Seltsame Burgverteidigung

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Alarik, 26. November 2019.

  1. Alarik

    Alarik Neues Mitglied

    Hallo
    In dem Film Johanna von Orleans 1999 sieht man bei der Belagerung der Tourelles wie die Engländer so eine Art mechanischen Schlägel benutzen, das ähnlich wie ein Windrat aussieht.
    Meine Frage, könnte es sowas in der Art wirklich gegeben haben, bzw kennt ihr noch andere solcher merkwürdigen Verteidigungswaffen?
    LG
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine interessante, bereits in der Antike und dann auch im Mittelalter verwendete Verteidigungsmethode war es, Säcke an die Mauern zu hängen, um die Aufprallwirkung von Geschossen oder Rammböcken zu dämpfen.
     
  3. -muck-

    -muck- Aktives Mitglied

    Vor Jahren stellte ich eine ähnliche Frage, und die Antworten enthielten einige interessante Denkanstöße.

    Tatsächlich muss man bedenken, dass Festungsbaukunst und das militärische Ingenieurswesen sich erst in der Neuzeit etablierten und institutionalisierten. Das heißt, es gab im Mittelalter kaum Traktakte oder dergleichen, keine Standards, wie Kriegsmaschinen zu bauen seien.

    Das Wissen hierüber wurde mündlich weitergegeben, man war bemüht, dass es keine allzu große Verbreitung fand (immerhin war es bare Münze wert), und vermutlich entschieden die Baumeister vor Ort, wie und womit sie eine Verteidigungsanlage schützen oder angreifen sollten.

    Mit anderen Worten: Alles, was funktioniert, mit damaliger Technologie umgesetzt werden kann und nicht kontraproduktiv ist, kann es auch gegeben haben. Ich denke, der kurbelbetriebene Streitflegel fällt in diese Kategorie.

    Freilich nimmt sich 'Johanna von Orleans' einige Freiheiten, obwohl der Film der Realität optisch näher kommt als andere.

    So sind z.B. die seltsamen Röhren, die in diesen Szenen ebenfalls vorkommen und durch die die Engländer Steinkugeln rollen, um die angreifenden Franzosen zu zerquetschen, viel zu groß und lang für echte Maschikulis. Sie höhlen die Mauern quasi aus und bieten mit ihren großen Öffnungen eine Angriffsfläche für Mauerbohrer. Wenn nicht durch Mauerbohrer oder Unterminierung, hätte man die Mauern an dieser Stelle zumindest durch die damals bereits verfügbaren Kanonen leicht niederbrechen können…

    Ein Verteidigungsgerät, das Dir @Alarik gewiss gefallen wird, ist der sog. Storch. Dabei handelte es sich um ein Korb, aufgehängt an einem Ausleger, der einer Angelrute auf dem Rutenhalter ähnelt. Man setzte Bogen- oder Armbrustschützen oder schlicht Leute mit einem Steinvorrat in den Korb und bugsierte diesen im richtigen Augenblick so über die Mauer, dass die Verteidiger in dem Korb Angreifer beschießen konnten, die sich hinter Schutzschirmen oder in toten Winkeln verbargen.

    Aber mein persönlicher Favorit, wenn auch nicht die technische Spielerei, die du vielleicht erwartest, sind Hunde und Wassereimer. Die Bewohner einer belagerten Burg oder Stadt banden entlang der Mauern oft Hunde an, die mit ihren feinen Sinnen Alarm schlugen, wenn sie Geräusche oder Vibrationen im Boden wahrnahmen, die von Stollengräbern herrührten.

    Hatte man keine Hunde, stellte man mit Wasser gefüllte Eimer aus und Kinder, um sie im Auge zu behalten. Kräuselte sich der Wasserspiegel andauernd, wusste man, dass die Angreifer einen Stollen gruben.
     
    Ravenik und muheijo gefällt das.

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