Skandal in Dresden !

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Arcimboldo, 9. Dezember 2005.

  1. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    "Man töte dieses Weib", befiehlt Herodes am Schluss von Richard Strauss' Oper "Salome". , die heute vor genau 100 Jahren an der Semperoper ihre Uraufführung erlebte.
    Mit diesem Mord stellt der Herrscher die Ordnung wieder her: Salome musste straucheln - nicht nur, weil sie in einer rauschhaften Obsession die Enthauptung Johannes, des Täufers
    durchsetzte, sondern vor allem, weil ihr klar formuliertes sexuelles Verlangen ein Schlag ins Gesicht der Moralvorstellungen der Zeit um 1900 war. .......:rotwerd:

    Selbst bei ausführenden Künstlern ging der Tabubruch zuweit :
    Marie Wittich ist die erste Salome und sie ahnt schon früh das Gemisch aus Sensation und Skandal. Sich auch nur teilweise zu entblößen beim rauschhaften „Tanz der Sieben Schleier“,
    scheint ihr zu obszön. „Das tue ich nicht, ich bin eine anständige Frau“,

    http://www.arte-tv.com/de/service/alles-ueber-ARTE/ARTE-Magazin/Archiv/Archiv/769608.html

    Kaiser Wilhelm II. nach einer Aufführung : „Es tut mir leid, dass Strauss diese Salome komponiert hat, ich habe ihn sonst sehr gern, aber damit wird er sich furchtbar schaden“.
    Strauss später dem Kaiser genussvoll hat antworten lassen: „Von diesem Schaden konnte ich mir die Garmischer Villa bauen!“

    http://www.wdr.de/radio/wdr3/sendung.phtml?sendung=Ariadne&termineid=308250&objektart=Sendung

    Handlung der Oper :
    http://www.baehrig.de/Hobbies/Kultur/Opern/Salome/salome.html

    Strauß Biographie :
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/StraussRichard/

    zu Oskar Wildes Einakter :
    http://www.rainer-kohlmayer.de/pdf/salome_rezeption.pdf
     
  2. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Auf Drängen der Kaiserin mußte die Berliner Premiere noch zusätzlich "entschärft" werden, indem am Ende der Stern von Betlehem über das Bühnenfirmament zog... und in Wien durfte das Stück erst 1918 an der Hofoper gegeben werden, obwohl Gustav Mahler es liebend gerne dirigiert hätte.
    "Salome" ist ohnehin eine der Opern, um die es haufenweise Anekdoten gibt. Etwa jene legendäre Aufführung in Frankfurt, bei der Anja Silja merkte, daß ihre Stimme nicht mehr mitmachte, und sich kurzerhand in die Tiefe der Zisterne stürzte. In die Geschichte ging auch Dietrich Fischer-Dieskaus erster Auftritt als Jochanaan ein: Der Abendspielleiter führte ihn unter die Bühne und meinte: "So. Da oben ist ein Loch. Wenn ihr Stichwort kommt, steigen se ruff, machen oben ein bißchen uff heilig, und wenn se fertich sind, steigen se wieder runter." - was seine ganze Probe war...
     

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