Thraker - von der Ersten Erwähnung bis zur Eroberung durch die Römer

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von SergejKorolev, 7. September 2008.

  1. Grüß euch!

    Ich möchte mal, die Achtung auf ein interessantes antikes Volk richten: Die Thraker, die zwischen den Skythen im Norden, und den Griechen und Makedonen lebten, wurden von beiden Seiten stark beeinflusst, aber auch von Kleinasien aus, wurden die Thraker beeinflusst.

    zuerste eine kleine Zeittafel (aus Triballi Thrakoi)

    Ich habe auch einige Fragen dazu:

    Aus welchen Völkerschaften wurden die Thraker gebildet?

    Gibt es Belege ihrer Sprache?

    In Bezug zu 281 v.Chr.: In wie weit ging die Hellenisierung der Thraker?

    in Bezug zu folgenden Satz (aus www.triballi-thrakoi.at):

    In wie weit stimmt das? Welche Traditionen gehen auf die Thraker zurück?

    Ich bin auf die Antworten gespannt.

    Grüße

    SK
     

    Anhänge:

  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich würde vor der Gründung von Byzanz dieser Zeittafel nicht allzuviel Beachtung schenken. Homer z.B. wird hier in der Zeittafel unter 14 - 1200 erwähnt, er lebte aber erst - die homerische Frage mal ausgeklammert - im achten Jahrhundert. Über die "Seevölker" herrscht auch keine Einigkeit unter den Geschichtswissenschaftlern. Insofern muss man auch die Gleichsetzung der Thraker mit den Seevölkern mit Argwohn betrachten.


    Ja. Ein paar griechische Inschriften.

    Natürlich stirbt mit der Aufgabe der politischen und kulturellen Einheit nicht das genetische Erbe aus. Es wird sich irgendwie im Balkanraum verteilt haben, über Migration innerhalb des römischen und später byzantinischen Reiches vermutlich auch über den Balkanraum hinaus. Der zitierte Satz evoziert jedoch die Vorstellung, dass es eine thrakische Kontinuität gäbe. So als gäbe es noch Familien, die sich immer nur unter Thrakern fortgepflanzt hätten, ein thrakisches Erbe bewahrt hätten. Ich würde mich darauf beschränken, dieses thrakische Erbe in Toponymen zu suchen, allenfalls noch im Rumänischen als romanischer Sprache im ehemals dakisch-thrakischen Raum. Tragisch.
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Was Homer und die Seevölker betrifft, möchte ich mich mich El Quijote anschließen; den Satz "Die Thraker treten als Seevolk in Erscheinung" würde ich als rein hypothetische Behauptung ohne greifbaren Beleg werten.


    Andiskutiert hatten wir das ja schon einmal hier: http://www.geschichtsforum.de/f34/von-thrakern-makedonen-und-griechen-22862/

    Nähere Informationen gibt es bei Vladimir I. Georgiev, Thrakisch und Dakisch, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt II.29.2., Berlin/New York 1983

    Bei den Sprachbelegen handelt es sich um:
    1. Glossen, also Mitteilungen griechischer Autoren über thrakische Wörter und ihre Bedeutung, z. B. "bolinthos" (Wisent), "bria" (Stadt), "genton" (Fleisch), "skalme" (Messer, Schwert) etc. Es gibt ungefähr 40 solcher Glossen.

    2. Eigennamen - die existieren in großer Zahl, es sind etwa 1500 thrakische Ortsnamen (hatte ich hier schon einmal erwähnt), Fluß-, Gebirgs-, Personen-, Götter- und Stammesnamen. Als Sprachmaterial sind Namen nur mit großer Vorsicht verwendbar, da die Deutungen immer mehr oder weniger unsicher sind. Etwa 200 Wörter lassen sich dadurch erschließen.

    3. Inschriften in griechischer Schrift, aber thrakischer Sprache. Laut Georgiev sind gerade mal vier solcher Inschriften bekannt. Die Inschriften sind recht kurz und schwer zu deuten (bei der Grabinschrift aus Kjolmen ist darüber hinaus nicht gesichert, ob die Sprache thrakisch oder getisch-mysisch ist.)
    Die Inschrift auf dem Goldring von Ezerovo lautet:
    ROLISTENEASN
    ERENEATIL
    TEANESKOA
    RAZEADOM
    EANTILEZU
    PTAMINE
    RAZ
    ELTA


    Georgiev löst sie wie folgt auf:
    Rolistene as(n) Nerenea Tiltea nesko a(r) razea do mean tilezuptam, in eraz elta.

    Eine der beiden Deutungen Georgievs (insgesamt gibt es über 20 Übersetzungsversuchen) lautet:
    "O Rolisten, ich Nerena Tiltea sterbe neben (dir) meinem sanft Entschlafenen, (ich) welche die Kinder großzog."



    Irgendwie scheint mir das Ganze eine recht verunglückte Konstruktion. Der Satz selber ist ja eine recht verunglückte Konstruktion. Wann ist denn "das Ende der römischen Zeit"? Das definitive Ende der römischen Herrschaft in Thrakien war 1453...
    Und was sind das für Spuren, die in der "bulgarischen rumänischen Bevölkerung" weiterbestehen? Folge ich dem Wortlaut, müßten es "Spuren der Thraker als politische Einheit" sein, das ist aber offensichtlich Unfug. Spuren von Sprache? Religion? Vielleicht Musik?* Genetische Spuren gar? Oder sind nicht die Spuren, sondern die Thraker selbst gemeint? Man könnte fast meinen, daß Verfasser selber nicht ganz klar war, was er da zusammenformuliert hat.

    Nachtrag:
    Zum Untergang der thrakischen Sprache ("Gräzisierung bzw. Romanisierung und Slawisierung") schreibt Georgiev auf S. 1192:



    *Auf den Gebieten, wo es überhaupt keine Quellen aus älterer Zeit gibt, geht die Phantasie besonders gern auf "Spurensuche" und wird natürlich immer "fündig"...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. September 2008
  4. Ich merke, die Sprache hat fast nichts mit dem bulgarischen Gemein.

    Nur von Ostthrakien. Der Rest war schon vorher teil von Bulgarien.

    Ich erinnere mich an ein Zitat:

    Welche Bräuche sind das speziell?
     
  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ging das nicht noch eine ganze Weile hin und her? Wie auch immer, "Ende der römischen Zeit" ist für diese Gegend eine extrem schwammige Zeitangabe.

    Das würde ich selber gern wissen. Vor allem, woher Oppermann seine Weisheit herhat. Was weiß man denn überhaupt Konkretes über thrakische Volksbräuche? Gibt es da Quellen?
     
  6. Naja, es war stark umkämpft, nur aus irgendeinem Grund haben die Bulgaren es lange Zeit halten können.

    Aber Ende der römischen Zeit finde ich auch zu schwammig.


    Naja, Herodot hat ja über sie einiges geschrieben. Nur eben ist mir unklar, welche Bräuche das seien sollen.

    zB schreibt er:

    und das schreibt er auch

    Etwas aus einem Reiseführer, über heidnische Kulte:

     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. September 2008
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Serg, ich vermag da nichts spezifisch Thrakisches zu erkennen. Aufbahren, Leichenschmaus und Spiele kannst du auch in der Ilias finden (Patroklos).
     
  8. Das soll Herdot über sie geschrieben habe, ob es spezifisch thrakisch ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Das überlasse ich Gebildeteren.
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der Text enthält überhaupt nicht viel Spezifisches. Daß anläßlich von Trauerfeiern, zumindest gewichtiger Persönlichkeiten, Totenklage gehalten wird, und "die Leiche verbrannt oder beerdigt" wird, ist in fast allen Kulturen des Erdballs der Fall. Auch das Schlachten von Opfertieren war in den alten Kulturen allgemein verbreitet. Grabhügel findet man bei allen möglichen Völkern, und der Leichenschmaus ist nun auch nichts Besonderes.
    Wirklich interessant ist, daß anläßlich eines Leichenbegängnisses Kampfspiele mit Preisverleihung stattfinden. Zwar ist auch das zur damaligen Zeit nichts Einmaliges, z. B. haben die römischen Gladiatorenspiele einen ähnlichen Hintergrund, sie wurden ursprünglich nämlich auch anläßlich zu Ehren von Toten abgehalten:
    Gladiator ? Wikipedia

    Ich würde also mit gewissem Vorbehalt schon von einem thrakischen Spezifikum sprechen. Von Kampfspielen bei Beerdigungen zu Fruchtbarkeitstänzen im Frühjahr ist allerdings ein weiter Weg, da würde ich keinen unmittelbaren Zusammenhang konstruieren.
     

  10. Und wie ist das mit den oben genannten Ritualen? Könnten die die Wurzeln in thrakischer Zeit haben?
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich erwähnte es vorhin gerade. Dann waren Achilles und seine Myrmidonen also Thraker? :grübel:
     
  12. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ebensowenig wie die von mir erwähnten Römer (die das möglicherweise von den Etruskern hatten). Worauf ich mit meiner verkorksten Formulierung eigentlich hinauswollte: Wenn es heute in Thrakien Kampfspiele anläßlich von Leichenbegängnissen (oder zumindest etwas sehr Ähnliches) gäbe, würde man mit Recht auf eine thrakische Tradition schließen. (Wenn man hingegen nur feststellen könnte, daß z. B. im heutigen Thrakien Leichen beerdigt werden und anläßlich der Beerdigung ein Schmaus gehalten wird, dann würde ich das kaum als Beleg für eine thrakische Tradition ansehen...)
     
  13. Ich würde da die kukeri einordnen...
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    Kampfspiele anläßlich von Leichenbegängnissen?

    Nach Deiner Beschreibung wäre das schon sehr weit hergeholt.
     
  15. Hmm, stimmt auch. Belegt ist es seit dem 6. Jahrhundert oder so.
     
  16. Hulda

    Hulda Gast

    Mein Sohn hat vor ein paar Tagen ein 2008 erschienenes Buch geschenkt bekommen: Thracia. Eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel, Sonderband der Antiken Welt von Rumen Ivanov und Gerda von Bülow.

    Auf S. 59ff werden die Kulte der Provinz Thracia beschrieben. Der einzige Kult rein thrakischen Ursprungs scheint diesen Autoren zufolge der thrakische Reiterheros zu sein, der Griechen und Römer überdauerte. Es trat als einfacher Reiter, im Jagdstatus und- seltener- als von der Jagd Zurückkehrender in Erscheinung.

    Gibt es heutzutage noch Feste oder Rituale, die sich auf diesen Reiter zurückführen lassen? Denn nur die wären- wenn ich es richtig verstanden habe- "original" thrakischen Ursprungs.
     

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