Tholosgrab von Clytemnestra und Veli Pasha

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von mckracken, 30. März 2009.

  1. mckracken

    mckracken Neues Mitglied

    Hallo!

    War neulich in Mykene und wurde bei der Beschreibungstafel eines der Tholos Gräber stutzig, das erwähnte das besagtes Tholos Grab von "Clytemnestra" von ansässigen in der Ottomann Zeit endeckt wurde und von Veli Pasha "ausgeräumt" (im englischen looted) wurde.

    War das ein unberührtes Grab? Wenn ja was fand Veli Pasha darin vor?
    Und wo sind die Fundstücke nun?

    (Internet nichts brauchbares dazu gefunden - bis auf eine Säule vom Eingang die man ins Britische Museum verschifft hatte)
     
  2. Ammianus

    Ammianus Neues Mitglied

    In: "Mykene. Ein Führer zu seinen Ruinen und seine Geschichte." von 1981 schreibt G. E. Mylonas, damals Grabungsdirektor vor Ort:

    "Dieses Tholosgrab wurde zwischen 1807 und 1812 aufgedeckt. Das genaue Datum ist unbekannt. Beim Bau ihrer Wasserleitung stießen die Dorfbewohner zufällig auf das Grab, als sie den Kanal gerade genau über der Spitze des Grabes trassierten. Der Pascha von Nauplia, Weli, der damalige türkische Verwalter dieses Gebiets, zerstörte die Spitze des Gewölbes und barg durch diese Öffnung den Inhalt des Grabes. Es gibt keine Beschreibung der Funde, doch in der Phantasie der Bevölkerung sind noch heute Ladungen von Gold und Silber lebendig, die von Eselskarawanen fortgeschafft wurden. Im 3. Jh. v. Chr. kannte man dieses Grab nicht mehr, denn über seinem Dromos wurde ein Theater errichtet."

    Ob letzteres nun stimmt oder die Erbauer des Theaters die ersten Plünderer waren oder ob das Grab schon, wie wohl alle anderen Gräber am Ende der Bronzezeit geplündert wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Theoretisch könnten es schon die IIIC-Leute gewesen sein (das sind die von der berühmten Kriegervase). Bei den vollbeladenen Eselskarren könnte es sich dann durchaus um ein Produkt sich hochschaukelnder Volksphantasie handeln, wie sie auch in unseren Breiten nachweisbar ist.

    Der traurigere Fall ist natürlich genau so möglich: Eins der letzten intakten Tholosgräber der mykenischen Kultur, nur vergleichbar mit den des Tut-Ank-Amun, verschwindet so sang und klanglos aus der Geschichte. Setzt man die Inhalte der Schachtgräber und deren Bauaufwand zu denen der Tholoi ins Verhältnis, so könnten die Wagenladungen aus Edelmetall auch real gewesen sein. Allerdings dürften die Schätze dann den Weg in die Schmelztiegel der Gold- und Silberschmiede gefunden haben.
     
  3. mckracken

    mckracken Neues Mitglied

    ah sehr nett, danke für das 'ausgraben' dieses Auszuges aus ihrem Buch!

    Ich kann mir zwar nur schwerlich vorstellen ob ein unberührtes Tholos Grab es mit dem eines Gottgleichen Pharao aufnehmen könnte, aber anhand keiner Vergleiche, naja wer weiss....

    Was Ich aber nicht verstehe ist warum sich da noch keiner schlau gemacht hat, und die Nachfahren der Leute die beim Abtransport dabei waren nach Anhaltspunkten interviewt wie die Schätze denn im Detail ausgesehen haben.

    Selbst wenn mann alles eingeschmolzen hätte (was falls dies nicht ein Märchen ist, sehr wahrscheinlich ist, da sonst die Dinger im Schwarzmarkt seinen Weg in Museen und zu Händlern gefunden hätten) wäre doch eine nähere Beschreibung der Prunkstücke auch schon Gold wert....
     
  4. Ammianus

    Ammianus Neues Mitglied

    Was den möglichen Inhalt eines solchen Grabes angeht, da muss man sich nur mal die Ausstattung der Sachen aus dem Gräberrund A, dass Schliemann ergraben hat ansehen und mit denen von Gräberrund B, ergraben 50er Jahre 20. Jh., vergleichen. A schließt zeitlich an B an. Schon hier ist eine deutliche Steigerung sowohl in Qualität als auch Quantität der Beigaben zu beobachten. Dazu dann ein kleines Grab aus Dendra in der Nähe der Burg von Midea. Hier befand sich neben anderen Beigaben eine komplette und die bisher einzig bekannte Panzerrüstung der griechischen Bronzezeit. Und das war kein großes, mit dem der Klytemnestra oder gar dem Schatzhaus des Atreus vergleichbares Grab. Wenn die Anzahl und der Wert der Beigaben sich proportional zum Bauaufwand verhalten, dann dürften die zuletzt erwähnten Gräber durchaus mit denen der Pharaonen vergleichbar gewesen sein.

    Was die Nachkommen der eventuellen Zeugen betrifft so wäre da wohl alle Mühe erfolglos. Die Ereignisse fanden zur Zeit der Napoleonischen Kriege statt. Da finden sich höchstens noch die ausgeschmückten Legenden und die gibt es ja. Es ist eben einer von vielen traurigen Verlusten der Archäologie.
     

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