Unklarheiten zur Res Gestae

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Waterpolo, 9. November 2014.

  1. Waterpolo

    Waterpolo Neues Mitglied

    Im Res Gestae von Kaiser Augustus heißt es:

    Inwieweit trieb er sie ins Exil? Er hat sie doch nach einer Schlacht alle nacheinander umbringen lassen bzw. einige haben auch Selbstmord begangen, oder? Oder ist hier das Wort "Exil" als Synonym für "Hölle, Tod" gemeint?

    Kaiser Augustus hat doch eher die Kriege von bestimmten militärischen Personen leiten lassen, als selbst auf dem Feld zu stehen, zumal er doch für seine politischen Erfolge eher bekannter bzw. gefeiert wurde?

    Klar war, dass er einige Bereiche des Lebens der römischen Bürger verbessert hat und einige Krisen bewältigen konnte. Wie sieht das aber mit der Diktatur aus, die ihm scheinbar angeboten wurde? Letztendlich war doch sein Prinzipat eine Scheinmonarchie, oder? Inwieweit wurde ihm denn die Dikatur angeboten bzw. was meint er damit? Er hat doch durch den Einmarsch in Rom das Konsulat erzwungen.

    Letztendlich verherrlicht er eher seine Herrschaft als diese wahrheitsgerecht wiederzugeben, das ist klar.

    Hoffe auf hilfreiche Antworten und eine spannende Diskussion!


    Liebe Grüße,
    Waterpolo
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Zu (1) und (2): Die res gestae sind eine Selbst-Darstellung des Augustus. Da wollte der natürlich glänzen. Hätte er sich verewigt mit: "Nachdem ich gemütlich zu Hause saß, während meine Genräle meine Feinde niederwarfen, habe ich diese alle einen Kopf kürzer gemacht; geschieht ihnen recht.", hätte das sicher eine andere, vermutlich nicht so positive Ausßenwirkung erbracht... ;)

    Zu (3): Das wichtigste an Augustus Neuordnung der res publica war, dass er zwar (mehr oder minder offen) eine Alleinherrschaft errichtete, diese aber formal die Institutionen und Traditionen der alten Republik fortsetzte. In (3) rühmt er sich also damit, nicht der Tyrann zu sein, als der Caesar sterben musste, sondern die Macht legal im Rahmen der republikanischen Ordnung auszuüben. Wenn es Römer gab, die das anders sahen (was vermutlich der Fall war...), so durften die ihre Meinung nicht in Augustus Darstelung seiner eigenen Heldentaten unterbringen.

    Ich erinnere mich dunkel, dass Oktavian als Herrschername "Romulus" bevorzugt hätte. Da das aber zu offensichtlich auf eine Monarchie hinweisen würde, nannte er sich Augustus.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wie schon im Schwesterthread klargestellt wurde, heißt es "in den Res Gestae". Der Ausdruck ist Plural.

    Die Res gestae sind natürlich sehr knapp gefasst, und Augustus hat ein paar Tatsachen auch etwas hingebogen. Ins "Exil" getrieben wurden Cassius und Brutus insofern, als sie Italien verlassen mussten und sich in den Osten des Reiches zurückzogen. Das war allerdings eher das Werk von Marcus Antonius. Augustus selbst war zeitweise mit den Mördern seines Adoptivvaters sogar indirekt verbündet. Auch besiegt hat primär nicht er sie, sondern Antonius (in der Doppelschlacht von Philippi).

    Er nahm aber für sich in Anspruch, dass die Kriege in seinem Namen geführt wurden und die Feldherrn nur als seine Unterfeldherrn fungierten. Als Oberfeldherr hat somit indirekt er Krieg geführt. Besonders augenscheinlich wurde das, als er einem Feldherrn die spolia opima (eine Auszeichnung, die ein Feldherr erhielt, wenn er in der Schlacht persönlich den gegnerischen Feldherrn getötet hatte) verweigerte, weil dieser nur sein Unterfeldherr gewesen sei.

    23 v. Chr. hatte Augustus zum vorerst letzten Mal als Konsul amtiert; danach verzichtete er - nicht ganz freiwillig, sondern wegen zunehmender Widerstände - auf die bis dahin von ihm seit der Ausschaltung des Antonius praktizierte jährliche Übernahme des Konsulats. 22 v. Chr. brachen in Rom eine Seuche und eine Hungersnot aus. Abergläubische sahen darin eine direkte Konsequenz, weil er nicht mehr Konsul war, und wollten den Senat zwingen, ihn zum Dictator zu machen (und das, obwohl eigentlich schon Antonius die Dictatur abgeschafft hatte). Augustus verweigerte aber wohlweislich die Übernahme der Dictatur, kümmerte sich jedoch um die Getreideversorgung.
    Gebraucht hat Augustus die Dictatur ohnehin nicht, er war auch so faktisch Alleinherrscher. Sie wäre nur eine unnötige Provokation gewesen.
     
  4. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Hallo Waterpolo,
    nach dem Mord an Caesar konnten die republikanischen Verschwörer zu Rom und Italien, anders als erhofft, nicht die Oberhand gewinnen, sondern gingen in die Ostprovinzen, um erst einmal vor M. Antonius u. Oktavian ihr Leben zu retten und zweitens auch, um Kräfte zu sammeln, um für die republikanische Sache weiter zu kämpfen. Cassius ging nach Syrien, M. Brutus nach Griechenland (oder doch Kleinasien?). Man kann sagen, sie seien in den Osten gegangen, um ihre Statthalterposten wahrzunehmen; man kann aber auch sagen, sie seien ins Exil geflohen (weil sie ja ursprünglich eigentlich die Oberhand zu Rom gewinnen wollten, dann aber doch abhauen mussten).


    Augustus erwähnt in seinem Tatenbericht die Namen erfolgreicher Feldherrn so manches Mal nicht - nach dem Motto: Die haben ja eh nur in meinem Auftrag gehandelt (Seine Familienangehörigen hingegen nennt er öfter, wenn sie für ihn Kriege geführt haben). Man muss aber fair bleiben und festhalten, dass Augustus sehr wohl viele Kriege und Schlachten selbst als Feldherr bestritten hat, vor allem während des Triumvirats, aber auch noch später. An der Stelle im Tatenbericht dürfte er aber beides zusammenfassen: sowohl Kriege und Siege, die er persönlich bestritt und einfuhr, als auch diejenigen militärischen Unternehmungen, die nach seiner Weisung reichsweit durchgeführt wurden.
    Dass er von "Gnade", "verzeihen" und "verschonen" spricht, dürfte ein Stück weit 'Mode' gewesen sein. Iulius Caesar war, glaub ich, berühmt gewesen für seine clementia (Milde) gegenüber Besiegten. Augustus scheint sich hier in diese Tradition stellen zu wollen (vgl. z. B. auch Sueton: Aug. 51). Andererseits hat er wirklich einige zuvor ranghohe Gegner (wie z. B. Lucius Antonius oder Ahenobarbus) geschont und in seiner eigenen Partei aufgenommen.


    Zum Diktator wollte ihn laut Sueton: Augustus 53 und Cassius Dio 54, 1, 3ff das Volk zu Rom tatsächlich gemacht wissen. Aus Dio wird deutlich, dass sich das Volk in jenem Hungerjahr die Versorgung mit Getreide vom Diktator erhoffte. Augustus lehnte das Amt ab und kümmerte sich dennoch um die Getreideversorgung der Stadt.
    Dio liefert auch den plausiblen und m. E. richtigen Grund für die Ablehnung der Diktatur: "...denn da er bereits mehr Macht und Ehren als die Diktatoren besaß, hütete er sich mit Recht vor dem Neid und Haß, die eine solche Bezeichnung bei den Leuten [vor allem den Senatoren] erregen musste".
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eigentlich nach Griechenland und Makedonien (wo er Gaius Antonius gefangennahm und später hinrichten ließ). Er versuchte aber auch im westlichen Kleinasien Gelder einzutreiben und Truppen auszuheben.
     
  6. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Wenn es nur wegen der Seuche war, dann wäre die damit verbundene Dictatur nur einen Tag lang gewesen. Üblicherweise schlug der Dictator zur Abwehr der Seuche einen Nagel in einen bestimmten Tempel und sagte dazu sein Sprüchlein auf. Danach dankte er wieder ab.

    Aber selbst mit einer solchen religiösen Mini-Diktatur, hätte er seinen Gegner einfach eine zu große Breitseite geboten.
     
  7. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Hatten diese Familienmitglieder (Tiberius, Drusus, Aggrippa, ...) nicht oft ein imperium? De iure haben sie damit Krieg im Namen von SPQR geführt und nicht im Namen von Augustus. Der gemeine Legatus Augusti pro praetore hatte kein imperium und konnte damit unerwähnt bleiben. Einen Triumph hat er auch nur Denen gewährt, die ein eigenes Imperium hatten. Das kann man nun Tradition nennen, oder politisches Kalkül, oder Beides. Es ergänzte sich zumindest hervorragend.

    Hätte Augustus ein Buch geschrieben, wie Julius Caesar, dann hätte er dort sicher auch einen Saturninus und Andere lobend erwähnt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. November 2014
  8. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Danke. Mir war es entfallen, ob westlich oder östlich des ägäischen Meeres.

    Ich bin da überfragt. Konnte der Senat bspw. dem Agrippa oder dem Tiberius ein imperium proconsulare für Provinzen verleihen, die dem Imperiumsträger Augustus unterstanden? Oder hat Augustus in diesen Fällen Agrippa od. Tiberius eher an seinem eigenen imperium proconsulare 'teilhaben' lassen? Staatsrechtlich spannend. Die Quellen geben bestimmt was her; nur was? ...
     
  9. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Das imperium proconsulare wurde ihnen vom Senat auf Antrag des Princeps verliehen! Es war also ein eigenständiges imperium. Der Princeps konnte kein Imperium verleihen. Augustus stand nur durch seine auctoritas über diesen Imperiumsträgern und nach der Adoption auch als pater familias. Der senatorische Proconsul von Africa hatte übrigens auch ein eigenständiges Imperium des Senats und einen durchaus beachtlichen Exercitus. Über Africa gab es aber in den Res Gestae nix Großes zu berichten.

    Ich habe mich nur gefragt, welche Kriege diese Familienangehörige als Befehlshaber in jüngeren Jahren führten, als sie noch kein Imperium hatten. Tiberius und Drusus bekamen ihr Imperium etwa mit den Germanienfeldzügen. Agrippa noch früher. Ich kann allerdings grad nicht sagen, wo sie vorher als normaler Legat ohne Imperium unterwegs waren. Und ob sie Augustus in den Res Gestae für solche Feldzüge erwähnt. Oder eben nicht, wie er alle Legaten nicht erwähnt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2014
  10. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Danke für die Aufklärung!
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Naja, ob sich die abergläubischen Dictaturbefürworter 22 v. Chr. dieser Feinheiten wirklich bewusst waren? Für eine so kurze Dictatur hätten die Befürworter kaum so einen Aufruhr veranstaltet. Illegal waren ihre Aktion bzw. die Verleihung der Dictatur ohnehin. Anscheinend hatten sie es auf eine längerfristige Dictatur als Ersatz für das Konsulat abgesehen.

    Eigentlich erwähnt er doch fast gar keine Feldherrn, weder aus der eigenen Familie noch fremde. Lediglich in Kap. 27 erwähnt er Tiberius und Gaius Caesar (beide hinsichtlich Armeniens) und in Kap. 30 noch einmal den Tiberius (hinsichtlich Pannoniens), wobei er ihn ausdrücklich als seinen Legaten bezeichnet. Interessanterweise betont er bei beiden Erwähnungen von Tiberius, dass dieser damals noch sein privignus (Stiefsohn) gewesen sei, schließt ihn mit dieser Betonung für die Zeit der erwähnten Aktivitäten also geradezu aus seiner Familie aus. Gaius hingegen bezeichnet er als seinen Sohn, was wegen der bereits erfolgten Adoption formal korrekt war.
     
  12. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Oder auf das Gegenteil, den Sturz des Augustus. Können wir sagen, daß diese Forderung nach der Dictatur nicht von seinen Gegnern lanciert war? Gleiches gilt für die Gerüchte, Julius Caesar habe König werden wollen. Genützt hat es am Ende nur den Gegnern.

    Augustus war in vieler Hinsicht cleverer als sein Onkel. Hatte er doch Gelegenheit, aus seinem politischen Schicksal zu lernen. Ich denke daher auf keinen Fall, daß er dahinter steckte. Entweder es waren seine Gegner, oder übermütige Anhänger, die er schnellstens an die Kandarre nehmen musste.
     
  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Möglich ist vieles. Dass er selbst dahintersteckte, glaube ich auch nicht. Immerhin hatte er sogar sein jährliches Konsulat aufgegeben, weil es manchen zu despotisch erschien, da wird er nicht das gelindere Mittel aufgegeben haben, um stattdessen zum provokanteren zu greifen.

    Bei Caesar war das allerdings anders. Immerhin ging es in der Senatssitzung, in der er ermordet wurde, darum, ob er das Recht erhalten sollte, außerhalb Italiens den Königstitel zu führen. Das wird kaum ohne seine Zustimmung auf die Tagesordnung gekommen sein. Propagandistisch war es mit den Sibyllinischen Büchern und dem Partherfeldzug auch vorbereitet worden. Die Quindecemviri waren weder Spinner noch übereifrige Anhänger; sie werden bestimmt in Übereinstimmung mit Caesar gehandelt haben. Die Sache geriet aber innenpolitisch außer Kontrolle. Vor allem bei der Aktion von Antonius mit der versuchten öffentlichen "Krönung" ist mir unklar, ob Antonius einfach nur übereifrig war, ob Caesar die öffentliche Stimmung testen wollte oder ob Antonius gar Caesar schaden wollte.

    Ob Augustus cleverer war als sein Großonkel, lasse ich mal dahingestellt. Immerhin konnte er aus Caesars Fehlern lernen, das konnte Caesar nicht. Caesar hatte kein brauchbares Vorbild dafür, wie jemand, der in Rom die faktische Alleinherrschaft errungen hatte, damit formal umgehen sollte, um langfristig akzeptiert zu werden bzw. am Leben zu bleiben. Der einzige, der jemals vor ihm die Alleinherrschaft errungen hatte, Sulla, war auch ein paar Jahre lang Dictator gewesen, hatte sich dann aber zurückgezogen, sodass offenblieb, ob er sich damit auch langfristig behaupten können hätte. Die Dictatur als formales Instrument der Herrschaftsausübung war jedenfalls durchaus naheliegend. Caesars zweite formale Stütze, das jährliche Konsulat, übernahm Augustus anfangs selbst.
    Augustus kam aber vermutlich auch zugute, dass die Römer seine Herrschaft bereits gewöhnt waren, als er Alleinherrscher wurde, denn immerhin hatte er vor dem Krieg gegen Antonius bereits etliche Jahre lang als Triumvir faktisch in Rom und Italien regiert. Caesar hingegen kam erst durch den Bürgerkrieg an die Macht; in den Jahren davor hatte in Rom und Italien primär Pompeius das Sagen gehabt.
     
  14. Water

    Water Neues Mitglied

    Naja, da müsste man nochmal genau schauen, ob die Reihenfolge des Berichts nicht doch stimmt. Er hat die beiden jedenfalls nicht sofort in der Schlacht besiegt, sondern da lag einige Zeit dazwischen. Wo sie vielleicht erstmal im Exil waren, also weg von Rom, aus den Augen aus dem Sinn... ich denke, die wollten auch erstmal ihren Plan weiter verfolgen, hatten ja Caesar ermordet und was sollte dann kommen?

    Ich vermute hier außerdem, dass Octavian erstmal einen Bürgerkrieg meiden wollte (er führte ja erstmal noch einen gegen Antonius, vom Staat beauftragt, womit er auch paradoxerweise erstmal irgendwie auf der Seite des Caesarmörder steht, er hatte sich mit Cicero arrangiert etc. ).

    Bürgerkrieg war ja verpönt und die Beendigung des Bürgerkrieges, der Jahrzehnte tobte, bildet eine entscheidende Säule seiner späteren Macht. Er wollte vielleicht die Mörder Caesars nicht mit Bürgerkrieg strafen, schickte sie erstmal ins Exil. Und dann schreibt er ja, sie hätten dann dem Staat den Krieg erklärt etc... also nicht er hat den Bürgerkrieg angefangen. Er hat sich dann nur verteidigt und den Staat gerettet, wer kann ihm das übel nehmen... ? ;)

    43 v.Chr. wurde das Zweite Triumvirat geschlossen, Antonius war kein Feind mehr, Octavian wurde Konsul. Cicero wurde ermordet. Die Schlacht bei Philippi gegen die Caesarmörder war 42 v.Chr.

    Bei der Entscheidung, die Caesarmörder ins Exil zu schicken, spielte auch Antonius eine Rolle, wenn ich mich richtig erinnere. Er hat erstmal Chaos vermieden, indem er auf die Ermordung Caesars nicht mit Gegengewalt reagiert hat. Da spielen viele Sachen mit rein. Z.B. wäre es aus Gründen der "Familienehre" Octavians Aufgabe gewesen, Caesar zu rächen. Wenn Antonius das getan hätte, hätte er wohl ein Problem bekommen. Aber andererseits bekam er das Problem mit Octavian ja dennoch und bei der Schlacht von Philippi lag Octavian angeblich krank im Zelt, so dass letztlich auch wieder Antonius die Typen besiegte (wenn ich die Schlacht jetzt nicht verwechsle).

    Diktaturen anzunehmen oder ewig lange Konsulate zu führen war keine gute Idee.

    Eine Diktatur ist auf ein halbes Jahr begrenzt. Wenn sie Augustus jetzt auf Lebenszeit angeboten wurde, wäre er gemeuchelt worden, hätte er das angenommen. Wie Caesar vor ihm. Daher hat er es abgelehnt.
    Und auch die Konsulate dürften ihm unangenehm geworden sein.

    Octavian hatte ja ca. zwischen 43 und 27 v.Chr. einiges umgestaltet. Er konnte auch ohne Konsulat alles machen, was ein Konsul kann, indem er sozusagen die Amtsbefugnisse vom Amt abspaltete.

    In der Uni bei uns wurde die Stellung des Augustus als eine Mischung aus imperium proconsulare (Amtsgewalt des Prokonsuls, also Feldherrenmacht) und und tribunicia potestas (Amtsgewalt des Volkstribuns, also Unantastbarkeit/Vetorecht etc.) beschrieben. Er ist kein Volkstribun, kein Konsul und kein Prokonsul, sondern er besitzt faktisch die Macht über das Heer, höchstes persönliches Ansehen (auctoritas), und Unantastbarkeit/jederzeitige Widerspruchs- und Eingriffsmöglichkeiten.

    Im Gegensatz zu einem Konsulat oder der Diktatur gilt hier kein Verbot der Kumulation von Ämtern, da es sich nicht um Ämter handelt, sondern nur um "Teile von Ämtern", kein Iterationsverbot (= Wiederholungsverbot), keine Annuität (= nur für ein Jahr) usw.
    Das, was Octavian da zusammengebastelt hatte, gab es noch nicht und daher wusste auch keiner so Recht, ob man das "darf".

    Hätte er 10 Jahre hintereinander ein Konsulat gehabt, hätten alle gewusst, "der verstößt gegen die Annuität" und er hätte schwupps 3 Messer im Rücken gehabt. ;)
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Caesarmörder ins Exil geschickt haben eigentlich weder Octavian noch Antonius. Die gingen mehr oder weniger freiwillig, als sie erkannten, dass sie in Rom ihre Ziele nicht gegen den Konsul Antonius durchsetzen konnten und nicht wirklich sicher waren, obwohl sie amnestiert worden waren. Zunächst hielten sich Marcus Iunius Brutus und Cassius noch in verschiedenen Städten Italiens auf, während Decimus Iunius Brutus in die ihm noch von Caesar zugewiesene Provinz Gallia Cisalpina ging, wo es dann später zum Mutinensischen Krieg kam. Später reisten Marcus Brutus und Cassius dann in den Osten des Reiches, was aber auch nur bedingt ein Gang ins Exil war: Cassius ging nach Syrien, das ihm bereits von Caesar als Provinz für die Zeit nach seiner Praetur (44) zugedacht worden war. Zwar war von der Volksversammlung zwischenzeitlich Syrien dem Dolabella als Provinz zuerkannt worden (Cassius sollte stattdessen die vergleichsweise unbedeutende Cyrenaica erhalten), aber das akzeptierte Cassius nicht. Dem Marcus Brutus wurde Kreta zugesprochen, er ging aber stattdessen nach Makedonien, das dem Antonius zugesprochen worden war. Beide bereiteten sich auf einen möglichen Bürgerkrieg vor.

    So ähnlich war es aber (bis auf das mit den Messern). Augustus bekleidete das Konsulat jährlich durchgehend von 31 bis 23 v. Chr. Erst Mitte 23 v. Chr. gab er es auf.
     

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