unterschiedliche Salze als Handelsware

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Michelle, 18. Januar 2009.

  1. Michelle

    Michelle Neues Mitglied

    Hallo zusammen!
    In einem Zunftbrief der zwischen 1264/69 vom Basler Bischof Heinrich III. verfasst wurde ist die rede von
    -schwäbischen Salzen
    -Steinsalz und
    -kölnisches Salz

    Kann mir jemand den Unterschied erklären.....ich kann dazu nämlich nichs finden....

    Danke schonmal im vorraus

    Michelle
     
  2. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ich vermute, dass es sich in jedem Fall um Kochsalz, also Natriumchlorid, handelt.

    Heute unterscheidet man Siedesalz aus dem Meer und Steinsalz, das in Lagerstätten entweder bergmännisch abgebaut wird oder aber als Lake ausgespült wird (Saline).

    Die geographischen Begriffe beziehen sich doch sicherlich auf die Abbaustätten. Durch unterschiedliche Techniken konnte man vieleicht auch Unterschiede von einem Herkunftort zum anderen feststellen.

    In Deutschland gibt es einige Salzlagerstätten, "schwäbisch" könnte z.B. auf Heilbronn hinweisen, "kölnisch" ist das heutige Bergwerk in Rheinberg-Borth, das mal zu Köln gehörte (da gab es aber dieses Bergwerk noch nicht).
     
  3. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Hallo Michelle,

    eine konkrete Antwort auf deine Frage habe ich im Moment ohne aufwändige Recherche nicht. Aber: Salz und die Gewinnung dieses lebenswichtigen Stoffes ist aus archäologischer und historischer Sicht ein faszinierendes Thema; an allgemeiner Literatur kann ich empfehlen:

    Mark Kurlansky, Salz. Der Stoff, der die Welt veränderte. Berlin 2004/2005 (TB im List Verlag)

    Zu unserem mittelalterlichen Betrachtungsraum findest du ein umfangreiches und tiefgründiges Kapitel SALZ in diesem tollen Buch, dass dir deine Fragen beantworten dürfte:

    http://www.geschichtsforum.de/f51/ern-hrung-im-mittelalter-22766/
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Januar 2009
  4. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Könnte es sich bei kölnischem Salz eventuell auch um Meersalz handeln,was über Holland und den Rhein nach Köln kam und dort umgeschlagen bzw. gehandelt wurde ?
     
  5. Michelle

    Michelle Neues Mitglied

    Ist dieses (aus dem Meer gewonnene Saz)denn wertvoller als die Steinsalze??Denn das lässt sich im Text erkennen:
    "......falls sie ein falsches Maß anwenden oder schwäbisches Salz bzw. Steinsalz unter kölnisches Salz mischten oder eine Salzsorte fälschlicherweise für eine andere verkaufen....."
     
  6. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Soviel ich weiss, galt Meersalz bzw. Baiensalz früher (anders als heute) als minderwertiger, war aber trotz der langen Handelswege günstiger.
    Mehr Info unter Salzhandel ? Wikipedia
    und hier unter "Bedeutung der Handelswaren"
    "Hanse" - Handelsgebiete
     
  7. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Hier Wirtschaft, Unternehmen, Kreditwesen ... - Google Buchsuche steht das "kölnisches Salz" hauptsächlich in Seeland raffiniertes südeuropäisches Salz (meist Baiensalz) und flandrisch-seeländisch-holländisches Salz war.
    Dadurch, das es zusätzlich raffiniert wurde, war es natürlich teurer als das nur durch Solen oder Untertage gewonnene Salz. Ob es optisch oder geschmacklich besser war vermag ich nicht zu sagen.
     
  8. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Das stimmt aber nicht, denn Baiensalz bzw. Meersalz galt bei uns als minderwertig und war günstiger. Das lag nicht nur an dem eohl leicht bitteren Geschmack, sondern vor allem an den schlechteren konservierenden Eigenschaften.
    Man hat geräuchert, getrocknet, eingekocht und vor allem gesalzen. Ein Salz, das verderbliche Nahrung nur kurz schützte, war dazu denkbar ungeeignet.
    Vor allem auf Schiffen war die Nahrung meist in Salzfässern gelagert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2009
  9. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Warum? Baien-/Meersalz ist natürlich günstiger und je nach Anteil an Verunreinigungen minderwertiger. Aber man wollte es doch verkaufen und den Preis rechtfertigen. Wahrscheinlich wurde deshalb ja auch die zusätzliche Raffination durchgeführt.

    Raffination ? Wikipedia

    Mir ist schon klar, das sich die Aussage in diesem Link hauptsächlich auf die heutige Zeit bezieht, vor allem was das Jodieren und die Rieselfähigkeit betrifft. Wichtig ist mE aber der Satz mit den optischen und geschmacklichen Unterscheidungsmöglichkeiten zu ebenfalls raffiniertem Steinsalz.
    Diese nicht vorhandenen Möglichkeiten dürften die oben erwähnten "Fälschungen" wesentlich erleichtert haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2009
  10. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Und in welcher deiner Quellen steht ein Hinweis darauf, dass es teurer war. In allen Quellen, die ich kenne steht explizit, dass es billiger war. Baiensalz war also das Salz der Armen, wenn du so willst, was unter anderem dazu führte, dass ihre Nahrung schneller verdarb und ungeniessbarer war.
     
  11. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Nicht ich behaupte das sondern Michele gestern Abend:

    Vieleicht kann sie ja sagen, vorher das Zitat stammt.

    Warum sollte aber jemand teures Salz einem biligerem untermischen?
    Es ist doch eher üblich ein teures Produkt mit einem biligeren zu strecken.
    Im übrigen ist raffiniertes Baiensalz dann ja nicht mehr billiges Salz für die Armen, sondern
    schon ein anderes Salz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2009
  12. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Es kam darauf an, Wem man es verkaufen wollte, bzw. wie hoch der Anteil der diversen Salze war.
    Einem fähigen Händler konnte man ein X nicht für ein U vormachen und streckte das teure Salz höchstens mit ein bischen billigem, was bei der einzelnen Menge nicht zum Tragen kam, wohl aber auf das große Ganze besehen.

    Billiges Salz wiederum streckte man mit ein bischen teurem, um es teurer verkaufen zu können, wobei das eher auf dem Haus-Markt geschah, wo man es dem Dienstpersonal und/oder der Hausfrau andrehte.
     
  13. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Und das ist jetzt die Frage. Warum sollt man dies tun, wenn beides gleich schmeckt und aussieht? Ich kann es doch auch einfach nur behaupten.

    Versteh mich bitte nicht falsch - ich kann nur einfach geschmacklich keinen Unterschied zwischen Meersalz oder Steinsalz auf meinem Frühstücksei feststellen.
    Und im Mittelalter wurde mE die Qualität eher an der Körnung und der Farbe gemessen. Ob sich manche Salze nicht für bestimmte Konservierungsmethoden eignen oder nicht müßte jetzt ein Kenner der Materie sagen.
     
  14. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Die Körnung und Farbe wies wohl doch Unterschiede auf, ebenso der Geschmack. Das kannst Du einfach nicht mit dem heutigen Industriesalz in den Geschäften vergleichen. Übrigens gibt es selbst beim Mehl farbliche und qualitative Unterschiede. Zudem ist raffiniertes Salz wohl nicht so gesund. Salz ? wichtige Würze - BonGusto.de
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2009
  15. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Da steht ein schönes Beispiel in deinem Link wie man für Salz das in seiner chem. Zusammensetzung bis auf 1-3% identisch ist mit allen anderen Salzen gut das 10 bis 20igfache am Preis verlangen kann. Man erzählt den Leuten was sie hören wollen und schwimmt noch auf einer der vielen Modewellen und schon klappt es.
    Warum nur fällt mir sowas nie ein.
    Das dürfte auch im Mittelalter nicht allzu schwer gewesen sein.

    Himalayasalz ? Wikipedia
     
  16. Michelle

    Michelle Neues Mitglied

    Das Zitat stammt vom Bischof Heinrich III. um 1264/69 aus Basel, als er den Obstern, Gärtnern und Lebensmittelhädlern("Menkellern") ihre bewilligt->Zitat aus dem Zunftbrief

    LG
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hast Du evtl. das Gesamtdokument?
     

Diese Seite empfehlen