USA im 19. Jh./Verfassung/Präsidentenwahl

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Nik_odemus, 22. März 2011.

  1. Nik_odemus

    Nik_odemus Neues Mitglied

    Hab hier 4 Kurze Fragen zu unserem Aktuellen Geschichtsstoff:
    1. Wie sieht das Wahlverfahren zum Präsidenten der Ver. Staaten aus, wie wird Wahlkampf geführt?

    2.Was bedeutet "manifest destiny" und was bedeutet es im Zusammenhang mit der Entwicklung der Amerikanischen Nation im 19. Jh.?

    3. Inwiefern konnten verschiedene Indianerstämme während des 20.Jh. im Kampf für politische u. wirtschaftliche Besserstellung Erfolge verbuchen? Wie konnte dies möglich werden? (Beispiele)

    4.
    -Worin liegt der Zusammenhang zwischen der Monroe-Doktrin von 1823 un den Zielen der amerikanischen Aussenpolitik um 1900?
    -Warum war die Amer. Aussenpolitik um 1900 in erster Linie Macht- un Wirtschaftspolitik?

    Danke im Voraus für (möglichst balde) Antworten

    LG _odemus
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Deine vier kurzen Fragen zum aktuellen Geschichtsstoff klingen eher nach deinen Hausaufgaben... Was hast du denn bisher selbst rausgefunden, bzw. an welcher Stelle kommst du nicht weiter?
     
  3. Nik_odemus

    Nik_odemus Neues Mitglied


    Nun ja, Hausaufgaben sind's nicht aber gehört zum Prüfungsstoff der nächsten Prüfung.
    Ich denke die Fragen sind so ziemlich klar gestellt, hab sie nur aus den Stichworten zur Prüfungsvorbereitung hergeleitet.
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Um was für eine Prüfung handelt es sich denn?
     
  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Na dann versuch dich doch mal dran und wir schauen drüber was noch zu ergänzen ist bzw. helfen dir gerne, wenn du irgendwo nicht weiter kommst.
     
  6. ratu

    ratu Neues Mitglied

    Zur 3.Frage, wirtschaftliche Verbesserungen von Indianerstämmen im 20.Jh.: In den USA gibt es für die Indianerreservate andere gesetzliche Regelungen. Nun hatten ein paar schlaue Häuplinge eine Lücke entdeckt, was die Glücksspielkonzessionen angeht, und die Seminolen haben Kasinos eröffnet....
    Hier ein paar karge Worte dazu:Indianerkasino ? Wikipedia
     
  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das ist nur leider so nicht richtig. Die anerkannten indianischen Ethnien sind souverän, dh sie können eigene Gesetze beschließen, die nicht mit denen des Bundesstaates deckungsgleich sind, in denen sie liegen. Auf einigen Reservaten gibt es zb keine Tabaksteuer, so daß sich neben legaler Herstellung und Verkauf dort allerdings auch der Schmuggel lohnt.

    Aufgrund der eigenen Gesetzgebung wurde es auch möglich, auf indianischem Land Casinos zu betreiben, auch wenn diese in einem Bundesstaat liegen, der Glücksspiele verbietet. Wirtschaftlich erfolgreich sind diese Unternehmungen nur bedingt und zb, wenn die umliegenden Bundesstaaten glücksspielfrei sind. Ein noch wichtigerer Faktor ist, ob die Casinos von der Ethnie selbst betrieben werden oder ob eine Vergabe an weiße Lizenznehmer stattfand. Im letzteren Fall werden diese Casinos auch meist nicht mit indianischem Personal betrieben, dh an der Arbeitslosenquote änderte sich nichts. Zudem erhalten die Ethnien dann auch nur einen Gewinnanteil, der natürlich geringer ausfällt, als wenn das Casino direkt betrieben wird.

    Formulierungen wie "schlaue Häuptlinge" sind auch nicht nur flapsig, daher sollte man sich diese verkneifen.

    Im übrigen ging es mit den Casinos auch erst in den 1980er/90er Jahren los und das 20. Jahrhundert, nach dem der Threadersteller fragte, fing mE ein wenig früher an...


    @Nik_odemus:

    Schaust du bitte mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Collier_(Reformer)
    Die weiterführenden Links dort sind ebenfalls wichtig.

    Durch Collier erhielten viele Reservationen zum ersten Mal! eine wirtschaftliche Förderung. Allerdings sind die Bemühungen von Collier auch nicht nur unkritisch zu sehen, da seine Förderung der Reservationen zb kein Mitspracherecht der betroffenen Ethnien vorsah, die einfach hinnehmen mußten, was ihnen zugedacht war.

    Zwar war Collier bestrebt, den Dawes Act rückgängig zu machen und Land, das zuvor zu den Reservationen gehört hatte und als Auswirkung des Dawes Act verkauft worden war, zurückzukaufen. Andererseits löste Collier die bis dahin bestehenden traditionellen Strukturen auf und zwang die Reservate zur Annahme von politischen Strukturen nach US-Muster.

    Weiterhin schau dir mal bei Wiki den Eintrag zum AIM (American Indian Movement) an sowie allgemein zu den Bürgerrechtsbewegungen in den USA.
     
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  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Das kann man nun durchaus unterschiedlich bewerten.
    Zum einen stellt sich die Frage,ob diese Entwicklung nicht ohnehin alleine schon durch den Kontakt zum us-amerikanischen Umfeld gekommen wäre.
    Zum anderen ist fraglich,ob und in welchem Umfang es überhaupt wünschenswert gewesen wäre,diese Strukturen uneingeschränkt zu erhalten.

    Wenn man das getan hätte,fänden das zwar die Ethnologen geil, aber wir hätten dann so eine Art historischen Ethno-Zoo in vergrößertem Maßstab. Und ob das auch die Betroffenen so toll finden würden,wage ich mal zu bezweifeln.
    Ich kenne einige ,durchaus traditionsbewußte Indianer, die diesen traditionellen Strukturen sehr kritisch gegenüber stehen.
     
  9. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das ist schon klar; allerdings kann ich auf zwei Zeilen - die ohnehin dem Fragesteller nur eine 'Anfütterung' geben sollen und können - keine detailierte Abhandlung mit Pro und Kontra unterbringen.


    Sofern diese Kontakte denn bestanden. Zumindest bis in die 1920er Jahre war diese Entwicklung nicht in Gang gekommen, und Reservationen gab es da bereits seit Jahrzehnten.

    Das kommt ganz auf den Standpunkt des Beurteilenden an. Es war zunächst ja gängige Praxis, die traditionellen Strukturen auf den Reservationen insofern auszuschalten, als zb vorhandene Häuptlinge ignoriert und willfährige Personen (teils mit Vergünstigungen wie mehr Lebensmittel für die eigene Familie) eingesetzt wurden. Dies natürlich auch auf dem Hintergrund, daß die traditionellen Strukturen ja auch die Träger des Widerstandes gegen Landnahme etc waren.

    Der weitere Schritt bestand darin, zb entscheidungsbefugte 'Gremien' (wie zb Ratsversammlungen) ebenfalls zu ignorieren und die eingesetzten Häuptlinge einerseits mit mehr, in anderer Hinsicht mit weniger Befugnissen auszustatten als traditionell. Dh: einerseits 'Befehlsempfänger' der weißen Verwaltungsstrukturen, andererseits als Alleinentscheider bei Landabtretungen.

    Es war ja von weißer Seite aus nie als wünschenswert angesehen worden, die traditionellen Strukturen zu erhalten. Die Entscheidung, ob oder ob nicht wäre dabei aber durchaus Sache der Ethnien selbst gewesen, ebenso wie eine Weiterentwicklung.


    Wie gesagt, die Entscheidung darüber wie über eine Weiterentwicklung der traditionellen Strukturen kommt 'eigentlich' den betreffenden Ethnien selbst zu. Zumal die Ethnien in den USA ein gewisses Maß an Souveränität haben.

    Kritikpunkte an den oktroyierten Strukturen sind zb, daß einmal mehr willfährige Personen etabliert wurden und die über die eingeführten Strukturen mit einer (häufig nicht wirklich gegebenen) Legitimierung durch ein nur scheindemokratisches System ausgestattet wurden (es war zb aufgrund fehlender Infrastruktur und Transportmöglichkeiten nicht allen Einwohnern eine Teilnahme an Wahlen möglich).

    Zum weiteren wurde in vielen Ethnien traditionell im Konsensverfahren entscheiden, dh alle mußten mit der 'zur Wahl stehenden' Person einverstanden sein und es wurde solange debattiert, bis dieser Konsens erreicht wurde. Hier wird es teils (ja, und auch durchaus von traditionsbewußten Personen) als Rückschritt angesehen, daß ein Mehrheitswahlrecht dazu führt, daß es eine unterlegene Minderheit gibt.

    Ein weiterer Kritikpunkt an diesen neuen Strukturen war, daß diese hauptsächlich Personen anzogen, die an die weiße Kultur angepaßt waren und diese auch von der Verwaltung des BIA bevorzugt wurden, so daß über Jahrzehnte die aktive politische Betätigung zwangsläufig eine Entfernung von der eigenen Kultur voraussetzte. So wie das BIA (Bureau of Indian Affairs) über Jahrzehnte hinweg Einfluß auf Kandidatenaufstellungen und ggfs auch Wahlen nahm, was zwar dem Eigeninteresse diente, nicht aber dem der betreffenden nations.
     
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ingeborg, da kenne ich aber noch eine andere Version der Geschichte ,
    (;) die man aber erst efährt,wenn man mit den Jungs am Lagerfeuer ein paar Dosen Bier leert:prost:.)

    Daß Kontakte zur Außenwelt der Reservate zeitweilig nicht bestanden mag für die größen Navajo Apachen- und Hopi-Reservate im Südwesten gelten, nicht jedoch für die kleineren Reservate im Bereich von Ost- oder Westküste ,in den Südstaaten oder im mittleren Westen.Da gab es immer intensivere Kontakte.-

    Daß willfährige Personen etabliert wurden mag in der Anfangsphase zeitweise so gewesen sein, aber so weit die vom Stamm nicht akzeptiert wurden,blieben die relativ machtlos und verschwanden auch rechts schnell wieder.
    Das traditionelle Konsensverfahren war dabei nicht weniger scheindemokratisch wie das nachfolgende oktroyierte System , wurde es doch in vielen Fällen von bestimmten einflußreichen Clans dominiert.Und diese Clans waren auch später wieder schnell an der Macht, wobei deren Eigeninteresse auch einerseits darin bestand echte demokratische Strukturen gar nicht erst aufkommen zu lassen und andererseits Kontakte der Stammesmitglieder mit der "Außenwelt " zum Zwecke eigenen Machterhaltes mit dem Argument der Entfernung von der eigenen Kultur zu tabuisieren. Daß man dabei dem BIA in die Hände spielte nahm man billigend in Kauf.
    Das fing erst an,sich in den siebzigern zu ändern, wobei natürlich auch das indian political movement bis heute versucht,die Rolle der "eigenen " Leute herunter zu spielen.
     
  11. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    In der kurzen Darstellung eines Beitrages fällt natürlich immer einiges hinten runter. NB: andere Versionen sind nicht nur am Lagerfeuer und beim Bier zu hören.

    Die traditionellen Strukturen waren bei Ankunft der Völker in den Reservationen ja bereits aufgelöst und griffen nicht mehr. Die dort ankamen, hatten in der Regel mehrere Wellen von Epidemien überlebt, bei denen Kinder, Eltern, Verwandte umgekommen waren. Danach militärische Verfolgung, Hungerzeiten, Flucht, Vertreibung, Entbehrungen. Viele hatten unvorstellbare Grausamkeiten erlebt, die an ihnen und ihren Familien begangen wurden (als Eindruck dazu zb der Bericht von Dee Brown über das Massaker von Sand Creek – Brown stützt seine Darstellung ua auf offizielle Armeeberichte!). Menschen, die erleben müssen, wie ihre Kinder, ihre Angehörigen, ihre Verwandten verstümmelt und massakriert wurden (zb Tabaksbeutel, hergestellt aus einem abgeschnittenen Scrotum, aus Bäuchen herausgerissene Ovarien als 'Hutschmuck'...), sind traumatisiert, für ihr restliches Leben, was natürlich auch Auswirkungen darauf haben muß, inwieweit sich Strukturen überhaupt wieder etablieren lassen.

    In den Reservationen ging es mit Hunger und Entbehrungen weiter. Natürlich erhielten nicht alle Völker Reservationen, aber die Erfahrungen glichen sich in vieler Hinsicht. Auch Selbstbestimmung war nicht mehr möglich – inwieweit dies demoralisierten, zerstörten, leidenden Menschen ohne Perspektive überhaupt möglich ist, lassen wir mal dahingestellt sein. Die vorher vorhandenen Strukturen waren schon bei Ankunft in den Reservationen zb auch dadurch weg, da viele der traditionellen chiefs nicht mehr lebten, oder erstmal wg Widerstand in Gefängnisse kamen etc. Es wurde auch als kontraproduktiv angesehen, die traditionellen Strukturen sich wieder etablieren zu lassen.


    Das kann man so nun wieder auch nicht sagen. Die Reservationen der Hopi und Apache sind auch nicht so groß. Auch in anderen Regionen gab es Reservationen, in denen keine gesellschaftlichen Kontakte vorkamen, weil sie zu abgelegen waren. Es wurden vorwiegend die Weißen erlebt, die auf der rez arbeiteten, also für BIA, für den IHS (Indian Health Service), für Kirchen oder in den Schulen (soweit vorhanden). Dies kann man jedoch nicht als Kontakte zur umgebenden Gesellschaft bezeichnen, da diese Personen ja in ihrer Funktion erlebt wurden.

    Bei den Paiute (auf die du dich, wie ich vermute, beziehst) war die Situation allerdings von einigen Besonderheiten geprägt (die mehr oder weniger auch für die anderen Völker im Great Basin zutreffen, sowie darüber hinaus im Südwesten oder in California vorkommen). Auch die Paiute mußten erleben, wie sie von Siedlern in ihren traditionellen Gebieten immer weiter abgedrängt wurden, die die fruchtbarsten Gebiete für sich beanspruchten und zb Bäume und Büsche abholzten, deren Früchte von den Paiute intensiv geerntet wurden, oder Bodenflächen pflügten oder zur Viehzucht nutzten, so daß zb das Graben nach Wurzeln nicht mehr möglich war.

    Die Paiute hatten immer in relativ kleinen Verwandtschaftsgruppen gelebt (da die Bedingungen im Great Basin größere Gruppen nicht zuließen), so daß sich hierdurch Möglichkeiten eröffneten, die andere Völker nicht hatten. Als es mehr und mehr unmöglich wurde, sich durch Sammeln und Jagen autark zu ernähren, fingen viele Paiute an, für weiße Farmer zu arbeiten. Hierbei hatten sie häufig die Möglichkeit, nebenher noch zu sammeln und auch zT die Kollektivjagden auf niedrigerem Leven weiter durchzuführen, oder auch zur Ernte bestimmter Beeren, Wurzeln, Nüsse etc ein paar Tage frei zu bekommen. Vielfach lief es so, daß eine Paiute-Familie auf einer Farm lebte, dort ihre traditionellen Unterkünfte baute und für den Farmer arbeitete. Teilweise zogen auch eine oder mehrere Familien in die Nähe weißer Dörfer und trafen dort ähnliche Arrangements. Hierbei wirkte es sich womöglich positiv für die Paiute aus, daß sie im allgemeinen von der weißen Gesellschaft als besonders rückständig und 'primitiv' betrachtet wurden, so daß ihre Anwesenheit nicht als Gefahr empfunden wurde.

    Diese Anfangsphase reicht ja nun über einige Jahrzehnte, unter dem Strich betrachtet, und wenn du so willst, kann man sie (sicherlich mit Abstrichen) bis in die 1960er Jahre fassen. Es gab die Dichotomie zwischen Anpassung und Nichtanpassung für lange Zeit, die in sehr unterschiedliche Lebensläufe mündete. Machtlos waren diese willfährigen Personen ohnehin – egal ob akzeptiert oder nicht, weil für diese eingesetzten Chiefs keine größere Rolle vorgesehen war als die eines Frühstücksdirektors.

    Clans gab es nicht bei jedem Volk und auch solche Seilschaften, wie du sie beschreibst, nicht unbedingt in der traditionellen Gesellschaft, die im allgemeinen diverse Regulative dagegen einbaute. (Bei den Paiute, die kein traditionelles Clansystem hatten, wäre das Enstehen solcher Seilschaften auch nicht das Weiterführen tradierter Systeme, sondern etwas Neues.) Im traditionellen System war dies zb die Auflösung einer Gruppe, wenn keine Einigung gefunden werden konnte, so daß diejenigen, die etwas nicht mittragen wollten, sich anderen Gruppen anschlossen oder eine neue Gruppe bildeten. Anführer konnten abgesetzt werden, wenn sie die Interessen der Gruppen nach deren Dafürhalten nicht gut genug umsetzten oder repräsentierten. Auf den Reservationen allerdings etablierten sich Seilschaften teilweise recht schnell. Daß diese Personen häufig als Kollaborateure angesehen und abgelehnt wurden, hatte natürlich auch Auswirkungen auf Colliers Bestrebungen - diese setzten somit nicht nur in Teilen auf vergangenen Fehlern auf, sondern begingen neue. Ich möchte da insbesondere auf Colliers – äh: Überzeugungstaktik hinweisen, der im Falle der Ablehnung des Wahlsystems in den Raum stellte, die betreffenden nations nicht mehr vor der Auflösung ihrer Reservationen zu schützen.

    Echte demokratische Strukturen wurden den indianischen Völkern über viele Jahrzehnte weder zugetraut noch zugemutet. Die chiefs wurden teilweise von der Verwaltung ernannt, teilweise gab es auch Wahlen. Collier mag es gut gemeint haben, als er einheitliche Strukturen einführen wollte – wie erfolgreich man sein kann, wenn man ein demokratisches System per Zwang einführen will, halte ich für auf der Hand liegend.... Zumal in Gesellschaften, die bereits über Jahrzehnte hinweg nicht aus freien, gleichberechtigten, gut ausgebildeten Menschen bestanden und keine Selbstbestimmung erfahren hatten. Gerade in den Flächenreservaten war und ist zb die Wahlteilnahme mitunter bis heute für abgelegen wohnende Personen ein Problem und ein System, das unzugänglich ist, ist eben auch kein Identifikationsobjekt, sondern wird als ausgrenzend erlebt. Ausgrenzung war übrigens auch insofern gegeben, als die indianische Bevölkerung zwar seit 1924 das Wahlrecht hatte, dieses aber bei weitem nicht überall ausüben konnte.

    Collier ging diktatorisch vor, bei der Oktoyierung der politischen Strukturen ebenso wie bei der wirtschaftlichen Förderung der Reservationen. Dadurch entstand nur einmal mehr der Eindruck, daß eine Mitsprache der Betroffenen nicht gewünscht war, daß sie Empfänger waren und bleiben sollten. Auch dies hatte natürlich Auswirkungen auf Selbstbild, Selbstbewußtsein sowie auf die Akzeptanz der angebotenen Lösungen. Erschwerend kam beim vorigen wie beim von Collier eingeführten System hinzu, daß die Verwaltung keine sonderlichen Muster für korrektes Regieren und Verwalten geboten, sondern im Gegenteil das Ausplündern, Bereichern und Regieren nach Gutsherrenart vorgelebt hatte. Als weiteres Problem kommt der Druck auf Amtsinhaber hinzu, ihrer Verwandtschaft zu helfen, was bis heute ein teils erhebliches Nepotismusproblem ergibt – bei einer Arbeitslosigkeit auf den rezzes bis zu 90% allerdings auch nicht wirklich erstaunlich.

    Das Interesse an möglichst guter Ausbildung ist auch heute noch eine zweischneidige Angelegenheit für einen großen Kreis der indianischen Bevölkerung: wenn du zb studieren, anschließend einen entsprechenden Job ausüben möchtest, dann geht das eher nicht auf den Reservationen. Daher sind es gerade die gut ausgebildeten jüngeren Leute, die wegziehen. Und natürlich führt dies zu einer Entfernung von der eigenen Kultur – spätestens bei den Kindern und Enkelkindern dieses Personenkreises, die in einer weißen Umwelt aufwachsen und teilweise wenig in ihre Ursprungskultur eingebunden sind, ohne dabei jedoch in der weißen Gesellschaft uneingeschränkte Akzptanz zu finden.


    Beim Anfang bin ich d'accord, aber daß diese Rolle heruntergespielt würde, kann ich so nicht bestätigen.

    Daß in vielen Fällen der Sprung vom abhängigen, kolonisierten Dasein unter 'divide et impera' zu echten, demokratischen Strukturen nicht umgehend geschafft wurde, nicht geschafft werden konnte, sollte jedenfalls nicht verwundern. Zumal, wenn diese Strukturen oktroyiert und nicht freiwillig angenommen werden und diese Strukturen dann auch weiterhin von übergeordneten Instanzen abhängig sind, die Entscheidungen revidieren können.
     

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