Verbreitung der arabischen Sprache

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Legat, 21. September 2007.

  1. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Warumhat sich die arabische Sprache eigentlich in Nordafrika in sämtlichen Bevölkerungsschichten durchsetzen können und auf dem Balkan nicht?
    Griechenland, etc haben ja bis heute ihre eigene Sprache behalten. Trotz islamischer Herrschaft.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auf dem Balkan und in Griechenland - mit Ausnahme eines Zwischspiels auf Kreta, wo Andalusier (sic!) eine kurze Herrschaft errichteten - ist nie Arabisch gesprochen worden. Die Osmanen sprachen Osmanisch, eine Form des Türkischen. Warum hätte sich in ihren Herrschatsgebieten also Arabisch durchsetzen sollen?

    Man kann allerdings die Frage stellen, warum die Berber mehrheitlich arabisiert wurden - (berberische Dialekte haben aber auch überlebt und werden in der Kabylei (Algerien), Marokko oder Mauretanien bis heute gesprochen. In Marokko ist Berber sogar vor einigen Jahren - ähnlich wie Friesisch und Niederdeutsch in einigen Regionen der Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder bei unseren niederländischen Nachbarn in Vrijsland - zum Schulfach erhoben worden) - die Türken aber nicht?

    Die Antwort hierauf - obwohl nicht einhundertprozentig zufriedenstellend, siehe dazu die Begriff Substrat, Adstrat und Superstrat - ist, dass die Araber im 7./8. Jhdt. den Berbern militärisch überlegen waren und sie islamisierten. Bei den Türken war es aber so, dass sie im 10./11. Jhdt. diejenigen waren, die den Arabern und Persern militärisch überlegen waren, sich bald zu den Protektoren des arabischen Kalifen ('Abbasiden, Baghdad) aufschwangen und die eigentliche Macht des kalifalen Staates waren. Sie wurden zwar islamisiert und übernahmen mit dieser Islamisierung eine ganze Menge arabischer Lehnwörter in ihre Sprache, aber sie errangen auch Siedlungsgebiete im griechisch- und armenischsprachigen Kleinasien und darüber hinaus, die nicht arabisiert worden waren. Gleichzeitig herrschten sie über einen Großteil des ehemaligen persischen Reiches, dass zwar auch großteils islamisiert, aber dessen Sprache nicht, nur die Schrift arabisiert worden war.



    Im Übrigen wies noch al-Idrisi im 12. Jahrhundert auf "lateinische" Sprachinseln im tunesisch-algerischen Raum hin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. September 2007
  3. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Da gibt es diverse Antworten.

    1.) Auch in Nordafrika hat sich Arabisch nicht vollständig durchgesetzt, es gibt immer noch "Ureinwohner"-Sprachen (z. B. bei den Berbern).

    2.) Nordafrika ist deutlich früher erobert worden, da hatte das Arabische viele Generationen mehr Zeit, sich auszubreiten. Beim Balkan geht es um etwa 300-400 Jahre, in Nordafrika um 1000 Jahre.

    3.) Den Balkan haben nicht die Araber erobert, sondern die Türken, da waren also zwei "Herrschaftssprachen" für Politik und Religion da.

    4.) Der Balkan war nie so "definitiv" erobert wie Nordafrika, soll heißen da gab es christliche Nachbarstaaten, mit denen Kontakte bestanden und die Möglichkeit einer Rückeroberung (wie sie dann schließlich auch gelang) stand immer im Raum.
     
  4. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Na komplett sterben Sprachen auch nur schwer aus denke ich mal. Überall wird es noch einzelne Enklaven geben die ihre "Mundart" pflegen. Nurhalt zB Äygptischhat es wohl erwicht. Aber Koptisch gibt es noch vereinzelt, oder?

    Aber danke. Eure Meinung deckt sich doch recht gut mit meinen Vermutungen.
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Die Osmanische Sprache war eine administrative Sprache im Osmanischen Reich. Sie lehnte sich weitestgehend auf persische und arabische Lehnwörter an.
    Allgemein wurde türkisch gesprochen, mit Ausnahme des arabisch sprechenden Südteils des Osmanischen Reiches. Hier half die osmanische Sprache zur minimalen Verständigung.
    Andere Sprachen als das Türkische waren im Osmanischen Reich nicht verboten.
     
  6. hyokkose

    hyokkose Gast


    Na, wenn Du Dich da mal nicht irrst: Von den (belegten!) antiken Sprachen des nördlichen Mittelmeerraums sind fast alle komplett ausgestorben, z. B. Tartessisch, Iberisch, Keltiberisch, Gallisch, Ligurisch, Rätisch, Venetisch, Illyrisch, Messapisch, Etruskisch, Oskisch, Umbrisch, Picenisch, Thrakisch, Eteokretisch, Lemnisch, Phrygisch, Hethitisch, Luwisch, Palaisch. Das sind nur die, die mir aus dem Stegreif einfallen. Ganz zu schweigen von der Dunkelziffer an kleineren Sprachen, die keine Schriftzeugnisse hinterlassen haben.
    Die einzigen vier Sprachen, die in Form ihrer Tochtersprachen überlebt haben, sind Lateinisch, Griechisch, Albanisch und Baskisch. (Davon haben Lateinisch und Griechisch antike Schriftzeugnisse hinterlassen, Albanisch und Baskisch nicht.)

    Auch aktuell läßt sich beobachten, wie Sprachen sterben; nach optimistischen Schätzungen werden von den jetzt noch gesprochenen Sprachen in 100 Jahren 30% augestorben sein. Pessimistische Schätzungen rechnen mit 90%.

    Bedrohte Sprache - Wikipedia



    Koptisch ist als gesprochene Alltagssprache seit Jahrhunderten ausgestorben. In den Gottesdiensten der koptischen Kirche wird es noch als Liturgiesprache verwendet.

    Koptische Sprache - Wikipedia
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die Verbreitung des Arabischen hat im wesentlichen damit zu tun,daß es die Monopolsprache des Islam ist, d.h. der Koran darf eigentlich nur in Arabisch gelesen und rezitiert werden und wurde auch nur in Arabisch über die Koranschulen verbreitet.(Die heute existierenden Übersetzungen in andere Sprachen sind im wesentlichen eine Erfindung der Neuzeit.)
    Da der Islam eine politische Religion ist,die auch mittels der Sharia detailliert in die staatliche Gesetzgebung eingriff,war das Arabische nicht nur Kultus- sondern auch Verwaltungs- und Rechtssprache und hat sich auf diesem Wege,zumindest in den früh islamisierten Gebieten ohne homogene nationale Identität wie sie z.B. bei Türken und Persern bestand, auch als Volkssprache durchgesetzt.
     
  8. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Ich sagte ja auch "schwer" und nicht "nie" :) Und da diverse Sprachen noch in der Lithurgie genutzt(<-) werden sind sie für mich auch nicht ausgestorben.
     
  9. Mulan

    Mulan Neues Mitglied

    Hi,
    Arabisch hat in der Tat vor allem wegen des Islam Verbreitung gefunden. Noch mehr sogar die arabische Schrift, die heue noch von einer ganzen Reihe Völkern in Asien und Afrika benutzt wird für ihre eigenen Sprachen. Das Maltesische, ebenfalls ein arabischer Dialekt, allerdings v.a. von vielen italienischen und englischen Wörtern geprägt, wird als einziger arabischer dialekt in Lateinschrift geschrieben - wegen der Religion. Das verhält sich m.E. ein wenig so wie bei Kroatisch und Serbisch: beide Sprachen sind nahezu identisch, unterscheiden sich nur in der Schrift. Kroatisch in Lateinschrift (die Kroaten wurden von Rom missioniert), Serbisch in Kyrillisch (Serbien wurde griechisch-orthodox missioniert). Selbst spanisch wurde mal von Muslimen in arabischer Schrift geschrieben. Ja sogar Polnisch. Hier waren es die dort siedelnden Tataren. In China findet man heute noch mehrere Völker, die arabische Schrift benutzen, allen voran die Uiguren. Oder im Raum um Buchara, wo es noch einen arabischen Dialekt gibt inmitten des türkischen Usbekisch bzw. dem früheren Chaghatay. usw.usw.usf.

    Und selbst in solchen arabischen "Kerneländern" wie Irak, Syrien oder Libanon, gibt es noch andere Sprachen als Arabisch samt Dialekten: Kurdisch (im Irak haupts. Sorani), Syrisch-Aramäisch (auch Syriac genannt) bzw. Assyrisch (Chaldäisch), vereinzelt auch Mandäisch (von den Sabiern gesprochen, vielfach aber inzwischen exiliert), Tscherkessisch (Adygeisch) oder Armenisch. Und in Nordafrika gibt es verschiedene berberische sprachen, die auch oder zumindest teilweise ihre eigene Schrift haben oder zumindest mit arabischer Schrift samt Zusatzzeichen geshcrieben werden. In Westafrika findet man z.B. auf den Geldscheinen von Gambia oder Nigeria arabische Zeichen für die Währungen, nämlich für Wolof und Mandinka bzw. Haussa. Malaiisch und Indonesich findet man auch in arabischer Schrift. Dort hatte nie ein muslimischer Soldat seinen Fuß auf das Land gesetzt. Dort waren es die Händler, die den Islam brachten, der erst in jüngster Zeit von wahhabitischen Kräften radikalisiert worden ist, was dem Wesen der dortigen Bevölkerung eigentlich so gar nicht entspricht. ...

    Die meisten Muslime sind heute keine Araber, benutzen diese Sprache mehrheitlich nur liturgisch oder akademisch. Das gemeine Volk spricht seine eigenen Sprachen.

    By the way: es macht übrigens Spaß, Deutsch in arabischer Schrift zu schreiben, natürlich nur rein phonetisch, versteht sich (auch wenn es Bemühungen gab und noch immer geben soll, eine Art deutsches arabisches Alphabet mit Zusatzzeichen zu kreieren, natürlich nicht zu missionarischen Zwecken, sondern nur rein akademisch).

    ciao!
    Mulan
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. April 2008
  10. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Ein noch ungenannter Grund für die unterschiedlichen Missionierungserfolge der Moslems ist, daß in Nordafrika zu jener Zeit die Lehre der Donatisten verbreitet war, die von der oströmischen Kirche als Sekte angesehen und bekämpft wurde. Dementsprechend stiessen die arabischen Eroberer schon auf eine weitgehend von der Herrschaftsschicht entfremdete Bevölkerung in Nordafrika, die entsprechend offener für neue Einflüße war. Ähnliches gilt übrigens für die Bogomilen in Bosnien, die als von der katholischen Kirche verfolgte Sekte ebenfalls recht schnell islamisiert wurden und heute sogar als Nationalität gelten (wollen) (die Bosnier).
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zu dieser Randbemerkung an der Stelle die Off Topic Anmerkung, daß die Bogomilen nicht nur von der römischen Kirche (kath.) als Sekte verfolgt wurden, sondern ebenso von der byzantinischen, bulgarischen und serbischen Kirche (orth.) sowie auch von den jeweiligen Herrschern in jenen Ländern.
    Zudem ist die Erklärung der Islamisierung der Bosnier infolge der Erhebung der bogomilischen Lehre zur Staatsreligion durch Trvtko I. lediglich eine These, zumal eine direkte Verbindung der Bosnischen Kirche mit dem Bogumilentum umstritten ist.



    Allerdings geht es in diesem Thread eigentlich um etwas anderes, nämlich die Verbreitung der arabischen Sprache. Ich möchte deshalb darum bitten, möglichst bei diesem Thema zu bleiben...
     
  12. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Mir fällt bei der Betrachtung von Sprachkarten immer auf, dass das heutige Verbreitungsgebiet der arabischen Dialekte fast deckungsgleich mit dem (vermuteten) Gebiet der sich vor mehr als 5000 Jahren ausbreitenden Afro-Asiatischen Sprachen ist. Also offenbar nicht nur eine natürliche Ausbreitungsvorgabe sondern auch noch mit einem sprachlich verwandten Substrat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. April 2008
  13. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich habe mal gelesen, das bereits in der Antike davon berichtet wurde das arabische Stämme Ägypten durchquerten um in Libyen zu siedeln, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube mich zu erinnern das es schon zu römischen Zeiten war. Sie werden wahrscheinlich schon damals ihre Sprache in den Maghreb exportiert haben.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei ich hier - aber wahrscheinlich wusste ich das 2007 nicht - die Hilalisierung des Magrib unterschlagen habe.
    Dazu mehr nach dem folgenden Zitat von Askan:

    Die Banū Hilāl waren Störenfriede in Ägypten, die von den Fatimiden, als diese nach Ägypten gegangen waren und deren frühere Vasallen und Statthalter im Westen abtrünnnig geworden waren, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend in den Westen geschickt wurden, um die abtrünnigen Berber wieder in den fatimidischen Herrschaftsbereich zu reintegrieren. Die Fatimiden waren die nervigen Beduinen los, die der städtischen und sesshaften Bevölkerung als Räuber galten, und konnten gleichzeitig gegenüber den Ziriden in Ifriqiyya zeigen, dass sie nach wie vor die Herren im Haus waren. Sprachlich war der Magrib im 7./8. Jahrhundert nur sehr oberflächlich arabisiert worden, die eigentliche Arabisierung fand erst in Folge der Invasion der Banū Hilāl im 11. Jhdt. statt, nach der Lossagung der Ziriden von den Fatimiden. Es gibt daher auch den Ausdruck der Hilalisierung des Magrib.

    Also ja: Ägpyten als Zwischenstation ist schon richtig erinnert, aber eben nicht bereits zu Römerzeiten, sondern erst Jahrhunderte nach dem Nordafrika schon islamisiert und oberflächlich arabisiert war.

    Wobei die Spanisch in arabischer Schrift schreibenden Muslime häufig kaum mehr Ahnung von der arabischen Sprache hatten (sonst hätten sie ja auch nicht Spanisch geschrieben). Besonders deutlich wird das dannn, wenn arabische Namen in arabischer Schrift so geschrieben werden, wie jemand sie schreiben würde, der eine spanische und eben keine arabische Phonetik im Ohr hat.
     
  15. nefteta

    nefteta Neues Mitglied

    Speziel in Nordmarrokko gibt es die Eigenart, spanische und arabische Worte zu kombinieren,
    Chamsa mil, für fünftausend, nicht chamsaleff
    wobei die schöne Sprache des Propheten dortens völlig vergewaltigt wird
     

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