menke, Josef: Ohne Waffe. Das Kriegserlebnis eines Priesters, Paderborn, Verlag Ferdinand Schöningh, 1930[/FONT]

    [FONT=&quot]Pintschovius, Karl: Die seelische Widerstandskraft im Kriege, Berlin, Hugo, 1942[/FONT][FONT=&quot]
    [/FONT]
    [FONT=&quot]Schaffellner, Barbara: Unvernunft und Kriegsmoral am Beispiel der Kriegsneurose im ersten Weltkrieg, Münster, 2005 [/FONT]

    [FONT=&quot]Seldte, Franz: Fronterlebnis. Leipzig, Verlag K. F. Köhler, 1930[/FONT]

    [FONT=&quot]Shephard, Ben: A War of Nerves. Soldiers and Psyciatrists in the twentieth Century. Cambridge, Mass., Harvard Univ. Press, 2001[/FONT]

    [FONT=&quot]Ulrich, Bernd: „Kriegszitterer“. Mobilmachung der Seelen: Eine kurze Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie, in: Die Zeit. 17/1997: "Kriegszitterer" | Literaturbeilage/politisches buch | ZEIT ONLINE[/FONT]
     
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  19. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Luis Trenker (sic!) beschrieb die psych. Verfassung der Soldaten im 1. Weltkrieg in einem der Alpenforts, wo man massiven Beschuss in den Betonkasematten aushalten musste - eine Situation, die den erwähnten Tunnels / Laufgräben ähnlich ist.
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Heute sprechen wir vom "posttraumatischen Belastungssyndrom".

    Geändert hat sich in 100 Jahren nichts und die Ärzte stehen dem Krankheitsbild nach wie vor ziemlich hilflos gegenüber - erschütternde Berichte betroffener amerikanischer Soldaten aus dem Irak und Afghanistan zeigen das in aller Deutlichkeit.
     

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