Schiffe im Mittelmeer - Galeeren

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Quintus Fabius, 17. Juli 2004.

  1. Im Mittelmeerraum gab es da erst mal ( eigentlich immer noch seit dem Spätmittelalter) als Rund- d.h. Transport- Handels- und auch Kriegsschiffe die Nefs und die höherbordigen Naven. Beide trugen Achter- im Fall der Nave immer auch Vorderkastelle. Regional variierte natürlich Form als auch Größe dieser Schiffe bzw. auch der Name, z.B. hießen sie im katalanischen und portugiesischen Bereich wohl Nao. (Aragon=Katalanien war im Spätmittelalter Seemacht und damit Begründer der späteren spanischen Beherschung des westlichen Mittelmeers im 16 Jahrh.)In Portugal entwickelte sich dann wohl aus diesen Typen die schon angeführte Karavelle die DAS Standard Rundschiff des 15 Jahrh. wurde.

    Besonders große Karavellen wurden dann in dieser Zeit Karacken genannt. Durch die erheblichen Verbesserungen an der Takelage und die immer größere Manövrierfähigkeit wurden dann immer mehr Karavellen und vor allem Karacken mit Kanonen ausgestattet, da sie natürlich viel mehr von ihnen und mehr Pulver und Kugeln transportieren konnten als Galeeren. Im 16 Jahrh. dominierten sie bereits die Seekriegsführung im Atlantik während im Mittelmeer in der Seeschlacht die Galeere weiter vorherschte. Hier wurden Rundscchiffe vor allem bei Belagerungen zur Beschießung von See her verwendet, wie z.B. von Karl V beim Feldzug gegen die Berberesken in Nordafrika 1535.

    Im Norden dagegen dominierte noch die Kogge, von den Niederlanden/Flamen (unter spanischer Herrschaft, d.h. auch beeinflußung wurden die Koggen aber auch mit südlichen Schiffstypen verschmolzen, bzw. Karacken verwendet. Über Koggen gibt es fantastisches Buch "Die Kieler Hansekogge" von Uwe Baykowski mit exzellenten Farbfotos einer Kogge in Aktion (incl. Bau).

    Aus den Karavellen heraus entwickelte sich dann auch schon im 16 Jahrh. die Galeone, die am Ende des 16 Jahrh. der führende Schiffstyp im Atlantik wurde. Sie war als erster Segler auch als reines Kriegsschiff mit Kanonen aufgelegt worden und indem die Engländer konsequent auf sie setzten begründeten sie die britische Vorherrschaft zur See mit dem Sieg über die Armada 1588 durch eben diese Galeonen. Dieser Übergang von der Überlegenheit der Galeere zur Galeone wurde durch die erheblichen Verbesserungen an den Kanonen bewirkt, nicht jedoch durch die Schiffe selbst.

    Vorher waren Galeeren im Atlantik deshalb rar, weil ihre Seetüchtigkeit nicht ausreichte; im Gefecht bei ruhiger See wären sie überlegen gewesen wie z.B. die Schwarze Galeere, ein Kaperschiff niederländischer Freibeuter zur Zeit des Befreiungskrieges gegen die Spanier gezeigt hat.

    Die älteste Darstellung einer mittelalterlichen Galeere findet sich in einer Miniatur aus dem Jahr 1047. Die Schiffe dieser Zeit scheinen noch Biremen in der Nachfolge der römischen Liburnen zu sein, also Schiffe mit zwei Rudern seitlich übereinander gesetzt genau wie in der Antike. Der Unterschied zur Antike ist der über der Wasseroberfläche liegende Rammsporn und die von den Arabern übernommene Besegelung mit Lateinsegeln. Außerdem hatten diese ersten Galeeren noch Seitenruder!

    Im 14 Jahrh änderte sich dann das Riemenwerk erheblich. Der Rumpf wurde schlanker und die Ruderer saßen nicht mehr schräg versetzt übereinander sondern nebeneinander in einer Ebene. Dieser Typ wurde erstmals in Italien gebaut und nannte sich daher Fusta. Ab Mitte des 15 Jahrh wurden dann 3 Ruderer an 3 Riemen eingesetzt die alle von einer Ducht aus gerudert wurden. Dieser Typ wurde dann Galia sottil genannt, nicht jedoch in Venedig in dem man die antiken Bezeichnungen bebehielt. Daher hieß dieser Typ dort Triereme, die Fusta wurde als Bireme bezeichnet. Das eigenartige Rudersystem hieß alla zenzile. Diese Form hielt sich noch bis ans Ende des 16 Jahrh, vor allem in Venedig.

    Gleichzeitig wurde der Rammsporn immer länger, schlanker und höher angebracht, so daß er seine ursprüngliche Funktion schon im 14 Jahrh wohl nicht mehr wahrnehmen konnte. Mit Beginn des 16 Jahrh kamen dann Galeeren auf die nicht 3 Mann an 3 Ruder sondern 3 dann bald 4/5/6 usw. Mann an ein Ruder setzten. Dieses System wurde vielleicht zuerst wieder in Venedig erfunden und hieß a scallogio. Dem steht gegenüber, daß es sich gerade in Venedig lange nicht durchsetzen konnte.

    Im 14-15 Jahrh kommt dann die Batarde auf, eine Mischung aus Galeere und Nave, die sogenannte Handelsgaleere im weiteren auch galea di mercato genannt. Diese brachten teure Luxuswaren so schnell und sicher an ihr Ziel das sie sich noch bis ins 16 Jahrh halten konnten. Mit dem Preisverfall für Gewürze usw. und der Verlagerung auf den Atlantikhandel verschwindet dieser Typ am Ende des 16 Jahrh. Die Batarde befuhr in Konvois aber auch den Atlantik in die Nordsee bis nach Brügge. Der letzte solche Konvoi fand 1564 nach Ägypten und 1570 nach Syrien statt.

    Neben den großen Galeeren gibt es natürlich eine viel größere Menge von kleineren Schiffen die aber ebenso mit Rudern und Segel angetrieben wurden und meist unter dem Namen Galeota zusammengefaßt werden. Mit der Notwendigkeit rudergetriebener Großkampfschiffe entstehen dann im 16 Jahrh die Galeassen. Besonders große und breite Galeeren die mit einer Vielzahl von Kanonen vor allem zu den Breitseiten hin bewaffnet sind. Vor allem diese Galeassen entscheiden bei Lepanto 1571 die Schlacht für die Christen da die Osmanen über keine solchen Schiffe verfügen. Mit dem Ende des 16 Jahrh kommt dieser Typ aber ebenso wieder außer Gebrauch.

    In Algerien entwickeln sich besonders leichte und schnelle Galeeren die seetüchtiger und besser zu Segeln sind, die direkten Vorläufer der berühmten Schebecken. Kaum bekannt ist, das die Berberesken Piraten von Algier und Tunis aus auch im Atlantik seeräuberten, sie überfielen z.B. unter anderem Island, wie sie immer wieder bei Gibraltar durchgekommen sind ist mir ein Rätsel.

    unter der Adresse: www.histinst.rwth-aachen.de/ext/tma/tema/galera finden sich sehr gute Baupläne, Seitenrisse und Hintergrundinformationen zu verschiedenen venezianischen Galeerentypen des 15. und 16. Jhd. und zur Entwicklung der Gondeln. Vor allem die Rudersysteme werden aus diesen Zeichnungen wahrscheinlich viel klarer als aus meiner Beschreibung.

    Weitere Buchtipps: Wolfram zu Mondfeld!!
    Die Galeere vom Mittelalter bis zur Neuzeit
    Der sinkende Halbmond (über Lepanto- sehr gute Zeichnungen incl. detalliertem Schiffsplan
    Historische Schiffsmodelle (eigentlich Modellbaubuch aber absolut genial - alles bis ins kleinste Detail detailliert- super Zeichnungen
    Müßte es eigentlich immer/gerade noch bei Amazon geben.
    Eine AnlaufAdresse erster Güte für die Schiffe dieser Zeit ist das Museo Storico Navale in Vendedig, Schiffe, Waffen, Kanonen, Originale!!
     
  2. wthurner

    wthurner Gesperrt

    Schiffe und nochmals Schiffe

    Hallo Quintus Fabius,
    herzlichen Dank für die ausführliche Schilderung der Schiffstypen im Mittelmeer des
    ausgehenden Mittelalters.
    Da wurde ja jede Menge Holz verbaut und über das Schicksal der Galeerenruderer möchte
    ich lieber nicht nachdenken.
    Wenn ich mich recht erinnere hatten wir im alten Forum mal einen Pfad über Schiffe des
    Mittelmeers zur Phönizier-, Griechen- und Römerzeit. Eine Zusammenführung dieser Pfade
    möchte ich anregen.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Kompliment, Quintus Fabius!
    Ich habe Deinen Beitrag erst heute entdeckt. Bemerkenswert finde ich, daß Galeeren bis ins 18. Jahrhundert durchaus noch erfolgreich sein konnten. Man konnte für den Bau billiges Kiefern- statt teures Eichenholz verwenden, und konnte Soldaten als Marineinfanteristen verwenden. Peter I. wollte bei seiner großen Gesandschaft auch nach Venedig reisen, um dort den Galeerenbau zu studieren. Der Aufstand der Strelitzen verhinderte das. Im Großen Nordischen Krieg setzten die Russen mit großem Erfolg Galeeren ein, um die Schweden vom Ladogasee zu vertreiben und angriffe auf die schwedischen Küstenregionen durchzuführen. Noch bis in die Zeit der napoleonischen Kriege besaßen Frankreich, Spanien, die Türkei und Rußland Galeeren. Bis ins 19. Jahrhundert war auch die Galeerenstrafe üblich. In den süddeutschen Ländern überstellte man Kriminelle nach Venedig oder Genua, da man so Gefangene loswurde, die sonst die Gefängnisse belastet hätten. Dabei behielt sichdie Signoria eine Qualitätskontrolle des Menschenmaterials vor. Schließlich konnten Galeeren aber auch in Flauten andere Schiffe abschleppen.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Wirklich interessant.
    Dass es Wilhellm Raabes "Schware Galeere" wirklich gab, ist mir auch neu.

    Grüße Repo
     
  5. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    In der Schlacht auf dem Lake Champlain am 11. September 1814 kämpften in dem britischen Geschwader u.a. 12, in dem amerikanischen 10 Ruderkanonenboote. Die britischen Ruderkanonenboote konnten dabei die Sloop USS Preble außer Gefecht setzen. Als sie danach die Brigg USS Ticonderoga angriffen, erlitten sie so schwere Mannschafts-Verluste, dass sie selbst nicht mehr einsatzfähig waren. Die amerikanischen Ruderkanonenboote konnten in den Kampf, der schließlich von der US Navy gewonnen wurde, nicht besonders eingreifen, da sie von HMS Linnet vom Gefechtsfeld vertrieben werden konnten
    .
    Sowohl in der Schleswig-Holsteinischen als auch der preußischen Marine und der deutschen Bundesmarine waren ab 1848 zahlreiche Ruderkanonenboote im Einsatz. Zu größeren miltärischen Einsätzen kam es wohl nicht. Immerhin gingen im Mai 1849 schleswig-holsteinische Ruderkanonenboote durch den Schleswig-Holsteinischen Kanal in die Nordsee und vertrieben die dänischen Truppen von Sylt und Föhr. Nach dem Ende des Krieges wurden die Schiffe der deutschen Bundesmarine 1852 versteigert. Als der Norddeutsche Bund Schleswig-Holstein 1851 zwang, den Krieg um seine Unabhängigkeit aufzugeben, musste die ganze Flotte an Dänemark übergeben werden, Die preußischen Ruderkanonenboote wurden im Marinedepot eingelagert. Im Krieg mit Dänemark 1864 wurden 22 Ruderkanonenboote zur Verteidigung des Strelasunds und der Oder reaktiviert. Die letzten preußischen Ruderkanonenboote wurden erst 1870 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen. Wie lange Dänemark noch Ruderkanonenboote im Einsatz hatte weiß ich nicht.
     
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das wußte ich bis jetzt noch nicht, vielen Dank für Deinen Beitrag, leider kann ich dich nicht schon wieder bewerten.
     
  7. Eusebius

    Eusebius Neues Mitglied

    Zum Beitrag zum Thema "Galeeren" von Quintus Fabius vom 17.07.2004:
    Ein wirklich hervorragender Beitrag, ich werde mir erlauben, da ich unter der Rubrik "Zeitalter der Entdeckungen" einen sehr allgemeinen Aufsatz zum Thema Schiffbau verfaßt habe, auf diesen Beitrag hier zu verweisen, da hier überaus wertvolle Hintergrundinformationen zu finden sind.
    Ich bin weiterhin so frei, das Einverständnis des Verfassers vorauszusetzen.
     

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