Schlangen in Tontöpfe - Hannibals letzte Seeschlacht

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von heikom36, 17. November 2009.

  1. heikom36

    heikom36 Neues Mitglied

    Ich denke das man alles eingesetzt hat um zu töten.
    Es wurden ja auch, in Tongefäße eingeschlossene, Gitschlangen auf feindliche Schiffe geworfen (müsste jetzt nachschauen wer das erste mal auf die geniale Idee kam). Möchte nicht wissen, wie die Mannschaft reagiert hat wenn es aufeinmal auf deren Schiff vor Giftschlangen gewimmelt hat.
    Schwefel werden die Römer, auch als totbringendes Gas, gekannt haben. In Italien gibt es genügend Stellen wo es an die Oberfläche tritt.
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Wenn das jemals erfolgreich praktiziert wurde, war es biologische Kriegsführung... :winke:
     
  3. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Nicht eher psychologische wenn man schon ins Detail geht? Ich meine ich bin zwar kein Schlangenfachmann aber wenn mans ich mal in die Tiere reinversetzt (netter Gedanke übrigens ;) ). Man wird in ein enges Tongefäß gesteckt, voll von anderen Artgenossen, es ist dunkel und stickig (schlimmer als die Kölner 16 um die Mittagszeit), dann kriegt man ein Schleudertrauma aufgrund des Aufschlages und kann nichtmal froh sein nicht zu ertrinken weil der Schädel brummt :cry:.

    Also ist man als Schlange dann entweder stinkwütend aber verdammt desorientiert und attackiert alles mögliche, oder sucht sich irgendwas zum verkriechen. Egal in welchem Fall wird die Hauptwirkung von sowas dann doch in der Panik unter der Schiffsbesatzung bestanden habenund nicht in ihrem verfrühten Gifttod, also psychologisch-biologische Kriegsführung? Auch wenn das.. zugegebenermaßen unwichtige Haarspalterei ist
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2011
  4. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Hast Du da mal eine Quelle, bitte. Das interessiert mich.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Cornelius Nepos: Hannibal 10-11

    Iustinus 32,4
     
  6. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Danke. Das kann ich gut gebrauchen. :winke:
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die angegebenen Stellen
    Nepos:
    "Classe paucis diebus erant decreturi. Superabatur navium multitudine; dolo erat pugnandum, cum par non esset armis. Imperavit quam plurimas venenatas serpentes vivas colligi easque in vasa fictilia conici. Harum cum effecisset magnam multitudinem, die ipso, quo facturus erat navale proelium, classiarios convocat hisque praecipit, omnes ut in unam Eumenis regis concurrant navem, a ceteris tantum satis habeant se defendere. Id illos facile serpentium multitudine consecuturos."

    Iustinus
    "Dein, cum Prusias terrestri bello ab Eumene victus esset et proelium in mare transtulisset, Hannibal novo commento auctor victoriae fuit; quippe omne serpentium genus in fictiles lagoenas coici iussit medioque proelio in naves hostium mittit. Id primum Ponticis ridiculum visum, fictilibus dimicare, qui ferro nequeant. Sed ubi serpentibus coepere naves repleri, ancipiti periculo circumventi hosti victoriam cesserunt."
     
  8. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied


    :rotwerd: Weißt Du, mein Latinum ist ... naja ... mehr theoretisch. Der Dozent meinte, er würde das Latinum gern an Archäologen vergeben, vor allem, wenn die dann nicht wiederkommen würden. Aber danke. :red:
     
  9. Water

    Water Neues Mitglied

    Das war wie schon jemand anders schrieb Hannibal. Hab es gestern grade gelesen (lerne für Prüfung am Dienstag :scheinheilig:) und es steht bei Nepos, Hannibal, 7-13 irgendwo da... die Stellen musste ich für die Prüfung lesen.
    Da steht, dass die Gegner sehr verwirrt und verängstigt waren, als ihr Schiff dann voll Schlangen war. Und es steht auch da, wie Hannibal viele Schlangen fangen ließ und Krüge damit füllte... und an der Stelle fand ichs im übrigen ein bisschen unglaubwürdig, aber vielleicht hat jemand von euch einen Tipp (würde mir bei der Prüfung ja auch helfen :D), ob es damals wirklich so einfach gewesen sein könnte, einen Haufen Schlangen einzusammeln? Ich kann mir das kaum vorstellen, wie gesagt, die verkriechen sich ja und man pflückt die doch nicht einfach so aus dem Gebüsch, oder?
    Es wurden laut Nepos alle Schiffe damit beworfen bis auf das Schiff des Anführers, welches angegriffen wurde. Die Schlangen waren eher eine defensive Strategie, um die anderen Schiffe abzulenken, damit man den Anführer (der Name ist mir grad entfallen...:rotwerd:) in Ruhe gefangennehmen oder töten kann.
    Davor ist noch eine Stelle, wo beschrieben wird, wie schlau Hannibal doch ist (beim Geld verstecken auf Kreta) und insgesamt ist das Urteil über Hannibal doch eher positiv, zumindest wird er ziemlich "bewundert". Ich werd das Gefühl nicht los, dass die Schlangengeschichte eine Art Stilmittel ist...
    Weiß aber nicht, ob es sonst noch jemand schreibt.
    Wenn es wirklich so war, dann war es wohl effektiv... also so wie die Elefanten, eher psychologische Kriegführung.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Schlangengeschichte steht noch bei Iustinus.
    Aber natürlich besteht die Möglichkeit, dass Iustinus von Nepos oder beide von einer verlorenen gemeinsamen Quelle abgeschrieben haben, die sich das ausgedacht hat.
     
  11. Norman

    Norman Neues Mitglied

    Das Hannibal, Schlangen benutzt hat um effektiv etwas auszurichten klingt für mich eher unglaubwürdig. Das Einfangen von vielen Schlangen dürfte sicher nicht das Problem sein.
    Aber die Unterbringung in Tonkrügen, wo ja wirklich viele Tiere auf einmal zusammen leben, dürfte es zu unzähligen toden gekommen sein. Ich weiß ja nicht in welcher Region er sich zu der Zeit aufgehalten hat, aber verschiedenste Schlangenarten sind kannibalisch veranlagt.
    Schwer vorstellbar ist auch das die Schlangen, einmal rübergeschleudert, aggressiv auf dem Schiff wüten. Der Reflex wird wohl eher sein das sie flüchten.

    Vom Mythos der aggressiven Schlangen habe ich noch ein lustiges Video gefunden:
    [MOD]Link gelöscht - bitte die Hinweise beachten[/MOD]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. Juni 2011
    1 Person gefällt das.
  12. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Das mit dem Reflex habe ich angeführt, und Quellen müssen ja nicht immer stimmen, allerdings deutet hier schon etwas darauf hin, dass es stimmen könnte, auch wenn es sicherlich keine durchgehend angewandte "Standardkriegstaktik" war
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es handelte sich um eine Seeschlacht der Pontier gegen das mit Rom verbündete Pergamon. Insofern ist anzunehmen, dass du die türkischen Schlangenarten auf kannibalistische Neigungen untersuchen musst.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Der Effekt reicht schon, unwichtig ob es wirklich Giftschlangen waren.
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das sehe ich auch so. Wenn an Bord ein Krug einschlägt und Schlangen hinausschlängeln, dürfte sich das durchaus negativ auf Konzentration und Mitarbeit der Besatzung auswirken. Unabhängig davon wie giftig die Viecher nun wirklich sind.
    Bevor es in jeder besseren Apotheke oder jedem Provinzkrankenhaus Serum gegen Schlangenbisse gab, haben die Menschen das sowieso weniger gelassen und aufgeklärt gesehen als wir heute.
     
  16. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Quellenlage dazu ist nicht so schlecht. Wie ich schon mehrmals ausgeführt habe, wird die Geschichte von Cornelius Nepos und Iustinus erzählt. Cornelius Nepos schrieb im 1. Jhdt. v. Chr., Iustinus irgendwann in der Kaiserzeit, wobei er aber im Wesentlichen Pompeius Trogus exzerpierte, der unter Augustus schrieb, dessen Werk aber nicht erhalten ist.
    Nicht erzählt wird die Geschichte hingegen von Livius, aber das hat nichts zu besagen, da er den ganzen Krieg des Prusias gegen Eumenes nur kurz andeutete, ohne Einzelheiten zu nennen.
    Beweisen lässt sich der Wahrheitsgehalt aber freilich nicht.

    Eigentlich war es eine Seeschlacht der Bithynier gegen Pergamon. Cornelius Nepos bezeichnete König Prusias fälschlich als König von Pontos, aber er regierte in Bithynien. (Iustinus wiederum bezeichnete fälschlich die Pergamener als Pontier, nannte als ihren König aber eindeutig Eumenes.)
     
  17. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Nunja die Quellenlage mag nicht schlecht sein, aber um sowas zum Standard werden zu lassen, dafür erscheint es mir zu aufwendig und in normalen Situationen auch zu unsinnig. Auch wenn ich in antiker Seekriegsführung wohl nich Wissenslücken habe. Natürlich dürfte sowas vor einem Entermänover zuträglich sein, aber abgewogen gegen die vorneher durchzuführenden Maßnahmen (Schlangen finden, einfangen, in Töpfe verbringen) erscheint mir sowas militärisch nur in wenigen Situationen sinnvoll.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Natürlich kein Standard. Wäre es Standard gewesen, wäre die Geschichte a) nicht erwähnenswert gewesen und hätte b) keinen Überraschungseffekt gehabt.

    Zum Realitätsgehalt der Erzählung: der lässt sich wohl kaum überprüfen. Die Geschichte kann topisch sein (genialer Feldherr Hannibal, aber wir Römer haben ihn dennoch besiegt) aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass, wenn ein Autor dieses Einfall hatte, auch ein Feldherr diesen Einfall gehabt haben könnte. Insofern bleibt es jedem Leser überlassen, ob er Nepos als Erstquelle die Erzählung von den Giftschlangen ("plurimas venenatas serpentes vivas") abnimmt, oder nicht.
     

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