Reichsfeinde im Wilhelminischen Kaiserreich und der Weimarer Republik

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Samfisher, 25. April 2008.

  1. Samfisher

    Samfisher Gast

    Reichsfeinde im Wilhelminischen Kaiserreich und der Weimarer Republik

    Hallo zusammen!
    Obige Themenstellung ist mein Thema für die Präsentationsprüfung im Abitur. Leider liegen die entsprechenden Unterrichtsinhalte schon etwas zurück, so dass ich mich alles andere als gut vorbereitet sehe. Mir fallen als Feinde z.B. Parteien wie die Kaisertreuen oder das Zentrum ein. Diese waren doch Feinde im Kaiserreich, oder? Die SPD war doch damals auch kritisch eingestuft, soweit ich mich erinnern kann? Die Kirchen haben doch meines Wissens nach auch noch eine Rolle gespielt?
    In der Weimarer Republik waren die Feinde dann die Nationalsozialisten und die Kommunisten, oder?

    Ihr seht schon, ich bin vor lauter Stress schon ziemlich durcheinander. Vielleicht kann mir hier der ein oder andere nochmal etwas auf die Sprünge helfen, welche Gruppierungen hier in welcher Periode als Reichsfeinde einzustufen waren? Das wäre wirklich super!

    Vielen Dank schon mal im Vorab!
    Sam
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Mai 2008
  2. Tekker

    Tekker Gast

    Das habe ich in der Tat bemerkt:
    Kannst du dir diesen offensichtlichen Widerspruch schon selbst beantworten? ;)

    Als "Feinde des Reichs" sind mir zu Kaisers Zeiten die SPD, das Zentrum sowie Dänen, Polen, Elsaß-Lothringer und Welfen geläufig.
    Zu Weimarer Zeit waren es dann wiederum die Konservativen (Monarchisten) wie die DNVP und die bereits von dir genannten Nationalsozialisten und Kommunisten. :)
     
  3. Gast

    Gast Gast

    Eieiei, das ist ja alles schlimmer, als ich dachte! :D Ich bin wirklich verwirrt... dass das keinen Sinn ergibt, ist natürlich klar. ;-)
    Also, wenn wir das Augenmerk nur auf die inneren Reichsfeinde legen, dann hätten wir also folgende Konstellation:

    Kaiserreich: Zentrum, SPD
    WR: Konservative (Monarchisten) [und da dann vielleicht eher die Kaisertreuen?], die DNVP, Nationalsoialisten und Kommunisten

    Soweit alles korrekt? So sieht das doch schon viel geordneter aus - und vor all Dingen liest es sich doch eindeutig logischer! ;-)
    Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für deine Hilfe!
    LG,
    Sam
     
  4. Tekker

    Tekker Gast

    Nein, leider nicht...

    Die nat. Minderheiten (s.o.) solltest du dabei nicht unterschlagen. ;)

    Monarchisten sind ja gerade die "Kaisertreuen"! Und die Partei wiederum, in der sich diese Strömung sammelte und manifestierte, war eben die DNVP. Ist dir der Zusammenhang nun klarer? :)
     
  5. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Wenn ich dir einen Tip geben darf: Bei der Ausarbeitung der Präsentation kommt es vor allem darauf an, dass du zwischen beiden Staaten unterscheidest:

    Wer war im Kaiserreich Staatsfeind und ist es in der WR nicht mehr?
    Wer war im Kaiserreich keine Staatsfeind und wurde es in der WR?
    Wer war in beiden Staaten Staatsfeind?

    Und dann musst du natürlich auch erklären, weshalb sich der Status änderte.
     
  6. Samfisher

    Samfisher Gast

    @ Tekker:
    Schwere Geburt, aber jetzt habe ich es verstanden, vielen Dank für deine Mühe & Geduld! ;-)

    @ TGDarmstadt:
    Richtig, so hatte ich es auch geplant: Quasi eine Gegenüberstellung mit den Fragen, wie du sie genannt hast. Ich hoffe, dass ich zur letzten Frage im Laufe des Tages gute Antworten finde, heute gehts so richtig los! ;-)

    Weiß denn jemand von euch noch, ob auch religiöse Gruppierungen eine Rolle spielten? Mein Lehrer nannte mir unter anderem die Katholiken, allerdings habe ich dazu bisher beim Recherchieren nichts gefunden.
    Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für eure Hilfe! =)
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Stichwort "Kulturkampf", "Ultramontanismus" etc. Das Zentrum war die erste Volkspartei, d.i. eine Partei, die alle sozialen Schichten umschloss (andere Parteien waren eher nach sozialen Interessengruppen aufgespalten), aber das Zentrum war eine katholische Partei. Das Polenproblem war - abgesehen von der behinderten nationalen Eigenständigkeit der Polen - auch ein konfessionelles Problem: Hier das protestantische Preußen - dort die katholischen polnischen Untertanen im polnischen Teil Preußens.
     
  8. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Katholiken und der Kulturkampf sind ein zentrales Kapitel der Innenpolitik des Kaiserreiches. Sehr beliebt für den Unterricht ist diese Karikatur. Die Personen sind Bismark und Papst Pius IX.

    Mache dir erstmal klar, worum es im Kulturkampf ging. Links dazu hast du ja schon und im Schulbuch steht garantiert auch was dazu.
    Danach schaust du, welche Rolle die Zentrums-Partei in der Weimarer Republik gespielt hat. Anhand dieses Beispiels kannst du die Grundidee des Referates, die Situation im Kaiserreich und in der WR vergleichen.

    Wenn du am Ende noch besonders Punkten willst, kannst du auch einen Gegenwartsbezug herstellen: Gibt es auch in der BRD Parteien die anderen Parteien als undemokratisch oder als Staatsfeinde gelten? Und hat sich deren Status im Laufe der Jahre geändert?
    Wenn du daran Interesse hast, helfe ich dir gerne weiter, dann aber per PM um keinen Ärger mit den Moderatoren zu bekommen (wg. tagespolitischer Diskussion).
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2008
    1 Person gefällt das.
  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Die Lektüre der Enzyklika „Quanta Quara“ und der Enzyklika „Syllabus errorum“ von 1864 gewährt dir interessante Einblicke in die Positionen der römischen Kurie. Aber auch das „Unfehlbarkeitsdogma“ welches am 18.Juli 1870 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil verkündet worden war, verdient Beachtung.
     
  10. Samfisher

    Samfisher Neues Mitglied

    So, ich habe mich dann doch auch mal angemeldet.. das Forum gefällt mir. ;-)

    @El Quijote
    Danke für die Stichwörter, jetzt versteh ich den Konflikt!

    @TGDarmstadt
    Ich werde mich jetzt erstmal mit Lesestoff zudecken und mich einlesen, und dann vielleicht gerne nochmal auf dein Angebot zurückkommen bzgl. dem Bezug auf heute!

    Ich lese mich jetzt erstmal durch die zahllosen Artikel im Internet & Geschichtsbuch, und werde mich dann sicher nochmal zwecks Einzelfragen melden! Vielen Dank für eure ausführliche Hilfe! :winke:
     
  11. Samfisher

    Samfisher Neues Mitglied

    Ich habe unter folgendem Link ( rbb Preußen-Chronik | Begriff: Reichsfeind ) noch diese Behauptung gefunden:

    "Reichsfeind: In der Ära Bismarck sowohl die Sozialisten als auch die Kommunisten."

    Die Kommunisten sollen also Reichsfeinde des Kaiserreiches gewesen sein. Leider finde ich dazu keine weiteren Informationen, eben nur auf dieser Seite. Dementsprechend bin ich etwas verunsichert, ob diese Information stimmt, denn bisher war mir das nicht geläufig. Weiß jemand von euch, ob da was Wahres dran ist?
     
  12. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Kommunisten waren dem Kaiserreich mit Sicherheit feindlich gesonnen, es ist nur fraglich ob sie eine aktive Organisation bildeten, die wirklich ein Problem für den Kaiser darstellte (wie damals die SPD oder in Weimar dann die KPD).
     
  13. Samfisher

    Samfisher Neues Mitglied

    Eben, das erschloss sich mir nämlich auch nicht so ganz. Ich werde die Kommunisten nur bei der Weimarer Republik erwähnen, bei 15 Minuten hab ich sowieso nicht großartig Zeit für Ausschweifungen, das wird ja so schon eng genug! ;-)
    Danke & einen schönen Sonntag!
     
  14. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Das Problem mit den Kommunisten ist, dass es im Kaiserreich keine Kommunistische Partei per se gab. Die SPD und ihre Vorgänger verfolgten zwar das Ziel, eine sozialistische Gesellschaft zu schaffen, entscheidend ist jedoch der Weg, auf dem dies erreicht werden sollte.

    Daher solltest du bei deinem Referat schon auf Kommunisten im Kaiserreich eingehen. Diese hatten ganz klare Vorstellungen, wie die neue Gesellschaft aussehen sollte und auch, wie sie dieses Ziel erreichen wollten: Durch eine gewaltsame Revolution des Proletariats. Gerade bei der Wahl der Mittel unterschieden sich Kommunisten deutlich von der SPD, was den unterschiedlichen Status in der WR erklärt.

    Es wäre auch interessant die Frage zu stellen, wie sehr sich die verschiedenen Parteien in der Endphase der Weimarer Republik für die Demokratie einsetzten. Man denke nur daran, dass die SPD-Abgeordneten als einzige gegen Hitler Ermächtigungsgesetz stimmten, während sich alle anderen Parteien stillschweigend Hitler beugten.
     
  15. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Wobei an die Stelle wieder der Hinweis gehört, dass die KPD vermutlich sicherlich gestimmt hätte, wenn sie noch Abgeordnete gehabt hätte.
     
  16. Samfisher

    Samfisher Neues Mitglied

    Richtig, die KPD gab es so in der Form im Kaiserreich noch nicht, da sie ja erst nach der Trennung der SPD in MSPD und USPD aus eben dieser USPD heraus entstand. Das sollte ich so sicherlich mit einbringen. Mein Problem liegt im Moment nicht an der Stoffsammlung, sondern leider am Zeitmangel, denn die 15 Minuten für die Präsentation sind recht knapp bemessen, so dass ich gar nicht alles einbringen kann. Für mein eigenes Wissen ist das alles sicher sehr hilfreich (auch, wenn ich an das anschließende Colloqium denke!), aber ich muss wirklich zusehen, dass ich jetzt die wesentlich wichtigen Aspekte und Punkte herausarbeite, denn sonst rede ich in der Prüfung noch an der Fragestellung vorbei. ;-)
     
  17. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Du hast es erfasst! Jetzt kommt es darauf an, das Wesentliche herauszuarbeiten und Nebensächliches wegzulassen. Also musst du dir klar werden, was dir wichtig ist.
    Schreibe dochmal eine Gliederung des Referats, wie du dir es vorstellst. Wir sagen dir dann, ob die Gliederung in der Zeit zu schaffen ist und ob du Teile weglassen kannst.
     
  18. Samfisher

    Samfisher Neues Mitglied

    Ich hatte mir meine Gliederung in etwa so vorgestellt:

    1) Kurze Einleitung „Wilhelminisches Kaiserreich“ und „Weimarer Republik“ (derzeit ca. eine Seite, muss ich zum Vortrag kürzen. Inwieweit kann ich hier Wissen voraussetzen? Nicht, dass ich nachher wichtige Aspekte weglasse!)
    2) Auflistung der Reichsfeinde (innere/äußere) (1/2 Seite)
    3) Warum sahen die jeweiligen politischen Herrscher die bestimmten Gruppierungen als „Reichsfeinde“ an? (+ Wahlplakate!)
    4) Verfassungsgeschichtlicher Rückblick & Wie heute einzuordnen?

    Was haltet ihr von dieser Aufteilung? Die Zeit ist halt wirklich knapp bemessen, Aufgabe 3 und 4 sind die wichtigsten und beanspruchen demnach viel Zeit. Bei 15 Minuten müsste ich Aufgabe 1 und 2 am besten in 3-4 Minuten abwickeln, um dann genug für 3 und 4 zu haben. Ich merke, dass ich im Moment zu viel aufschreibe, was zwar wichtig ist, aber eben nicht genau die Fragestellung berücksichtigt. Da werde ich viel kürzen müssen.
     
  19. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

  20. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Im Kaiserreich war die SPD eine marxistische Partei, die (zumindest im Parteiprogramm) Revolution, Sozialismus & Kommunismus befürwortete; dass das dann 1918 nicht umgesetzt wurde ist eine andere (spannende) Frage; zumindest für das 19. Jh. existiert die Spaltung der Arbeiterparteien in Sozialisten (bzw. Sozialdemokraten) und Kommunisten noch nicht.

    Würde ich bei 15 min. von abraten; der Anarchismus hatte in Dtld. nie eine große Anhängerschaft oder einen irgendwie gearteten Einfluss, und ich denke mal, es ging um die "gefährlichen Reichsfeinde".

    Sagt der Anarchist zum Kommunist: Was ihr macht, dass führt nicht zur Freiheit, sondern in eine neue Diktatur!
    Sagt der Kommunist zum Anarchist: Mag ja sein, aber was ihr macht führt zu gar nichts.

    P.S.: Da in einem von Ingeborgs Links die Sozialistengesetze erwähnt werden: Die trafen bestimmt auch die meisten Anarchisten; diese wurden im Gesetzestext aber mWn nicht erwähnt.

    Und übrigens, Anarchismus bei Wikipedia: Die ham ihr eignes: Main Page* - Anarchopedia
    ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Mai 2008

Diese Seite empfehlen