Republikaner in der Weimarer Republik

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von mad wurst, 22. Oktober 2005.

  1. mad wurst

    mad wurst Neues Mitglied

    Hi Leute

    ich hab jetzt einige Texte über die Weimarer Republik gelesen aber ich finde nirgendwo anzeichen für "richtige" Republikaner. Weiss da vielleicht einer von euch mehr?
     
  2. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Was verstehst Du unter "richtigen" Republikanern?
     
  3. admiral nelson

    admiral nelson Neues Mitglied

    Naja, man sprach nicht umsonst von der Republik ohne Republikaner;)
     
  4. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    träger der republik waren die spd, das zentrum und die ddp (später staatspartei) und -mit abstrichen- auch noch die dvp. jedoch erwiesen sich auch diese parteien als nicht hinreichend demokratiefähig, in dem sinne, daß ideologische belange einer zielgeführten kompromisfindung, wie sie fürs funktionieren einer parlamentarischen demokratie erforderlich sind, oft im wege standen (scheitern der letzten parlamentarischen regierung (müler) an "pille-palle").
    welche parteien wirklich voll zur republik standen, kann man m.e. daran sehen, wie die parteien sich verhielten, als es "um die wurst" ging, siehe hierzu den thread zur verabschiedung des ermächtigungsgesetzes(http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=7972). den versuch, die republik zu verteidigen unternahm nur die spd.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Oktober 2005
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    ok, aber:
    ist schlicht falsch, siehe Link
     
  6. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    So pauschal muß man das nicht unbedingt sehen. Der Staat war ja zum Zeitpunkt der ominösen Abstimmung schon drei Jahre lang und in zunehmendem Maße autoritär regiert worden, und zwar von Kräften, die von ihrer Gesinnung her irgendwo zwischen "konservativ" und "kaisertreu" anzusiedeln waren- also keine Fürsprecher der parlamentarischen Demokratie- die sich aber zunächst mit den demokratisch gesinnten Parteien in einem einig waren: Die Nazis dürfen keinesfalls an die Regierung. So kam es, daß selbst die SPD lange Zeit die Präsidialkabinette als das "kleinere Übel" hinnahm, was allerdings nicht von allen Fraktionsmitgliedern befürwortet wurde. Als Hindenburgs Gefolgsleute um Papen schließlich Hitler "engagierten", merkte man wohl auch im bürgerlich- demokratischen Lager, daß die Entwicklung aus dem Ruder zu laufen drohte. Das Parlament hatte aber längst nicht mehr die Macht, die es in einer funktionierenden Republik gehabt hätte, und Hitler hatte wohl auch für den Fall der Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes gedroht, den Staatsnotstand auszurufen und ohne gesetzliche Grundlage zu regieren. So konnte man auch hier nur das kleinere Übel wählen, und bei den bürgerlich- demokratischen Parteien war das eben die Zustimmung zu einem Gesetz, das bei sehr optimistischer Betrachtung wenigstens noch eine gewisse Ordnung zu gewährleisten schien.
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

  8. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Nur um mal wieder zu den richtigen Republikanern zu kommen:
    Wir haben im Unterricht meist zwischen Republikanern und Vernunft-Republikanern unterschieden, wobei die Vernunft-Republikaner die jenigen waren, die doch eher noch Monarchisten waren, aber für das wohl Deutschlands die Republik halbherzig unterstützten.
     
  9. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    das mag sein, rafael, aber so ein halbherziger vernunftrepublikaner wie z.b. g.stresemann wurde sehr überzeugend praktizierender demokrat und darauf kommt es doch an. er hat es sogar geschafft, europäer zu werden.
    und republik st deutschland nach ende der weimarer republik ja geblieben. es hat nicht an republikanern, sondern an demokraten gefehlt, was -ich wiederhole mich- die abstimmung zum ermächtigungsgesetz ja eindrucksvoll belegt hat.
     
  10. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    Wie definierst du "Republik", und inwiefern war Deutschland unter Hitler eine solche?
     
  11. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Das sehe ich sehr wohl ein und die Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz ist ein guter Beleg.
    Ich wollte aber nur etwas zu der Ausgangsfrage sagen, in der nach "richtigen" Republikanern gefragt wurde. Von alle dem was danach zu den Demokraten und NichtDemokraten gesagt wurde habe ich aus meiner Sicht nichts zu kritisieren.
     
  12. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    @rüdiger:

    das staatsoberhaupt war unter den nazis nicht erblich, wie in der monarchie. das reicht schon für ne republik. das italien musolinis z.b. war hingegen monarchie, der duce war ja nicht staatsoberhaupt.

    republiken können gewaltregime sein, monarchien können sehr wohl musterdemokratien sein. repubklik oder nicht, das ist eine rein formale frage, mehr nicht.
     
  13. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    Da magst du wohl recht haben. "res publica" heißt soviel wie "Sache des Volkes", insofern war das sog. Dritte Reich nach dem Verständnis der Nazi-Oberen und ihrer doch recht zahlreichen Gefolgschaft eine Republik.
    Andererseits benutzt man den Begriff "Republik" allgemein für ein demokratisches Gemeinwesen, insofern hätte ich so meine Bedenken, alles, was nicht Erbmonarchie ist, kurz und bündig als Republik zu bezeichnen, schon deshalb, weil das zu Mißverständnissen führen kann, die nicht unbedingt sein müssen.
     
  14. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    ja und, rüdiger?

    wenn der allgemeine sprachgebrauch repubklik und demokratie gleichsetzt, ist der allgemeine sprachgebrauch halt dumm und unbrauchbar. leberkäse ist ja auch fleisch und durchaus nicht geronnene milch.
     
  15. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    Richtig, Ponzelar. Aber Leberkäse wird ja auch nicht einfach "Käse" genannt, und daß in der Leber keine Milch produziert wird, darf man immerhin als bekannt voraussetzen.
    Ich meine ja nur, daß...ach was, ich kann ja mal einen entsprechenden Thread eröffnen...
     
  16. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Das ist nicht falsch lieber Mercy, alle demokratischen Parteien außer der SPD haben dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt.:(
     
  17. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Ponzelar: folge ich den Definitionen von - na, wo schon - war das Dritte Reich zumindest in seiner Spätphase keine Republik mehr, weil die Wahlen quasi abgeschafft oder ausgesetzt wurden (letzte Reichstagswahlen 1938). Dazu kommt noch: Hitler ernannte Karl Dönitz testamentarisch ("Erbfolge" im wahrsten Sinne des Wortes) vor seinem Selbstmord am 30. April 1945 zum Reichspräsidenten - obwohl in einer Republik das Staatsoberhaupt gewählt werden müsste (das in diesen letzten Tagen des NS-Regimes es gar nicht mehr möglich gewesen wäre, eine Wahl zu organisieren, steht auf einem anderen Blatt).

    Aber man kann darüber streiten, ob die Wahlen nach 1933 (mit genau einer Wahlmöglichkeit) noch "republikanisch" waren. Abgesehen davon sahen sich die Nazis selbst gewiß nicht mehr als Republikaner - zur Propaganda des Reiches gehörte häufig auch, darzustellen, dass Hitler als fast messianischer "Führer" die chaotische Weimarer Republik beseitigt habe.
     
  18. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    sag mal ashigaru,

    wie kommst du darauf, daß republiken irgendwas mit wahlen, demokratie usw. zu tun haben MÜSSEN?
    auch die ehemaligen militäregime in südamerika waren republiken, genau so wie auch die überhaupt nicht demokratische udssr eine republik war, ebenso die nazidiktatur oder das klerikalfaschistische regime francos, im gegensatz zur faschistischen diktatur in italien, wo der könig bis 1943 staatsoberhaupt blieb.

    also nochmal: es fehlte nicht an republikanern, es fehlte an demokraten und auch monarchisten können demokraten sein und ebert war z.b. überhaupt nicht dafür, unbedingt die monarchie abzuschaffen, allerdings war er dafür die autokratisch/halbabsolutistische monarchie in eine parlamentarisch/konstitutionelle monarchie zu verwandeln. bei diesem vorhaben haben aber seine majestät selbst und scheidemann ihm frühzeitig einen strich durch die rechnung gemacht.
     
  19. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Wie gesagt, gemäß dieser Definition:

    Du gehst offenbar davon aus, dass da, wo "Republik" drauf steht, auch "Republik" drin ist - findest du nicht, das der Begriff von Staaten sehr inflationär gebraucht wird?

    Die BRD ist Republik, die DDR war es auch - alles das Gleiche?

    P.S.: Franco machte Spanien nach dem WK II zur Monarchie, auch wenn der Thron bis zu seinem Tod vakant blieb. Bezüge zur Republik wurden gerade hier aus gutem Grund besonders vermieden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2005
  20. Saint-Just

    Saint-Just Neues Mitglied

    ich denke mal, was mercy meint, ist dass die spd keine aktiven schritte zur verteidigung der republik unternommen hat, obwohl sie noch am ehesten ein interesse daran hätte haben müssen (z.B. hätte man einen Generalstreik wenigstens versuchen können)
     

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