Thomas Nipperdey über das Scheitern der Revolution 1848/49

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von xxjulia_xx, 18. Februar 2021.

  1. xxjulia_xx

    xxjulia_xx Neues Mitglied

    Hallo Leute, ich weiß, dieses Forum ist nicht für Hausaufgaben da. Ich bräuchte nur etwas Hilfe. Ich soll aus dem folgendem Text die Thesen, die die Position des Autors kennzeichnen, herausarbeiten bzw formulieren. Könntet ihr mir bitte helfen?


    Die Revolution ist nicht am Zwiespalt zwischen Linken und
    Mitte gescheitert. Der Zwiespalt hat, gewiss, die Gegenrevo-
    lution begünstigt, die Polarisierung hat die Revolution, die
    vom Verrinnen der Zeit bedroht war, geschwächt; aber er
    war nicht die wesentliche Ursache für ihr Scheitern. Auch
    ein gemeinsames Vorgehen, eine revolutionäre „Volksfront-
    politik“ hätte – jenseits des großen Krieges – keine besseren
    Chancen gehabt, weder ein gemäßigteres noch ein ge-
    schlosseneres Auftreten der Gesamtrevolution. Gewiss, es
    gab zu viel und zu wenig Revolution; zu wenig, um die alten
    Gewalten ganz zurückzudrängen – aber das wollten die
    Bürger in ihrer Mehrheit nicht und das hatte wenig Chan-
    cen -, und zu viel, weil die radikalen Demokraten die ge-
    meinsame Front zerstörten und die Mitte im Effekt nach
    rechts drängten, die Revolution diskreditierten. […..] Darum
    ist die Schuldzuweisung zwischen Republikanern und Libe-
    ralen im Grunde irreievant. Ihr Gegensatz war legitim, un-
    vermeidlich, tragisch. [...] Das Scheitern eines politischen
    Handelns, und einer Revolution also, muss nicht die Schuld
    ,
    der Scheiternden sein, nicht ihrer – vermeidbaren – Fehler
    nicht ihrer unvermeidbaren Grundeinstellungen; die Besieg-
    ten sind nicht immer schuld an ihrer Niederlage. Die eigent-
    liche Ursache des Scheiterns ist, dass die Widerstände zu
    vielfältig und zu groß waren [.…..] und zu gegensätzliche und
    sich überkreuzende Probleme anstanden. [...] Wenn man
    unter den einzelnen Ursachen für das Scheitern in Deutsch-
    land gewichten will, so muss man meiner Meinung nach
    sagen, dass es das großdeutsch-kleindeutsche Problem und
    das Problem des österreichischen Nationalitätenstaates und
    seiner Konflikte waren, die am meisten zählten. Sie haben
    schon eine schnelle Entscheidung im Sommer unmöglich
    gemacht, haben die ersten großen Siege der Gegenrevoluti-
    on in Österreich ermöglicht, haben die Einheit der Revoluti-
    on seit dem Herbst so erschüttert, dass ein gemeinsames
    Handeln nicht mehr möglich war, haben die Entscheidung
    dann auf Preußen zugespitzt. Sie letzten Endes haben die
    Revolution in den Wettlauf mit der Zeit gebracht, den sie
    nicht gewinnen konnte.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nipperdey arbeitet heraus, was aus seiner Sicht
    a) nicht der Grund für das Scheitern der Revolution war
    und aus seiner Sicht
    b) der tatsächliche Grund für das Scheitern der Revolution sei.
    Hilft dir das weiter, die Frage selber zu beantworten?
     
  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Als Ergänzung:

    Das Zitat stammt aus: Thomas Nipperdey „Deutsche Geschichte 1800 – 1866“ mit Untertitel: „Bürgerwelt und starker Staat“ Verlag CH Beck München 1994. Im Netz Seite 667.

    Thomas Nipperdey 1927 – 1992, Historiker und Hochschullehrer.
     

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