Schlachten in Romanen

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Jacobum, 14. Mai 2006.

  1. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die Schlachtbeschreibungen in Lew Tolstois "Krieg und Frieden" sollen für einen Autor des 19. Jhs. sehr gut recherchiert sein.

    skurril die Beschreibung der Schlacht am little big horn im Roman little big man von Thomas Louis Berger (1964)

    sodann gibt/gab es in kleiner Auflage einen monströs umfangreichen Roman, der minutiös detailliert (mit Plänen etc) die Belagerung von Przemysl im Ersten Weltkrieg beschreibt, war bei Suhrkamp erschienen (ich hab den Namen der Autorin vergessen)
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Tolkiens Romanwelt ist komplett fiktiv, wenn auch aus mittelalterlichen literarischen Stoffen und Motiven zusammengestellt (er war ja Mediaevist) --- ganz anders Norman Mailers Roman The Naked and the Dead (1948), welcher realistisch eine allerdings fiktive Eroberung einer fiktiven japanischen Insel durch die amerikanischen Truppen beschreibt. Möglicherweise ist diese Art der Verarbeitung/Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs treffender als literarische Umsetzungen realer historischer Ereignisse, wie z.B. in Alfred Anderschs Roman Winterspelt oder Arno Schmidts Erzählung aus dem Leben eines Fauns.
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die Beschreibung der Kämpfe und der Geografie legt nahe, dass es sich um eine fiktionalisierte Darstellung der Schlacht von Guadalcanal handelt.
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ist natürlich relativ, aber zumindest seine überaus ausführliche Darstellung des Gefechts bei Hollabrunn ( Schlacht bei Hollabrunn und Schöngrabern ? Wikipedia ) haut zumindest von der Geographie/Topographie her nicht so ganz hin. Was den Gefechtsverlauf selbst betrifft, kann ich das nicht so recht beurteilen.
     
  5. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Robert Shea beschreibt in seinem Roman "Saracen - The Land of the Infidel" die Schlacht von Ain Djalut, wo 1260 ein mongolisches Heer von einem arabischen Heer unter der Führung des Mameluken Baibars I. vernichtet wurde.

    Im Folgeband "Saracen - The Holy War" lesen wir über die Schlacht von Benevent 1266, in der Charles d' Anjou den König von Sizilien, den Staufer Manfred, besiegt und tötet.
     
  6. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Diese Schlacht bildet auch das dramaturgische Finale von Peter Berlings Grals-Pentalogie im "Kelim der Prinzessin" aus dem Jahr 2005.
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Tolstoi war Offizier im Krimkrieg gewesen und hatte für sein Meisterwerk Krieg und Frieden nicht nur umfangreiche historische Recherchen betrieben, sondern auch Zeitzeugenberichte aus seiner eigenen Familie in die Beschreibung der Schlacht von Borodino verarbeitet. Tolstoi berichtet mit ironischer Distanz über die militärische Strategie beider Armeen und macht sich über die Vorstellung große Männer machen Geschichte lustig. Die Freunde Andrej Bolkonski und Pierre Bestuchow finden sich in einem Inferno wieder, dass der Zivilist Bestuchow nicht versteht. Napoleon glaubt, er bestimme das Geschehen, ist aber in Wirklichkeit ein Getriebener. Seine Befehle werden nicht befolgt, weil sich die Lage längst geändert hat, wenn die Adjutanten eintreffen. Als die Generale nur nach Verstärkungen verlangen, fasst den Kaiser das Entsetzen, als nach 6 Stunden, die Russen noch immer standhalten und er tröstet sich damit, dass bei Borodino, das Tolstoi als einen moralischen Sieg der Russen interpretiert mehr Deutsche und Italiener, als Franzosen gefallen sind.
     
  8. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Patrick Rambaud, Die Schlacht.

    Der 1997 in Frankreich erschienene Roman (drei Jahre später lag die Übersetzung ins Deutsche vor) behandelt die Schlacht von Aspern und Eßling im Jahr 1809. Rambaud erhielt in Frankreich für sein Buch den Prix Goncourt, eine bedeutende literarische Auszeichnung.

    Ich sehe gerade, dass schon 2006 ein User das Buch erwähnte. Ja, gelesen habe ich es.

    Ich bin keine Expertin für die Zeit der napoleonischen Kriege, aber die literarische Qualität überzeugte mich. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren eine Vielzahl historischer Romane, die teilweise nur plattes Unterhaltungsniveau haben und sich kaum mit den Büchern von Lion Feuchtwanger oder Hermann Kesten vergleichen können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Dezember 2012
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    und da sollte seine minutiöse Beschreibung der Belagerung von Sewastopol unbedingt in diesem Faden erwähnt werden:
    Sewastopoler Erzählungen (russisch: Севастопольские рассказы)
     
    1 Person gefällt das.
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Schlachten bei Großgörschen, Leipzig und Waterloo von Erckmann/Chatrian in "Ein Rekrut von 1813" (Histoire d’un conscrit de 1813) von 1864 und "Waterloo" von 1865. Nach meiner Erinnerung beschreibt das Autorenduo nicht so detailiert das Schlachtgeschehen an sich, sondern eher die ein bisschen naiv-beschränkte Sichtweise ihres Helden des einfachen Uhrmachergesellen Joseph Berta aus Pfalzburg. Ein Bekannter von mir, der sich mit 1813 besser auskennt, meinte, dass die Geschehnisse recht gut getroffen worden seien. Die Autoren sollen sich auch mit Zeitzeugen der napoleonischen Kriege, die in den 1860ern freilich recht betagt noch lebten, ausgetauscht haben.
    Besonders spannend fand ich die beiden Romane nie, aber das macht sie meines Erachtens dem Leben auch näher. Wie soll das schlichte Gemüt des einfachen Soldaten Bertha sich auch zu einer packenden Lebenserzählung aufschwingen, ohne an Glaubhaftigkeit einzubüßen?

    Ansonsten habe ich als Jugendlicher viele historischen Romane gelesen. Die sogenannte Jugendliteratur zeigte allerdings in der Regel nur kleine Ausschnitte aus Gefechten (z.B. mit sehr vielen historischen Fehlern und einer dicken Portion Weltanschauung Peter Löws "Der schwarze Jäger aus Sachsen" mit den Gefechten bei Mölln und an der Ghörde).
     
  11. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Die Schlacht von Waterloo in dem Roman: "Barbara und die Schlacht von Waterloo" von Georgette Heyer. Dieser Roman soll sogar wegen seiner detaillierten und korrekten Schilderung (angeblich) auf Militärschulen verwendet worden sein.
     
  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ich auch :)
    Titel und Autor weiß ich nicht mehr, habe das Buch auch nicht mehr: es war ein sehr patriotischer Roman über die erfolgreich überstandene/abgewiesene Belagerung der Burg Eger in Ungarn (edle Ungarn, böse Janitscharen etc. ...)
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Tödlicher Halbmond" (Geza Gardonyi).
    Bin irgendwie nie wirklich weit damit gekommen. Ich weiß nur noch, dass die Belagerung sehr monumental fast das ganze Buch einnahm.
     
  14. excideuil

    excideuil unvergessen

    Gut erinnern kann ich mich an: "Der alte Derfflinger und seine Dragoner" und die Schlacht von Ferbellin unter anderem auch deshalb, weil dieses Buch das erste war, was ich in Fraktur-Schrift zu lesen bekam und die ersten Seiten sehr mühselig waren ...

    Heute verzichte ich auf historische Romane, sicher auch aus Zeitgründen aber auch, weil ich in ein Alter komme, in dem ich mich zwar noch erinnern kann, dass ich etwas gelesen habe, allerdings nicht mehr zielsicher wo. Da kann dann Historie und Fantasie schon durcheinander geraten. Zudem hält die Historie Geschichten bereit, auf die wohl kein Autor kommen kann/darf, um glaubwürdig zu sein.

    Grüße
    excideuil
     
  15. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Theodor Plievier hat eine Trilogie über die Schlachten an der Ostfront um Moskau, Stalingrad und Berlin geschrieben. "Moskau" hab ich vor Jahrzehnten mal gelesen, erinnere mich aber kaum noch. War nicht ganz einfach zu lesen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Plievier
     
  16. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Lesen tu ich historische Romane schon länger nicht mehr, zumindest nicht die, die seit etwa 10 Jahren so Mode sind. Aber ich schreibe sie :)
     
  17. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Nicht so zukunftsträchtig, wenn alle so denken wie Du...:pfeif:
     
  18. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    :winke: Nun, ich lese das, was mir gefällt. Und die Sorte Histo, die so in den Buchregalen steht, gefällt mir eben nicht. Vom Cover bis zum Inhalt ist das Einheitsbrei. Die Verlage und Agenturen sind allerdings schon auf der Suche nach neuen Ideen, da der alte Zug langsam abgefahren ist. Steht jedenfalls zu hoffen. Zwei meiner Manuskripte liegen bei Agenturen vor, doch diese sehen im Moment noch keinen Markt dafür ( nicht gängige Epoche, gänzlich anderer Schreibstil), noch wird die alte Schiene bedient.
     
  19. Herakles

    Herakles Neues Mitglied

    Ich finde das Buch Solferino von Ulrich Ladurner gut beschrieben, weil sein Großvater war ja Soldat in der Schlacht.
     
  20. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Vielleicht sollte bei den Schlachten aber auch berücksichtigt werden, welche dramaturgischen Funktionen sie für den Roman haben.
     

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