Römische Autoren

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Aloha, 12. Februar 2021.

  1. Aloha

    Aloha Neues Mitglied

    Komisch, ich war überzeugt, es hieße De Bello Gallico, und war erstaunt zu lesen, als ich es zur Hand nahm, dass der Titel Bellum Gallicum lautet!
    In meiner Ausgabe von Hachette gibt es eine Biografie von Cäsar über zig Seiten, mit allen möglichen Details und exakten Datums. Wie können wir all das wissen?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es gab eine ganze Reihe Schriftsteller, die über diese Zeit berichteten. Zum Beispiel Gaius Asinius Pollio, der mit Caesar persönlich gut bekannt war. Nun ist zwar von Pollios Schriften nicht viel erhalten, aber es gab andere Schriftsteller wie die Caesar-Biographen Sueton und Plutarch die seine Bücher kannten und die Informationen für ihre eigenen Darstellungen benutzten.
     
  3. Aloha

    Aloha Neues Mitglied

    Ist das so zu verstehen, dass nicht alles aus Cäsars Feder stammen muß?
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Auf welchen Beitrag beziehst Du Dich?
     
  5. Aloha

    Aloha Neues Mitglied

    immer auf den letzten, außer wenn ich einen bestimmten nenne
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich habe in meinem Beitrag über die Schriftsteller Pollio, Sueton und Plutarch geschrieben.

    Selbstverständlich stammt das, was ich geschrieben habe, nicht aus der Feder Suetons oder Plutarchs.
    Und was Sueton und Plutarch geschrieben haben, stammt nicht aus der Feder Caesars.
     
  7. Aloha

    Aloha Neues Mitglied

    Auf dieses Zitat bezog sich die Frage.

    Ich meinte ja das Bellum Gallicum, wie das in seiner ganze Fülle (wie gesagt, 500 Seiten), und ohne sichtbare Lücken, überliefert werden konnte wenn so viel verloren gegangen ist von der lateinischen Literatur.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Der Bellum Gallicum wurde dann zufälligerweise und glücklicherweise bis ins Mittelalter überliefert. Falls die Aussagen aus der englischen Wikipedia korrekt sind, sind die ältesten, überlieferten Handschriften, von denen dann alle anderen Handschriften abstammen, im späten 9. Jh. in zwei Klöstern in Nordfrankreich entstanden. Einmal in der Abtei Corbie und dann in der Abtei Fleury.

    Das in der Abtei Fleury gefertigte Exemplar wird heute in Amsterdam verwahrt:

    [​IMG]

    Quelle: Will you open the oldest book in Amsterdam?

    Commentarii de Bello Gallico - Wikipedia

    Ob und wo nun Textlücken oder verschiedene Textvarianten existieren, müßte man in wissenschaftlichen Textausgaben nachschauen.

    Dazu hat Korbi schon einiges dargestellt:

     
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  9. Korbi

    Korbi Aktives Mitglied

    Ich hab mal schnell die schon von mir genannten Möglichkeiten durchsucht. Nickel gibt zur Überlieferungsgeschichte nichts her. Zu Pinakes ist mir leider bisher kein lateinisches Pendant bekannt, von dem man belastbare Informationen bekommen könnte. Im Pauly sind zwei Handschriften genannt, beide in Fleury entstanden, aus dem 9. Jh., wie Carolus gesagt hat. Die zweite liegt heute in Paris.
    Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es noch andere relevante Handschriften und auch andere Quellen. Da wäre das Stemma codicum wichtig, am Anfang von kritischen Ausgaben. Davon gibt es in diesem Fall zwei Stück (von 1900/1901 und 1927, spätere sind nur Teilausgaben), aber wie bei eigentlich allen kritischen Ausgaben sind sie nicht online verfügbar. Die Google Preview der Pontet-Ausgabe enthält das Stemma auch nicht, nur die Sigla und die Praefatio. Die ist durchaus interessant, ich brauche aber ein bisschen um alles zu verstehen (die Praefatio ist klassischerweise in lateinischer Sprache verfasst). Aber was auch dort nicht steht, sind die letztendlichen Zusammenhänge zwischen den Handschriften und anderen Quellen, dafür braucht man das Stemma.
    Wie wir schon gesagt hatten, es hing stark von der Bedeutung und dem Interesse am Inhalt ab, was überliefert wurde. Und Caesars commentarii waren immer interessant für Heerführer etc. aufgrund ihrer praktischen und theoretischen militärisch-operativen Inhalte. Ich denke, das hat dem Werk bzw. beiden Werken nachhaltig Bedeutung verschafft, sodass es wert war, vielfach lückenlos abgeschrieben zu werden.
     
    Hannes und Carolus gefällt das.
  10. Clemens64

    Clemens64 Aktives Mitglied

    Ein Grund, den Gallischen Krieg abzuschreiben und so aufzubewahren, wird wohl gewesen sein, dass man gut versteht, was drinsteht, ohne dass es banal ist.
    Das zeichnet den Schriftsteller Caesar insbesondere gegenüber seinen spätantiken Kollegen aus.
     
  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Immerhin scheint es im frühen Mittelalter noch mind. zwei Abschriften vom Bellum Gallicum gegeben zu haben, die dann zur Grundlage für die weitere Verbreitung gedient haben. Die Überlieferungsgeschichte von anderen Werken ist schon so spannend wie ein Kriminalroman. Die einzige Abschrift der Germania von Tacitus wurde im späten Mittelalter in einem Kloster in Deutschland gefunden. Dann wurde sie nach Italien gebracht und dann dank des gerade erfundenen Buchdrucks vervielfältigt, aber leider ist die Abschrift seitdem verschollen. Das staatstheoretische Werk von Cicero De Re Publica fand sich als Palimpsest "unter" einer anderen Abschrift eines anderen Werkes und wurde erst 1819 wieder entdeckt. Online ist dieser Palimpsest auch verfügbar: https://digi.vatlib.it/view/MSS_Vat.lat.5757

    Im übrigen sind wir im 9. Jh. auch noch im Zeitalter der Karolingischen Renaissance, in der man das bis dahin noch vorhandenen antike Wissen gesammelt hat. Da mag es durchaus gepaßt haben, dass das Werk Caesars weiter abgeschrieben wurde. Schließlich war Karl der Große selbst in die Fußstapfen Caesars getreten. Und immerhin hatte er da Erfolg, wo die römischen Caesaren gescheitert, indem er das rechtsrheinische Germanien unterwarf.



    Nicht umsonst ist De Bello Gallico auch meist die Einstiegslektüre nach den Lehrbüchern im Lateinunterricht.
     
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  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wahrscheinlich war De Bello Gallico auch wegen der hohen Qualität seines Lateins bei den Magistern ein beliebter Stoff, um ihre Novizen zu trizen.
     
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  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich hätte den Grund für den anhaltenden Erfolg primär darin gesehen, dass das Werk von Caesar stammte und von ihm handelte. Schließlich hatte er einen klingenden Namen, der auch im Mittelalter zog.

    Heutzutage wird das Werk üblicherweise "Commentarii de bello Gallico" genannt. Der genaue Originaltitel (falls es überhaupt jemals einen fixen offiziellen Titel gab) ist allerdings nicht bekannt.
    Cicero nannte sie in seinem "Brutus", einer Geschichte der römischen Rhetorik, einfach nur "Commentarii". Auch Sueton gab in seiner Caesar-Biographie keinen präzisen Titel an.
     
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  14. Korbi

    Korbi Aktives Mitglied

    Dazu nur noch als Anmerkung, ich weiß nicht, ob das eine aktuelle Theorie ist oder eher eine "Randmeinung": Meine Latinistik-Professorin meinte letztes Jahr in einer Einführungsvorlesung, man tendiere zur Rekonstruktion "commentarii rerum gestarum". Wohl unter anderem aufgrund der Tatsache, dass Teile des Werkes (möglicherweise) zuerst als jährlicher Bericht an den Senat gedacht waren, somit wäre dieser Titel durchaus logisch - erst später hätte man dann die Erweiterung "bello/-um gallico/-um" hinzugefügt, als für das Werk nicht mehr sofort klar war, um welche Taten es sich handelt.
     
    Hannes, Carolus und flavius-sterius gefällt das.

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