Unterschied Sparta und Athen

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Gast, 5. September 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    Worin liegt der Unterschied zwischen Sparta und Athen in Sachen Sport?
    Wie untschieden sich beide in der Erzihung der "Soldaten"/Männer?

    Gruß Paul
     
  2. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Deine Frage ist mir etwas zu Präzise, sind beide griechischen Stadtstaaten doch von ihrer Staatsform her absolut Unterschiedlich und daher kaum zu vergleichen. In der Regel gab es in der Antike keine Staatserziehung für alle Menschen eines Staates. Dir wird also etwas bestimmtes vorschweben, oder?
     
  3. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Sport und Militär waren schon unter den griechischen Völkern zwei Paar Schuhe.
    Siehe Olympische Spiele der Antike. In der tausendjährigen Geschichte der Olympischen Spiele der Antike gab es letztendlich auch Berufssportler.
    Um meinen Vorposter zu widersprechen: es wäre sinnvoll etwas präziser bzw. konkreter zu werden. Welcher Hintergrund obliegt deinen Fragen?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Sparta wurde zunächst einmal gezielte Selektion betrieben. Kinder, die auf die Spartiaten zu schwach wirkten, wurden getötet oder ausgesetzt (was gleichbedeutend war). Mit einem Alter von acht Jahren [nachrecherchieren!!!] wurden die Jungen aus den Familien genommen und einkaserniert. Ihr Leben bietet die Grundlage für das, was wir heute spartanisch nennen: sie lebten unter den denkbar härtesten Bedingungen, wurden kurzgehalten und hungrig genug, dass sie quasi gezwungen waren, sich ihren Lebensunterhalt zusammenzustehlen. Dies war in einem gewissen Maße erwünscht, als Überlebenstraining, wer aber erwischt wurde, wurde schwer bestraft. Nicht weil sie gestohlen hatten, sondern weil sie sich hatten erwischen lassen.
     
  5. urvo

    urvo Aktives Mitglied

    Plutarch beschrieb Sparta so:
    “Niemand durfte leben, wie er wollte; in der Stadt hatten die Spartaner wie in einem Feldlager eine genau festgelegte Lebensweise und eine Beschäftigung, die auf das öffentliche Wohl ausgerichtet war, da sie dachten, sie gehörten ganz dem Vaterland und nicht sich selbst.”
    (Aus Geschichtsbuch Bd 1. Hrsg. Jochen Martin. Cornelsen 1986.)

    Die spartanische Gemeinschaft regelte rigoros das Leben der Menschen. Ziel der Erziehung (Agogé) sollte es sein, staatstreue Bürger zu erziehen. Diese bedingungslose Treue führte Sparta zur Macht, aber sie konnte schließlich nicht den späteren Niedergang verhindern.

    Neugeborene wurden einer Kommission vorgestellt, die dann entschied, ob das Kind am Leben bleiben durfte. Erschien das Kind als nicht “lebensfähig”, weil es z.B. behindert war, wurde es wie schon gesagt ausgesetzt und verhungerte dann fast immer elendig. Dem akzeptierten Kind wurde ein Stück Land zugesprochen.
    Bis zum 8. Lebensjahr lebten die Jungen in ihrer Familie. Sie wurden von Ammen erzogen. Schon hier begann die Abhärtung für das spätere Leben in der Gemeinschaft. Gehorsam, Furchtlosigkeit und Beherrschung der eigenen Gefühle wurden gelehrt.

    Danach wurden sie in eine Gruppe, eine so genannte “Herde” aufgenommen. Hier lebten sie in der Gemeinschaft, übten sich in kriegerischen Disziplinen und beugten sich bedingungslos den Eirenes, den Befehlshabern der Gruppe. Auch hier galt es, die Kinder abzuhärten. So mussten sie oft bei jeder Jahreszeit nackt die Übungen durchführen. Ihre Unterkünfte waren mehr als einfach. Verstöße gegen die Disziplin wurden durch Prügel geahndet.


    Die Jungen wurden auch in der Debattierkunst geschult. Die Reden sollten kurz und treffend sein, daher der Ausdruck “ lakonische ” Rede und Sprache.

    Die Vererbung der Tugend (Arete) vom Vater auf den Sohn war für den Bestand der Gesellschaft wichtig. So wurde es üblich, dass die älteren Krieger als Mentor den jüngeren Männern zur Seite standen. So war dieses Verhältnis weniger sexuell als pädagogisch. Der Ältere war der Erzieher des Jüngeren. So war er auch dem Vater des jungen Mannes rechtlich gleichgestellt. Dieses Verhältnis wurde auch für das Militär genutzt, indem die beiden Männer Seite an Seite kämpften.
    Von der jugendlichen Erziehung in der Agoge wechselte der junge Mann in eine so genannte Zeltgemeinschaft, die ebenfalls zu einer festen Gruppenbindung beitragen sollte. Bis zum 60. Lebensjahr blieb der Mann für das Militär dann tätig und war stimmberechtigt in der Volksversammlung.
    Eine Kennzeichen der Zeltgemeinschaften (Syskenien) waren die gemeinsamen Mahlzeiten ihrer Mitglieder. Diese Zeltgemeinschaften bildeten auch die kleinste militärische Einheit. Die Gemeinschaft entschied auch darüber, wer aufgenommen wurde. Man konnte auch ausgeschlossen werden. Wer seine finanziellen Beiträge zur Gemeinschaft nicht mehr aufbringen konnte, wurde ausgeschlossen. Der Spartiate verlor dann auch seine Bürgerrechte. Auch Feigheit im Krieg führte zum Ausschluss.
     
  6. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Gerade weil Athen und Sparta so unterschiedlich sind, ist ein Vergleich gerade reizvoll

    So weit ich weiß, setzten Athener Väter schwächliche Kinder auch aus, bloß war dies eine private und keine staatliche Entscheidung.

    Gemeinsamkeiten der Bedeutung von Sport in Athen und Sparta:
    man trainierte nackt (das englische Wort gym für Turnhalle und unsere Gymnastik leiten sich vom griechischen gymnos - nackt - ab)
    Sport war immer Wettbewerb,

    ein paar spontane Einfälle zu Unterschieden:
    in Sparta gab es Sport auch für Mädchen (die dann aber zumindest kurze Röcke trugen)

    ein paar Sachen aus'm Forum
    mitlitärischen Grundausbildung in Athen
    agoge (hier muss ich noch dringend einen Beitrag nachtragen um mich selbst zu berichtigen. Ich hab inzwischen doch noch einen spartansichen Waffentanz gefunden)

    externe Infos:
    Sport im antiken Griechenland
    Sport allgemein
     
  7. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Hier lautet zwar die Frage nur zum Unterschied in Bezug auf Sport, aber den Ursprung überhaupt des so gravierenden Unterschiedes von zwei so nahe verwandten Völkern, die auch räumlich nicht sehr weit von einander getrennt waren, insgesamt zu finden, sollen sich schon Thukydides und Aristoteles vergebens bemüht haben. Sparta soll nicht immer dieser harte Kriegerstaat gewesen sein. Im 8./7. Jh. v. Chr. pulsierte auch dort das Leben und man lebte ohne eiserne Vorschriften. Erst im frühen 6. Jh. v. Chr. gab es die Veränderung, die uns das Bild vom Spartaner brachte, das auch heute noch für eine harte Lebensart sprichwörtlich ist.
     
  8. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Zum Sport:
    Athen zahlte seinen Olympiasiegern im 6. Jhd v. Chr. 500 Drachmen, in Sparta durfte ein Olympiasieger in der ersten Reihe der Phalanx stehen.;)

    Sparta stellte auch die erste Olympiasiegerin: Die Prinzessin Kyniska gewann im Wagenrennen der Vierspänner, als Besitzerin des Gespanns. :frauenpower:
    In Athen war so etwas unmöglich, Frauen durften dort keinen Besitz haben (waren ja nicht einmal juristische Personen).

    Es sind übrigens wenige Olympiasieger aus Athen bekannt, Sparta stellte anfänglich, vor allem in 7. Jhd. v.Chr., die meisten Olympiasieger. Ab 550 v. Chr. ging die Zahl der spartanischen Siege allerdings dramatisch zurück.
    Die Spartaner waren anfänglich durch ihre militärische Ausbildung noch im Vorteil gegenüber den "normalen" Griechen, sie waren halt athletischer.
    Mit steigendem Wohlstand bildete sich aber in den anderen Städten eine Schicht von wohlhabenden Familien deren Söhne sich einige Jahre dem Sport widmen konnten. Diese konnten sich dann sogar auf bestimmte Disziplinen spezialisieren und waren dann darin den Spartanern, die in erster Linie Soldat waren, überlegen.
     
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Carl Weber hat in "Die Spartaner" den Wandel Spartas schön dargestellt und auch etwas über Erfolge in den olympischen Spielen geschrieben.
    Mein Exemplar ist leider für einen bevorstehenden Umzug mit anderen Büchern eingeschnürt, so dass ich die Kapitel nicht nachlesen kann.
     

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