Seppuku

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von heinz, 9. Januar 2005.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Als seppuku bezeichnet man den rituellen Selbstmord eines Samurai. In der Regel rammte sich der Todgeweihte dabei einen Dolch in die linke Seite des Unterleibes, wo nach japanischer Vorstellung der Sitz der Seele war. Dann zog er die Klinge langsam zur rechten Seite. Ertrug der Samurai diese übermenschlichen Schmerzen, so durfte ein Kaikashu genannter Adjutant mit einem gezielten Schwertschlag den Qualen ein Ende setzen. Mit dieser Form des Freitodes hatte ein Samurai seine Ehre gerettet. (aus G/Geschichte) :rolleyes:
     
  2. Muck134

    Muck134 Neues Mitglied

    Mal ganz profan gefragt: und wenn er den Schmerz nicht ertrug? Kam das vor? Musste er dann qualvoll sterben? :confused:
    Und welche Gründe gab es für den Freitod?
     
  3. Crawford

    Crawford Neues Mitglied

    Hallo Muck,

    die Tugenden eines Samurai sind im Bushido, seinem Ehrenkodex, festgehalten. Dazu gehören:

    • Redlichkeit
    • Ausdauer
    • Anspruchslosigkeit
    • Tapferkeit
    • Höflichkeit
    • Ehrlichkeit usw
    Verstößt er gegen eine oder mehrere dieser Tugenden, konnte er durch Seppuku (=Harakiri) seine Ehre und die seiner Familie wiederherstellen. Entweder der Samurai selber oder sein Herr entschieden, wann der Krieger Seppuku zu begehen hatte.
    Viele Grüße, Crawford.
     
  4. Muck134

    Muck134 Neues Mitglied

    Interessant! :yes: Vielen Dank für deine Infos :bussi:
     
  5. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Die Kurzbeschreibungen unseres guten heinz bzw. der G Zeitschrift sind manchmal doch etwas arg unvollständig oder können eine Thematik nur mehr als dürftig beleuchten, liebe Muck.

    Zuerstmal, Seppuku oder auch Harakiri ist nicht nur eine Form des freiwilligen Selbstmordes, sondern konnte auch angeordnet werden.
    Die höchste Form der Loyalität, des Dienens, also des des Lebensinhaltes eines Samruais bestand darin, seinem Lehnsherren etwa in den Tod zu folgen, dies nannte sich junshi = Todesgefolgschaft. So ist eine ausgesprochen berühmte Geschichte in Japan die der 47 Samurai. Ich gebe sie am Ende nochmal wieder.

    Der Selbstmord war auch zur Ehrenrettung gehalten, wenn sich ein Samurai (darunter fallen wie gesagt auch weibliche Samurai) in einer Weise gekränkt oder verletzt füglte, die zu sühnen ihm unmöglich war oder nicht anstand, oder er schlicht versagte.

    Dabei war es nicht immer üblich, sich selbst den Bauch aufzuschlitzen. Weibliche Samurai etwa stießen sich einen Dolch in die Kehle oder durchtrennten selbst den Hals.
    Gerade bei Kindern oder hochrangigen Samurai war es üblich, das aufschlitzen des Bauches nur mit einem Fächer (ôgi), Holzdolch oder einem in der Scheide steckenden Wakizashi (Kurzschwert) oder Tanto (Dolch) anzudeuten, und der Kaikashu/Henker/Freund (je nach Situation und Anlaß) schlug bei der Berührung des Bauches den Kopf ab. Dies nannte sich ôgihara.

    Sollte ein Samurai zum Schrei ansetzen, war es die Pflicht seines Adjutanten zuzuschlagen, damit der Sterbende sich nicht durch dieses Zeichen der "Schwäche" noch im Tode entehrte.

    Seppuku konnte auch verboten werden, dies geschah zu diversen Zeiten, etwa das Verbot der junshi-Sitte durch die Tokugawa.

    Vermutlich entwickelte sich diese Form der Selbstentleibung erst im 12. oder 13. Jh., kurz vor dem Kamakura Shogunat. Dies läßt sich vermuten, da aus dieser Zeit in den Epen Hôgen monogatari und Heike monogatari herausgeht, dass die Führer des Minamoto Clans jede Schlacht auch als Bewährung ihrer Ehre ansahen und bei Niederlage nicht flohen (bwie bis dahin und auch später üblich) sondern sich zeremoniell selbst entleibten, um sich nicht zu ergeben.


    Der Tod ist zudem einer gänzlich anderen Betrachtungsweise als bei uns unterworfen.
    Die genauen Zusammenhänge zu erklären paßt weder hier rein, noch bin ich ein Fachmann für religiöse Hintergründe.
    Dies spiegelt aber auch sich auch in den Bestattungszeremonien wieder.
    Stirbt ein Samurai an Alter, Krankheit oder Unfall ist dies als natürlicher Tod betrachtet worden. Er wurde gewaschen, in weiße Baumwollkimonos gekleidet und zusammen mit Salben, Kräutern und Münzen in einem Sarg bestattet (Shintô) oder verbrannt (Budhismus).
    Die Witwe schnitt sich gewöhnlicherweise die Haare zum Zeichen, dass sie nicht mehr heiraten würde (was aber mit dem Nachwachsen selbiger erledigt war).

    Erst ab dem 17. Jh. zur Zeit der Edo kam es dazu, dass nur ein gewaltsamer Tod für einen Samurai als ehrenhaft angesehen wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Ritual immer weiter durch Vorschriften und Regeln geleitet.
    Zwei Tatamimatten mußten mit weißen Tüchern bedeckt werden. Auf diesem gab es dann die "Henkersmahlzeit" usw. usf.
     
  6. Crawford

    Crawford Neues Mitglied

  7. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Nachtrag: Wer wirklich etwas über die Haltung der Samurai, auch oder gerade zu Seppuku lernen will möge sich Wolfgang Schwentkers "Die Samurai", das "Hagakure" von Tsunemoto Yamamoto und "Der Weg des Samurais" von Munenori (Vorname ist mir gerade entfallen) lesen.

    Salve Crawford.
    Dies ist leider nicht ganz richtig.
    Normalerweise wurde ein Verstoß eines Samurais gegen die 7 Grundwerte des Bushido
    JIN - Güte
    GI - Ehre, Gerechtigkeit
    REI - Höflichkeit, Etikette
    CHI - Weisheit, Intelligenz
    SHIN - Aufrichtigkeit
    CHU - Loyalität
    KOH - Pietät
    nicht mit der Aufforderung oder dem Wunsch nach dem eigenen Tod beantwortet.
    Sühne für Verstöße gegen diese Regeln konnten mannigfaltig sein, etwa dem Aufenthalt in einem Kloster.
    Seppuku aufgrund einer Verfehlung als Regel hätte den Samuraistand sofort und entgültig ausgelöscht, denn im Bushido wird beschrieben, wie das Streben nach diesen Werte, nicht die sofortige Vollkommene Beherschung den vollkommenen Krieger bildet.
    Auch und gerade die großen Vorbilder Samurai fehlten mehr als einmal.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Januar 2005
  8. Crawford

    Crawford Neues Mitglied

    Das ist natürlich richtig, Tiberius, Seppuku war nicht unbedingt, sondern es konnte die Strafe für Vergehen sein. Das wollte ich nicht damit sagen, dass bei jeder Gelegenheit der "Bauch aufzuschneiden" sei.
    Dann wäre der Stand tatsächlich schnell Geschichte gewesen, denn die Tugenden des Bushido können ja je nach Auslegung relativ schnell mal übertreten werden.
    Viele Grüße, Crawford :hoch:
     
  9. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Crawford,
    Du hast völlig recht, Seppuku konnte, mußte aber nicht angewandt werden.
    Es ging in jedem Fall um die Ehre des Samurai, wenn er glaubte oder seine Umwelt, dass er das Gesicht verloren hatte, konnte diese Ehre nur durch die schon genannte Art des Freitodes wiederhergestellt werden. :thx:
     
  10. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Wie schon gesagt, dies ist falsch.
    Crwafords Beispiele drehten sich um Verstöße gegen den Weg des Bushido (wobei wie gesagt lange nicht jeder Bushi auch Samurai war).
    Es gibt auch andere Wege, seine Ehre und seinen Wert wieder herzustellen. Der Gang ins Kloster nach der Verfehlung etwa, oder große Taten inklusive der Anerkennung durch den Lehnsherren, auch der Tod in der Schlacht kann als Sühne gesehn werden.

    Nachtrag: Befohlenen Seppuku abzulehnen ist nicht möglich. Der zuständige Beamte wird auf die Durchführung bestehen. Ansonsten leidet die gesamte Familie.

    Will man sich mit dieser, uns Mitteleuropäern so völlig fremden Kultur und Philosphie beschäftigen empfehlen sich die Bücher Minamotos, Yamamotos und Mushashis, anstelle von G / Geschichte. Will man sich nicht mit den Schriften der Samurai selbst auseinandersetzen gibt es eine ganze Reihe ausgesprochen guter Publikation.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2005
  11. Tiedott

    Tiedott Gesperrt

    je nach situation und ansehen des zum seppuku verurteilten / freiwillig begehenden konnte auch kaisetsu geleistet werden. mit abtrennen des kopfes ging der sterbeprozess schließlich etwas schneller vonstatten...
    zudem ist harakiri als solches kein korrekter begriff sondern eher eine art übersetzungsfehler. der korrekte begriff lautet seppuku; es wird on-yomi gelesen.
    diese erscheinung zog sich auch noch bis in den 2. weltkrieg. erst in den letzten kriegstagen gelang es amerikanischen truppen, wirklich mal japanische gefangene zu machen. vorher brachten sich alle erstmal um, um der schande einer gefangenschaft zu entgehen.
     
  12. Andanchamun

    Andanchamun Neues Mitglied

    Ich habe mal erfahren, im 2. WK, wenn die Kamikaze-Piloten überlebt haben und im Wasser gelandet sind. Und da wollen die Amis Japaner aus dem Wasser rausfischen und sie festnehmen wollen, bringen sich die Kamikaze-Piloten gleich im Wasser mit Messer um, bevor die Amis sie lebendig fangen konnten.
     
  13. Tiedott

    Tiedott Gesperrt

    so war das lange zeit mit jedem potentiellen kriegs-gefangenen. in gefangenschaft zu geraten ist eine schande. und wenn man die mission hatte, sein leben zu opfer, aber versagt hat, dann ist es das genauso. da hilft nur selbstmord. so bleibt wenigstens eigene ehre und die der familie erhalten.
     
  14. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    1. Es gibt in der Tat wenige japanische Kriegsgefangene aus den Kampfhandlungen. Selbstmord ist jedoch der seltenste Weg, wie dies zustande kam. In der Tat hatten die meisten keine Möglichkeit den Freitod, der im übrigen nichts mehr mit dem Seppuku der Samurai zu tun hat, zu suchen. Samurai gab es zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr, auch wenn einige Offiziere sich in der Tradition gesehen haben mögen und Schwerter noch immer eine gewisse, wenn auch kleine Rolle spielten.
    Die Schwerter der Offiziere sind begehrte Sammelobjekte bei den Ledernacken gewesen, von einer Nutzung dieser oder der Seitenwaffen zum Selbstmord wird wenig berichtet.

    2. Es gab in Japan nach dem Krieg mehrere hundert Kamikaze-Flieger, zumeist sehr junge Männer mit wenigen Stunden Flugerfahrung, die diesen Krieg überlebten. Die wenigsten davon waren zwar zum Einsatz gekommen, aber auch von diesen gibt es einige. Es ist also durchaus nicht vergleichbar, einfache Japaner aus dem gerade vergangenen neben Samurai der Kriegsepoche zu stellen.
    Mir sind auch zwei Fälle von Verweigerung bekannt, in denen Piloten umkehrten, statt sich selbst in die Flak zu werfen.
    Übrigens ist Pilot keine angestrebte Tätigkeit gewesen.

    3. Es gingen weit über 500 000 jap. Soldaten und Helfer in russ. Kriegsgefangenschaft. Es sind dabei keine Selbstmorde aus Verweigerung bekannt geworden.

    4. Ein Vergleich unserer Wertschätzung des Lebens mit der asiatischen steht nicht an, Kultur, Religion, Werte, Lebensart und Umstände sind ausgesprochen verschieden.
     
  15. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich möchte noch eine weiter Art des Seppuku hinzufügen: Der Samurai, aber meistens waren es eher Frauen, die sich auf diese Art und Weise die Ehre widerherstellten, aßen Unmengen von Salz. Das konnte auf die verschiedenste Variante geschehen. In Form von aufgelöstem Salz, in Flüssigkeit, Wasser, Wein oder Suppen. In Form von Speisen: Stark übersalzter Fisch, etc, aber auch in Reinform. Der Körper dehydriert, also verdurstet. Durch das viele Salz im Körper bildet sich nach kürzester Zeit eine Lauge im Magen, die einen qualvoll Sterben läßt.

    Keine schöne Variante des Seppuku...
     
  16. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Wieso gleich Unmengen an Salz? Wenige Esslöffel voll in einer Tasse Wasser gelöst reichen doch aus.
    "Die Dosis mahct das Gift"
     
  17. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Ich glaube 150g an Salz hintereinander ist die tödliche Dosis.
     
  18. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Da habt ihr vollkommen recht. Ein Glas Wasser aus dem Toten Meer würden auslangen. Jedoch sollte man ja seine Ehre widerherstellen und da langen 150g nicht aus... aber ich weis eigentlich auch keine logische Erklärung, warum man Unmengen davon essen sollte. Eine genaue Grammanzahl ist mir nicht bekannt.
     
  19. Shiai

    Shiai Neues Mitglied

    Naja, hat das hier schon jemand versucht? Die natürliche Abwehrreaktion des Körpers ist hier nämlich ein intensiver Brechreiz. Dieser lässt sich zwar mit Übung überwinden, ich glaube aber kaum das jemand für einen Seppuku erst ein paar mal übt.
     
  20. Chop_Suey

    Chop_Suey Gast

    ich wollte nur eben anmerken, dass seppuku nicht das gleiche wie Harakiri ist...harakiri ist nur der akt des bauchaufschneidens und nicht der freitod an sich.hara=bauch
     

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