Thors Hammer?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von shingen, 12. Mai 2008.

  1. shingen

    shingen Neues Mitglied

    hallo,habe eine frage zu dem symbol ,thors hammer .ich selbst trage eine nachbildung eines gefundenen hammers aus schonen .
    ich glaube aus dem 4 jahrhundert n.ch .
    jetzt hatte ich aber ein gespräch mit einer person die angeblich lange in norwegen wohnte und der hammer wäre eigentlich nur ein übersetzungsfehler , ursprünglich wäre das symbol eine streitaxt gewesen ?
    daher meine frage stimmt das ? also mein symbol sieht eigentlich wie ein hammer aus .....
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Es gibt Funde von mehreren Dutzend Thorshämmern, auch als Amulett, die so ähnlich aussehen wie der Anhang. Das Wort "Mjölnir" ist etwas unklar und bedeutet wohl "Zerschmetternder Blitz" (in dem Sinne, wie auch Zeus den "Blitz" verwendet).

    Von der Form her kann es sich einmal um eine Handaxt gehandelt haben (Schneide unten), oben ein Gegengewicht. Der untere Teil kann aber auch als "Hammer" mit den Hammerflächen links und rechts ausgebildet sein.

    Der obere Teil, das Gegengewicht ist verschieden gestaltet.
    Da der Mjölnir auch als Fruchtbarkeitssymbol gesehen wird, kann er auch Phallus artig gestaltet sein.

    In christlicher Zeit lässt sich auch ein Kreuz daraus machen, wenn man es anders herum aufhängt.
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2008
  3. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Da in der nordischen Mythologie aber ausnahmslos vom Hammer Mjölnir die Rede ist, glaube ich das eher nicht - zumindest nicht für die zeit zwischen 800-1200 n. Chr.
    Was zu früherer Zeit war, weiß ich nicht.
     
  4. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Mjölnir hatte eine besondere Eigenschaft: Er war ein Bumerang! Möglicherweise (Quelle ist allerdings nur Karl May :) ) kann man ein Tomahawk (= leichte Axt) auch so werfen. Niemals aber einen Hammer!
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Nur ein Bumerang - genauer gesagt ein Sportbumerang (denn ein Jagdbumerang hat diese Eigenschaft auch nicht) - kehrt bei korrektem Wurf und der durch diesen Wurf beschriebenen Flugbahn zum Werfer zurück. Über diese Eigenschaft definiert sich dieses Wurfgerät und unterscheidet sich damit von anderen Wurfgeräten, die nur dann zum Werfer zurückkehren, wenn man sie senkrecht nach oben wirft (weil sie dann einfach der Schwerkraft folgen).

    Daß Mjöllnir die Eigenschaft hatte, nach dem Wurf zu Thor zurückzukehren, wird in der germanischen Mythologie damit erklärt, daß es sich um keinen gewöhnlichen Hammer handelte, sondern um einen magischen, von den Zwergen Sindri und Brock geschmiedeten, Gegenstand. Dennoch spricht die Überlieferung stets von einem Hammer!
    Anm.: Weitere magische Werke der beiden waren Draupnir, der sich durch Abwerfen acht gleicher Ringe selbst als Reichtum vermehrende Ring des Odin, und Gullinborsti, der schnell laufende und nie ermüdende sowie bei Nacht leuchtende Eber des Freyr.

    Vgl. dazu Herder Lexikon: Germanische und keltische Mythologie
     
  6. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Germanische Mythologie ist nicht mein Gebiet aber ich habe ein paar kleine Zitate (wenn es auch ältere sein dürfen) zu dem Thema gefunden. Ab wann der Hammer die Axt vollständig ablöste konnte ich noch nicht herausfinden.

    „ […] Mjölnir, der in der Mythologie oft die Gestalt einer Axt annahm.“

    Wolf, Mannhardt: Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, S. 306, (herausgegeben 1853)

    „Thor-Donar tauscht die Axt später gegen den Hammer Mjölnir, eine Waffe, die er gegen die Riesen schleudert, … „
    „… Thor in nordischer, Donar in kontinentalgermanischer Version. Es ist ein Gott der die schwere Axt in der linken hält, …“

    Ernst F. Jung: Sie bezwangen Rom: Die dramatische Rolle der Germanen von der Frühzeit bis zu Karl dem Großen, S. 28, Berlin, 1976

    Es geht aber auch anders.

    „Aus dem Hammer ging später die Axt als Gestalt der göttlichen Waffe des Gewittergottes hervor. Saxo nennt anstelle der Donneraxt die Keule clava, […] Die älteste Vorstellung, dass der Donnergott aus der Wolke einen steinernen Keil, oder eine Kugel schleudere, blieb in unserem Heidentum bis auf die letzte Zeit lebendig, […] Die Vorstellung wechselt ab mit der eines geschwungenen Steinhammers. In der Thorsteins Bäarmagnassaga erscheint die Gewitterwaffe unter der Gestalt eines dreieckigen Feuersteins und eines Feuerstrahls, […] Man kann beide werfen wohin man will, sie kehren stets in die Hand des Besitzers von selbst wieder zurück.

    [FONT=&quot]Mannhardt: Germanische Mythen, S. 109f , Berlin , 1858[/FONT]
     
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dann habe ich auch noch einige Zitate dazu...

    Lit.: John Grant "Der Mythos der Wikinger: Sagen, Götter und Legenden" - Xenos - Hamburg, 1991

    Anm.: (!) und (?) in den zitierten Passagen sind ebenfalls Kommentare meinerseits...
     
  8. Sascha

    Sascha Neues Mitglied

    Die komische Hammerform mit der geschwungenen oberen Kante findet sich ab und an bei älteren Fotos/Bildern von Hämmern, leider kann ich nicht genau sagen welchen Hammertyp es sich handelt…
     
  9. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Es ist schon ein wenig traurig das der Stiel des Hammers, durch Lokis Streiche bei seiner Herstellung, etwas zu kurz geraten ist.:rofl:
     
  10. Sindri

    Sindri Neues Mitglied

    Der Schonenhammer stammt aus der Zeit um 1000. Ganz grob gesagt, waren die Leute in Südskandinavien zu der Zeit (4.Jhd.) noch nicht wirklich firm in der Metallbearbeitung solcher aufwändigen Teile. Das kommt erst eine ganze Zeit später mit den anfangenden Wikingfahrten bzw. mit einsetzendem Handel, bei dem anfangs nur die Ware "importiert" wurde oder auch Handwerker.

    Die richtigen Hammer kommen erst mit zunehmendem Einfluß des Christentums auf und laut anthropologischer Untersuchungen waren diese Teile fast immer in Frauengräbern zu finden, Funktion unbekannt. es gibt allerdings einen Silberhammer ganz einfach in Repton Grab 511, Derbyshire England von 873-74 BBC - History - Viking Dig Reports

    die spätesten Formen sehen fast zwitterhaft aus.
    so wie der Kreuzanhänger, der mal hier als Kreuz, da als Thorshammer deklariert wird. aus dem 10-11. Jhd aus Foss, Südland, Island
    Bilddetail
    Der einzige richtige gefundene Hammer Islands stammt aus Vatnsdalur, Nordwestland auch oben zu sehen

    Auf dem Festland vor allem in sächsisch(Altsachsen) besiedelten Landstrichen des FMA wurden viele sog. Donarkeulen gefunden, Amulette von Frauenausstattungen, die auch mit dem Herkuleskult assoziiert werden, aber nichts genaues weiß man nicht...
    sahsnot.de - Altsachsendarstellung - Donarkeule


    ansonsten mal in den Ausstellungskatolog: Wikinger Waräger Normannen, die Skandinavier und Europa 800-1200 schauen... der lohnt ziemlich
     
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  11. shingen

    shingen Neues Mitglied

    aber warum den nur frauen ?? waren die männer den schmuckscheu ?????:rofl:
     
  12. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Würdest Du Dir einen Penis um den Hals binden?
    Außerdem könnte das von den Göttern als "Amtsanmaßung" interpretiert und dementsprechend geahndet werden...
     
  13. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Das mit der vermeintlichen Axt des Thor hat mir irgendwie keine Ruhe gelassen, habe noch mal was nachgelesen und bin tatsächlich noch fündig geworden:
    Aus Handbuch der Germanischen Mythologie:

    So scheint es zumindest in der angelsächsischen Mythologie einen Hinweis auf eine Thunor-Axt zu geben, wenn auch nur einen wagen Hinweis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2008
  14. shingen

    shingen Neues Mitglied

    warum nicht ^^ hab ja schon einen :still:
    aber im ernst ,also war es gar nicht üblich einen hammer zutragen ? sondern eigentlich diese keule ??.
    komisch dachte immer das wäre zumindest bei den wikinger üblich gewesen ....
     
  15. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Zu den Wikingern müßte ich erst nachlesen, aber im Kontinental-germanischen Bereich wurden zu Ehren Donars konische und pyramidenförmige Armulette als Beinanhänger getragen, welche der Übelabwehr und als Fruchbarkeitssymbol dienten.
     
  16. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    In meiner Literatur wird Dir diesbezüglich auch beigepflichtet:

    Herder Lexikon "Germanische und keltische Mythologie" - Herder Spektrum - Freiburg/Basel/Wien, 3. Aufl. 1993
    John Grant "Der Mythos der Wikinger: Sagen, Götter und Legenden" - Xenos - Hamburg, 1991 äußert sich bei zwei Abbildungen zu Fundlagen:
    Anm.: Zur CM Dixon Collection siehe auch Heritage Image Partnership - The UK's Premier On-Line Image Library
     
  17. Kath

    Kath Gast

    Wusstet ihr im übrigen das Der Hammer VERBOTEN sein soll?
    ich habe von einem Thor verehrer gehört die kirche hat ein verbot diesbezüglich durchbekommen weiss da einer was?
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wenn jemand so etwas verbieten kann, dann Onkel Wolfgang (Schäuble) und nicht die Kirche. Das dürfte aber nicht durchsetzbar sein und keinen Bestand vor Gericht haben. Jedenfalls habe ich erst Sonntag die Dinger zu Hunderten auf einem großen Mittelaltermarkt gesehen.
    Für Onkel Wolfgang: Anstatt extra dicke Rotbommel künftig per PN beschweren. Bei persönlichem Kennenlernen bitte vorher klingeln lassen. :p
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2008
  19. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich möchte gar niemanden belehren, aber ich meine, daß dies unwahrscheinlich sein dürfte.
    Trotz seines oftmals gewaltigen Gebarens war Thors Hauptaspekt keineswegs entsprechend kriegerisch, sondern der des Beschützers der ländlichen Bevölkerung.
    Als göttlichen Kriegsherrn rief man zuallererst gewöhnlich Odin um Beistand und Schlachtenglück an.

    Und überhaupt: wie soll man sich denn im Kampf den Segen eines Gottes erwerben?
    Entweder erbittet man etwas vorher oder dankt danach...

    Das ist mit Sicherheit falsch; ich habe bereits mehrfach in diesem Thread auf die Fundlagen hingewiesen, welche das Nebeneinander von Kreuz und Thorshammer zeigen. Hier ist noch ein Beleg: http://www.geschichtsforum.de/226976-post40.html
     
  20. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Vielleicht etwas verloren gegangen:
    Thor bzw. Donar ist keine Kriegs-" sondern ein Fruchbarkeitsgott. Funde von Thorshämmern sind Schmuckstücke aus christlicher Zeit aus in erster Linie Frauengräbern. Wobei "Christliche Zeit" nicht heißt, dass die Bestattungen nun "christlich" waren.
    Vorgänger - wenn man dass so sagen kann - des Thorshammers war möglicherweise die "Donarkeule". Beide Symbole tragen häufig eindeutig phallischen Charakter.

    Üblicherweise wird das tragen eines christlichen Kreuzes und eines Thorshammers als Abgrenzungsverhalten dargestellt, was mir selbst immer etwas komisch vorkam... Sehr spekulative könnte man auch eine zeitweise "Identifizierung" von Thor und Jesus (somit Kreuz und Hammer) andenken. Vom Standpunkt einer Wikingerin sicherlich möglich; natürlich nicht vom Standpunkt der offiziellen Kirche :)
     

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