Schule im deutschen Kaiserreich

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Gast, 30. Mai 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hey Leute, Ich muss eine GFS über Schule im deutschen Kaiserreich schreiben und weiß leider gar nichts darüber!!! Könnt ihr mir helfen???
     
  2. Gast

    Gast Gast

    Bildung als Grundlage für Gleichberechtigung der Frau:
    Viele Frauen war lange - und nicht erst seit dem 19.Jahrhundert - klar, dass sie nur wirklich emanzipieren können, wenn es ihnen gelänge, den Männern in allen entscheidenden Bereichen, in der Wirtschaft wie in der Politik, in der Wissenschaft wie in der Kultur, ebenbürtig zu sein. Doch nur die Söhne bürgerlicher Familien wurden für ihre spätere Berufstätigkeit und eine gehobene Stellung in Staat und Gesellschaft qualifiziert. Aus dieser Tatsacheergab sich die Forderung der Frauen nach gleichen Bildungschancen. Und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb der Kampf um Bildung der hauptsächliche Schwerpunkt der bürgerlichen Frauenbewegung. Vor allen 2 Ziele verfolgten die Frauen mit ihrer Forderung: zum einen wollten sie den Zugang zu qualifizierter Erwerbsarbeitermöglicht haben z. B. als wissenschaftlich gebildete Lehrerin, zum anderen sollte sich für Mädchen durch höhere Bildung der Zugang zum Studium eröffnen, unabhängig von einer späteren Erwerbstätigkeit. Daneben setzte sich die Frauenbewegung aber auch für eine Verbesserung der Allgemeinbildung und der Berufsbildung für Mädchen und Jungen aller Schichten ein.

    Ein neues Berufsleben:
    Lehrerin
    Durch die Industrialisierung und die Entwicklung eines öffentlichen und privaten Dienstleistungssekors wuchsen die Anforderungen an die schulische Bildung und damit auch die Nachfrage nach Lehrkräften. Wollte ein Mädchen Lehrerin werden, dann waren für sie die Hürden ungleich höher als für einen jungen Mann. Für Mädchen endete die schulische Ausbildung mit 16 Jahren, damit waren sie von Abitur und Hochschulzulassung ausgeschlossen. Frauen konnten nur im anschließenden dreijährigen Lehrerinnenseminar zur Volksschullehrerin ausgebildet werden. Damit waren die von vornherein schlechter ausgebildet, schlechter bezahlt und sie genossen ein nur geringes Ansehen. Außerdem durften sie nicht heiraten bzw. mussten nach einer Heirat den Beruf aufgeben. Dennoch ergriffen Frauen wie z.B. Helene Lange diesen Beruf, denn er entsprach genau ihren Vorstellungen von der Kulturaufgabe der Frau. Und der 1890 gegründete Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein war 1913 mit 32000 Mitgliedern der größte weibliche Berufsverband.

    Widerstand und Erfolge:
    Der KAmpf der Frauenbewegung um bessere Bildungsmöglichkeiten für Mädchen stieß auf Widerstand der männlich dominierten Gesellschaft des Kaiserreiches. Die durch die Industrialisierung in den Augen vieler Männer ohnehin gefährdete Familie schien mehrfach bedroht: Zum einen verlässt die gebildete Frau da Haus, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen, sie kann also die ihr zugedachte Rolle als Gattin und Mutter nicht mehr erfüllen. Zum anderen wird sie zur Konkurrenz des männlichen Berufskollegen. Und natürlich fürchteten die Männer die ökonomisch selbstständige Frau, die sich der Bevormundung durch den Mann leichter entziehen kann. So ist es auch nicht verwunderlich ,dass der Wortführer der deutschen Mädchenschullehrer, Ludwig Langemann, 1912 einen Bund Zur Bekämpfung der Frauenmanzipation gründete.
    Aufhalten ließ sich der Kampf für gleiche Mädchenbildung indes nicht. 1893 wurde in Karlsruhe das erste Mädchengymnasium in Baden gegründet, in Berlin legten 1896 Schülerinnen des Abitur ab, ab 1900 galt an den badischen Universitätenvolles Immatrikulationsrecht für Frauen, Württemberg folgte 1904 und Preußen 1908. Mit der Zulassung zur Habilitation 1920 stand deutschen Frauen erstmals die akademische Laufbahn offen. Heute sind Mädchen und Frauen in allen Schulen, Hochschulen und Universitäten gleichermaßen vertreten wie Jungen und Männer, jedoch sind die Karrierechancen für die Absolventinnen noch immer schlechter als die ihrer männlichen Kommilitonen.

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    Ich hoffe mal, dass die 3 Abschnitte dir weiterhelfen und viel Glück beim Vortrag
     
  3. Sophie

    Sophie Neues Mitglied

    Hier ein bisschen was über Gymnasien zu der Zeit:

    DAS GYMNASIALE SCHULSYSTEM
    •[FONT=&quot] [/FONT]Gymnasien waren (neu)humanistisch
    à[FONT=&quot] [/FONT]Besonderer Schwerpunkt lag auf der Antike (Sprache, Geschichte sowie Ideale/Philosophien)
    •[FONT=&quot] [/FONT]Ausbildung umfasste 9 Jahre (ähnlich mit heutigem „System“)
    •[FONT=&quot] [/FONT]war nur für Knaben gedacht
    •[FONT=&quot] [/FONT]Schulgeld wurde erhoben (jährlich f 120 Mark [ 720 €])
    à[FONT=&quot] [/FONT]Das grenzte Kinder aus ärmeren Verhältnissen aus
    •[FONT=&quot] [/FONT]Führte bis 1900 als einzige Schule zum Abitur (Berechtigung zu allen Studienrichtungen)
    •[FONT=&quot] [/FONT]Absolventen zählten zur Bildungselite



    GEGEBENHEITEN / UMGANGSFORMEN
    •[FONT=&quot] [/FONT]Mädchen und Jungen wurden getrennt unterrichtet
    - Mädchen nur bis zum 16. Lebensjahr
    - an einem Lyzeum; höheren Töchterschule
    •[FONT=&quot] [/FONT]Der Lehrer/ (Eltern) durften Gewalt zur Disziplinierung anwenden (per Gesetz)
    •[FONT=&quot] [/FONT]Willkür der Lehrer (vieles lag in seinem Ermessen)
    •[FONT=&quot] [/FONT]Eiserne Disziplin
    Beispiel: Beim Eintreten/Austreten eines Erwachsenen wurde aufgestanden (evtl. begrüßt) und ständig geschwiegen
    •[FONT=&quot] [/FONT]Anrede an einen Lehrer:
    Frau/ Herr/ Fräulein + akademischer Titel + Name
    Beispiel:
    „Fräulein Doktor Müller“
    „Herr Oberstudienrat Müller“
    •[FONT=&quot] [/FONT]Anrede an einen Schüler:
    „Berliner Er“ (mit der 3. Person Singular)
    oder nur mit dem Nachnamen
    Beispiel:
    „Warum ist er zu spät?“
    „Setzen, Maier!“



    AUSZUG AUS EINER SCHULORDNUNG
    •[FONT=&quot] [/FONT]Die Füße der Schüler müssen mit ihrer ganzen Sohle auf dem Boden oder Fußbrette ruhen.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Die Oberschenkel müssen mit dem größten Teil ihrer Länge auf der Bankfläche aufliegen: die Schüler dürfen also nicht auf der Kante der Bank sitzen.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Der Oberkörper darf nur sehr wenig nach vorn geneigt und keinesfalls an die Tischkante der Bank angelehnt sein.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Der Kopf muss möglichst gerade gehalten werden, so dass das Kinn die Brust nicht berührt.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Die Schultern müssen sich in gleichlaufender Richtung mit der Tischkante befinden.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Die rechte Schulter darf weder höher noch niederer stehen als die linke.
    •[FONT=&quot] [/FONT]Der linke Vorderarm soll ganz, der rechte wenigstens mit seiner vorderen Hälfte auf der Tischplatte liegen.




    UNTERICHT EINER UNTERSECUNDA
    UNTERICHTSFACH Stunden (60 min) pro Woche
    •[FONT=&quot] [/FONT]Griechisch ……................................………..6
    •[FONT=&quot] [/FONT]Latein 7
    •[FONT=&quot] [/FONT]Mathematik/Rechnen………………………………………………4
    •[FONT=&quot] [/FONT]Deutsch 3
    •[FONT=&quot] [/FONT]Französisch…………………………………………………...…….3
    •[FONT=&quot] [/FONT]Religion (Kath., Evang., auch Israelische) 2
    •[FONT=&quot] [/FONT]Geschichte…………………………………………………………..2
    •[FONT=&quot] [/FONT]Zeichnen 2
    •[FONT=&quot] [/FONT]Naturbeschreibung u. –lehre …………............................……...2
    •[FONT=&quot] [/FONT]Turnen 2
    •[FONT=&quot] [/FONT]Erdkunde………………………………………………………..…..1
    •[FONT=&quot] [/FONT]Gesang 1
    ________________________________________________________
    12 Fächer 35 Stunden
    (Heute: auch 12 Fächer) (Heute: 30/31 Stunden (45 min), ca. 23 Stunden (60min))

    (Samstagsunterricht war eingeschlossen)





    KRITIK AN DIE GYMNASIEN
    Es wurde vorgeworfen, dass die Gymnasien…
    …Zu hohen Druck auf die Schüler ausüben (Schülersuizide, Eltern, Ärzte)
    …„Unnütze“ Sachen lehren (von Seiten der Industriellen)
    …ungleiche Bildungschancen unterstützen (Arbeiterfamilien)
    …sexuelle Aufklärung zu vernachlässigen (Frank Wedekind, Sigmund Freud; liberal Denkende)




    Bilder zu dem Thema:


    Diese Ungeratene Bengel! Nicht weniger als sechs Fehler habe ich in Seinem Abschiedsbrief an mich gefunden!“


    GUTE QUELLEN:
    •[FONT=&quot] [/FONT]Knauers Lexikon (1975); 13. Band (Na-Pa)- Stichwort: Neuhumanismus
    •[FONT=&quot] [/FONT]„Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart“ v. Kurt-Georg Herrlitz; Wulf Hopf; Hartmut Titze und Ernst Cloer à Kapitel 4 (Anpassungstendenzen im Höheren Bildungsbereich: Modernisierung und Herrschaftssicherung)
    •[FONT=&quot] [/FONT]„Unterrichtsmodell zu Frühlings Erwachen v. Frank Wedekind“ von Stefan Rogal à Zusatzmaterialen 4; 5; 6 und12; 13; 14; 15
    •[FONT=&quot] [/FONT]„Geschichte der Pädagogik“ v. Fritz Blättner; à Kapitel 17 (Neuhumanismus) und 18 (Die preußische Reform im Geiste des Neuhumanismus)
    •[FONT=&quot] [/FONT]1900 - Überhöhte Mieten und Wohnungsnot - chroniknet Artikel und private Fotos
    •[FONT=&quot] [/FONT]Ausführlicher Lehrplan des Gymnasiums zu Birkenfelde 1900
    •[FONT=&quot] [/FONT]Microsoft Encarta Enzyklopädie (2006)- Stichwort: Gymnasium



    Ich weiß zwar nicht genau, wo dein Schwerpunkt liegt, aber du könntest auch einen Vergleich ziehen zwischen den damaligen Schulsystem und den heutigen koreanischen oder japanischem.
    Hoffe ich konnte dir helfen….
    LG
     
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  4. Legion MD

    Legion MD Neues Mitglied

    Also bloß um das kurz zu korrigieren : Ich(dieses Jahr Abitur geschrieben) hatte zwar 12 Fächer, aber 38 Stunden und nicht nur 30 oder 31!!!
     
  5. Sophie

    Sophie Neues Mitglied

    Die Überschrift lautet UNTERRICHT EINER UNTERSECUNDA ergo einer 10. Klasse. EIne 10. Klasse hat heute ca. 12 Fächer, wenn nicht ein Fach doppelt belegt wurde, dann wären es 13 Fächer. Und dementsprechend ob der Schüler, zumindest in NRW, eine Sprache in der 9. Klasse belegt hat oder nicht, 30 oder 31 Schulstunden (umgerechnet ca. 23 Zeitstunden)... Das ich jetzt das Beispiel einer 10. Klasse genommen habe ist zufällig. Hätte ich den Primanerunterricht mit dem heutigen Abiturienten verglichen, müsste ich ja auch darauf eingehen, ob mein Beispielabiturient Pflichtkurse belegen musste oder nicht etc.
    Aber trotz allem, hatte die kleinen viel stress...
    An deinem Beispiel: Du hast 38 Stunden für dein Abi ackern müssen, ich gehe Mal von 45 Minuten unterricht aus (38 x 45=1710min). Die Untersecunda 35 Stunden a 60 min, ergo 2100min unterricht. Ein Oberprimaner musste, wie heute auch 34-38 Stunden in der Schule hocken, je nach dem ob er Zeichnen und Englisch zusätzlich belegt hat. Zugegebener Maße orientiere ich mich nur an dem Klassischen Modell (es kann natürlich Abweichungen gegeben haben) Aber wenn ich von den damaligen Stundenanzahl spreche, meine ich immer Zeitstunden! Die ellenlangen Hausarbeiten nicht mit eingerechnet, die wohl weit umfangreicher waren als die Heutigen.
     

    Anhänge:

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  6. Anish

    Anish Aktives Mitglied


    Was ist eine GFS? :S

    Und läßt sich das Thema noch etwas einengen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2009
  7. Sophie

    Sophie Neues Mitglied

    GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) ist eine Art Projektarbeit (soweit ich weiß wird das nur so in Baden-Würtenberg so genannt). Schüler sollen unter Anleitung des Lehrers ein von ihm vorgegebenes Thema untersuchen und ihr Ergebnis oder ihre Erkentnisse dann in Form einer PowerPointPräsentation oder eines Plakats der Klasse (und dem Lehrer) vorstellen, schriftliche Ausarbeitung (wie eine Facharbeit) ist aber auch möglich...Glaub ich...
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2009
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  8. Anish

    Anish Aktives Mitglied

    Danke für die schnelle Antwort.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2009
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  9. Gast

    Gast Gast

    Gab es damals nur Gymnasien oder auch niedrigere Schulen?
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gab die Volksschule von der ersten bis zur achten Klasse. Mit 14 Jahren wurde man dann berufstätig, es sei denn, man gehörte zu den wenigen, die das Glück hatten auf ein Gymnasium gehen zu dürfen.
     
  11. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Zu den "niederen" Schulen gehörten außer der Volksschule auch noch die Mittelschulen, zeitweise auch Bürgerschulen, höhere Bürgerschulen oder ähnlich genannt.

    Bei den Gymnasium gab es nicht nur das "humanistische", sondern - seit 1900 gleichberechtigt - das Realgymnasium und die Oberrealschule.

    (Bitte bei den entsprechenden Wikipedia-Artikeln nachschauen.)
     
  12. Gast

    Gast Gast

    Vielen Dank! lg Manu
     
  13. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Wenn ich recht weiß, hatte die Volksschule damals nur 7 Schuljahre.
     
  14. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Die Lage war - milde ausgedrückt - unübersichtlich. Man sollte drei Aspekte unterscheiden:

    1. Schulpflicht
    Hier gilt das von El Quijote Bemerkte: Sie beträgt ungefähr 8 Jahre - "ungefähr" deshalb, weil die Vorschriften der deutschen Bundesstaaten unterschiedlich waren. Für Preußen galten bis zum Weltkrieg grundsätzlich die Bestimmungen des Landrechts von 1794, die jedoch in den einzelnen Provinzen wiederum unterschiedlich umgesetzt wurden.

    2. Lehrplan
    Unterschiede auch hier. In Preußen galten die "Allgemeinen Bestimmungen" von 1872, die drei "Stufen" vorsahen, wobei aber nicht bestimmt war, welche Schuljahre/Jahrgänge zu welcher Stufe gehörten.

    3. Tatsächliche Schulorganisation
    Wenn man danach fragt, welche Klassen denn tatsächlich eingerichtet waren, ergibt sich ein ebenso buntscheckiges Bild mit gravierenden Unterschieden zwischen Land- und Stadtschulen. Man kann das am besten am Beispiel Preußens für das Jahr 1911 zeigen (Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Bd. IV, S. 217):
    a) Auf dem Land gab es 33.559 Volksschulen, davon hatten
    39,2 % eine Klasse
    32,3 % zwei Klassen
    16,6 % drei Klassen
    4,8 % vier Klassen
    2,7 % fünf Klassen
    2,0 % sechs Klassen
    2,3 % sieben Klassen
    0,1 % acht Klassen
    b) In den Städten gab es 5.125 Volksschulen, davon hatten
    7,7 % eine Klasse
    5,7 % zwei Klassen
    6,5 % drei Klassen
    6,1 % vier Klassen
    5,4 % fünf Klassen
    16,1 % sechs Klassen
    40,0 % sieben Klassen
    12,5 % acht Klassen

    Die Details sind überaus verwirrend, und zwar auch deswegen, weil sehr Vieles in Bewegung war. Vergleiche mit der heutigen Situation sind in beinahe jeder Beziehung schwierig.
     
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  15. Aleunam

    Aleunam Neues Mitglied

    Hey Leute,
    hing es damals von den Noten ab ob man aufs Gymnasium gehen durfte oder vom Stamm?
     
  16. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Welchen Stamm meinst du?
     
  17. querdenkerSZ2

    querdenkerSZ2 Aktives Mitglied

    Hat das Gymnasium nicht bis nach dem WW II Schugeld gekostet ?
     
  18. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Nicht ohne Grund habe ich Schuljahre nicht Klassen geschrieben. Damals war es üblich, dass mehrere Jahrgänge in einer Klasse waren. Etwas, das heute wieder im Kommen ist,

    Soll bestimmt Abstammung heißen. Und von der hing es sehr ab, ob man aufs Gymnasium konnte. Doof durfte man natürlich schon nicht sein. Aber nicht doof zu sein nützte nichts, wenn man nicht den familiären Hintergrund hatte. Es stimmt nämlich tatsächlich, dass Schulgeld bezahlt werden musste. Intelligente Arme konnten also nur aufs Gymnasium, wenn sie einen Sponsor fanden. Auch die Kirchen haben gesponsort, wenn man anschließend Pfarrer wurde.
     
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  19. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    So war's, und nicht nur an den Gymnasien, sondern an allen Schulen, die nicht Pflichtschulen (= Volksschule, Berufsschule) waren, also auch an den Mittel- bzw. Realschulen. Erst seit den 60er Jahren besteht überall Schulgeldfreiheit.

    Zu Beginn des Kaiserreichs wurde auch an den Volksschulen noch Schulgeld erhoben; in Preußen wurde es definitiv erst durch § 4 des Gesetzes vom 14.06.1888 abgeschafft, in Bayern, Württemberg und anderswo noch später.
     
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    In diesem Zusammenhang ein paar Literaturtipps: In vielen seiner Romane setzt sich Herrmann Hesse mit Schule und der zu seiner Zeit herrschenden "Schwarzen Pädagogik" auseinander. Zu erwähnen sind hier vor allem "Demian" und "Unterm Rad"

    Der Schüler Hans Giebenrath wächst in einer Kleinstadt im Schwarzwald auf. Für begabte Jugendliche gab es einen schmalen Weg, durch ein Stipendium eine höhere Schule besuchen zu können.





    "Der Schüler Gerber" von Friedrich Thorwald spielt zwar in der Zeit zwischen den Weltkriegen, aber die Handlung ist ähnlich wie unterm Rad. Der Schüler Gerber ist frühreif und sensibel, und der neue Klassenlehrer "Gott Kupfer" sagt unumwunden, dass er auch ihn brechen werde. Gerber sieht schließlich genau wie Hans Giebenrath keinen anderen Ausweg mehr, als Selbstmord.

    Das "Landexamen", das einmal im Jahr in Stuttgart stattfand und dessen beste Absolventen ein Stipendium im Kloster Maulbronn und danach im Tübinger Stift erhielten, um dann Pfarrer oder Lehrer zu werden. Hesse riss übrigens selbst mit 15 Jahren in Maulbronn aus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2009

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