Waren die Hussiten die echten ersten Protestanten?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von Griffel, 15. April 2021.

  1. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Gewiss...auf die früheren Gegenpäpste hatte ich allerdings hier nicht Bezug genommen.

    Hier geht es u.a. um den zunehmenden Einfluss der französischen Könige, französischer Kardinäle in der Kurie, angefangen mit der nachhaltigen Unterstützung des römischen Papsttums, der römischen Kurie in ihrer zunehmend machtpolitischen wie kriegerischen, also auch ganz weltlichen Opposition gegen Friedrich II. von Staufen. Die Konzilien zwischen 4. Lateran (1215) und Konstanz (1414-1418) - Lyon I + II + Vienne - fanden entsprechend auf französischem Boden statt.

    Speziell während des Hundertjährigen Krieges zwischen französischem und englischem Königreich (1337-1453) unterstützte die französisch geprägte Kurie wie Papsttum aus Sicht des englischen Königreichs (und wohl defacto) eher das französische Königreich.
    Wyclifs zunächst mehr nationales Engagement gegen das Papsttum ist darin verwurzelt, so wie britische Insel auch schon vorher eine gewisse kirchliche Eigenständigkeit erreicht hatte.
    Sowohl das englische wie das französische Königreich hatten inzwischen auf militärischem, politisch-territorialem wie wirtschaftlichem Gebiet Ressourcen entwickelt, die eigenständigere, nationalere Konzepte und Handlungen ermöglichten.
    Das HRR war damals immer noch ein universalistisches Konzept, mit der Dualität zwischen Kaisertum, Königen und Fürsten.

    Wir finden in Wyclif einen Universitätslehrer in Oxford, dessen Ideen von böhmischen adeligen Studenten in Oxford vor allem an die Prager Uni mit Hus als Unilehrer weiter vermittelt werden, der wesentlich auch nationalrevolutionär wirksame/einsetzbare Positionen von Wyclif übernimmt und erweitert.

    Bernd Moeller schreibt in Geschichte des Christentums in Grundzügen (2011) im Kapitel Das Spätmittelalter (S. 189-211) u.a.

    [...] Das neu erwachte Nationalbewusstsein der abendländischen Völker, das es schon im Kampf Philipps des Schönen gegen Bonifaz VIII. und dessen Nachfolger dem französischen König ermöglicht hatte, die nationalen Gefühle seiner Untertanen als wirksamen Faktor in seine politische Rechnung einzusetzen, begünstigte auch weiterhin die zentralistischen Herrschaftstendenzen. Dass das politische Bemühen vieler nationaler Regierungen darauf gerichtet war, alle selbstständigen Kräfte im Land in den staatlichen Machtbereich zu integrieren, beeinträchtigte in den Jahrzehnten der Schwäche des Papsttums zumal die Kirche. [...]
    Die jahrhundertelangen Anstrengungen des Papsttums, die „Freiheit“ und also die Überordnung der Kirche durchzusetzen, waren i. W. gescheitert. Das Landeskirchentum der Reformation bereitete sich im 15. Jahrhundert vor.
    Einige regelrechte Aufstände gegen die herrschende Kirche standen mit dem Nationalgedanken in Beziehung. Sie erreichten gerade durch das neuartige Motiv, das Kirchenwesen eines Landes solle von fremdem Einfluss befreit werden, ihren Erfolg und blieben manchmal auf die Angehörigen eines Volkes beschränkt.
    So ging es in England im späteren 14. Jahrhundert.
    [...] (Moeller, S. 207-208)
    Einige regelrechte Aufstände gegen die herrschende Kirche standen mit dem Nationalgedanken in Beziehung. Sie erreichten gerade durch das neuartige Motiv, das Kirchenwesen eines Landes solle von fremdem Einfluss befreit werden, ihren Erfolg und blieben manchmal auf die Angehörigen eines Volkes beschränkt.
    So ging es in England im späteren 14. Jahrhundert.
    [...] (Moeller, S. 207-208)

    Wyclif wie auch besonders Hus sind Teil dieser Veränderungen, wie auch Möller S. 208 f. notiert.
     
    Armer Konrad, Shinigami und Ugh Valencia gefällt das.

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