War der Mitteleinsatz am D-Day gerechtfertigt?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Gast, 27. Februar 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo Geschichtsexperten und Expertinnen,

    ich schreibe gerade an einer Facharbeit mit dem Thema: Die Invasion in der Normandie unter besonderer Berücksichtigung der Frage: War der Einsatz von so vielen Soldaten und Material gerechtfertigt?
    Was denkt Ihr darüber? mit Erlaubnis würde ich Eure Meinungen gerne auffassen und mit meiner persönlichen vergleichen (nat. alles anonym)

    Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure persönliche Meinung mitteilt =)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du meinst, ob die Alliierten ihre Soldaten verheizt hätten?
     
  3. Gast

    Gast Gast

    ja genau, ob es vielleicht alles unter zu hohem Druck der Befehlshaber zu dem "verheizen" (schöner Begriff passt super dazu) der Soldaten gekommen ist. Also wär eine Befreiung mit weniger Menscheneinsatz, vielleicht auch an einem anderen Ort, auch möglich gewesen?
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wie sollte es denn in deinen Augen mit "weniger" gehen?
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Um den Krieg zu beenden, musste man ja nun irgendwie auf's Festland kommen. Die Normandie war hervorragend geeignet, die Landung gut geplant und letztenendes auch hervorragend, da ueberraschend, gelungen.
    Wo sonst hætte man landen sollen? An der von Deutschland erwarteten Stelle Dover/Calais hætte es wohl grøssere Verluste gegeben.
    Selbstverstændlich muss man auch genuegend Soldaten und Material dabei haben - eigentlich: je mehr, desto besser. Es soll ja nun mal gluecken!

    Die Leute sind auch nicht verheizt worden, sondern haben fuer eine wichtige und sinnvolle militærische Aufgabe ihr Leben gelassen.
    Verheizt worden sind andere...

    Gruss, muheijo
     
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  6. Panzerreiter

    Panzerreiter Neues Mitglied

    Was passiert, wenn man mit "diskreteren" militärischen Mitteln an einer gut verteidigten Küste zu landen versucht, haben die Briten 1942 bei Dieppe erleben dürfen.
    Auch die Landung bei Anzio Januar 1944 zeigte, dass ein zu schwacher und zu defensiv handelnder Landekopf effektiv abgeriegelt werden kann.

    Beides dürfte den Alliierten eine Mahnung gewesen sein, bei DER entscheidenden Landung in Frankreich lieber zu breitbrüstig aufzutreten als zu halbherzig.

    Zum Terminus "verheizen":
    In Anbetracht der Situation hielten sich die Verluste der Operation Overlord in Grenzen. Die Alliierten kamen eigentlich sehr gut weg, sie hatten durchaus mit mehr Verlusten gerechnet.
     
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  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Kriege kann man nicht ohne verheizte Soldaten gewinnen. Manche haben "Glück" und überleben mit der erst viel später diagnostizierten Posttraumatischen Belastungsstörung. Ganz wenige kommen "gesund" wieder, weil diese schon vorher Psychopathen waren und immun gegen Posttraumatische Belastungsstörungen sind.
     
  8. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Naja, solche Fragen sind wohl vom medialen Bild des D-Day beeinflusst, ganz nüchtern betrachtet, was angesichts von Zeugenaussagen und Fernsehbildern schwierig ist, gab es gegen die gewaltige Übermacht der Alliierten keine Chance, und die Verluste hielten sich ziemlich in Grenzen, vergleicht man die Landung in der Normandie mit Anderen.
     
  9. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Dazu empfehle ich einen Blick in das Buch "Der längste Tag" von Cornelius Ryan; nicht allzu wissenschaftlich, stattdessen im Reportagenstil und packend zu lesen. Dort wird einiges zu den Vorbereitungen gesagt.

    Meine persönliche Meinung ist, dass Overlord eine oder vielleicht sogar die am besten geplante Operation des Krieges war. Ich meine mich auch zu erinnern, dass der Mitteleinsatz an Material und Menschen bewusst sehr groß war, um die Verluste gering zu halten. Letztendlich hat die Landung auch sehr gut funktioniert, ungeachtet der heftigen Kämpfe am Omaha-Strand waren die Verluste insgesamt niedrig und die Brückenköpfe an den wichtigen ersten Tagen nie ernsthaft in Gefahr. Ich denke, dass gibt Eisenhower und den anderen alliierten Planern im Nachhinein recht.
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Jede amphibische Aktion mit so vielen Soldaten ist immer militärisch außerordentlich riskant und nur mit absoluter Überlegenheit an maritimen und Luftstreitkräften erfolgreich durchführbar. Die Operation der Alliierten 1942 bei Djieppes bewies, dass an eine "zweite Front" in Europa erst 1944 erfolgversprechend sein konnte. D- Day war dennoch ein riskantes Unternehmen, denn Erfahrungen mit amphibischen Operationen lagen bestenfalls vom pazifischen Kriegsschauplatz vor, wo im Stellungs- und Dschungelkrieg gegen gut verschanzte Japaner weit mehr amerikanische GIs verheizt wurden, als an der Westfront. Seit der Konferenz von Jalta standen die Alliierten im Zugzwang, und im Verlauf des Jahres 1943 zeigte sich deutlich, dass Deutschland jede Iniative verloren hatte. Nach dem Scheitern des U- Bootkrieges, dem Debakel in Nordafrika und der Landung auf Sizilien und in Italien standen die alliierten Armeen näher am Reichsgebiet, als die deutschen Armeen an der Ostfront, wo die Deutschen nach dem Scheitern von "Unternehmen Zitadelle" beachtliche Verluste und Geländeeinbußen erlitten. 1944 stand der Sturm auf die "Festung Europa" auf dem Programm, und der versprach naturgemäß verlustreich zu werden, vor allem dort, wo Briten und Amerikaner auf noch intakte deutsche Einheiten trafen, die sich fest verschanzt hatten.
     
  11. Acceleratio

    Acceleratio Neues Mitglied

    Andere Pläne als D- Day

    Hallo

    meine Frage
    gab es eigentlich konkrete Alternativen zur Operation "Overlord" bzw. wie wären die Aliierten vorgegangen wenn das Unternehmen gescheitert wäre?

    Vielen dank im vorraus
     
  12. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied


    Die Atombombe wär sicherlich ne Alternative gewesen, man hatte sich von Italien aus unter schwersten Verlusten hochkämpfen können.

    Natürlich hätte man, natürlich mit einer langen zeitraubenden Vorbereitung, an anderer Stelle an Land gehen können, was im Rahmen der Invasion ja auch in Südfrankfreich geschah.

    Des Weiteren hätte man auch die Russen die Eroberung zu Lande überlassen können und sich auf Luftangriffe beschränken können, was allerdings wohl mit einer Preisgabe Europas einhergegangen wäre.

    Es gibt also viele Möglichkeiten, wobei Atombombe oder erneute Invasion wohl die wahrscheinlichsten wären.
     
  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Die Frage stellt sich überhaupt nicht. Angesichts der materiellen Überlegenheit konnte die Invasion gar nicht scheitern.
     
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  14. Acceleratio

    Acceleratio Neues Mitglied

    Vielen dank für die Antworten!!!
    Echt Klasse wie schnell man hier gute qualitative Informationen erhält!!!:winke:
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Atombombe als Alternative? Die war doch erst im Juli 1945 einsatzbereit.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Es ging darum den Krieg gegen das Dritten Reich zügig zum erfolgreichen Ende zu bringen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet war Overlord alternativlos.
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Churchill wollte eigentlich nicht in der Normandy landen, sondern präferierte den Angriff im Mittelmeer.

    Greift man die Frage auf und läßt sich auf das Szenario ein, dann hätte vermutlich ein erfolgloser Angriff in der Normandy schnell zu einer Redislozierung von Pattons 1. US-Armee, die in GB stand, in das Mittelmeer vermutlich geführt. Diese Armee war an der unmittelbaren Invasion nicht beteiligt. Die Reserven wären dann nicht in der Normandy ausgeladen worden sondern ins Mittelmeer umgeleitet worden. Der Nachsub wäre dann nciht für die Normandy gebracuht worden, sondern realtiv schnell an einem andern Schauplatz eingesetzt worden.

    Man stand nicht zuletzt Stalin gegenüber im Wort mit der zweiten Front und wollte sicherlich Stalin nicht alleine den krieg entscheiden lassen.

    Ob allerding im Rahmen der "Anvil"-Planungen, diese dann in Südfrankreich angelandet wären, kann ich nicht beurteilen. Alternativ wäre es denkbar gewesen, sie in Griechenland anzulanden und von dort aus gegen Wien vorzugehen.

    Diese Variante war Churchill wesentlich sympathischer, da sie nicht so "blutig" zu werden versprach wie die Invasion in der Normandy und über das Ende des WW2 hinauszielte, indem sie der Roten Armee den direkten Zugang zum Balkan und zum Mittelmeer streitig machen sollte.

    Es gab im Rahmen von "Bodyguard", dem alliierten Täsuchungsplan für die Invasion in der Normandy 1944, durchaus auch Planungen, die sich auf gemeinsame Anlandungen aller Alliierten in Nordeuropa konzetrierten. Aber da diese Invasionen lediglich indirekte Auswirkungen auf das Deutsche Reich gehabt hätten, wären sie wohl keine realistsiche Alternative für das Mittelmeer gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2010
  19. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Das würde sich dann aber mit der sowjetischen Foderung nach einer 2. Front wiedersprechen:grübel:
     
  20. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Frage der Anlandung war ja auch eine Frage der Machbarkeit. Also ob ausreichend Schiffsraum und entsprechende logistische Unterstützung sicher gestellt werden konnten für eine Operation in Südfrankreich. Die frühzeitige Einnahme von Marseile wäre zwingend notwendig gewesen.

    Ansonsten, jo, deswegen wäre ein Scheitern der Invasion in der Normandy 44 zu einer gravierenden Belastung des Verhältnisses geworden.

    Die Folgen wären m.E. schwer abzuschätzen gewesen für das Verhältnis der "großen Drei". Zu einem Separatfrieden, wie Hitler es immer gehofft hatte, wäre es sicherlich nicht gekommen, aber der Bruch zwischen den Alliierten wäre früher und härter eingetreten. Vielleicht oder auch nicht. Denn immerhinn waren die Lieferungen im Rahmen von Lend-Lease für die russische Kriegswirtschaft von hoher Bedeutung und somit hatte Stalin ein starkes Interesse an einer weiteren Kooperation mit den USA.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2010

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