Roland, ein Sohn Karls des Großen?

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Joinville, 8. Juni 2006.

  1. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich wage mich zu erinnern, dass ich in einigen Büchern die sich mit Karl dem Großen befassen lass, die Theorie auftauchte, das Roland, der Graf der bretonischen Mark, ein Sohn Karls gewessen sei.
    Genauer gesagt ein in Inzucht gezeugter Bastard.
    Seine Mutter soll Gisela, die jüngere Schwester Karls, gewessen sein.
    Mit ihr soll Karl, damals noch Prinz, im Rausch des Weines Roland gezeugt haben.
    Um diesen Skandal verdeckt zu halten soll Gisela sofort in ein Kloster gesteckt worden sein.
    Karl soll Roland angeblich wie einen Sohn geliebt haben und ihn allen anderen Vasallen bevorzugt haben.
    Auch soll ihn die Nachricht von Rolands Tod tief getroffen haben.

    Hat einer von euch nähere Informationen über Rolands Herkunft?
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zwar habe ich keine genaueren Informationen, aber die Lebensdaten sprechen wohl eindeutig gegen eine Vaterschaft Karls...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hruotland
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Große
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Meines Wissens gibt es nur zwei zeitgenössische Quellen zu Roland, die Vita Caroli Magni Einhards, wo er als Hruodland im Zusammenhang mit der Waskonenschlacht auftaucht und ein Diplom wo ein Rotholandus, Markgraf der Bretagne, als Zeuge vermerkt ist. Aus diesen beiden Dokumenten eine Vaterschaft Karls zu konstruieren halte ich für zumindest verwegen.


    Kap. IX:

    Adiuvabat in hoc facto Wascones et levitas armorum et loci, in quo res gerebatur, situs, econtra Francos et armorum gravitas et loci iniquitas per omnia Wasconibus reddidit impares. In quo proelio Eggihardus regiae mensae praepositus, Anshelmus comes palatii et Hruodlandus Brittannici limitis praefectus cum aliis conpluribus interficiuntur.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2006
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Dann ist Karls Vaterschaft nun doch ins Reich der Legende zuzuordnen.
     
  5. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Ein Graf Rotlan (wahrscheinlich der sagenberühmte Roland) erscheint auch unter den Zeugen einer Urkunde Fulrads von St. Denis aus der Zeit 776/777.
     
  6. ning

    ning Gesperrt

    Interessant wäre festzustellen, wann die Sage, besser die böse Nachrede, in Umlauf kam. Merwingern wie Karolingern wurde ja zu gerne (wohl aus Neid und Eifersucht) allerhand Verwerfliches angedichtet.
    Dass Karl dem schönen Geschlecht und seinen Töchtern besonders zugetan war, liest man allerorts und hierin findet der boswillige od rachsüchtige Geist reiche Nahrung für caesarische Unterstellungen - pflegte man doch an Karls Hof wiederum röm. Stil und Lebenskultur.
    Weiß jemand die erste schriftliche Niederlegung. Und wer stieß wo in dieses Horn. Klingt alles irgendwie nach sächsischem "Revisionismus" ;)
     
  7. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Wohl aus der Berchta-Sage:

    Roland wird als Sohn der Berchta, Schwester Karls des Großen, geboren. Berchta flieht mit ihrem verbannten Gemahl und bringt Roland in den Wäldern zur Welt.

    Quelle: http://www.roland-konzern.de/content/de/roland_konzern/unternehmen/ritter_roland/Ritter_Roland.jsp

    Bei Gisela aber legte er sich quer. Vielleicht weil er, wie die Sage berichtete, eine verbotene Neigung zu seiner Schwester hatte, als deren inzestuöse Frucht der Held des Rolandliedes und Graf der bretonischen Mark, Roland, genannt wird.

    Quelle: http://www.mittelalter-genealogie.de/karolinger/gisela_tochter_pippins_3_810.html
     
  8. ning

    ning Gesperrt

    Den Zusammenhang hab ich nicht ganz verstanden: Karl d. Gr. legte sich quer? Oder Roland im Bauch der Berta (nix für Ungut für den Scherz)?Was hat Berchta mit Gisela zu tun? Kann man die Berchta-Sage irgendwo finden und wo entstand sie, wo wurde sie niedergeschrieben?
     
  9. Horst

    Horst Neues Mitglied

    In dem ganzen karolingischen Sagenkreis wird einiges ineinander verwirkt: Rolands (s.a. Sagenheld Lohengrin) Verbundenheit mit Karl dem Großen, als dessen Verwandter (Schwager, Neffe, Sohn) er bald gilt. Karls Zuneigung zu seinen Töchtern, denen er angeblich wegen seiner großen Liebe zu ihnen die Heirat nicht gestatten wollte, die gleichen Namen von Tochter und Schwester, die Gleichheit zwischen Karls Mutter und einer heidnischen Muttergöttin, die unter Walküren / Nornen eine Schwester ist, weshalb man letztlich zur Berthasage (s.a. die Legende über Genoveva von Brabant) gelangt, die ist in etwa 20 Fassungen erhalten, so zuerst in der Chronique Saintongeoise.
    Bertha (Bertha, althochd. Berchta, Perahta, die »Glänzende«), (Bertrada) »mit dem großen Fuß« (Berthe au grand pied, auch Berchta die Spinnerin), Tochter des Grafen Charibert von Laon, Gemahlin Pippins des Kurzen, gest. 783. Nach der Sage wird die Braut, deren Schönheit nur durch einen großen Fuß verunstaltet war, auf der Reise zu Pippin von der Hofmeisterin bestochenen Knechten zur Ermordung übergeben und an ihre Stelle deren häßliche Tochter gesetzt. Der getäuschte Pippin erkennt aber später Bertrada, die dem Tod entgangen ist, in einer Waldmühle an ihrem Fuß und vermählt sich nun mit ihr; die Frucht der Ehe war Karl der Große. Diese sagenhafte Berta ist ein Anklang an die Göttin Berchta (s. d.), an die der »große Fuß« (der Fuß einer Schwanenjungfrau, den sie als Zeichen ihres höhern Wesens nicht ablegen kann) erinnert. An alten französischen und burgundischen Kirchen findet sich noch jetzt das Bild der »Reine Pédauque« (Regina pede aucae) mit dem Schwanen- oder auch Gänsefuß in Stein gehauen. Auf Bertrada bezieht sich auch das ursprüngliche italienische Sprichwort: »Die Zeit ist hin, wo Bertha spann.« (Klage über das verschwundene goldene Zeitalter.) Vgl. Simrock, B., die Spinnerin (Frankf. 1855). [Lexikon: Berta, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 100: Meyers Großes Konversations-Lexikon, S. 18969 (vgl. Meyer Bd. 2, S. 730 ff.)]
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2006

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