Spottnamen der Franken

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von traucum, 14. Oktober 2007.

  1. traucum

    traucum Gast

    Im lateinischen "Waltharilied" wird erzählt wie der flüchtige Held -Walther von Aquitanien- und seine Gefährtin Hildegunde glauben sie seien von ihren Verfolgern eingeholt, dann aber feststellen es seien nur Franci nebulones - also "Halunken, Schelme, Betrüger" - die hier durchziehen (wahrscheinlich Streife reitend).
    Warum "nebulones" ? Bis jetzt konnte ich in der einschlägigen Literatur keine einigermassen überzeugende Erklärung finden....Ich habe Grund zu der Annahme es sei dies eines den Franken anhaftenden Spottnamen wie vielleicht auch auch nugator oder dossenus ....
    Wer kann hier weiterhelfen? Vielleicht sogar mit Beispielen......
    TRAUCUM​
     
  2. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    Nibelungen-Halunken

    Ach duliebergott,
    Wie kann man nur auf sowas kommen?
    Wo hast Du das blos her?
    Eine Interpretation "Niflungen= Nebelmänner" stammt aus dem 18.Jahrhundert und aus Skandinavien, aber die Erklärung "Halunken, Schelme, Betrüger" lese ich hier zum ersten Mal. Und "Streife reiten" tun sie im Gedicht auch nicht, sondern erfahren von einem Fischer von dem Rhein-Übergang des Waltarius.
    Du kannst den Text doch gar nicht gelesen haben?
    Den gibts billig bei Reclam.
    Die "franci Nebulones" im WALTARIUS kommen aus Worms und heissen Gunter und Hagen. Es sind die Nibelungen, die nur im Nibelungenlied eindeutig als Burgunder bezeichnet werden.In der Thidreksaga dagegen (rheinisch-norddeutsche Überlieferung) kommen sie aus der Gegend Eifel-Luxembourg , also eindeutig aus fränkischem Gebiet.
    Für die Skandinavier (Edda) sind die "Hniflungar" Goten.
    Der Name hat nichts mit "Nebel-vernebeln-schwindeln "zu tun.
    Nach dem Suffix "-ungen" (-ingen) zu schliessen, sind sie Nachkommen eines *Niva oder besser *Hniva, das heisst des historischen Gotenkönigs "Cniva", der 251 den Kaiser Decius schlug (Jordanes §101-103).
    Die Reihe von Cnivas Nachfahren endet (Jordanes § 112 -115) mit Geberich, der um 335 die Vandalen besiegte.
    Die Skandinavier haben anscheinend diesen "Geberich " mit ihrem, von der Sage genannten, "Gifeca" (Gibich), dem "Hniflungr" identifiziert und da die Visigoten am Pruth eng mit Burgundern zusammenlebten, indirekt mit diesen. Er ist in der Sage der Vater des Königs "Gunther" und seiner Brüder.
    Tatsächlich fand die grosse Nibelungen-Katastrophe und der Tod des Königs Gundicarius erst ein Jahrhundert später (ca 437) und in Lothringen oder im Saarland statt.
    Aber das Nibelungenlied entstand bekanntlich in Passau, wo, (Jordanes §280) etxwa um 480, "Burgundiones", "Franci", Ostgoten und ""Baibaros" (Baiern) zeitweise einander benachbart waren. Diese "Burgunder" aber waren wohl ein Stammesteil, de die Umstände bereits vor dem Rhein-Übergang von 306 von der Hauptmasse des Volkes getrennt hatten, ein Teil, deraber wohl noch Beziehungen und Informationen, hatte.
    Zweifellos sind diese "Donau- Burgunder" im bayrischen Volkstum aufgegangen, inclusive ihrer Traditionen. Nicht umsonst spielen burgundische Missionare später eine bedeutende Rolle bei der Christianisierung der Baiern.
    Die Geschichts-Vorstellungen des Passauer Nibelungenlied- Dichters waren wohl durch lokale Erinnerungen vorbelastet. Denn so recht genau erinnerte man sich nicht mehr, und so fehlt, nimmt man einen Zusammenhang an, zwischen "Geb(er)ich" und "Gundicar" wenigstens eine Generation, wenn nicht zwei. Bezeichnenderweise heisst "Gibich" gelegentlich auch "Dankrat".
    Was den "Aquitanier" (Westgoten) Walther (Waltharius) angeht, so war er angeblich (Thidreksaga) der Sohn einer Schwester des Ostrogothenkönigs Ermanarich, und laut dem lateinischen Text und dem altenglischen "Waldere-Fragment" bei den "Hunnen" Freund und Kampfgefährte des Hagen/Högni, der in der Edda ein Bruder des gotischen Gunnar/Gunther ist. Sonst aber wird er durch seinen Beinamen "von Tronje" als Franke ausgewiesen.
    Denn die fränkische Troja-Sage lässt die "trojanischen Abkömmlinge" von König Priamos zu "Franci" werden, gerade zwischen Donau-Delta und Pruth, also im Gebiet der Visigothen und "Ourougundoi" (*Burgunder) .
    "Waltarius" selbst hat einen bezeichnenden Namen, nicht, wie sonst üblich, zweigliedrig (Ger-hard, Theodo-rich, Gesi-mund, etc), sondern mit nur einem Thema: "Walten". Das ist mehr als nur menschliches "herrschen" oder "regieren".
    Er ist ein Schwertkämpfer, und trägt zwei Schwerter zugleich, hält Gunter und Haagen stundenlang im Schach ehe er mit dem Schwert angreift, und ist, bzw.wird einhändig.
    Kurz gesagt, in seiner Natur ist er eine menschlich-christliche Parallele zum nordischen einhändigen Schwertgott "Tyr" (das gotische "Erb-und Schicksals-Schwert" heisst "Tyrfingr") .
    Weitere Züge seiner Gestalt finden sich im Chronicon Novalicense, bei Saxo Grammaticus und anscheinend auch polnischen Chroniken.Alle deuten in der gleichen Richtung.
    Im weiteren Umkreis finden sich Elemente der Sage in französischen Chansons de Geste, der nordischen Hervara-Saga, und skythisch-sarmatische Schwertgott-Traditionen.
    Genug davon.
    Boiorix
     
  3. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Die Herleitung der Nibelungen aus Hniva finde ich interessant. Allerdings bin ich kein Sprachwissenschaftler und stehe daher vor dem Problem, daß ich deine Theorie nicht überprüfen kann. Allerdings habe ich große Schwierigkeiten diesem hypothetischen, angeblich burgundischen Hniva mit dem gotischen gleichzusetzen. Da die Burgunder ebenfalls zu den ostgermanischen gentes zählten, könnte dort ein Hniva, Cannabaudes ebenfalls auftreten. Das die westgotische Sage über Hniva und Geberich zu den Burgundern gekommen sei, weil beide am Pruth saßen halte ich für falsch. Nirgends wird erwähnt, daß die westlichen Burgunder von ihrem östlichen Teil jemals Zuzug erhalten hätten und von Donauburgundern schweigt die Geschichte vollends. Hinzufügen möchte ich zudem noch, daß eine Gleichsetzung vom burgundischen Königsgeschlecht mit den Nibelungen unzulässig ist. Diese Nibelungen sind in der Sage ein Zwergengeschlecht, vielleicht um das fränkische Nivelles. Mit den Gibikungen um Gunther und Hagen haben sie nichts zu tun. Dies zieht dann natürlich wieder die Frage nach sich, ob Hnivalungen und Nibelungen sprachlich zusammenhängen.

    Nun noch zu Waltarius, der einen, wie du schreibst, einsilbigen Namen trägt. Dies ist falsch. Walter ist die Verkürzung von Waltahari, ebenso wie Guntha-hari, Warna-hari u.a.
     

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