These von der Banalität des Bösen

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 31. Mai 2012.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich habe heute ein Interview der Welt Online mit Gabriel Bach, einer der Anklagevertreter beim Eichmannprozess unter Pressenachrichten reingstellt.

    In diesem Interview geht es auch um Hannah Arendt's Buch Eichmann in Jerusalem. Bach sagt, dass sie einige der wichtigsten Dokumente ins Gegenteil verkehrt habe (siehe Hervorhebungen).

    Hier der Auszug aus dem Interview:

    http://www.welt.de/kultur/history/a...Leichenberge-und-stritt-fuer-einen-Anzug.html


    Ich habe das Buch auch gelesen und die Aufnahmen des Prozesses habe ich mir ebenfalls angeschaut. Quellenkritisch habe ich das Buch nicht betrachtet, aber wenn das stimmt was Bach hier sagt, dann muss man dies mit Sicherheit tun.

    Weiss jemand um welche Dokumente es sich dabei handeln könnte?
    Und meine zweite Frage, muss man nun die These von der Banalität des Bösen umdenken oder umschreiben?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Wahrscheinlich kollidieren da juristische und philosophische Betrachtungsweisen? Der pensionierte Staatsanwalt legt wohl andere Kriterien bei der Klärung der Schuldfrage zugrunde als Hannah Arendt.

    Bei den entscheidenden Passagen des (leider sehr kurzen) Interviews kann ich keine gravierenden Differenzen feststellen: Arendt erklärt, dass Eichmanns Hauptmotiv das eigene Fortkommen sei, Bach erklärt, dass Eichmann Führerbefehle hintergangen habe, um noch mehr Schaden anzurichten - aber kann in beiden Aussagen nicht dasselbe Motiv stecken? Dieses "noch mehr Schaden anrichten" im Sinne einer Übererfüllung des Auftrags?

    Mich erstaunt auch, dass der pensionierte Staatsanwalt womöglich erst jetzt Stellung zu Arendts Buch nimmt, welches doch schon vor knapp 50 (fünzig!) Jahren erstmals erschien. Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil New York 1963
     
  3. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Nun ja, die Aussagen in dem Interview sind nicht neu, so etwa auch hier:
    Deutschlandradio April 2011
    oder hier:
    Spiegel April 2011
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2012
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    in deinem Link liest sich das etwas vollständiger als im Welt-Interwiev:
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Danke Stilicho für den Link.

    Er sagt genau das was die heutige Forschung über Eichmann aussagt.


    Da kann man sich jetzt natürlich Fragen, warum hat Arendt diese Dokumente falsch wiedergegeben?

    Und warum wurde das nicht schon 1963 berichtigt?
     
  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Die Unterschiede zwischen Bach und Arendt sind essentiell im Hinblick auf unser Verständnis des Funktionsmechnismus' des NS-Phänomens.

    Wenn Frau Arendt tatsächlich die Tatsachen verfälscht hat, dann doch wohl deshalb, um sie als Belege für Ihr eigenes Konzept passend zu machen. Das hieße aber, dass ihr Konzept nicht den realen Funktionsmechanismus wiedergibt.

    Konzept 1 (Arendt) : Eichmann hat keinen eigenen politischen Ziele, sondern war willenloser Organisator im Dienste seiner Vorgesetzten.

    Konzept 2 (Bach) : Eichmann war ein von innen gesteuerter Fanatiker und versuchte, den Massenmord voranzutreiben, selbst gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten, .

    Wir wollen heute gern glauben, dass es da einen Führer gab, der viele Untertanen ohne eigenen Willen "fernsteuerte", Frau Arendt wollte dies wohl auch so sehen (auch wenn sie dazu ein Auge zukneifen musste) und vermitteln. Als eigenes Motiv der Untertanen nimmt man dann Karrierestreben an, obwohl ein Eichmann wissen musste, dass seine "Karriere" sehr bald ein - für ihn selbst fatales - Ende nehmen konnte.

    Sitzen wir hier vielleicht einem falschen Erklärungsmodell auf ?
     
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  7. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ja, das ist eine gängige Interpretation, die etwa auch herangezogen wird um zu klären, warum es keines "Führerbefehls" bedurfte, um den Genozid an den Juden zu begehen. Was mich wundert, ist diese Passage aus dem dradio-Interview:

    Hier erscheint es so, als habe Eichmann einerseits die Mordpolitik forciert, andererseits aber behindert. Auf welche Phasen seines Wirkens sich dies bezieht und ob das überhaupt korrekt wiedergegeben wird, kann ich leider momentan nicht nachvollziehen.

    Es gab schon damals eine Kontroverse, auf die sich leider im Netz nur wenige Hinweise finden lassen:

    “The Formidable Dr. Robinson”: A Reply by Hannah Arendt | The New York Review of Books

    https://docs.google.com/viewer?a=v&...xnCQ-Z&sig=AHIEtbS5zHRdXIym1KDC6b-_3eGBNdiYbg

    Anti-Semitism: A History and Psychoanalysis of Contemporary Hatred - Avner Falk - Google Books

    MIT Press Journals - October - Citation
     
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Danke das du für mich gesucht hast.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich halte die Interpretationen nicht für widersprüchlich bzw. sich ausschließend, sondern für sich ergänzend.

    Daraus ergab sich eine eigene situative Dynamik. Das polykratische System des NS, die einerseits hierdurch erzeugten persönlichen Konkurrenzen im Wechselspiel der Hierarchie, anderseits die Freiräume für das Handeln der Täter, bildeten dazu den Kontext.
     
  10. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Behindert? Das hat Bach wohl nicht gemeint. Eher unglücklich formuliert:
    "dass er selbst Hitler-Befehle hintergangen hat, wenn er glaubte, diese könnten zur Rettung von einigen Tausend Juden führen."
     
  11. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    @Stilicho: Deine Übersetzung ergibt dann doch mehr Sinn. Danke!

    Das bezweifele ich. Arendt ging es immer auch darum, das Individuum als selbstbestimmtes Wesen zu betrachten. Hierzu Wikipedia:

    Eichmann in Jerusalem ? Wikipedia

    Die Banalität des Bösen mag sich - und da folge ich Silesia - wohl eher aus einem Wechselspiel zwischen persönlicher Motivation und gesellschaftlichen Umständen erklären lassen.
     
  12. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Nun, der Wille zur Opposition ist ein anderes Thema.

    Es geht hier um etwas anderen, nämlich um den Willen, dem System zu dienen - oder etwa, sich des Systems zu bedienen ?

    Arno Grün ("Die Normalität des Wahnsinns") sieht den Psychopathen à la Eichmann als jemanden, der sich als stellvertretend handelnder Funktionär für ein höheres Ideal sieht. Das gibt ihn die Legitimation und die Selbstsicherheit.

    Nur war dieses höhere Ideal für Eichmann, wenn man Bach glaubt, nicht Hitler, sondern die antisemitische Mission selbst, also die vermeintliche Rettung des Abendlandes vor was-auch-immer. Er war also nicht Diener eines politischen Herrn, sondern einer Idee. So wäre zu erklären, dass er seine Vorgesetzten manchmal rechts überholte, wenn sie ihm zu "lasch" erschienen.

    Offenbar braucht aber eine Philosophin immer einen Menschen, und nicht ein Abstraktum, dem gedient wird, und der die Verantwortung trägt, weil es so besser ins kantsche Konzept passt.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich bin da ganz bei Silesia:


    Das polykratisch System Hitler schuf Konkurrenzen unter den Dienststellen, welche wiederum vorauseilendem Gehorsam erzeugten ("ich interpretiere, was die oben wollen könnten und führe das eigenmächtig aus").
    Insofern ist die Steigerung des Mordes sicher nicht gegen das gewesen, was Eichmann selbst für den Willen Hitlers hielt. Hitler und Himmler gaben die politische Richtung vor, Heydrich, Eichmann, Höss und Konsorten waren die Praktiker, welche diese Richtung in die Tat umsetzten. Dass die Praktiker möglicherweise einen Führerbefehl als nicht pragmatisch ansahen und deshalb, aus der Praxis heraus ignorierten, mag eine andere Sache sein. Ich denke mal, dass einigen klar war, dass Hitler gegen Ende des Krieges - aus ihrer Sicht - nicht mehr ganz optimal informiert war.
    Es gibt in den Überlebendenberichten von überlebenden Opfern des Holocaustes ganz interessante Aussagen über SS-Leute, die halt von verschiedenen Strategien berichten, wie die SS-Leute mit dem drohenden Zusammenbruch umgingen: einige versuchten die Morde zu intensivieren, um die Zeugen ihrer Taten wegzuschaffen. Hierzu gehört wohl auch die eichmann'sche Reise nach Auschwitz, von der Dr. Bach spricht. Andere brachten sich vor Scham selbst um. Die SPD-Politikern Jeanette Cohen/Wolff, die im Prinzip von 1933 - 1945 andauernd in irgendwelchen KZs war (zunächst 1933 wegen ihrer Zugehörigkeit zur SPD, ab 1941 dann wegen ihres Jüdischseins) berichtet z.B. von einem SS-Mann, der sich angesichts des Zusammenbruchs der Front bei Riga (Spätsommer 1944) umbrachte. Er hatte vorher noch mit Jeanette Cohen gesprochen, und ihr gesagt, dass er sich für seine Taten schämte und dass er nicht wissen wolle, wie es angesichts der Verbrechen Deutscher im Osten Deutschland ergehe, wenn der Krieg verloren sei. Andere SS-Leute nahmen - ganz kurz vor Kriegsende - Kontakte mit Gefangenen auf, um mit diesen eine gemeinsame Flucht zu organisieren und beteuerten, dass sie erst kurz dabei seien und geschockt von den Verbrechen der SS...

    Letztendlich müsste man doch noch mal auf Hannah Arendt selbst zurückgreifen, um die Kritik von Dr. Bach nachzuvollziehen. Mir scheint sie nicht ganz gerecht zu sein.

    Ich glaube aber auch, dass es Arendt nicht so sehr auf die Rekonstruktion von Holocaust-Geschichte ankam, als vielmehr auf einen philosophischen Blick auf das Böse.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2012
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  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Darstellung der unterschiedlichen Aussagen benennt m.E. völlig zu Recht die zwei paradigmatischen Interpretationsansätze für die Analyse staatlicher Strukturen als Determinante für individuelles Verhalten im NS-System. Und es stellt sich in der Tat die Frage, ob Eichmann eine mehr oder minder „willenlose Marionette“ des NS-Regimes war oder ein bewußt agierender, seine Entscheidungsspielräume exzessiv ausnutzender Schreibtischtäter, der dem Führer „entgegenarbeitet“.

    Betrachtet man die theoretische Ausgangslage, dann finden sich auf der einen Seite, zu der auch der Ansatz von Arendt zählt, die Totalitarismustheorien, die das Bild einer formierten, totalen Gesellschaft für das 3. Reich zeichnen. Gekennzeichnet dadurch, dass sie Normen formuliert und bedingungslos durchsetzt durch drakonische Sanktionierung, auch präventiv durch wahllose Repression, der Abweichung vornimmt(9).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Elemente_und_Urspr%C3%BCnge_totaler_Herrschaft

    Den anderen Pol bilden handlungs- bzw. kommunikationstheoretische Ansätze (Cultural History), die dem Individuum und einzelnen Milieus eine mehr oder minder ausgeprägte Eigenständigkeit zuweisen (vgl. 2, der die These der Individualisierung als langfristigen Trend der Vergesellschaftung vertritt). Diese Eigenständigkeit des Individuums kommt beispielsweise sehr deutlich in der Formulierung von Myrdal (12, S. 20) zum Ausdruck: “Es gibt keine festen Verhaltensweisen. Verhalten ist in der Regel ein moralischer Kompromiß.“ Um dann jedoch einzuschränken: „In unserer Kultur ist man sich gewöhnlich in der abstrakten Behauptung einig, die allgemeineren Wertungen – die für die ganze Nation… als gültig empfunden werden – seien moralisch höherwertig als jene, die sich nur auf bestimmte Individuen oder Gruppen beziehen“ (12, S. 20-21).

    Sofern diese unterschiedlichen Vermutungen also zutreffen ist zu fragen, unter welchen Voraussetzungen Eichmann gehandelt hat. Die ideengeschichtlichen Ursprünge und die daraus folgende NS-Ideologie sind weitgehend bekannt und sollen in Anlehnung an Herbst (6, S. 25-58) einerseits auf den Revisionismus, Krieg und Lebensraum als den ersten zentralen ideologischen Orientierungspunkt und den Rassismus und Antisemitismus als den zweiten fokussiert werden.

    Die zerstörerischen Auswirkungen der NS-Bewegung resultierte dabei nicht unwesentlich aus der Gewinnung ihrer Dynamik durch die Bekämpfung des inneren und des äußeren Feindes. Das führt soweit, dass Arendt in den Konzentrationslagern die „konsequenteste Institution totaler Herrschaft“ (1, S. 912) sieht. Ergänzt werden muss diese Sichtweise durch die Ablenkung nationaler Energien durch die NS-Bewegung in die Eroberung anderer Länder sodass die Armee die zweite Institution totaler Herrschaft bildet wie es beispielsweise Paxton formuliert (13).

    Beide Aspekte bilden zum einen das wertemäßige Fundament der NS-Bewegung und auch gleichzeitig das Koordinatensystem für das kollektive und somit auch teilweise individuelle Handeln wie bei Ingrao (8) beschrieben. Und es sich auch bei Gross findet (5, bes. S. 171 Moralität des Bösen: Adolf Eichmann und die deutsche Gesellschaft).

    Das führt konsequenterweise zur bereits häufig gestellten Frage wie derartige Werte in Teilen der Gesellschaft, zunächst auf freiwilliger Basis, später nach 1933 durch Propaganda, Erziehung und direkte oder indirekten Zwang durchgesetzt werden konnten.

    Die Entwicklung von Teilen der Eliten zu effektiven und seelenlos agierenden „Technokraten des totalen Staates“ war bereits mental bei Teilen der Anhängerschaft der NSDAP angelegt (3). Nach 33 werden diese Tendenzen durch die Etablierung des „Führerstaats“ deutlich verstärkt. Und Marcuse fasst die Entwicklung dahingehend zutreffend zusammen: „Nach dem Fortfall jedes rationalen und materialen Inhalts der Autorität bleibt nur noch ihre blosse Form übrig: die Autorität als solche wird zum wesentlichen Kennzeichen des autoritären Staates.“ (4, S. 220) .

    Somit trifft eine politische Zielvorstellung, die auf Vernichtung aller inneren und äußeren Feinde ausgerichtet ist auf einen politischen Diskurs, der lediglich Gehorsam, Pflichterfüllung und individuelle Aufopferung als zentrale Erwartungshaltung an die „Volksgenossen“ normativ zuläßt.

    Dass dieses autoritäre Normensystem eine Vielzahl von Widerstand möglich macht (vgl. z.B. 10 und 11) und auch innerhalb des Systems massive Friktionen erzeugt, kann beispielsweise auch bei Speer oder Schellenberg (mit allen Vorbehalten einer nachträglichen Rationalisierung der jeweiligen eigenen Rolle) erkannt werden (14 und 15).

    Lediglich einzelne Milieus, wie beispielsweise der organisierte Katholizismus, konnten sich auf der Ebene von alternativen Lebensentwürfen dem Druck des NS-System partiell entziehen.

    Das „Banale des Bösens“, das sich aus dieser Situation nach 1933 ergab, fußte somit im wesentlichen auf der „Externalisierung“ moralischer Sichtweisen (vgl. beispielsweise Kohlberg oder 7) wie sie aus der Rawlschen Theorie der Gerechtigkeit abgeleitet sind. Der Einzelne handelte zunehmend unter dem administrativen und sozialen Zwang der Volksgemeinschaft und es galten nicht mehr die universellen Wertemaßstäbe einer reflexiven gesellschaftlichen Moral, sondern es galt die machiavellistische Moral eines sozialdarwinistisch angetriebenen Volkes, dass seiner hegemonialen geschichtlichen Bestimmung entgegenarbeitete.

    Das spezifisch Banale knüpft zudem an tradierte Verhaltensmuster an, die teilweise auch dem Obrigkeitsstaat preußischer Prägung geschuldet sind. Sofern politische Ziele – wie oben beschriben - auf der Ebene von Staatszielen nach 1933 verankert wurden, konnten sie unter dieser Perspektive einen erhöhten Anspruch auf Geltung und Durchsetzung einfordern. Durch die Ausschaltung des Rechtstaates und seiner Gewaltenteilung ergab sich keinerlei öffentliche Diskussion und somit auch kein unmittelbarer Normenkonflikt, den der einzelne lösen mußte.

    In diesem gesellschaftlichen und politischen Kontext war es für Personen wie Eichmann möglich, ein politisches Weltbild zu entwickeln, dass den Zielen der NS-Bewegung instrumentell alles unterordnete. Und im Sinne der ideologisch motivierten Antizipation der Erwartungshaltung der NS-Bewegung, dem Führer mit „Freude“ entgegenarbeitete. Und Lob über seine „hervorragende Tätigkeit“ und die „Übererfüllung“ der Planungen mit „tiefer Dankbarkeit“ entgegengenommen hätte. Es hätte aber sicherlich auch gerne als Gratifikation eine goldene Uhr sein dürfen, mit einem gravierten Ausspruch des Führers.

    Und es sind "blaue Anzüge", persönliche Karriere oder sonstige Gratifikationen, die die Perversion der industriellen Vernichtung zu etwas Banalem machen. Es war für Eichmann ein "Job", aber auch ein "wenig Antisemitismus", aber dafür war ja eigentlich der Führer moralisch und als sein "Führer" verantwortlich. Oder nicht?

    1. Arendt, H.: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. 2009
    2. Beck, U. & E. Beck-Gernsheim: Individualization: Institutionalized Individualism and its Social and Politial Consequences. 2002
    3. Fromm, E.: Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritten Reichs, 1929 bzw. 1980
    4. Marcuse, H.: Ideengeschichtlicher Teil. In Fromm, E. u.a.: Autorität und Familie, Band 1, 1936
    5. Gross, R.: Anständig geblieben. Nationalsozialistische Moral. 2010
    6. Herbst, L.: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945
    7. IJzendorn, M.H.: Moralität und politisches Bewußtsein. 1980
    8. Ingrao, C. Hitlers Elite, 2012
    9. Jesse. E: Totalitarismus im 20. Jahrhundert, 1996
    10. Johnson, E.A. & K.H. Reuband: What we Knew. Terror Mass Murder, and Everyday Life in Germany. 2005
    11. Kellner, F. Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne. Tagebücher 1939-1945, 2011
    12. Myrdal, G.: Objektivität in der Sozialforschung, 1971
    13. Paxton, R.O. The Anatomy of Fascism, 2007
    14. Speer, A.: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzung mit der SS. 1981
    15. Schellenberg,W.: Hitlers letzter Geheimdienstchef. Erinnerungen. 1956 / 2008

     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2012
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  15. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Die beiden Konzepte sind gar nicht so unterschiedlich. Arendt nennt Eichmann immer wieder einen selbsternannten "Idealisten." Ich finde aber, dass du ihre Position im letzten Absatz ganz gut zusammenfasst; genau diese Position wurde auch schon zu ihren Lebzeiten (und übrigens auch in direktem Streitgespräch mit ihr) immer wieder kritisiert. thanepower hat diese beiden Positionen hier schon sehr gut zusammengefasst.

    Eine gute Zusammenfassung dieser Debatte zum Weiterlesen liefert auch Peter Baehr in "Hanna Arendt, Totalitarianism and the Social Sciences" (2010).

    Arendt sagt auch, dass das Ideal für Eichmann die faschistische Bewegung war. Hitler war nur deswegen wichtig, weil er die Quelle des Rechts war, aufgrund dessen Eichmanns Handlungen legal waren, so dass nach dem Grundsatz "nullum crimen sine lege" seine Handlungen in Jerusalem normalerweise nicht hätten gestraft werden dürfen. Nur deswegen war die Person Hitlers im Prozess so wichtig. Das sollte man unterscheiden.

    Das würde ich auch so sehen. Es gab ja 2011 diese Veröffentlichung "Eichmann war von empörender Dummheit", in der Gespräche und Zeitdokumente zur Kontroverse um die "Banalität des Bösen" nochmal gesammelt worden sind. In einem dieser Interviews sagt Arendt ganz deutlich, dass es ihr um eine neue Art von Verbrechertypus geht, und dass ihre ganze Analyse des Holocaust in "Eichmann in Jerusalem" genau deswegen so unvollständig ist, weil sie sich ganz strikt auf die Teile beschränkt, an denen Eichmann auch aktiv beteiligt war.

    Was ich an diesem Beitrag interessant finde - mal davon abgesehen, dass er toll argumentiert und formuliert ist - ist der Bezug auf Rawls, dessen Gerechtigkeitstheorie zwar durchaus "externalisiert", aber vor allem distributiv ist. Distribution ist aber nicht das erste, was mir jetzt zur Nazi-Ideologie einfallen würde. Magst du das noch etwas spezifizieren, wo du da den Einfluss von Rawls genau siehst?
     
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  16. thanepower

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