Revolution, Versäumnisse der Regierung unter Ebert und Sozialisierungsdebatte

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Rafael, 8. November 2004.

  1. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Hallo zusammen,
    folgend möchte ich eine Klausur von mir vorstellen, die die Überschrift "Weimarer Republik" trägt und sich vor allem mit der Sozialisierungsfrage und der Regierung unter Ebert beschäftigt.

    Über eine Kritik und Verbesserungsvorschläge würde ich mich sehr freuen, da dies hilfreich für meine Abiturprüfung sein könnte. Zudem bietet diese Arbeit auch zwei Meinungen von Historikern zum o.g. Thema an und man findet dort oder in meiner eigenen Meinung Diskussionsanstöße.

    (Die Texte der beiden Historiker, die es zu analysieren gab, werde ich zunächst nicht abschreiben. Ich denke, dass esoihne geht, wenn man lediglich Sprache und die Richtigkeit der Informationen betrachten möchte. Auch wäre es ein Lob, wenn ihr von meinen Ausführungen aus auch die Theorien der beiden Autoren verstehen würdet.)

    1. In Aufgabe 1 sollten wir die Texte der beiden Autoren (T1: H.A. Winkler, Von der Revolution zur Stabilisierung, Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1918-1924, Seite 146 ff/ T2: E. Kolb, Die Weimarer Republik, Seite 158ff) analysieren. Hierzu sollten wir darstellen, welche Handlungsspielräume die Autoren den verschiedenen politischen Gruppen zubilligen und welche politischen Motive sie den Entscheidungsträgern zusprechen.(Die Abkürzung MSPD und SPD meint das Gleiche, die Historiker jedoch verwendeten jeweils die andere Bezeichnung.)

    Zu 1:
    Im folgenden Text werden zwei Texte bezüglich der Weimarer Republik interpretiert, und es wird dargestellt, welche Handlungsspielräume und welche Motive den "gesellschaftlichen und parteipolitischen Gruppen" (Aufgabenstellung) nach Meinung der Autoren gegeben waren.


    In dem Textausschnitt aus "Von der Revolution zur Stabilisierung, Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1918-1924" (Berlin/Bonn 1984, Seite 146 ff) urteilt der Autor H.A. Winkler über die Politik der SPD im Hinblick auf die Revolution 1918/19.
    Seiner Meinung nach ist es die größte Leistung der Volksbeauftragten gewesen, dass diese ein wirtschaftliches und "politisches Chaos" (T1, Z.35) verhindert haben, doch habe die SPD viele Fehler gemacht, wenn man betrachtet, welche Politik sie zur Stabilisierung der parlamentarischen Demokratie gemacht habe.
    Winkler zitiert in seinem Text zunächst Friedrich Eberts Rede von der ersten Sitzung der Nationalversammlung am 6. Februar 1919, in der Ebert die SPD als "Konkursverwalter des alten Regimes" (T1, Z.1) darstellt.
    Der Historiker kritisiert die Sicht Eberts und der SPD, dass sie in der "Übergangszeit" (vgl. T1, Z. 4) nicht mehr hätten tun können. In der Zeit nach der Novemberrevolution sei oftmals von der Furcht vor dem Bolschewismus gesprochen worden, da man Angst hatte, dass Deutschland auf gleiche Weise wie Russland enden würde. Auch schätzte die Regierung ihr eigenes Vorgehen, da sie mit ihrer Politik die Kontinuität gewahrt habe.
    Diese zwei Punkte relativiert der Autor als Gründe für das Versäumen einer tiefgreifenden Politik von Seiten der SPD aber und nennt in seiner Ausführung weitere Gründe. Das "deterministische Verständnis von Geschichte" (T1, Z.13) habe Schuld daran getragen, dass die Sozialdemokraten ihren eigenen Handlungsspielraum nicht erkannt haben, den sie eigentlich hatten. Sie nämlich hätten an die Notwendigkeit und Unausweichlichkeit des Sozialismus geglaubt haben, wenn die Zeit dafür reif war (vgl. T1, Z.28). Dieser Glaube sei lähmend für die Sozialdemokratie gewesen (vgl. T1, Z.28). Es ist wichtig, dass Winkler hier den Begriff "Glaube" benutzt, denn dies stellt gut dar, dass die SPD eher in Erwartungshaltung war, anstatt konkrete Politik zu machen.
    Weiterhin sagt Winkler, es habe einen großen Widerspruch zwischen der praktischen und theoretischen Politik der SPD gegeben. Dadurch, dass man nicht den eigenen Handlungsspielraum ersehen habe, habe man nur praktische Reformen (wie man sie vom Kaisereich kannte) durchgeführt (vgl. T1, Z.20ff).
    Nach Winkler hatte die SPD keine konkrete Vorstellung, was sie mit der Macht machen sollte. So sei primär nur Kraft für politische Machtkämpfe, aber nicht für "wirtschaftliche Zweckmäßigkeit" (T1, Z.33) genutzt wurden.
    Als Schlußfolgerung bleibt für den Historiker Winkler übrig, dass die SPD einen größeren Handlungsspielraum gehabt habe, als sie selber erkannte. Sie habe ihre Lage verkannt und falsche Politik gemacht und somit versäumt "ein gewisses Maß" (T1, Z.34) an Sozialisierung der Demokratie eine stabile Grundlage zu verschaffen. Ohne diese Grundlage jedoch war den Nationalen ("Demokratiegegner") die Chance gegeben sich zu formieren (vgl. T1, Z.36ff).

    Auch E. Kolb relativiert in seinem Text aus "Die Weimarer Republik" zunächst die Gefahr des Bolschewismus. Der Bolschewismus sei keine Eventualität einer Sozialisierungspolitik gewesen (vgl. T2, Z.14ff).Gerade deshalb hätten die politischen Handlungssträger mehr Handlungsspielraum gehabt, als sie sich selbst zubilligten (vgl. T2, Z.24ff). Man habe nämlich nicht nur die zwei Möglichkeiten "Bolschewismus" und Zusammenarbeit "mit den traditionellen Machteliten" gehabt (vgl. T2, Z.28ff).
    Da die Volksbeauftragten in jener Zeit mehr Möglichkeit gehabt haben, hätten sie der o.g. "traditionellen Machtelite" entschlossener entgegentreten können, doch man habe auf die Loyalität dieser vertraut und nicht einen eigenen Kurs eingeschlagen, zu dem man aber fähig gewesen wäre (vgl. T2, Z.31ff).
    So sieht Kolb die Situation ebenso wie Winkler. Die MSPD habe einiges in der Politik versäumt. Jedoch nennen beide unterschiedliche Gründe hierfür. Auch ist Kolb aber der Meinung, eine tiefgreifende Sozialisierung hätte stattfinden können und sollen. Die SPD hätte dafür sogar das "Potential der Arbeiter- und Soldatenräte" nutzen können (vgl. T2, Z.35ff).
    Doch anstatt dieses Potential zu nutzen, habe die MSPD ihr Vertrauen auf die o.g. Machtelite gesetzt und nicht mehr auf die Volksbewegung, die größtenteils die eigentlichen Ziele der MSPD mitverfolgt habe. Man "habe [ein] grundsätzliches Misstrauen gegenüber spontanen Massenbewegungen" gehabt, schreibt E. Kolb (vgl. T2, Z. 39ff).
    Nach E. Kolb wurde durch die Hemmung der demokratischen Volksbewegung "Radikalisierung und Resignation" geschaffen. (vgl T2, Z.52ff). Auch in E. Kolbes Text versäumte es die SPD eine demokratische Basis zu schaffen.

    Beide Historiker sind der Meinung, die Volksbeauftragten hätten es versäumt eine ("in gewissem Maße" <vgl. Winkler>) Sozialisierung durchzuführen und somit ein sozialdemokratisches Fundament aufzubauen, das den Gegnern der Demokratie gewachsen war.



    So viel zur ersten Aufgabe!
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. November 2004
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Alles sehr interessant, .... mir fällt auf ,daß sehr häufig das Wort -hätte - vorkommt.
    Es wird also viel spekuliert von Zeitgenossen, die natürlich im Nachhinein schlauer sind.

    Mir fallen 3 Punkte zum o.g. Text ein.
    1. Die Angst und Sorge der SPD vor Massenbewegung war sicherlich auch begründet in den Vorgängen der 1905 +1917/18 -er Revolution in Rußland und den anschließenden unberechenbaren Vorgängen dort.
    2. Für keinen Politiker der frühen Weimarer Republik gab es eine Erfahrung in diesem "Job"
    aus der Entscheidungen hätten getroffen werden können. Im Gegenteil, schoben nicht
    OHL und Kaiser den angerichteten Schaden den "Zivilisten " in die Schuhe um die
    Uniform sauber zu halten ? Und jetzt alles richtig machen ?

    3. Die alten Eliten wie vorallem hohe Beamtendienstgrade und der juristische Apparat verharrten in ihrem alten Weltbild und somit in Lauerstellung . Wer soll das alles schnell genug beseitigen, das geht zu keinen Zeiten, siehe 1990 und später, wo praktisch der gesamte Spitzenbeamtenapparat aus dem Westen in die neuen Bundesländer exportiert wurde und mußte. Diese Alternative hatten die erste Regierung der Weimarer Rep. nicht.
     
  3. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Danke für deine Antwort. Das ist nämlich eine, mit der man etwas anfangen kann.

    Das "Hätte" habe ich benutzen müssen, da uns gesagt wurde, wenn wir davon ausgehen, was die Historiker gesagt haben, immer im Konjunktiv. Lediglich die Fakten, die wir aus dem Unterricht oder von eigenem Wissen her kennen, können normal ausgedrückt werden.

    Ich find die Punkte, die du ansprichst klasse. Leider musste ich mich hier auf die Historiker beziehen, doch das was du nennst, damit könnte man sehr gut an den Meinungen der beiden Historiker Kritik üben.

    Und desweiteren find ich es informativ was du schreibst! Danke für die Denkanstöße und Ideen.

    Die Aufgaben, in denen ich meine eigene Meinung kund tun konnte, werde ich noch abschreiben. (Erstmal für morgen auf ne Matheklausur vorbereiten... grrr.)

    Gruß Rafael

    P.S: Für diesen Teil habe ich eine 1- bekommen, doch ich bin mir nicht sicher, ob das so gut bewertet werden kann... :rolleyes:
     
  4. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Hallo,
    In der zweiten Aufgabe der oben genannten Klausur sollten wir die Bedeutung und das Ergebnis der Sozialisierungsdebatte im November/Dezember 1918 aufzeigen und zwar im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Revolution.

    Zu Aufgabe 2:

    In der Sozialisierungsdebatte wurde darüber beratschlagt, ob man direkt mit der Sozialisierung beginnen sollte und wie tiefgreifend die Sozialisierung dann sein sollte. Die gemäßigte Mehrheit (vor allem MSPD) war der Meinung, man solle lediglich eine Übergangsregierung stellen, das Volk wählen lassen, um dann die Sozialisierung langsam durchzuführen. So sprach sich Friedrich Ebert zum Beispiel dafür aus, dass man mit einzelnen Betrieben "keine sozialistischen Experimente" machen solle.
    Die linksradikale treibende Kraft der Revolution aber wollte eine direkte Sozialisierung und nicht erst das Volk wählen lassen, da dieses noch nicht reif genug dazu gewesen sei.

    Die Bedeutung der Sozialisierung liegt darin, dass diese neuen Aufwind für die Revolution gebracht hätte. Die Volksbeauftragten hätten mit Arbeiter- und Soldatenräten zusammen neue sozialdemokratische Grundlagen im deutschen Staat schaffen können. Da man sich jedoch für eine langsame Reformpolitik aussprach und den revolutionären Demonstranten sogar drohte, wandte man sich gegen einen neuen Umschwung. Der Ebert-Groener-Pakt zeigt sehr gut das Zusammenarbeiten der MSPD und der kaiserlichen Machtelite.
    So waren die revolutionären Demonstranten enttäuscht und hatten resigniert. Ihnen hatte man Einhalt geboten und den Nationalen neuen Aufwind gegeben.

    Die Sozialisierung hätte also zu einem soliden demokratischen Staat führen können, da man sich aber auch verschiedenen Gründen (Angst vor dem Bolschewismus, Wahrung der Kontinuität) gegen die direkte Sozialisierung entschieden hatte, hat man die Revolution in einer entscheidenden Phase gebremst.

    ..........


    So dies zu Aufgabe 2. Hier ist meine Meinung dargestellt, lässt sich also besser kritisieren... :)
     
  5. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Hallo da bin ich wieder, :)
    in der dritten Frage sollten wir Stellung zu der Frage nehmen, ob die Revolution von 1918/19 als Revolution zu bezeichnen ist. Rücksicht sollten wir dabei auf die Sektoren Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Mentalitäten nehmen.

    Zu Aufgabe 3:

    Die Revolution von 1918/1919 ist aus mehreren Gesichtspunkten gesehen keine Revolution.
    In der Wirtschaft zum Beispiel lässt sich eine Kontinuität feststellen. Veränderungen sind zwar da, wie zum Beispiel Verträge zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, doch stellen diese keine Umwälzung dar.
    Da man oftmals auch von einer "Revolution von oben" spricht, sollte der politische Aspekt beachtet werden, aber auch hier lässt sich keine Zäsur erkennen, gerade weil die Veränderungen "von oben" durchgeführt werden. Prinz Max von Baden trat zurück, ernannte Ebert zum Reichskanzler, Ausruf der deutschen Republik und gemäßigte Einstellung der Regierung lassen alles kontinuierlich erscheinen und keinen Neuanfang erkennen.
    Zunächst gab es Meutereien und Demonstrationen, die auf eine Revolution ( von unten) schließen lassen, doch als die neue Regierung den Linksradikalen entgegentritt, ebbt die Bereitschaft in der Bevölkerung ab. So gab es auch keinen Neuanfang in der Mentalität. Die Soldaten meuterten, weil sie ihr Leben nicht sinnlos aufs Spiel setzen wollte, und nicht wegen politischen Überzeugungen. Es lässt sich gerade in der Zeit nach 1918/19 erkennen, dass die Mentalität des deutschen Volkes sich nicht (grundlegend) geändert hat. Die Dolchstoßlegende ging um und man schenkte ihr Glauben.
    In den Jahren 1918/19 sind viele Menschen zu Demonstrationen gegangen, weil sie den Krieg und die Armut "satt" hatten.
    Sie haben die Chance "gewittert" ihre soziale Situation zu verbessern. Nachdem man die revolutionären Gedanken aber gebremst hatte, fand man das deutsche Volk in einwenig veränderter, aber nicht neuer Mentalität. Die Demokratie und deren Vorstellungen war nicht fest genug verankert in den Köpfen der Menschen.

    Man hat zwar die Monarchie durch die Demokratie abgelöst, doch dies ist einem Entwicklungsprozeß zu zuschreiben und keinem Umbruch, da die revolutionären Parteien (außer der USPD) solch einen Umsturz zunächst nicht geplant hatten.

    Man kann also in allen Bereichen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Mentalität) von Veränderungen sprechen, aber keineswegs von einer Revolution, da eine kontinuierliche Entwicklung zu erkennen ist. Die Bezeichnung "steckengebliebene Revolution" trifft die Situation gut, denn wären die revolutionären Gedanken und Bewegungen durch gemäßigte Vorgehensweisen nicht gestoppt worden, so hätte es zu Umbrüchen und einem Neuanfang kommen können.

    ................

    Das zu Aufgabe 3... danke, dass ihr euch nerven lassen habt :king:
     
  6. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hallo Rafael,

    auch von mir wieder ein paar Anmerkungen.

    Zu 2)
    Heiliger Sankt Spekulatius bitte für uns, bzw. die Weimarer Republik. ;)
    Politik ist ja vor allem die Suche nach Machbarem. Die pragmatische Einsicht oder besser gesagt Überzeugung der Mehrheitssozialisten Ebert, Noske und Scheidemann war nun mal dahingehend, dass sie der Überzeugung waren ,eine zusammengebrochene Wirtschaft sei nicht zu sozialisieren.
    Ebert selbst hat ja bis zuletzt versucht den monarchischen Staatsaufbau zu erhalten und sich mit Großindustrie und Ludendorffs Nachfolger Groener quasi in ein Bett gelegt, da sie schon am 9.November ! ein Hilfsangebot der OHL angenommen hatte den Bolschewismus gemeinsam zu bekämpfen.
    Andernfalls sah man alle deutsche Traditionen zugunsten des Bolschewismus preisgegeben.
    Die SPD sah es als ihre erste Aufgabe an, der Republik eine feste rechtsstaatliche
    Und demokratische Form zu geben. Dies sah sie nur im Zusammenwirken mit den alten Eliten. Dies bedeutete dann auch die Unterwerfung unter die von der OHL repräsentierten Vernunft. Das bedeutete Aufgabe des Wiederstands seitens der SPD gegen das Friedensdiktat und gegen die Abtretung der Ostgebiete an Polen.
    Die Militärs zwangen die Politiker auch den Makel der Kapitulation auf sich zu nehmen.
    Nicht ein General unterzeichnete den Waffenstillstand ,sondern der Zentrumsabgeordnete M. Erzberger.
    „Die Weimarer Republik sei durch Versailles und Moskau herbeigeführt „ so der preußische Ministerpräsident O.Braun , ein führender Sozialdemokrat.
    Die Republik quasi von den siegreichen Alliirten und den Kommunisten
    aufgezwungen, entsprechend verpönt war sie in weiten Teilen des Volkes.

    Der zentrale „Vorwurf“ an die SPD als stärkste Partei des Reichstags wäre also
    Die Nichtbeachtung ihrer marxistischen Theorie, wonach das Proletariat abwarten müsse, bis die kapitalistischen Staaten durch Krieg und Krisen in ein Chaos hineingerieten, in dem die sozialistische Revolution sich dann von selbst aus der Entwicklung ergeben würde.
    Gegen diese Theorie aber stand die Tatsache, dass sich die Partei zu einer Verfechterin
    Des demokratisch-parlamentarischen Wohlfahrtstaates entwickelt hatte und die drei großen O ´s anerkannt hatte : Großgrundbesitz,Großindustrie und Offizierskorps.


    Zu 3)

    In Deinem Text erwähnst Du nicht den eigentlich revolutionären Vorgänge um die Matrosenmeuterei von Kiel und Wilhelmshaven auf den ich hier sicher nicht eingehen muß.
    Die Revolution verbreitete sich jedenfalls von dort aus und mit ihr die Bildung der Arbeiter-und Soldatenräte.
    Dies ist in Anbetracht des bisherigen starren Gesellschaftssystems ein ungeheurer Vorgang. Für mich jedenfalls eine Revolution, da die Hierarchien zunächst auf den Kopf gestellt wurden. Der Fortgang einer Revolution ist sicher etwas ganz Anderes, wie alle Revolutionen zeigen.
     
  7. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Wenn man der Weimarer Republik eine feste demokratische Basis geben wollte, wieso war es dafür notwendig, dass man mit den alten Mächten paktierte?
    Die SPD hatte doch, solange sie die Demonstranten unterstützte, die Zügel in der Hand. Wilhelm II. war zurückgetreten worden und Prinz Max von Baden musste dann auch ein sehen, dass seine Zeit vorbei war. Natürlich gab es viele Nationalisten und Monarchieanhänger, doch gerade die hat man ja sogar in wichtigen Positionen sitzen lassen. Ihnen hatte man noch genug Kraft gelassen... Natürlich, wenn man eine Demokratie haben möchte, dann hat man nicht sagen können, man wolle Menschen nationalistischer Sicht ausschliessen. Aber wieso hat man der Revolution den Wind genommen und den alten Eliten soviel Macht gelassen. Die Deutschen blieben somit die "treuen Eichen", wie sie oft betitelt werden. Man kann die Mentalität natürlich nicht von einem Tag auf den andern ändern, doch man sollte dann nicht den Leuten, die mit demokratischen Ideen auf die Straße gingen, den "Krieg erklären".

    So ist das, was du Arcimboldo geschrieben hast, bestechend logisch und super ausgearbeitet, doch ich stelle mir, wie dargestellt, die Frage, ob dies die einzige (sichtbare) Möglichkeit gewesen ist.

    Zur letzten Aufgabe:
    Ja auf die Revolution selber hätte ich detaillierter eingehen sollen :)

    Rafael
     
  8. iFlorian

    iFlorian Neues Mitglied

    Ebert Verräter?

    Ich bereite mich auf meine Abi Prüfung in Geschichte vor, allerdings stört mich das Thema , ob Ebert als Verräter der Revolution war, da mir das Wissen dazu fehlt.

    Es gibt einen schönen Artikel bei Focus , welches sich zu diesem Thema bezieht , allerdings befriedigte es mich nicht ganz.

    Warum wird Ebert als Verräter angesehen?
    Ich weiß so viel , dass Ebert mit dem Bündnis der OHL für die Linken als Verräter angesehen wird. Aber warum? Was hat Ebert an sich verraten, dass er mit der OHL zusammenarbeiten wollte? Ein Verräter wäre , wenn er der Meinung gewesen war, sich niemals mit der OHL abzufinden , diese aber es trotzdem dann tut. Hat Friedrich Ebert in diese Richtung etwas ähnliches getan?


    Ich würde einfach mal alles über dieses Thema wissen.
    Erklärt mir bitte was es damit auf sich hat.

    Hochachtungsvolle Grüße
    iFlorian
     
  9. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

  10. iFlorian

    iFlorian Neues Mitglied

    Nein höre ich zum ersten mal ...
    Natürlich weiß ich was das ist. Das beantwortet aber nicht meine Frage warum Ebert die Rolle eines Verräters zugewiesen wird!?

    Durch Reichswehrtruppen wurde der Spartakusaufstand niedergeschlagen , weil eben Ebert mit Reichswehrtruppen zusammenarbeite. Das erklärt mir aber nicht, warum Ebert ein Verräter sein soll. Er war doch kein linksradikaler , der die Seite gewechselt hat!
     
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Bei dieser Frage ist es m.E. notwendig, die Geschichte der SPD ab 1914, ab dem so genannten "Burgfrieden" der Parteien bei der Bewilligung der Kriegskredite im Reichstag zu betrachten.

    Burgfriedenspolitik ? Wikipedia

    Diesen Schritt betrachteten viele Sozialisten bereits als Abwendung von einer Idee der Solidarität der Arbeiter über Ländergrenzen hinweg.

    Die Konflikte bezüglich der Haltung gegenüber der Kriegsführung des Kaiserreichs kulminierten in der Spaltung der SPD 1917 in die "Mehrheits-SPD" und "Unabhängige SPD":

    Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands ? Wikipedia

    Die Parteien standen für den Konflikt zwischen einem letztendlich staatstragenden und auch nationalstaatlich orientierten Kurs (MSPD) und einem revolutionär-sozialistischen Kurs (USPD).

    Als der Waffenstillstand 1918 ausgerufen wurde, standen sich beide Parteien in noch stärkerer Gegnerschaft gegenüber, da sie beide im Prinzip um die Macht kämpften. Die MSPD war dabei die (zumindest kurzfristig) von der Bevölkerung auch mehrheitlich getragene Partei und einen Schritt schneller. Die USPD versuchte aber gleichfalls in Deutschland eine Revolution zu starten.

    Ebert strebte einen Reformkurs an; um das Gewaltmonopol des neuen Staates umzusetzen, blieb ihm gar nichts anderes übrig, als auf die konservativ bis reaktionäre Wehrmacht bzw. die mit ihr verbundenen paramilitärischen Verbände in Form der Freikorps zu setzen.

    Das war es, was viele Sozialisten als Verrat empfanden, wobei nicht zu vergessen ist, dass - ungeachtet der Legitimitätsfrage - Ebert und die MSPD ehemalige Weggefährten bekämpfen ließ, mit denen sie fünf Jahre zuvor noch zusammengearbeitet hatten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2012
    1 Person gefällt das.
  12. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Lies einmal die Artikel zum Ebert-Groener-Pakt.
     
  13. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Der exakte Terminus war wohl "Arbeiterverräter"; vielleicht hilft schondas weiter.

    Neben den anderen guten Hinweisen noch der auf den "Bluthund" Gustav Noske, dessen Wirken auch in Eberts Verantwortung als Regierungschef fällt.
     
  14. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Sebastian Haffner gibt in seinem Buch "Die deutsche Revolution 1918/1919" darüber erschöpfend Auskunft (das Buch hieß im Original sogar "Die verratene Revolution").
     
  15. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Als kultur- respektive agitationspolitische Reminiszenz fällt mir noch das Seifenlied von 1928 ein; Eberts Name fällt zwar nicht, aber es zeigt sehr schön, wie die, die Ebert "Verräter" nannten, über die Geschenisse rund um Weltkrieg und Novemberrevolution dachten.
     
  16. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Das Buch von Sebastian Haffner ist ein kein wissenschaftliches Werk, sondern ein brillanter Essay, in dem Haffner den Sozialdemokraten vorwarf, die Revolution von 1918 niedergeschlagen zu haben, eine Revolution, die - so Haffner - eine sozialdemokratische gewesen sei.

    Die erste Auflage erschien Ende der sechziger Jahre, und Haffner, ein bürgerlicher Publizist, sympathisierte zu diesem Zeitpunkt mit Teilen der Linken. In einem Nachwort zur Neuauflage von 1984 meinte er, seine Kritik sei zu emotional ausgefallen. Auch Ebert kam in der ersten Auflage nicht gut weg.

    Das Wort Verräter ist sicher zu hart. Ebert war ein gemäßigter Sozialdemokrat, der am Ende des Ersten Weltkrieges möglicherweise auch eine parlamentarische Monarchie akzeptiert hätte. Unter seiner Führung war die Mehrheitssozialdemokratie längst eine Partei der sozialen Reform geworden.

    Ebert ließ auch nie einen Zweifel daran, dass in seinen Augen eine demokratisch gewählte Nationalversammlung über die zukünftige politische Ordnung des Reiches bestimmen sollte. Eine sozialstaatlich fundierte Demokratie war das Ziel der Mehrheitssozialdemokraten.

    Ein Verräter wäre Ebert gewesen, wenn er bewusst die Arbeiterschaft getäuscht hätte. Man kann ihm vorwerfen, dass er in den letzten Monaten des Jahres 1918 den ehemaligen kaiserlichen Militärs zu sehr entgegen kam, weil er die Gefahr eines linksradikalen Putsches überschätzte.

    Doch Deutschland war trotz des Waffenstillstandes immer noch vom Welthandel abgeschnitten, ein weiterer Winter stand bevor, die Menschen hungerten, in Teilen Deutschlands gab es bürgerkriegsähnliche Kämpfe.

    Da wollte Ebert erst einmal den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung verhindern. Außerdem sorgten die ersten Maßnahmen des Rates der Volksbeauftragten für sozialpolitische Fortschritte: Achtstundentag, Abschaffung der Gesindeordnung und nicht zuletzt die Einführung des Wahlrechts für Frauen.

    Ebert war kein Linkssozialist, der die Räterepublik anstrebte. Sein Ziel war eine demokratische Republik, in der die Arbeiterschaft endlich die Gleichberechtigung erlangt hatte. Da machte er den alten Mächten zu viele Zugeständnisse, aber wenn man vom Rathaus kommt, ist man immer schlauer.

    Fazit: Nein, er war kein Verräter, sondern ein aufrechter Demokrat und Republikaner, dessen zurückhaltende Würde sich wohltuend von dem protzigen Getue des letzten Kaisers abhob.
     

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