Quedlinburg - Klein aber Historisch

Dieses Thema im Forum "Ausstellungen | Historische Sehenswürdigkeiten" wurde erstellt von Blücher, 4. April 2005.

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Welche ist die schönste Fachwerkstadt Deutschlands

Diese Umfrage wurde geschlossen: 19. April 2005
  1. Goslar

    2 Stimme(n)
    18,2%
  2. Fritzlar

    0 Stimme(n)
    0,0%
  3. Quedlinburg

    3 Stimme(n)
    27,3%
  4. Nördlingen

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  5. Ulm

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  6. Einbeck

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  7. Herfort

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  8. Stollberg

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  9. Celle

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  10. Hildesheim

    0 Stimme(n)
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  11. Wernigerode

    1 Stimme(n)
    9,1%
  12. Andere

    5 Stimme(n)
    45,5%
  1. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Hallo,
    unter dem Thread hist. Sehenswürdigkeiten wollte ich mal meine Heimatstadt Quedlinburg anpreisen.
    Hier passt das Stichwort "Klein aber Oho", jedenfalls im historischen Sinne. Quedlinburg eine Stadt mit hoher Bedeutung im Mittelalter. Als Örtlichkeit der Osterpfalz und der Osterreichstage der Ottonen erlangte Quedlinburg als größtes Flächendenkmal Deutschlands und Weltkulturerbe der Unesco Bedeutung. Als Stadt mit der zweitgrößten "Fachwerkhäuserpopulation" (ca. 1400 an der Zahl) nach Goslar und einer absolut einladenden Innenstadt ist Quedlinburg ein reizvoller Ort für sagen wir ein Wochende um sich etwas weiter zu bilden. Jedoch darf man nicht nach Kino oder anderen "üblicheren" Erholungsäquivalenten suchen, dafür ist die Gastronomie bombig.
    Im 2. WK nicht beschädigt ist Quedlinburg gut in Schuss und lohnenswert.

    Ich will aber nun nicht zu viel erzählen sondern wollte es nur mal eben schmackhaft machen. Vielleicht verirrt man sich ja mal...
    Danke fürs lesen!

    Blücher!:)
     
  2. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Blücher, ich bin mit meiner Verwandtschaft zu DDR-Zeiten auf dem Weg nach Wernigerode an Quedlinburg vorbeigefahren. Es sah imposant auf dem Berg aus, leider machten meine Verwandten dort nicht Rast. Vielleicht war zu diesen Zeiten die Stadt nur vom Verfall bedroht und sie sahen keinen Grund dort zu halten. Aus einiger Entfernung sah die Sadt damals schon imposant aus. :)
     
  3. manganite

    manganite Neues Mitglied

    In der Tat. Einige Bausuenden aus der Nachkiregszeit gibt es dort jedoch auch, ab und zu taucht dann mal ein im Vergleich zu den schoenen Fachwerkhaeusern doch sehr haessliches Gebaeude auf. Das ist sehr schade, dass man da nicht mehr Fingerspitzengefuehl gehabt hat. Obwohl es natuerlich auch viel schlimmer haette kommen koennen...
     
  4. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    In anderen Städten hat man zu DDR-Zeiten ganze Viertel bewußt verfallen lassen, um sie danach abreißen zu können und dann "formschöne" WBS70-Blöcke hinsetzen zu können. Das ist in mehreren Städten auch umgesetzt worden, in Zwickau ist die komplette Innenstadt östlich des Hauptmarktes mit noch nahezu vollständig erhaltener historischer Bausubstanz Anfang der 70er abgerissen worden, jetzt stehen dort 4-11 geschossige Plattenbauten.

    Einige Innenstädte waren 1989 dermaßen marode, dass der Abriss kurz bevor stand - teilweise stehen die Ruinen immer noch in den Städten aber das hat andere Ursachen.

    Jedenfalls haben historische Städte wie Quedlinburg, Meißen oder Brandenburg sehr viel Glück gehabt, dass die Rettung in letzter Minute doch noch kam.

    Aber bevor jetzt einer denkt, ich hacke nur auf den Bausünden der DDR herum, auch im Westen wurde nach dem Krieg jede Menge historisches bewusst der Modernität geopfert - und die Ausrede mit den Bombenzerstörungen zählt nur bedingt, wenn man gewollt hätte, hätte man vieles retten können. Wirkliche Musterbeispiele an gekonntem Wiederaufbau haben da z.T. die Polen geleistet, wenn man sich heute Städte wie Warschau oder Danzig ansieht.

    Jetzt habe ich aber weit ausgeholt, jedenfalls: Fahrt nach Quedlinburg, dort kann man den Hauch der Geschichte noch spüren. :yes:
     
  5. Livia

    Livia Mitglied

  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Es gibt sicher einige Bausünden, da muss ich dir recht geben. Allerdings wurde Quedlinburg nicht umsonst zum Weltkulturerbe der UNESCO.
    Das man heute keine Häuser mehr bauen kann wie vor 500 Jahren, dürfte auch Laien klar sein.
    Ich persönlich finde alte Fachwerkhäuser, die über Jahrhunderte eine Bodenabsenkung erfahren durften, sehr imposant. Von aussen macht das schon was her, wie z.B ein S aussehender Mittelbalken. Wie dann ein Fussboden aussieht, auf dem die Deckenbalken da aufliegen, kann sich jeder vorstellen. Das dann von Zeit zu Zeit auch einmal ein nichterhaltenswertes Gebäude aus dieser Zeit abgerissen werden muss, tut zwar weh, ist aber nicht zu ändern.
    Es macht auch keinen Sinn in dieser Baulücke ein Immitat zu schaffen. Das würde mehr als lächerlich wirken.
     
  7. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Immitat natuerlich nicht, aber eben ein bischen Fingerspitzengefuehl...

    Ich glaube, es waere auch gar nicht so schlimm, wenn nicht ansonsten fast alles stehengeblieben waere, so fallen dann die einzelnen Neubauten umso mehr auf...
     
  8. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Das timmt! Ich frage mich manchmal wie man an die Grenze der Altstadt Einen Rewemarkt bauen kann der aussieht wie ein Bunker. Oder zwischen zwei wundervollen Fachwerkhäusern ein weiteres vollkommen verkommen lassen kann.
    Aber das "Unschöne" kommt nicht aus Kriegszeiten, es wurden insgesamt nur 2 Artellerieschüsse auf QLBabgefeuert...

    Aber...

    Ich weiß nicht wann Manganite das letzte Mal hier war. Es tat und tut sich einiges.Viele Baugelder werden in die altstädtischen Fachwerkhäuser gesteckt, manche auch jährlich um immer wieder die gleiche Straße aufzureißen aber das steh hier nicht zur Debatte. Jedenfalls sind es auch nicht immer "GROßE" Dinge die man betrachten sollte sondern auch die Eigenarten und kleine Details.
    Dazu zählen Einzigarten wie:
    -das schmalste Fachwerkhaus Deutschlands mit einer Breite von ca. 1.90m.
    -der Ständerbau-total verschoben und ineinander gesagt.
    -eine feststeckende Kanonenkugel in der "Adler und Rats Apotheke" die noch aus dem Zwist der Reichsautonomie zwischen Äbtissin und Bürgerschaft 1477 herrührt.
    -der lange Schuhof oder das "domus infernalis"-das Höllenhaus
    -aber auch kunstvoll geschnitzte Runen in den Ackerbürgerhäusern im zweiten Stadtringwelche wundervoll bemalt sind und an denen sich Wein empor rankt.

    Man sollte Quedlinburg im Sommer besuch um das zu sehen und um die vielen neckischen Höfe zu begutachten im Winter wo die Weihnachtszeit Advent in den Höfen einläutet...

    Aber man sollte nicht an die Stadtränder gelangen, sie bringen ein nicht um, aber wie jede Stadt hat auch Quedlinburg Ecken denen es an Schönheit mangelt.

    Blücher!
     
  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    Da darf aber heftig gestritten werden:
    Das "Bügeleisenhaus" ist das schmalste Fachwerkhaus der Stadt und dürfte mit dem "Finkenherd" in Quedlinburg darum streiten, das schmalste Fachwerkgebäude Deutschlands zu sein.
    Wimpfen

    Bad Orb:
    Sie entdecken nicht nur die Altstadt und das schmalste Fachwerkhaus in Hessen mit nur 1,58 m Breite.
     
  10. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Der Finkenherd war aber gar nicht gemeint der ist über zwei Meter breit, jedoch machte auch ich den Fehler die breit falsch angegeben zu haben. Es ist schmaler, es war 1.70m, es war was ungrades, jedoch ist es dann immer noch breiter als das Hessische Äquivalent. Aber nahe dran!
     
  11. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Dezember 2003...

    Und es hat mir auch sehr gefallen, aber es betreubt einen dann eben, wenn man oben an der Burg steht und hinunterschaut, wie dann einzelne haessliche Bauten aus dem sonst so schoenen Stadtbild herausragen...

    Es ist halt so, wenn man wenig Schoenes inmitten von viel Haeslichem sieht, dann freut man sich, dass es doch noch was Schoenes gibt, aber ein Fleck auf einer ansonsten weissen Weste, faellt halt genauso auf und truebt das Bild...

    Bei der Abstimmung fehtl meiner Meinung nach uebrigens Rothenburg ob der Tauber, da war ich zwar zuletzt als Kind, habe es aber in sehr guter und schoener Erinnerung.
     
  12. Arne

    Arne Premiummitglied

    Nicht nur Kaisern und Königen, Himmler pilgerte auch zum Grab von Heinrich I. (der Vogler), der im Quedlinburger Dom begraben ist.

    Quedlinburg und Wernigerode sind auf jeden Fall eine Reise wert. Schöne Städte, die unbedingt erhaltenswert sind. In Quedlinburg ist übrigens auch die Lyonel-Feininger-Galerie, die man sich dabei nicht entgehen lassen sollte.
     
  13. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Jedoch nutzte er dann die Stiftskirche als Germanenkultstätte der SS. Im Geburtshaus des Dichters Kloppstock war er übrigens auch...
    Wenn man die Kunst des Feininger mag dann ist es auch ne Reise wert, jedoch sind die Geschmäcker in solcher Hinsicht verschieden!
     
  14. Arne

    Arne Premiummitglied

    Selbstverständlich! Mich reissen seine Zeichnungen auch nicht zu Begeisterungsstürmen hin, jedoch ist der in der Kunstszene so bekannt, daß man seine Sachen mal angesehen haben sollte und wann hat man schon mal "in der Provinz" (Entschuldige ;) ) die Gelegenheit Werke eines Großen der Kunst zu finden.
     
  15. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Ja, es ist ja auch die Provinz, das merkt man auch daran dass es neben einer Galerie in welcher Gemälde bzw. Zeichnungen von Feininger hängen auch ein Holzwurmmuseum gibt. Das sind solche krassen Gegensätze in Sachen kulturelle Bildung.
    Jedoch ist auch das Schloßmuseum und das Museum der Stiftskirche, Quedlinburg hat aber keinen Dom, sehr ansehnlich... :)
     
  16. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Wie schon Blücher richtig schrieb, hat Quedlinburg keinen Dom, da es zum Bistum Halberstadt zählte. Die Häufigkeit der Anwesenheit deutscher Könige hat weniger etwas damit zu tun, daß es ihnen hier gefiel, sondern mehr mit der strategischen Bedeutung, die Quedlinburg innerhalb der liudolfingischen Hausgüter hatte. Auch lag es eben günstig gelegen, um auf den stetigen Zügen durchs Reich Rast zu machen.
     
  17. Arne

    Arne Premiummitglied

    Scheint aber ein häufiger Fehler zu sein - nicht nur auf der offiziellen Tourismus-Seite von Quedlinburg - bei Google kommen über 24.000 Einträge. Aber auch diese, die das etwas erklärt:
    http://www.quedlinburgweb.de/qlb/allerlei/dom/zuqlb.htm
    :cool:
     
  18. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Das ist leider vollkommen falsch. Quedlinburg gehörte nie zum Bistum Halberstadt. Der Halberstäder Bischof hätte das gerne so gehabt aber es ist falsch. Quedlinburg unterstand nur dem Kaiser. Und die Äbtissinen Quedlinburgs unterstanden nur dem Kaiser. Daher entstand ja auch ein komplizierter Konflikt.
    Zum einen hatte die Äbtissín ihren Schutzvogt den Raubgrafen zu Regenstein in Blankenburg und die Quedlinburger den Hlaberstädter Bischof, das sorgte für Zwist zwischen dem Raubgrafen und Halberstadt, Quedlinburger Bürger und Äbtissin, Äbtissin und Bischof von Halberstadt sowieso weil das Stift Quedlinburg ja nicht zur Halberstädter Diozöse gehört und Quedlinburg und Raubgraf. Der Raubgraf wurde auch später gefangen und im Raubgrafenkasten auf dem Markt ausgestellt. Diese Kasten ist auch im Schlossmuseum zu bewundern.
    Hauptsächlich gipfelte der Streit zwischen Äbtissin und Quedlinburgern im Reichsautonomiestreit wo Quedlinburg freie Reichstadt werden wollte. Jedoch hatte die Äbtissin als solche kein Mittel, aber Hedwig von Sachsen(Äbtissin) hatte zwei Brüder Ernst und August von Sachsen welche dann 1477 die Stadt "befriedigten..."

    jedenfalls...

    gehörte Quedlinburg nie zur Diozöse Halberstadt, das ist falsch!

    Das mit der Pfalzherrschaft stimmt wieder. In der Nähe liegt ja auch Gernrode. Benannt nach dem Mark und Grenzgrafen Gero, welche im 10. Jahrhunderts dort ca. 48 slawische Stammesherrscher Rücklings ermorden ließ, daraus folgte dann der Überfall der Ungarn der mit dem deutschen Sieg auf dem Lechfeld endete!
    Blücher!
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2005
  19. Alraune

    Alraune Neues Mitglied

    Bewundert viel und viel gescholten-Quedlinburg!
    Aus meiner Perspektive betrachtet eine schöne, wenn nicht gar DIE schönste Fachwerkstadt in Deutschland. Originelles(schmalstes Haus, Kanonenkugel der, wenn ich mich nicht täusche,"faulen Grethe" in der Hauswand) trifft auf romantische Gässchen und faszinierende Zeugnisse mittelalterlichen (Aber-)Glaubens, wie offensichtliche Pentagramme im Jahrhunderte alten Holz eines Fachwerkhauses.
    Eine wirklich interessante, schöne Stadt, wenn man über den Norma oder Rewe hinwegsieht und stattdessen seine Aufmerksamkeit auf die von Blücher genannten Kuriositäten und Sehenswürdigkeiten richtet.
    Übrigens ist das Bier ebenso empfehlenswert!
     
  20. Blücher

    Blücher Neues Mitglied

    Das vergaß ich zu erwähnen unser vorzügliches aber überhaupt nicht bekanntes Dunkelbier "Pup-Arsch-Knall"!!
    Gebraut in der Lüddebrauerei seit Ende des 19.Jhd. ein Bier für die Feldarbeiter und Bauern ehemals und nun in einer gemütlichen manchmal etwas lauten Kneipe zu genießen. Es hat eine Stammwürze von 5,5% und einen Alkeholgehalt von 1,4%, durfte ja nich so sonderlich müde oder berauschend machen.
    Dazu auch eine Stärkere Variante der "Knuttenfurz", mit einer Stammwürze von 11,6% und 5,6% Alkehol, dazu eine leckere Laugenbrezel und der Abend kann ausklingen...
     

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