Warum bekämpfte man das "Wunder von Wörgl"?

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Griffel, 21. Februar 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Und schon wieder haben wir ein Thema, welches mich sehr interessiert.
    Hier in aller Kürze:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Unterguggenberger

    Wenn, man sich die Geschichte mal anschaut, dann entdeckt man viele verpasste Chancen! Das Wunder von Wörgl, war so eine! Auch wenn, es sich primär auf Österreich bezog! Seien wir doch mal ehrlich, in keinem Land in Europa, lief es für die Menschen nach dem 1. WK wirklich gut.:rolleyes::(

    Und spätestens mit der Wirtschaftskrise von 1929, steckte die Welt, auf gut Deutsch, in der Scheiße! Ökonomisch und damit auch sozial bzw. politisch! Da frage ich mich als normal denkender Mensch:
    Was bringt eine Regierung dazu, einen Menschen zu verfolgen bzw. zu belangen, welcher lediglich seine Pflicht tut? Natürlich, war es nur ein kleiner Anfang! Aber immerhin ein Anfang. Wer sagt eigentlich, dass wenn man das Experiment nicht fortgesetzt hätte, nicht ganz Österreich bzw. Europa hätte helfen können?

    Gut! Das Thema Hyperinflation, war ein speziell deutsches. Jedoch brachte der große Börsenkrach von 1929, ja nicht nur Deutschland Not und Leid. Wieso also, hat man eine Möglichkeit vertan oder besser gesagt verworfen, die einen Ausweg geboten hat! Durch eine Umlaufwährung hätte man die Schäden minimieren können. :cool: Das muss ja nicht heißen, dass man das Ganze ewig weitergeführt hätte. Nur solange, bis sich die Situation stabilisiert hätte. Schließlich, hat das Ganze funktioniert. Und welche Regierung wünscht sich schon Massenarbeitslosigkeit und Armut.

    Ich freue mich auf eure Beiträge.
     
  2. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Mich wundert nicht, dass dem Einhalt geboten wurde. Eine Gegenwährung oder sogar mehrere hätten das Problem wahrscheinlich nur noch verschlimmert. Im Kleinen mag das funktionieren aber als Vorbild und Modell hätte das auch in einer Katastrophe münden können.

    Interessanterweise gibt es auch andere, funktionierende Modelle lokaler Währung:

    Geschichte des Bethel-Geldes | Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Österreichische Nationalbank hatte das ausschließliche Recht, in der Republik Österreich Banknoten auszugeben. Bund, Ländern und Gemeinden war es gesetzlich ausdrücklich verboten, Papiergeld auszugeben. Auch wenn es sich beim Wörgler Schwundgeld nicht um Geld im klassischen Sinn handelte, setzte sich die ÖNB mit ihrer Auffassung, es würde gegen ihr Monopol verstoßen, durch.
     
    flavius-sterius gefällt das.
  4. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied


    Meine Wenigkeit sagt das.
    Und zwar aus dem einfachen Grund, dass diese Konstriuktion insofern nicht zu Ende gedacht war, als dass sie rein auf kurzfristige Ökonomische Effekte zielte.

    Natürlich kann man eine Währung dadurch, dass man sie periodisch abwertet mit einer Umlaufsicherung versehen und dadurch die Investitionsneigung der Bevölkerung drastisch erhöhen.
    Gleichzeitig vernichtet man damit aber auch ihre Rücklagen und verhindert, dass sie sich finanziell strategische Reserven anlegen können.
    In ausgeedehnte Maße führt das kurzfristig zu mehr Konsum und einem temporären Anspringen der Wirtschaft, ruiniert aber absehbar finanzielle Reserven und das gesamte Versicherungswesen und muss auch zu einer Neigung führen Wertpapiermärkte völlig zu überhitzen und hochriskannte Geschäfte einzugehen, um ja das an Wert verlierende Zahlungsmittel gegen irgendetwas beständigeres einzutauschen.

    Das ist in diesem Sinne keine Lösung.


    Es macht den Eindurck, dass es funktioniert hätte, weil man es schnell genug unterbunden hat und damit die unweigerlich notwendigen negativen Langzeitfolgen in dieser Form noch nicht zum tragen kommen konnten und weil es ein okales Expierment war, das neben dem gesetzlichen zahlungsmittel existierte, aber eben nicht anstelle davon.

    Wie gesagt, die Angelegenheit war kein Zaubermittel, genau so wenig, wie in Deutschland das System der Mefo-Wechsel ein Zaubermittel war, sondern es war einfach ein Weg, das Investitionsverhalten der Bevölkerung grob zu steuern.
    Bei langfristiger flächendeckender Anwendung, wäre aber eben ganeu das heraus gekommen:

    - Völlig überhitzte Märkte in Form der Notwendigkeit das Geld vor der nächsten Abwertungsrunde los zu werden.
    - Damit verbunden völlig überzogener und unnötiger Konsum zu Lasten der Bildung sinnvoller Reserven.

    Da kann ich neben was @Ravenik schrieb, schon durachaus verstehen, warum man daran kein Interesse hatte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2021
    silesia und Ravenik gefällt das.
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Müssen wir das wirklich diskutieren?
    Abgesehen davon, dass es primär nicht die "Regierung" war, die gegen das Wörgler Experiment vorging, sondern die Nationalbank, die damals bereits eine unabhängige Einrichtung war: Zu Beginn des Experiments war Österreich noch eine Demokratie mit einer demokratischen Verfassung. Es geht nicht an, dass ein Bürgermeister und ein Gemeinderat einfach nach Gutdünken ihr eigenes "Geld" herausgeben. Zum mindesten wäre zu erwarten gewesen, dass vorab abgeklärt wird, ob das mit dem - gesetzlich verankerten - Monopol der Nationalbank vereinbar ist.
     
    Shinigami gefällt das.
  6. Griffel

    Griffel Mitglied

    Das die ÖNB, das Monopol hatte, war mir durchaus bekannt! Nur frage ich mich halt, wie man bei der damaligen Situation, Armut und Massenarbeitslosigkeit hätte bekämpfen wollen? Gut! Bin nicht im Einzelnen darüber informiert, wie es in Österreich aussah. Aber ich glaube kaum, dass die 1. Republik, zu Beginn der 30iger Jahre mit Wohlstand "gesegnet" war. Wenn, dass Mitglied Ravenik hierzu bessere Daten beisteuern kann, bitte immer her damit. Und das meine ich vollkommen ernst!:)

    Mich beeindruckt vor allem die Initiative, welche der Mann gezeigt hat! Daran kann man sehen, dass ihm die Menschen wichtig waren. Immerhin, hat sich ja auch französischer Premier nach ihm erkundigt. Und das will was heißen. Es geht mir nicht speziell um Deutschland. Nein! Auch der Rest von Europa steckte ja im Morast. Und eine funktionierende Lösung, hatte zumindest in Europa niemand. Vielleicht wäre es besser gewesen wenn, man eine internationale Wirtschaftskonferenz abgehalten hätte! So etwas Ähnliches wie das Treffen von Bretton Woods. Da ging es zwar nur um den Goldstandard. Aber die Beschlüsse, die damals gefasst wurden, waren ja durchaus wegweisend. Zumindest so lange, bis die USA, 1971 das Abkommen gekündigt haben. Das hätte natürlich den Willen aller Beteiligten vorausgesetzt so etwas zu tun. Und wenn, man sich an die Konferenz von Genua erinnert, weiß man wie schwierig so etwas geworden wäre.

    Allerdings muss man sich fragen, mit welchem "Zaubertrick" die Wirtschaftswissenschaftler, diesen gordischen Knoten hätten zerschlagen wollen. Nach allem, was ich so gehört und gelesen habe, war diese Aufgabe unlösbar!
     
  7. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Solche "Parallelwährungen" funktionieren höchstens auf lokaler Ebene einigermaßen und auch nur neben einer "richtigen" Währung.
    Regionalwährung – Wikipedia
     

Diese Seite empfehlen