Tapir - beginnende Domestikation

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Pakal, 9. Juni 2013.

  1. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich denke, daraus kann man schließen, dass Tapire für die Haltung im größeren Stil wenig geeignet sind. Sämtliche domestizierten Nutztiere leben ursprünglich in Herden (Schafe, Rinder, Ziegen, Kamele, Pferde,Esel und Rentiere) ,Rotten(Schweine) oder Harems und Gruppen (Hühnervögel, Tauben). Strikte Einzelgänger sind für die Nahrungsmittelgewinnung unwirtschaftlich und in der Haltung problematisch.
    Auch wenn heute Wildtiere wie Krokodile in Farmen gehalten werden, kann man sie nicht als domestiziert bezeichnen, obwohl sie sich in Gefangenschaft vermehren. Sie ordnen sich weder dem Menschen unter noch respektieren sie ihn als übergeordnet. Es sind nur in Gefangenschaft lebende Wildtiere, die ihren Halter lediglich als Futter betrachten würden, wenn er ihnen ohne Sicherheitsvorkehrungen zu nahe käme.
    Bei domestizierten Tieren sind völlig neue Rassen entstanden, die teilweise von ihren wilden Vorfahren in Körper- und Verhaltensmerkmalen erheblich abweichen.
     
  2. Pakal

    Pakal Neues Mitglied

    Die Frage ist ob man das will. Käse usw. ist für viele Menschen in Südamerika und auch Asien so lecker wie vergammelter Fisch und wirkt abstossend. Das sind kulturelle Unterschiede.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Übertreib mal nicht und schliesse nicht immer von Dir auf Andere. Sowohl in Mexiko wie im Peru, Ekuador, Bolivien gehört Käse zu den üblichen Nahrungsmitteln teilweise wie bei den Quesadillas, in Verbindung mit traditionellen indianischer Nahrung. In Peru muss dass einer der esten Kulturtransfers gewesen sein, es gibt Käsesorten mit Namen auf Quichua bzw. Aymará, wie der Paray, der Capchi oder Ayaviri.
    In den Ländern mit einem höheren Anteil an Bevölkerung mit europäischer Abstammung wie Argentinien, Chile, Uruguay sowieso.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2013
  4. Stephan2

    Stephan2 Gesperrt

    Vielleicht nicht ganz glücklich formuliert, aber im Wesentlichen zutreffend. Die Auswirkungen einer Laktoseintoleranz sind ja nicht nur Bauchschmerzen sondern auch Durchfall und damit verbunden eine Dehydration des Körpers, die je nach Umständen auch schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

    Wir sprechen ja nicht über eine Wohlstandsgesellschaft, sondern vom Übergang vom Jagen und Sammeln zur Nutztierhaltung vor ca. 8.000 - 10.500 Jahren. (inzwischen habe ich auch den Link zur Ur-Rinderherde wiedergefunden).

    Die Milch von der wir sprechen, ist frisch von der Milchdrüse mit allen lieblichen Zusätzen, die einem das Milchtrinken auch unabhängig von einer Laktoseintoleranz verleiden können, der Genuss von unbehandelter und lediglich filtrierter und gekühlter Milch, d. h. Rohmilch, ist auch für den milchgewohnten Mitteleuropäer nicht ganz ohne Risiko.

    Es ist also durchaus plausibel anzunehmen, dass man nach frühen Fehlschlägen die Finger von der Milch gelassen hat und sie ggf. sogar tabuisierte.

    Es hat immerhin rund 2.500 Jahre gedauert, bis sich wohl zunächst in Südosteuropa, d. h. im Gebiet des heutigen Österreich, Ungarn u. Slowakei, die Anfänge einer Milchwirtschaft entwickelten. Siehe auch:
    Frühe Europäer konnten keine Milch verdauen
    und
    Ursprung der Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen liegt in Südosteuropa.

    Um aber auf die ursprüngliche Themenstellung "beginnende Domestikation" zurückzukommen, ich glaube für den Tapir ist der Zug abgefahren, aber die bereits erwähnten Krokodilfarmen könnten der Beginn einer neuen Domestikation sein.

    Die räumliche Trennung von der wilden Population ist bereits vollzogen, die Fortpflanzung in Gefangenschaft funktioniert, fehlt eigentlich nur noch die Selektion auf Grund bestimmter Eigenschaften, vielleicht Narbung der Haut, Wachstumsgeschwindigkeit usw. Zahm müssen sie nicht unbedingt sein, die europäische Honigbiene hat ja auch noch ihren Stachel und nutzt ihn von Fall zu Fall.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2013
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Vielleicht erinnert sich die eine oderder andere unter uns alten Säcken an die Kultserie Sterns Stunde. Schon in der ersten Folge Bemerkungen über den Rothirsch gab der Journalist Horst Stern der Jägerschaft einen Großteil der Schuld an Waldschäden und li3eß sich über die drohende Domestizierung des Rothirschs aus. Die in der Weihnachtszeit ausgestrahlte Folge erhielt begeisterte Rückmeldungen, aber auch Morddrohungen
     
    1 Person gefällt das.
  6. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    An die Sendung werde ich jedes Jahr mehrfach erinnert. Sie kann bis heute in ihrer Bedeutung gar nicht überschätzt werden.

    Das Anprangern überhegter Bestände, Winterfütterung etc. damals durch Stern war überfällig und richtig.
    Meines Erachtens hat er aber schon damals einen grundsätzlichen Fehler in seine Argumentation eingebaut (lassen wir mal Extrembeispiele von krassem Überbesatz in einzelnen Revieren außer acht):

    Hirsche, Rehe, Gamsen, Muffel verändern den Wald. Er wird lichter, parkähnlicher und artenärmer (Entmischung durch den Nascher Rehwild)Punkt, Schluss.
    Diese Veränderung als "Waldschaden" zu bezeichnen, ist eine anthropozentrische Sichtweise, die seit der Quasi-Ausrottung des Bison zur Abwehr von Savannenschäden sonst nirgends mehr offen gepflegt wird. Ich wüsste nicht, dass irgendwo auf der Welt außerhalb Deutschlands Grundbesitzer die Dezimierung von Großsäugern zur Verbesserung ihrer Wälder fordern könnten, ohne von Greenpeace gesteinigt zu werden.

    tschuldigung, gehört eigentlich nicht hier her.
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das Argument mit den "Waldschäden" kommt ja häufig auch aus Teilen der Jägerschaft und dient der Legitimierung der Schalenwildabschüsse. Seit Luchs und Wolf weitflächig ausgerottet wurden, brauche der Wald die Jäger zur Regulation.
     
  8. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Ja, das ist ein zweischneidiges Schwert. Jagd steht halt zwischen Tierschutz ("Huch, die armen Tiere") und Naturschutz ("Knallt die Waldverbeißer endlich alle ab!"). Tatsächlich ist die offizielle Linie unserer Verbände die, nach außen die Schadensverhütung in den Vordergrund zu stellen. Macht manches leichter, manches schwerer. Wie es zur Zeit aussieht, werden über kurz oder lang nur noch "Schädlinge" auf der Liste der jagdbaren Tiere stehen: alles Schalenwild und Kaninchen. Tschüss, Hasenjagd, tschüss Entenjagd...

    Wenn´s für die Jägerschaft blöd läuft, kommt in Ba-Wü dafür der Biber dazu. Wenn das Wildschadenspflicht bedeuten würde, wäre das das Ende der traditionellen Jagd in allen Flusstälern. Was wiederum auch seine Vorteile hätte.

    Sei´s drum, gehört nicht in ein Geschichtsforum und auch nicht zur Domestikation
     
  9. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Zurück zum Thema:
    In Tenochtitlan unterhielt Azthekenkönig Montezuma eine Art Tierpark. Dort gab wurdemn auch Tapire gehalten, aber auch Raubkatzen und menschlichen Monströsitäten.
     

Diese Seite empfehlen