Umweltzerstörung im Attischen Herrschaftsgebiet

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Helmut Schuhl, 15. Januar 2008.

  1. Helmut Schuhl

    Helmut Schuhl Gesperrt

    Liebe Forenteilnehmer,

    ... ein relativ unbekanntes Sachthema bildete die Umweltzerstörung im Ägäischen Raum. Meines Wissens wurden eine Reihe von sehr wichtigen Pinienwäldern gerade in der "golden Ära" des Attischen Staatenbundes abgeholz. Ist diese Hypothese haltbar ?!
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Da ist was dran, vor allem mit Blick auf den Holzverbrauch zum Flottenbau.
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Und das gin im römischen Reich verstärkt weiter, so wie die Wälder des Libanon für die Flotten der Phönizier "bluten"mussten.
     
  4. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Richtig, was bereits dazu gesagt wurde. Leider war Wiederaufforstung damals unbekannt.
    Aber so unbekannt ist das Thema nicht. Darüber haben wir schon in den 60ern in der Schule diskutiert.
     
  5. novaesium

    novaesium Gast

    Abholzung Spanies zum Bau der Armada.. Man kann das scheinbar beliebig weiterführen^^.

    PS mein erster Beitrag
     
  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Siehe meinen Beitrag unter http://www.geschichtsforum.de/282246-post2.html

    Hier haben die Römer schon vorher kräftig zugeschlagen.

    Besser als "beliebig" wäre, wenn man es genauer wüsste.
    Kennt jemand vielleicht Untersuchungen, z. B. mit Pollenanalysen ?
     
  7. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Mich würden auch genauere Untersuchungen interessieren. Dass man davon ausgehen muss, dass für große Flotten etc. viele Bäume abgeholzt werden mussten, dass sieht man schnell ein.
    Doch als wie gravierend kann man diese Abholzungen ansehen? Waren wirklich ganze Wälder davon bedroht?

    Ich habe nämlich das alte Europa immer sehr sehr waldreich im Sinn...
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Welchen Zeitraum meint das alte Europa?
    In "natur&kosmos" wurde mal beschrieben welchen Eindruck die mitteleuropäische Natur auf einen Zeitgenossen Goethes gemacht hätte und auch dort hieß, dass ihn die wieder häufiger zu sehenden alten Bäume erstaunt hätten, da die Waldriesen zu seiner Zeit der Axt zum Opfer fielen (ob speziell für den Schiffbau weiß ich nicht mehr, aber sehr viel mehr Verwendungen gäbe es ja nicht)
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Och, mir würden noch ein paar mehr Dinge einfallen, vom Hausbau bis zu Alltagsgegenständen war doch das meiste aus Holz.
     
  10. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Genau! Von Fachwerkhäusern rückwirkend bis zu den ersten Holzhütten. Dann fällt mir noch ein Palisadenbau/Schutzwälle und Bohlenwege durch Moore.

    Außerdem wuchsen durchaus nicht so üppig die Wälder wieder nach. Vielfach wurde geschneitelt, also belaubte Äste und Zweige abgeschnitten, um daraus "Laubheu" für das Vieh zu gewinnen. U. U. "verbluten" Bäume dabei.
     
  11. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Dafür wäre es doch aber nicht gerade nötig, die uralten Bäume mit Stammdurchmesser 60cm und mehr zu fällen. Zumindest schien sich der Artikel soweit ich mich erinnere auf diese Kategorie zu beziehen.
     
  12. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Meiner Information nach wurde Mitteleuropa im Verlaufe des Mittelalters und Spätmittelalters fast ganz abgeholzt, zur Gewinnung von Bauholz und zur Deckung des Energiebedarfs.

    Der Beitrag von Themistokles, der deinem Beitrag folgt, erwähnt das Erstaunen von Goethe über Restbestände von großen alten Bäumen.

    Man verschonte z.B. Eichen vor der Abholzung, weil man sie zur Eichelmast für die Schweine brauchte. Solche Bäume entwickelten außergewöhnlich ausladende Kronen, weil der einengende Wald fehlte.

    Viele Landschaftsbilder aus der beginnenden Neuzeit zeigen solche Bäume und Landschaften.

    Erst die Kohleförderung zur Deckung des Energiebedarfs und die Verbesserung der Infrastruktur, durch die Entwicklung Eisenbahn, für den Kohletransport, sowie die Einführung der Forstwirtschaft führte zu einer nachhaltigen Wiederaufforstung der mitteleuropäischen Wälder.

    Ohne diese Massnahmen, hätten wir dieselben Probleme, die jetzt so manchen, in südlichen Ländern gelegenen Landstrichen bevorstehen.
     
  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Deutschland war nie so waldreich wie heute. Früher haben (Haus)Tiere dafür gesorgt, dass der Neuwuchs herunter gebissen wurde. Solche Riesenbäume wie auf alten Gemälden konnten nur so entstehen.
     
  14. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Wie schnell Tiere Bäume zerstören können, erlebe ich gerade auf meinem eigenen WE-Grundstück. Weil ich mir einiges an Rasen mähen ersparen wollte, habe ich eine Ecke Grundstück zusätzlich als Weide freigegeben, darauf 2 prächtige Ahornbäume (einer davon ca. 1 m Durchmesser) und ein Kastanienbaum. Ratzfatz hatten die Pferde der Verwandtschaft fast gänzlich rundherum die Baumrinden abgeknabbert. Ich schätze, die sind hin :cry:
    Abgesehen davon, dass jedes Jahr Teile der Sträucher Rehen zum Opfer fallen, wenn ich sie nicht in ein Netz hülle.
     
  15. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ich befürchte ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Es ging in dem Artikel um (fiktive) Wirkung heutiger Natur, auf Goethe.
     
  16. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Steigende Bevölkerungszahlen und die damit verbundenen Rodungen (Acker- und Weideland, Baumaterial) sind zum Teil für die Entwaldung des Ägäisraumes verantwortlich. In diesem Zusammenhang wurden z. B. der Hymettos und der Aigaleos vollständig gerodet (ob dort Pinien standen ist mir nicht bekannt). Hauptsächlich sind jedoch nach meinem Dafürhalten der Flottenbau und der Bergbau für die Abholzung verantwortlich.
    Besonders während des Peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) mussten die Flotten innerhalb kürzester Zeit erneuert werden. Auch die Kurzlebigkeit der Trieren und die ständig nötige Wartung zog einen immensen Materiellen Aufwand nach sich. Um diese und andere Unternehmungen zu finanzieren griffen die Athener nicht nur auf die Beiträge ihrer Bündnispartner zurück, sondern beuteten auch in erheblichem Maße die in Attika befindlichen Bodenschätze aus. Die in Laureion befindlichen Silbermienen benötigten ebenfalls etliche Mengen an Bauholz zum Stollenbau. Auch heute kann man noch die unfruchtbaren Schlackefelder erkennen die der antike Bergbau hinterlassen hat. Nachdem die eigenen Ressourcen verbrauch waren musste das Schiffsbauholz aus dem Norden (Thessalien und Makedonien) importiert werden, wobei man Weißtanne bevorzugte.
    Beim Abbau der Goldvorräte im Pangaiongebirge unter Philipp II. dürften die Makedonen auf ihre eigenen Waldbestände zurückgegriffen haben. Inwiefern dies Anteil an der Abrodung in Nordgriechenland hatte entzieht sich meiner Kenntnis.
    Im Hellenismus baute man so genannte Prestige-Schiffe, die vornehmlich der Selbstdarstellung ihrer Auftraggeber dienten und enorme Holzmengen zum Bau benötigten. Das größte gebaute Schiff war damals die „Syrakusia“, welche Archimedes im Auftrag von Hieron II baute. Leider war das Schiff so gewaltig, dass es in keinem Hafen anlegen konnte. Auch in der Kriegstechnik (z. B. bei Heleopen) und im Städtebau wurde viel Holz verbaut. Die hier verwendeten Ressourcen kamen aber nicht aus dem attischen Raum um den es ja bei der ursprünglichen Fragestellung geht.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da Gold gediegen vorkommt, musste es sicher nicht erst aus Erz ausgeschmolzen werden. Allerdings, wenn es in Stollen abgebaut wurde (kannst Du dazu Angaben machen?), wäre Holz vor allem als Stützmaterial benötigt worden.
     
  18. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Im Pangaion-Gebirge wurden Gold und Silber (beide kommen gediegen vor) abgebaut weswegen, wie Du schon sagtest eine Verhüttung unnötig ist. Es konnte aber auch dadurch zu Umweltbelastungen kommen, dass in einem großen Umfang Unterkünfte für Sklaven und Arbeiter errichtet werden mussten. Ein gewisser Anteil an Holz wurde auch für alltägliche Dinge wie z. B. Kochen und die Reparatur von Werkzeugen usw. genutzt. Da die Ausbeutung der Edelmetallvorkommen des Pangaion-Gebirges erst unter Philipp II. begann und der jährliche Ertrag bei etwa 1000 Talenten lag werden in dieser Region neue Siedlungen entstanden oder bestehende ausgebaut worden sein. Diese Städte sind namentlich bekannt (wie z. B. Asyla) aber nicht sicher zu lokalisieren. Weiterhin brauchten die Makedonen auch Werkstätten in denen das Erz gewaschen wurde. Es ist auch möglich, dass zu diesem Zweck Flüsse umgeleitet wurden (Vermutung → kein Fakt).
    Auch in der Antike wurde schon Quecksilber zum Auswaschen von Gold genutzt. Dieses Gift konnte so in die Umwelt gelangen und Flussläufe und angrenzende Baumbestände zerstören.

    Ob und in wieweit Stollen gebaut kann ich leider nicht sagen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass Schächte angelegt wurden, da in einer Tonne Gestein im Durchschnitt unter 20 Gramm Gold enthalten sind, wobei ich den Goldanteil schon hoch ansetze. Prinzipiell gilt aber um eine Ader zu fördern musste man ihr folgen.
    Leider konnte ich auch bei einem kurzen Blick in die zur Verfügung stehende Literatur nichts weiter finden außer folgenden Satz:

    „There exists no published research on the nature of the ancient mining in this area [Pangaion], on the possible site of the mines, there productivity and the technology involved in there exploitation.”

    Benjamin H. Isaac: The Greek Settlements in Thrace Until the Macedonian Conquest in, Studies of the Dutch Archaeological and Historical Society, 10. Band, 1986

    Falls Du auf weitere Informationen stoßen solltest … immer her damit!
     
  19. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Noch um 700 v. Chr. war Griechenland von ausgedehnten Wäldern bedeckt, Das zeigen nicht nur entsprechende Untersuchungen, sondern es gibt dazu auch einen sehr schönen Bericht von Platon (Kritias), der im 4. Jh. v. Chr. die griechische Landschaft seiner Zeit mit der Vergangenheit verglich.

    Unter anderem heißt es dort:

    "Wie man das bei den kleinen Inseln sehen kann, ist also, wenn man den heutigen Zustand mit dem damaligen vergleicht, gleichsam noch das Knochengerüst eines Leibes übrig, der von einer Krankheit verzehrt wurde; ringsum ist aller fette und weiche Boden weggeschwemmt worden und nur das magere Gerippe des Landes ist übriggeblieben.

    Aber dasmals war dieses Land noch unversehrt, mit hohen und von Erde bedeckten bergen, und die Ebenen, die man heute als rau und steinig bezeichnet, hatten fetten Boden in reichem Maße, und auf den Höhen gab es weite Wälder, von denen noch heute deutliche Spuren sichtbar sind."

    (Platon, Kritias (III a-e)


    Für den Raubbau im antiken Griechenland gibt es ein Bündel von Ursachen!

    Als die Bevölkerung Griechenlands wuchs, holzten die Bauern immer größere Landflächen ab, da sie Acker- und Weideland brauchten. Sie betrachteten das nicht als Frevel, obwohl sie die Natur von Göttern und Naturwesen belebt glaubten. Für sie stand der praktische Nutzen im Vordergrund.

    Doch nicht nur die Landwirtschaft verursachte die Zerstörung der Wälder. Als die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Polis wuchs, erhöhte sich auch der Verbrauch an Holz. Es wurde gebraucht als Brennmaterial für die Töpfer, die in ihren Öfen Vasen und Krüge zum Transport von Getreide, Wein und Öl brannten und die auch begehrte Exportprodukte waren.

    Holz wurde auch gebraucht für die Haushalte, die Brennholz zum Kochen der Mahlzeiten und zum Heizen der Öfen an kühlen Tagen benötigten.

    Große Mengen Holz verschlangen die Schmelzöfen der Erzgießer, die z.B. im Lauriongebirge auf Attika Silbererz erschmolzen. Es bildete eine wichtige Grundlage für Athens machtpolitischen Aufstieg und man schätzt, dass im 4. Jh. etwa 10 000-20 000 (!) Bergwerkssklaven in den Minen von Laurion schufteten.

    Besonders große Holzmengen verschlang schließlich der Bau immer neuer Kriegsflotten und zahlreicher Handelsschiffe. Je stärker die Bevölkerung wuchs, je häufiger Schiffe im Mittelmeer kreuzten und je mehr Erz man für Waffen brauchte, desto rascher gingen die Wälder zurück - bis schließlich der nackte Fels zum Vorschein kam, wie man das heute kennt.
     
  20. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Nachtrag zur Literaturangabe:

    Benjamin H. Isaac: The Greek Settlements in Thrace Until the Macedonian Conquest in, Studies of the Dutch Archaeological and Historical Society, 10. Band, Seite 13, 1986

    Sorry
     

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