Ursachen des Terreur: historisch-kulturell geprägte Gewalt o. polit. Mittel?

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Ella_, 14. Juni 2013.

  1. Ella_

    Ella_ Neues Mitglied

    HILFE!!!

    Ich habe am kommenden Montag meine mündliche Abiturprüfung in - Überraschung- Geschichte.

    Je mehr ich mich einlese desto spannender wird mein Thema. Problem: ich habe das Gefühl, dass ich mich in tausende Details zu verlieren und werde immer unsicherer.

    Ich suche dringend einen Diskussionspartner um einen anderen Blickwinkel zu bekommen und die Gewissheit, dass ich soweit alles richtig interpretiert habe.

    Mein Thema lautet:

    Ursachen der "Terreur" in der Französischen Revolution: Gewalt als historisch kulturelle Prägung oder als rationales Mittel der Politik?


    Ich fordere euch Citoyens auf mit mir zu diskutieren, damit ich ein wenig schlauer und beruhigter in die Prüfung gehen kann :friends:


    Ganz liebe Grüße,
    Ella
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wem zur Französischen Revolution der Terreur als zentrales Problem einfällt, hat ihre historische Bedeutung und ihr zentrale Bedeutung nicht verstanden.

    Im zweiten Schritt kann man über die unterschiedlichen Konflikte sprechen, den Terreur und auch den Bürgerkrieg im Vendee, um das historische Bild ein wenig zu komplettieren und es nicht ganz so einseitig ausfallen zu lassen.

    Diskutiert nicht ihre zentralen Aspekte, sondern die "Degenerationsform" des politischen Konflikts im Rahmen der FR.

    Ansonsten wurde dieses Thema schon relativ ausführlich im Forum diskutiert.

    Das wäre schon mal ein konträrer Diskussionsbeitrag.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2013
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Findest du? Was ist mit Vergniaud?

    Du meinst den Völkermord an der rückständigen katholischen Bevölkerung der Bretagne und des Vendée, die schon aufgrund dessen, dass die Maßnahmen der Revolution ihre Interessen verletzten und - ich glaube man kann hier von Klassenkampf sprechen - ihre ökonomischen Belange ignorierte, antirevolutionär eingestellt waren?
    (Erinnert mich im Übrigen an das Baskenland und Navarra, deren aus dem Mittelalter verbrieften Rechte (fueros) durch die liberale Verfassung von 1812, die dann im Triennio liberal 1820 - 1823 noch einmal in Kraft trat, außer Kraft gesetzt wurden, was die Basken quasi in die Hände der ultraabsolutistischen Karlisten trieb, ohne dass sie selbst unbedingt eine ultraabsolutistische Position vertraten.)
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Verwendung des Begriff "Völkermord" ist in diesem Zusammenhang in der Tat durch einen Autor vorgenommen worden, allerdings ist ihm auch widersprochen worden. Das sollte durchaus erwähnt werden.

    Zumal die Genese des Konflikts im Vendee durchaus Zweifel an der Verwendung dieses Konstrukts nahelegen.

    Folgt man beispielsweise Reichhardt (S. 48) dann eskalierte die Situation im Vendee zunächst als Stadt-Landgegensatz und es waren die bürgerlichen Honoratioren in den Städten im Vendee, die die Revolution für ihre Interessen benutzten und zu einer Entfremdung der Landbevölkerung der Revolution sorgten.

    Gleichzeitig ergab sich jedoch auch eine Konfliktlinie zwischen den säkularisierten Vorstellungen der FR und ihrer Forderung, dass die katholische Funktionsträger, natürlich auch im Vendee, ihren Eid auf die Republik abzulegen hätten. Und dieser Aspekt verschärfte zunächst die Beziehung des Zentrums zur ländlichen Bevölkerung im Vendee.

    DasBlut der Freiheit: Französische Revolution und demokratische Kultur - Rolf Reichardt - Google Books

    Vor dem Hintergrund der militärischen Niederlagen der FR und einer hohen Desertationsrate sollten neue Rekruten ausgehoben werden und dieser Aushebung verweigerte man sich im ländlichen Vendee. Dieser Prozess wird in der Regel dann als unmittelbarer Auslöser für den Bürgerkrieg im Vendee definiert.

    Dennoch schränkt Blanning sicherlich zu Recht ein: "If the war took the Revolution to the left, it took the counterrevolution to the right. Without the war there would have been no conscription, and without conscription there would have been no rising in the vendee. Or would there?" (S. 18)

    The Rise and Fall of the French Revolution - Google Books

    Und somit war, neben dem Stadt-Land-Gegensatz innerhalb des Vendee auch ein Konflikt zwischen dem Zentrum und der Peripherie vorhanden.

    Und beinhaltete somit unterschiedliche Konfliktlinien, die eine systematische Einordnung als "Völkermord" m.E. als nicht sinnvoll erscheinen lassen (vgl. das Fragezeichen bei Schulin: Die Französische Revolution, S. 228) und als eine nicht beantwortete, offene Frage zu klassifizieren ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juni 2013
  5. Isleifson

    Isleifson Gesperrt


    Das Kapitel-Vendée und terreur ist noch lange nicht abgeschlossen.

    Eben kam ein Buch heraus von

    Jean-Clément Martin Un détail inutile-Le dossier des peaux tannées en Vendée 1794

    also "Ein unbedeutender Zwischenfall?Bericht über die gegerbten Menschenhäute in der Vendée 1794"

    Éditions Vendémiaire - Les collections Des Editions Vendemiaire
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2013
  6. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

  7. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Danke für den Hinweis auf den Titel. Hört sich so ähnlich wie "Le Grand massacre de chats" von Darnton an, nur brisanter. Weiß hier jemand zufällig weiteres zu diesem (ehemaligen) Ausstellungsstück:
    "Pourtant, l’auteur rappelle qu’en 2005, le musée d’histoire naturelle de la ville de Nantes a été amené pour des raisons d’éthique à retirer de ses vitrines une peau tannée qui aurait été celle d’un soldat républicain tué en 1793."
    Ich hätte nicht gedacht, dass solch makabre Relikte des Bürgerkriegs existieren.
     
  8. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Hier kannst du weiterlesen,wie man sieht ist die Diskussion recht lebhaft.

    Forum Histoire - Passion Histoire • Afficher le sujet - Autour de la Vendée
     

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