Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von tvinnefossen, 4. März 2015.

  1. tvinnefossen

    tvinnefossen Mitglied

    Weniger mit einer Frage als vielmehr aufgrund persönlicher Beziehung zum Thema eingestellt. Vielleicht hat ja hier noch jemand familiäre Bindung zum Thema und findet´s interessant.

    Eher zufällig bin ich auf einen Zeitzeugenbericht aus dem Heimatdorf meines Urgroßvaters in Oberschlesien gestoßen. Demnach sind wohl einige Einordnungen, die ich bezgl. meiner Familiengeschichte vornahm, ein wenig zu korrigieren. In diesem Bericht geht es um die Situation in den Abstimmungsgebieten Oberschlesiens im Jahre 1921.

    Laut Zeitzeugenbericht gehörte mein Urgroßvater zu den zwei sich offen zu Polen bekennenden Dorfbewohnern. Kurzum ich bin ziemlich bewegt und baff, plötzlich über ihn zu lesen.

    Wen es interessiert, findet hier mehr:

    direkt zum Dokument: http://www.bkge.de/download/Dammer_Namslau.pdf

    Hintergründe/Erläuterungen zum Dokument: Halte fest, was du ererbt von deinen Vätern / Oberschlesien / eine geschichtliche Betrachtung

    P.S. Mein Urgroßvater ist der im Dokument auf PDF-Seite 8 erwähnte Urban Mainka
     
  2. tvinnefossen

    tvinnefossen Mitglied

    Habe doch noch ein Anliegen, bei dem ich mich über Hilfe aus dem Forum Freuen würde.

    Ich habe nämlich keinen Schimmer von Uniformen!

    Ich habe ein einziges (abfotografiertes) Foto von meinem Urgroßvater, von dem ich weder das Aufnahmedatum noch die abgebildete Situation kenne: Vielleicht kann mir ja einer der Foristen hier sagen, welche Uniform der einzig Uniformierte trägt und, vielleicht davon abgeleitet, in ungefähr welchem Jahr die Aufnahme gemacht worden sein könnte.

    Im Heimatdorf meines Urgroßvaters waren nach dem ersten Weltkrieg Engländer die alliierten Vertreter. Die Volksabstimmung fand am 20. März 1921 statt. Ich nehme aber an, daß das Bild deutlich später aufgenommen worden sein muß, da mein Urgroßvater 1921 sein 43. Lebensjahr abschloß, der 2. Herr von Rechts (mein Urgroßvater) aber deutlich älter als 42/43 zu sein scheint.
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 4. März 2015
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  4. tvinnefossen

    tvinnefossen Mitglied

    Danke für den Link!
     
  5. tvinnefossen

    tvinnefossen Mitglied


    Bin heute mal wieder auf den damaligen Eintrag gestoßen. Mittlerweile weiß ich zwar, daß die Uniform zu den Kräften der polnischen Westarmee (also britisch) gehörte und daß die Aufnahme wohl nach dem 2. WK (noch in den 40ern) in Ancona (Region Marken, Italien) aufgenommen wurde, wo ja die Westarmee wohl auch zugange war. Was er aber dort tat ist mir ein Rätsel. Für den aktiven Dienst war er da schon zu alt und bisher ist er mir lediglich als Unternehmer (Brunnenbau, Fuhrwerkstransporte, Landwirtschaft) bekannt.

    Evtl. Verhandlungen über die Zukunft/den Verbleib der Streitkräfte der polnischen Westarmee? Immerhin waren diese ja eher mit der polnischen Exilregierung in Londen in Verbindung zu bringen als mit den neuen kommunistischen Machthabern in Warschau...

    Abholung reisefertiger Soldaten nach Polen?

    Kennt sich da jemand aus?
     
  6. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Ich kenne mich zwar nicht aus, aber die Geschichte des Urgroßvaters machte mich neugierig.
    Erstaunlich, wie wenig es auf Deutsch über die polnischen Truppen in Italien nach dem Krieg zu lesen gibt. Dafür umso mehr auf Englisch, Italienisch und Polnisch.
    Bis 1946 entstand in den Marken eine Art Besatzungszone des 2. Polnischen Korps, ein kleines Polen, sogar mit eigenen Briefmarken. Das Gebiet wurde zum Anziehungspunkt für Polen aus ganz Europa, auch Zivilisten.
    Viele junge Polen durften italienische Universitäten besuchen und das Korpskommando organisierte auch Kurse für Berufs-, Mittel- und Realschulabschluss. So gab es in Fermo die Schule für Mechaniker, in San Severino wurden technische Ausbildungskurse abgehalten, in Macerata entstand eine Schneider- und Nähschule und in Porto San Giorgio gab es eine Mittelschule und ein Gymnasium.
    Die wenigen Soldaten, die nach Polen zurück wollten, wurden durch die Polnische Militärmission der kommunistischen Regierung unter dem Kommando von Kazimierz Sidor betreut und in Repatriierungscamps in Cervinara und Paolisi gebracht. Die Rücktransporte per Eisenbahn wurden von den Engländern organisiert.
    Auf den (unvollständigen) Namenslisten der Mitglieder von Polnischen Militärmissionen in Europa 1945–1948 finde ich den Namen des Urgroßvaters nicht, auch nicht unter den zivilen Teilnehmern.
    http://dlibra.bg.ajd.czest.pl:8080/Content/1749/22.pdf

    Das Abzeichen des Soldaten auf dem linken Ärmel könnte jenes der 5th Kresowa Infantry Division - Wikipedia sein. Einer Einheit aus der sich verständlicherweise besonders wenige Rückkehrer meldeten, da sie aus Ostpolen stammten.

    Vielleicht ist das nur der männliche Teil einer Hochzeitsgesellschaft, denn es gab viele polnisch-italienische und andere Hochzeiten. Vielleicht ist es ein Freundschaftsbesuch polnischer Kommunisten bei ihren italienischen Genossen.

    Einen besonders informativen Bericht auf Italienisch mit vielen Fotos aus jener Zeit fand ich hier:
    http://www.poloniaeuropae.it/pdf/Ambrico_Mostra-Matera-1.pdf (Das Polnische Zweite Armeekorps und seine Militärschulen in Matera, Fotoausstellung, Francesco Ambrico, 2010)
    REPATRIATION OF TROOPS OF THE 2ND POLISH CORPS FROM ITALY TO POLAND, 1945-1946 (Fotos zur Repatriierung in den Imperial War Museums)
    Monte Cassino, Ancona, Bologna - The Museum of the Polish Second Corps
    Das polnische Militär in Casarano mit vielen Fotos
     
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