Schulen im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von saeculum, 10. Mai 2010.

  1. saeculum

    saeculum Neues Mitglied

    kann man ganz pauschal sagen, dass es in Städten in denen geistliche Orden angesiedelt waren auch Schulen gab bzw. dass in Städten mit mehreren geistlichen Orden und Klöstern auch mehrere Schulen vorhanden waren?

    LG Saeculum
     
  2. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Hallo,

    Im Mittelalter waren die meisten Schulen Klosterschulen, die in erster Linie den Kindern der Oberschicht vorbehalten waren. So etwas wie allgemeine Schulpflicht gab es damals noch nicht. Kinder wurden von der bäuerlichen Bevölkerung vielfach für Arbeiten eingesetzt (Knaben um Vieh zu hüten, Mädchen um zu weben, etc.). Grund: man kämpfte damals ums Ueberleben, Hungersnöte gab es öfters. Daher war man auf die Arbeit der Kinder angewiesen.

    Das folgende Beispiel von Tante Wiki bezüglich der Schweiz ergibt einen guten Ueberblick, der auch andernorts ähnlich gewesen sein dürfte:
    Bildungssystem in der Schweiz ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2010
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  3. Traklson

    Traklson Neues Mitglied

    In diesem Zusammenhang dürfte die Admonitio generalis Karls des Großen aus dem Jahre 789 n. Chr. interessant sein. Demnach musste jedes Kloster und jeder Bischofssitz eine Schule einrichten und „Schulbücher“ besitzen.
    Wenn ich das richtig überschaue, setzte allerdings erst mit den Domschulen die „Schulung“ von Laien ein. Bis dahin wurde nur zum Kleriker ausgebildet.

    Liste der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum ? Wikipedia
    Von hier kannst Du dann munter weiterklicken (Ratsgymnasium, Stiftsschule, Lateinschulen).

    Viel Spass!
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Das stimmt bezüglich der allseits erwähnten Lateinschulen, aus denen sich später teilweise die Gymnasien entwickelten. Doch seit dem späten Mittelalter gab es schon erste private "Winkelschulen", die allerdings nicht so anerkannt waren. Interessant dazu, dass die Lehrer ähnlich Handwerksgesellen als "Winkelmeister" bezeichnet wurden.
    Winkelschule ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2010
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  5. saeculum

    saeculum Neues Mitglied

    mein Problem ist, ich beschäftige mich mit Schulen im Mittelalterlichen Thüringen. Überall lese ich, was für eine bedeutende Schulstadt Erfurt beispielsweise war. Aber abgesehen von den Verweisen auf einige Klosterschulen von hohem wissenschaftlichem Rang und der Universität sowie der Ratsschule die 1561 gegründet wurde finde ich keine namentlichen Nennungen von Schulen. Hatten also Franziskaner, Dominikaner, Augustiner Chorherren, Augustiner Eremiten, Schottenmönche und das Peterskloster jeweils eine eigene Schule in Erfurt?
     
  6. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Mehr Info findest du vielleicht hier
    R. Herrmann: Die Lateinschulen im Ernestinischen Thüringen. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertum. Band 42, 1940, Seite 231
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Erste Schulen in Erfurt
    Anfänglich kann jedoch nicht von einer "Erfurter Schule" gesprochen werden. Vielmehr gab es im alten Erfurt fünf Schulen: Bereits seit dem 12. Jahrhundert an den Stiften der St. Marien- und St. Severi-Kirche, ab dem 13. Jahrhundert am Reglerstift der Augustiner-Chorherren, am Kloster des Petersbergs und ab dem 14. Jahrhundert am Schottenklosters. An diesen waren verschiedene Lehrer angestellt. Daneben arbeiteten in Erfurt aber auch freie Magister ohne Bindung an eine Schule.

    Diese verschiedenen Schulen standen jedoch in ihrem öffentlichen Lehrbetrieb nicht unabhängig von einander. Denn ein Schüler wählte nicht eine Schule, an der er Unterricht erhalten wollte, sondern einen Magister. Diese Wahl fand in jedem Semester neu statt. Deshalb war es für einen Schüler möglich im ersten Semester einen Magister am St. Marienstift zu wählen, im nächsten einen am St. Severistift u.s.w. Bald prägte sich der Begriff eines "Erfurter Studiums" aus. Die Schüler gingen nach Erfurt zum Studium und nicht an die Erfurter Schule St. Marien oder St. Severi.

    Erfurter Schulen
     
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  8. saeculum

    saeculum Neues Mitglied

    kann das Beispiel Erfurt denn als exemplarisch gelten? Ist es möglich davon Rückschlüsse für andere Städte abzuleiten oder wäre es vermessen anzunehmen, dass das "Schulnetzwerk" beispielsweise in Eisenach oder Mühlhausen und Nordhausen ähnlich war? Wie siehtsah es in Ortschaften aus in denen es lediglich eine Pfarrkirche bzw. einen Orden gab? War diese/dieser automatisch für das Schulwesen verantwortlich?
     
  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    Ich denke schon, wobei Eisenach sicher ebenfalls eine gewisse Sonderstellung einnahm.
    Das ist pauschal nicht zu beantworten, Caro1 weiß da sicher mehr. :scheinheilig:
     

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