Slawische Wehranlagen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Ronny25NB, 7. Juli 2004.

  1. Ronny25NB

    Ronny25NB Neues Mitglied

    Es ist ja bekannt, das die Slawen immer in wassernähe oder sogar direkt auf inseln ihre burgen bauten. gibt es irgentwo bilder im netzt wie solche einmal ausgesehen haben könnten?in groß raden habe ich mir schon die wiederaufgebaute anlage angesehen, bin aber nicht sehr begeistert davon, da diese burg gerade mal 60 meter innendurchmesser hat. die alten slawische wehranlagen sind da doch bedeutend größer gewesen.und steine kannten die slawen wohl nicht? denn ihre anlagen waren doch nur aus holz.war es da nicht sehr einfach eine solche burg in brand zu schießen?
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    JA, daher der Name BRANDENBURG! :rofl:

    Nee, mal im ernst, auch viele deutsche Burgen zu der Zeit waren eher solche "Forts", es kam wahrscheinlich darauf an wieviel man zum Burgenbau entbehren konnte.
     
  3. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Ronny,

    das wird der Grund gewesen sein, warum man von den slawischen Burgen so wenig gehört hat. Außerdem gaben sie als Holzburgen eine Belagerung nicht überstanden. Das wird auch die Tatsache sein, warum sich die Slawen zwischen Elbe/Saale und der Oder nicht halten konnten. :rolleyes:
     
  4. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Hallo Heinz, die Burgen im heutigen mitteldeutschen Raum waren im Frühmittelalter generell aus Holz und Schutt. Steinburgen kamen erst später auf. Sehr gut ist das anhand der Wasserburg Kapellendorf bei Jena zu sehen. Dort sind die einzelnen Bauphasen noch gut erkennbar.
    Die Slawen haben sich zwischen Elbe/Saale und Oder deshalb nicht halten können, da sie zwischen deutschem, polnischem, tschechischem und dänischem Feudalstaat aufgerieben wurden. Die Ansätze der Bildung eines Nationalstaates sieht man ja im Lutizenbund, der aber eben viel zu spät stattfand. Die Sorben waren schon seit dem 7. Jh. mehr oder weniger unter der Hand des Frankenreichs. Sie waren ja auch beliebtes "Objekt" für die staatlich-fränkischen Siedlungsprojekte (Werratal um Gerstungen, Werratal um Meiningen, Hassegau, Schwabengau, Gegend östlich Gifhorn usw.)
     
  5. Livia

    Livia Mitglied

    In Brandenburg gibt es auch eine nachgebaute Slawenburg:

    http://www.slawenburg-raddusch.de/burg.html

    "Steine" kannten die Slawen zwar, aber es gab keine Steinbrüche. Die (brennbare) Holzkonstruktion war mit Erde und Feldsteinen gefüllt - der Wall war auch ohne Steinmauer brandsicher.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2004
  6. Ronny25NB

    Ronny25NB Neues Mitglied

    slawen

    alle bücher die ich kenne, sagen eindeutig aus das die ersten slawen aus dem kiewer raum kamen :)
     
  7. elbart

    elbart Neues Mitglied

    Strategischer Rückschritt?

    Schade, daß dazu keiner mehr schreibt. Also ich habe mir Raddusch angesehen. Die Rekonstruktion ist toll gemacht und schon sehr beeindruckend. Ist auf jeden Fall eine Reise wert.

    Dennoch wirft das slawische Burgenkonzept dieser Art doch ein paar Fragen auf:

    War das wirklich eine wirkungsvolle Verteidigungsanlage? Weder die Lage der Burg noch die Höhe des Walls und schon gar nicht der Graben hinterlassen einen unüberwindbaren Eindruck. Der Graben mag zwar tief gewesen sein, aber er ist nicht besonders breit. Die im Web eingestellten Fotos verfälschen das meist auch ein wenig.

    Wieso sind diese Slawen hier (Lusizi) und auch andernorts mitunter an strategisch relativ schwache Punkte gegangen? Oder täuscht das nur? Aber es gab ja auch schon recht beeindruckende Höhenburgen - und auch slawische (Arkona!).

    Wieso schienen die Lusizi und auch andere Stämme das geradezu zu ignorieren, indem sie ihre Burgen in die Niederungen bauten? Auch in der Nähe von Raddusch hätte es den einen oder andern Hügel oder flachen Höhenrücken gegeben, der sich für Verteidigungszwecke schon eher angeboten hätte.

    War es regelrecht ein Gegenentwurf zur Höhenburg?

    Spielte dabei die slawische kultische Verehrung von Gewässern und Quellen eine Rolle? Konnte man sich sozusagen aus kultischen Gründen einfach nicht vom Wasser trennen und nahm lieber eine relativ ungeschützte Lage in Kauf?

    Fragen über Fragen... Hat dazu schon mal jemand geforscht?
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. April 2009
  8. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Ist zwar schon ne Weile her, aber ich hätte doch auch noch Diskussionsbedarf. Der Nachbau bei Raddusch erscheint mir äußerst seltsam. Komplett künstliche Gräben sind eher untypisch. Gräben wurden zwar auch künstlich angelegt, aber nach meiner Kenntnis nur in Verlängerung natürlicher Gegebenheiten. Auch erscheinen mir die Mauern sehr hoch. Aber die topografischen Bedingungen waren damals wohl auch andere als heute.
    Die Slawenburgen dienten ja fast generell als Fluchtburgen für die Bewohner der umliegen Dörfer im Kriegsfall und nicht als Wohnsitz eines Verwalters. Wenn sie überhaupt belegt war, dann mit einigen wenigen Wehrtruppen, die auch für die notwendigen Vorräte sorgten. Man folgte bei der Anlage einer Burg also nur bedingt einer strategischen Ausrichtung. Sie wurde in der Größe der Bevölkerungsdichte entsprechend einfach ins Zentrum einer Region gebaut, wo sich auch die Heiligtümer der Slawen befunden haben müßten.
    Um ihre Wehrhaftigkeit zu begreifen muß einem erstmal klar sein, daß die zu dieser Zeit übliche Truppenstärke der Deutschen Eroberer, die in diesem Gebiet auftraten, nichts mit den Angaben tausender Soldaten zu tun hat, wie wir sie im Allgemeinen kennen. Im Gros zog man mit 100 bis 500 Mann durch die Lande, wenn überhaupt. Heere mit mehr als 1000 Mann Stärke empfand man schon als mächtig und ein 5000-er Troß galt als gigantisch. Dies änderte sich erst wieder im Spätmittelalter.
    Allerdings galten die ersten Burgen sicher zum Schutze vor Angriffen fremder Slawenstämme. Da Zahlen zu nennen ist unmöglich. Riesigen Schlachtszenarien steht eine relativ geringe Bevölkerungszahl gegenüber siehe Schlacht bei Lenzen 929 . Die Zahl von mehr als 10.000 getöteten Slawen scheint bei einer geschätzten Einwohnerzahl (beim heutigen Gebiet des Landes Brandenburgs geht man von 20.000 bis 40.000 aus) von 100.000 doch reichlich überspitzt. Ich ziehe eher die kleineren Zahlen vor.
    Unter dieser Vorraussetzung und der Lage der Burgen in unzugänglichen Gebieten waren diese praktisch uneinnehmbar. Wie bereits erwähnt waren sie gegen Feuer relativ unempfindlich und mit großem Gerät kaum zu erreichen.

    MfG Silli
     
  9. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Gerade wegen den Wallburgen oder anderen Fliehburgen war es sinnvoll äusserlich noch breite Gräben zu ziehen, am besten natürlich gefüllt mit Morast oder Wasser, um die Mauern noch unüberwindlicher erscheinen zu lassen und Feinde damit vielleicht von vornherein abzuschrecken.
    Wallburg ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juni 2009
  10. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Natürlich sind die Gräben sinnvoll. Mir ist nur nicht bekannt, daß die Slawen komplett künstliche Gräben anlegten, da sie ihre Burg ja eh schon in das Gelände mit Wasserläufen und Sümpfen einbetteten.
     
  11. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Na ja, in einer Sumpf- und Moorlandschaft würde eine Burg auf Dauer einsinken, schlimmer als der turm von Pisa ...
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hm, also in der Nähe meiner Heimatstadt wurde auch eine slawische Anlage entdeckt. Dabei war das ganze Umland als Moorland bekannt. Vielleicht haben die alten Slawen ja auch schon Bodenprüfer gehabt.;)
     
  13. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Oder auf Stehlen bzw. Punktfundamenten gebaut? Vielleicht weiß @pelzer mehr ...
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Ich vermute praktische Hintergründe für wassernahe befestigte Flachlandburgen.
    Auf einem Hügel ist selten Wasser, damals war das Brunnengraben sicherlich noch nicht so technologisch bei den Slawen ausgereift. Und allein die Hügel Wasser von entfernt hochschleppen ist einerseits Mühsal andererseits bei durch Feinde erzwungene Notlagen nicht strategisch günstig vom Wasser abgeschnitten zu sein. Auch eine eventuelle Flucht über Wasser wäre bei den Slawen sinnvoller als aus einer relativ gut zu umstellenden oder für Feind jeden gut zu erreichenden Fluchtweg von der Höhenburg zu entkommen.
    Desweiteren ist die Flucht auf eine höhergelegene Fluchtburg mühsamer als über ebene Fläche zu ihr zu gelangen. Die Flucht musste relativ schnell von statten gehen, da sich die Feinde nicht Stunden vorher ankündigten.
     
  15. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Der Boden in Sümpfen oder Niedrungen muß nicht zwangsläufig instabil sein. Eine Insel im See, oder wie bei uns hier in Schwedt direkt in der Oderniederung auf einer erhöhten Talsandfläche reichten schon.
    Wie Hurvinek schon schrieb - ausschlaggebend war ein schneller Fluchtweg und nicht nur die Versorgung mit Wasser, sondern auch die Nähe zur Hauptnahrung der Slawen, den Fischen. Unter dieser Voraussetzung konntest du belagern wie du wolltest, eine Erstürmung oder Hoffen auf Nahrungsengpässe (wie in Alesia) oder Ausbruch von Krankheiten war sinnlos.
    Deshalb zog man auch in der Regel schnell wieder von so einer Burg ab. Zu holen gab es eh nichts.
    Daß die Lage einer solchen Burg im Wasser durchaus problematisch werden konnte ist von der Slawenburg in Schwedt bekannt. Es erhöhte sich im Spätmittelalter der Wasserspiegel der Oder und somit wurde die Burg unbewohnbar.
    Ausnahmen gab es aber wohl siehe hier . Liegt weit über der Oderniederung mit steilem Anstieg.

    MfG
     
  16. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ein Burggraben eignet sich nicht zur Trinkwasserversorgung: Der belagernde Gegner schmeißt ein paar verwesende Tiere darein, vielleicht fällt auch ein Angreifer oder Verteidiger getötet ins Wasser und kann nicht geborgen werden und schon ist das Wasser ungenießbar, stehende und langsam fließende Gewässer insbesondere.
     
  18. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Deshalb haben die Slawen auch natürliche Gegebenheiten genutzt und keine künstlichen Gräben. Diese müssen ja schon im Normalfall gestunken haben, da dort auch die Exkremente reinflossen.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nur, wenn Du davon ausgehst, dass die Burgen á la Raddusch bewohnt waren. Davon würde ich aber erst mal nicht ausgehen.
     
  20. Silli

    Silli Neues Mitglied

    Da haben wir uns sicher mißverstanden. Mit den stinkenden künstlichen Gräben meinte ich die anderer mittelalterlicher Burgen.
    Die Slawenburgen waren nicht bewohnt, wurden aber für den Fall eines längeren Ausharrens dafür eingerichtet und bereit gehalten.

    MfG
     

Diese Seite empfehlen