Sexualmoral im 19. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Nuda.Veritas, 30. Mai 2012.

  1. Nuda.Veritas

    Nuda.Veritas Neues Mitglied

    Hallo miteinander,

    für meine mündliche Abiturprüfung suche ich Literatur zum Thema "repressive Sexualmoral am Ende des 19. Jahrhunderts - das Beispiel Gustav Klimt".

    Ich habe natürlich schon ein paar Geschichtsbücher über das 19. Jahrhundert an sich und habe auch alles Mögliche zu Gustav Klimt (Biographie, Klimt und die ewige Weiblichkeit etc.)
    Mir fehlt jetzt nur noch etwas Spezifisches zu der Geschichte der Sexualmoral, Sexualmoral im 19. Jahrhundert oder dem Frauenbild im Wandel (der Geschichte/ des 19. Jahrhunderts).
    Ich suche nach Literatur die sowohl bezahlbar, als auch (zB auf Amazon) verfügbar ist. Alles was ich bisher in der Unibibliothek bei uns gefunden habe, war gerade in Reinigung oder auf Amazon nicht mehr verfügbar.

    Absolut hilfsbedürftige Grüße
    Nuda.Veritas
     
  2. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    vgl. z. B. Literaturhinweis: http://www.geschichtsforum.de/370780-post4.html
    ggf. kritisch aber : Foucault, Sexualität & Wahrheit (Bd. I) mit seiner Kritik an der sog. Repressionshypothese; der Diskurs um die Wende vom 17. zum 18. Jh. (Corinna Wernz, Sexualität als Krankheit. Stuttgart: Enke, 1993) liegt vielleicht etwas weit ab von der Fragestellung.

    Zum Frauenbild fällt mir freilich ein Christa Rhode-Dachsers Expedition in den dunklen Kontinent (Ffm: Fischer, 1997), in dem z. B. Freuds Weiblichkeitsbild kritisch thematisiert wird. Bedenkt man, daß sein halbes Leben ins 19. Jh. fällt, würde es aber noch zur Fragestellung passen. Vielleicht kann auch Silvia Bovenschen, Die imaginierte Weiblichkeit. (Edition Suhrkamp, 1979) weiterhelfen, wenigstens Kapitel "I Schattenexistenz und Bilderreichtum. Zur Struktur kultureller Repräsentanzen des Weiblichen".

    Wenn du noch genauer sagen könntest, worauf du selbst hinaus bist etwa in bezug auf Klimt, könnte der eine oder andere vielleicht noch bessere Hinweise geben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Mai 2012
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  3. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Sigmund Freud: "Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität"(1908)

    Im zeitgenössischen Kontext über Sexualität und Weiblichkeit, insbesondere in Österreich, solltest Du Dich auf jeden Fall mit den Werken August Stringbergs und dem Buch "Geschlecht und Charakter" von Otto Weininger beschäftigen. Letzteres war damals ein Kultbuch. Beide Autoren reagierten auf die aufkommende weibliche Emanzipationsbewegung mit einem zumindest bei Weininger bis zum Pathologischen gesteigerten Antifeminismus.

    Im literarischen Bereich wirst Du außerdem sicher fündig bei Arthur Schnitzler ("Reigen") und Frank Wedekind ("Frühlings Erwachen", "Lulu").
     
  4. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Daß ich da nicht schon drauf gekommen war; ich hänge manchmal viel zu sehr an Theorie...

    Auf Wedekinds Lulu gehen im übrigen dann auch die von mir empfohlenen Autorinnen in eigenen Kapiteln ein: sowohl Bovenschen als auch Rhode-Dachser.
     
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  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die dem 19. Jh. entstammenden Begriffe / Bilder / Vorstellungen der Femme fatale und Demivierge führen in ein recht umfangreiches literarische Gebiet - hierzu wird sich dann (zunächst literaturwiss.) Sekundärliteratur finden, aber bestimmt finden sich von dort aus auch Hinweise auf historische Sekundärliteratur.

    interessant kann auch kunsthistor. Literatur z.B. zum Werk bzw. den Motiven von Paul Gaugin sein (Südseebilder - die Exotin als Projektionsfläche)

    da es um Klimt geht, wäre natürlich auch zu sichten, was die Sekundärliteratur zu Jugendstil und Symbolismus hergibt.
     
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  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Wollte gerade mal schauen, um welches Buch es sich handelt mit der ewigen Weiblichkeit; bei Googeln dann auf dieses Buch gestoßen:

    "Das Rätsel Weib": das Bild der Frau in Wien um 1900 - Elfriede Wiltschnigg - Google Books

    Der Titel ist eine Anspielung auf Freud, meine ich.

    Was im übrigen die allgemeine "Sexualmoral im 19. Jh."und in bezug auf die Bedeutung für die Frauen ist über Google einiges zu finden; z. B.: http://www.dirnenlied.de/page20/page23/page23.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2012
  7. Nuda.Veritas

    Nuda.Veritas Neues Mitglied

    Hallo Hallo,

    vielen, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

    Ich habe jetzt wirklich viel Lektüre (teilweise Vorschläge von hier, Dank!, teilweise kam ich über Tipps von hier auf weitere Autoren).
    Wenn man einmal den Einstieg hat, dann findet sich haufenweise Lektüre, war nur schwierig den Einstieg zu finden.
    Das Internet würde ich gerne fast vollständig meiden und mich größtenteils auf Bücher beschränken, Websites habe ich auch zur Genüge gefunden.

    Nur falls Interesse besteht, perfekt auf den Punkt gebracht hat es: "Weibliche Identität und Sexualität: das Bild der Weiblichkeit im 19. Jahrhundert und in Sigmund Freud" von Lilian Berna-Simons, erschienen im Materialis-Verlag

    Also, Vielen Dank für die Hilfe, Ziel erreicht
    Nuda.Veritas
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke, im Zusammenhang mit Sexualmoral verdient unbedingt
    Magnus Hirschfeld, "der Einstein des Sex"
    erwähnt zu werden,wenn sein Thema auch die homoerotische Sexualität war und er sich dem Kampf gegen deren Stigmatisierung und Kriminalisierung verschrieben hatte.

    Neben dem Marquis de Sade hat Leopold von Sacher- Masoch dem BDSM seinen Namen verliehen. In seinem Werk "Venus im Pelz" thematisiert der Autor seine Beziehung zu einer Domina namens Wanda. De Sade und Sacher Masoch verschwanden allerdings jahrzehntelang im literarischen Giftschrank, ähnlich wie Anne Declos 1954 unter Pseudonym verfasste Roman "die Geschichte der O", der jahrelang auf dem Index stand.

    Eine Hommage an Sacher- Masoch legte u. a. die Kultband Velvet Underground 1967 vor mit dem von Lou Reed verfassten Song "Venus in Fur"
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    da wäre noch der satirisch-pornografische anonyme Roman "Schwester Monka" von 1815, E.T.A. Hoffmann zugeschrieben, zu nennen; auch Appollinaires grotesker Roman "les onze mille verges" von 1907

    nach der Lektüre solcher literarischer Zeugnisse kommt man unweigerlich zu dem Schluß, dass die Leute im 19. Jh. wohl nicht weniger kannten und machten als heutzutage :grübel::winke::rofl: - nur die sprachliche Verarbeitung war weniger grob. Übrigens ist auch Heinrich Heines Werk eine wahre Fundgrube zur Thematik dieses Fadens; kurioserweise auch Richard Wagner [sic], denn einerseits wurde seinem Ring des Nibelungen von Fontane "überall herrschen die commissesten Triebe und Gemeinheiten" attestiert, andererseits schrieb Wagner süffisant über des preuss. Staates "stehende Heere und was sonst noch so alles an ihm stehen möge" =)
     

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