Sechstagekrieg - Politische Verhältnisse

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von Gast, 23. Januar 2011.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo!
    Ich habe eine Frage bezüglich des Sechstagekriegs. Wie waren eigentlich die politischen Verhältnisse zwischen den Rivalen bevor der Krieg ausgebrochen ist?

    LG Gast
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Sehr mies.
     
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  3. Gast

    Gast Gast

    Deine Aussage ist ziemlich unverständlich. Demnach habe ich keine Ahnung was du mir eigentlich damit sagen willst.

    Ich muss über den Sechstagekrieg ein Referat halten. Mein Geschichtslehrer sagte zu mir, dass ich ein besonderes Augenmerk auf die politischen Verhältnisse vor und nach dem Krieg legen sollte.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Sechstagekrieg (!967) ist ja nicht von ungefähr ausgebrochen. Israel wurde wenige Stunden nach seiner Gründung (14. Mai 1948) von seinen arabischen Nachbarn angegriffen (in den Morgenstunden des 15. Mai 1948, Erster Arabisch-Israelischer Krieg), mit einigen der damaligen Staaten ist Israel offiziell seitdem im Kriegszustand. Letztendlich sind die ganzen Kriege, die Israel seitdem führte immer wieder nur ein Aufflackern dieses einen Krieges:
    Die Suezkrise (1956), der israelisch-ägyptische Krieg (1968–1970), der Jom-Kippur-Krieg (1973). Inwieweit die Feldzüge in den Libanon (während des libanesischen Bürgerkrieges) gegen die PLO und jüngst (demnächst wieder?) gegen die Hizb-ullah damit hinein zu zählen sind, sit auch noch eine Frage.
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Du solltest uns vielleicht auch erst etwas anfüttern. Deine Frage ist ebenfalls sehr kurz gehalten.

    Das was Du dir da ausgewählt hast ist ein recht komplexes Thema, dass zudem von beidseitiger Propaganda so zugemüllt wurde, dass man nur unter großen Schwierigkeiten ein ausgewogenes Bild erhält.

    El Quijote hat einen (sehr kurzen) Abriss erstellt, den man doch schon im Ansatz relativieren kann/muss. Die Geschichte fängt weder 1948 an noch beschränkt sie sich auf die erwähnten Meilensteine.

    Es gab schon Kämpfe vor der Unabhängigkeitserklärung Israels. Es trifft zwar zu, dass Israel gleich nach der Gründung von den Armeen seiner Arabischen Nachbarn angegriffen wurde, es stimmt aber auch, dass mit der Hagana Israel über ein Schalgkräftiges, gut trainiertes und relativ gut bewaffnetes Instrument hatte (das im Vorfeld der Unabhängigkeit schon viel des den Palästinensern zugesprochenen Territoriums besetzt hatte) während ihre Gegner nur über unkoordinierte, schlecht trainierte und noch schlechter geführte Kräfte verfügten (mit Ausnahme der Jordanischen Arabischen Legion, die jedoch von den Briten zurückgehalten wurde).

    Es ist auch Kurios, dass die Ereignisse von 1956 (Frankreich GB und Israel gegen Ägypten) im allgemeinen Sprachgebrauch als "Krise" bezeichnet werden, während andere nicht unbedingt gewaltsamere als "Krieg" figurieren.

    Im kurzdurchlauf erscheinen die Arabischen Staaten durchweg als Agressoren. Vor allem wenn Suez ausgeblendet wird (Siehe der feine Unterschied "Krise" und "Krieg") , und die Ereignisse vor der Unabhängigkeit unter den Teppich gekehrt werden.

    Ich würde mal auch auf die Phase zwischen den größeren Ereignissen achten. Es gab auch eine unmenge an kleinen Zwischenfällen die entgegen der üblichen Darstellung keineswegs immer von den Arabern ausgingen. Insbesonders das Verhältnis zu Ägypten ist da zu betrachten und wie dieses Land entgegen seiner ursprünglichen Ausrichtung sich an den Ostblock wandte.

    Wenn Du interesse an präziseren Daten hast, dann kann ich gerne Links und Bücher anführen. Berichte uns erst einmal was Du schon selber hast.
     
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  6. Gast

    Gast Gast

    Erstmal ein Danke für die zahlreichen Informationen!

    Ich würde gerne auf dein Angebot mit den Links zurückgreifen. Bis jetzt habe ich mir die Suezkrise und den israelischen Unabhängigkeitskrieg genau angeschaut. Informationen zum Sechstagekrieg habe ich auch schon in großer Anzahl von meinem Lehrer zur Verfügung gestellt bekommen. Diese handeln von den eigentlichen Gründen wieso es zum Krieg kam, sowie zum Verlauf des Krieges.

    Demnach fehlen mir nurnoch die politischen Verhältnisse zwischen den Rivalen, aber so wie ich hier das entnehmen konnte waren diese nicht besonders erfreulich, da es ja eigentlich schon immer "Rangeleien" gegeben hat.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du hast gewissermaßen Recht. Aber das Referatstehma ist schließlich der Sechstagekrieg, nicht der israelisch-arabische Konflikt bzw. (das kann man weder richtig trennen noch richtig gleichsetzen) der israelisch-palästinensische Konflikt..
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich glaube ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang sind die verschiedenen Regime die auf der Arabischen Seite bestanden.

    In Syrien und in Ägypten herrschten Nationalistische weltliche Regierungen. Diese hatten das Bestreben einen "eigenen" dritten Weg zu entwickeln, jenseits der beiden dominierenden Mächte. Ägyptens Präsident Nasser war Maßgeblich an der Gründung der Blockfreien in Bandung beteiligt. Diese Regierung setzten auf Fortschritt und Entwicklung und zeigten es mit Projekten wie z.B. der Assuan-Staudamm in Ägypten. Man versuchte auch eine eigen Industrie zu entwickeln, holte Forscher und Techniker ins Land (Ägypten versuchte z.B. ein Überschallkampfflugzeug zu bauen, entwickelt durch Willy Messerschmitt. Man kaufte auch Lizenzen für Handfeuerwaffen in Schweden und entwickelte Raketen mit deutsche Exilanten). In diesem Sinne gab es eine Zeit in der Nasser bestrebt war keinen Konflikt mit Israel zu haben, um diese Entwicklung nicht zu stören. Dieses endete aber definitiv schon 1955 mit dem "Gaza-Raid" und der Israelischen Beteiligung am Angriff auf Suez 1956. Danach wandte sich Ägypten immer weiter dem Ostblock zu und liess sich von diesem Ausrüsten und entwickelte eine deutlich aggressivere Haltung. Wenn man bis 1955 noch versucht hatte die Grenze unter Kontrolle zu halten und Aktionen von Palästinensischen Freischärlern zu unterbinden, hat man diese nach 1956 militärisch organisiert und unterstützt.

    Syrien hatte nach der Niederlage von 1948 eine sehr unruhige Zeit mit mehreren aufeinanderfolgenden Staatsstreichen. 1954 gab es ein kurze demokratische Zwischenzeit. Ab 1955 wandte es sich auch zunehmen der Sowjetunion zu und wurde von dieser militärisch aufgerüstet, wobei zu diesem Zeitpunkt das Interesse der Sowjet Union wohl eher war, einen Freund im Rücken der Turkei zu haben.

    Mit Ägypten richtete man zu diesem Zeitpunkt ein gemeinsames militärisches Kommando ein. Israel versuchte im Vorfeld des Angriffs auf Suez den Ägyptischen Stabsschef und seinen Stab umzubringen als dieser sich auf der Reise nach Syrien befand: (Operation Tarnegol - Wikipedia, the free encyclopedia). Der Minister überlebte weil er nicht an Bord war, es starben aber 19 Menschen. Bekannt wurde das erst vor relativ wenigen Jahren.

    Syrien versuchte in diesen Jahren auch die Grenze unter Kontrolle zu halten un keine irregulären Aktivitäten durch die Vertriebenen zuzulassen. Die Syrischen Grenztruppen hatten aber immer wieder zusammenstöße mit den Israelis. Syrien hatte m.E. lange Zeit eine deutlich aggressivere Haltung gegenüber Israel als Ägypten, war aber auch viel schwächer und in seinen Möglichkeiten sehr begrenzt.

    1958 haben sich dan Syrien und Ägypten zur Vereinten Arabischen Republik zusammengeschlossen. Das ganze war eher formell und hat auch nicht all zu lange gehalten, man kann es aber als Offensivbündnis gegen Israel sehen.

    Jordanien war damals der problematischte Nachbar Israels. Der König von Jordanien war Westorientiert, seine Armee wurde von den Briten und den USA ausgerüstet und er suchte eine Verständigung mit Israel, hatte als einziger direkte Kontakte mit der israelischen Regierung, auch wenn diese Geheim blieben.
    Durch die Westbank sickerten jedoch permanent Tausende von Grenzgängern, die meisten davon aus rein familiären oder wirtschaftlichen Gründen, daneben aber auch viele Kriminelle (Räuber und vor allem Schmuggler) und Freischärler.

    Israel reagierte auf die Grenzverletzungen mit zunehmender Härte. Der Bekanteste Zwischenfall ist der von Qybia (Qibya massacre - Wikipedia, the free encyclopedia) im Zusammenhang mit dem Krieg von 1967 ist jedoch der Zwischenfall von Samu sehr wichtig: Samu Incident - Wikipedia, the free encyclopedia. Dieser Zwischenfall destabilisierte Jordanien und verdarb die Beziehungen gründlich.

    Hier wird ein Buch von Benny Morris über die Periode 1948-56 besprochen. Sie behandelt leider nicht den Abschnitt bis 1967, gehört aber auch zu der Entwicklung die zu diesem Krieg führte: Israels Dirty War
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2011
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