Warum dauerte der am. Bürgerkrieg so lange?

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von schwedenmann, 25. Januar 2013.

  1. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo


    Warum dauerte der am. Bürgerkrieg eigentlich so lange, wo doch der Norden in allem dermaßen überlegen war..

    Ich beziehe mich hier auf m.M. nach sehr gute Doku, die vor kurzem bei ZDF-Info lief

    1. Bevölkerung
    Norden 23 Millionen
    Süden 9 Millionen, davon 4 Millionen Schwarze

    2. Praktisch die komplette Stahlindustrie lag im Norden und es wurde dort immer mehr Kriegsgerät produziert.
    3. Seeblockade der Nordstaaten war sehr effizient



    Oder war eher ausschlaggebend, das Lee anstatt Oberbefehlshaber der Norddtaaten, ins Südlager wechselte und die Nordstaaten für einen Krieg nicht vorbereitet waren und der Beginn eher amateurhaft (rein patriotisch getragen) angegangen wurde.
    So haben sich z.B. im Norden ganze Kleinstädte (männl. Bevölkerung) zum Kriegdienst gemeldet - Der Bürgermeister wurde Bataillons-Kompaniechef, der Arzt war dann Arzt des Bataillons,Kompanie - nur als Fallbeispiel.

    Oder ist m.M. falsch, und der Krieg war im Grunde sehr kurz .

    mfg
    schwedenmann


    P.S.
    In der Doku waren einige sehr intensive, reale Bilder zu sehen (Verwundete, Lazarette, Gefangenenlager und amputierte Gliedmaßen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2013
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Einer davon ist, dass tatsächlich viele und vor allem die besten Berufsoffiziere in den Süden gingen (wobei Lee m.E. etwas überbewertet wird). Die Kommandeure des Nordens zu Beginn des Krieges waren sehr unentschieden und zaghaft und wagten sich eigentlich nicht so richtig ran an die Sache (Auch weil einige dachten, man könne sich noch einigen). Der Oberkomandierende, General Scott war nicht schlecht aber bereits sehr alt und krank (Dazu war er Südstaatler) Er trat freiwillig zurück. Sein Nachfolger Mc Clellan war ein zauderer und militärisch unfähig. Es dauerte bis sich die besseren herausfilterten, wie z.B. Grant, Sherman oder Sheridan.

    Daneben ist das Fehlen einer schlagkräftigen professionellen Armee auch wichtig. Die bestehende Berufsarmee wurde überwiegend im Westen und in den Forts an der Küste belassen und erst im Laufe der Zeit und für Bestimmte Aufgaben herangezogen (Artilleristen, Pioniere). Es gab zwar auf beiden Seiten bereits vor dem Krieg viele miliz- und vereinsartige "Hobby"-einheiten, die jedoch selten über Bataillionsstärke kamen (auch wen sie oft als Regiment bezeichnen wurden). Es gab keine Stäbe, keine ausgebaute Versorgungsstrukturen, keine Beschaffungsstrukturen.

    Alles musste erst einmal aufgebaut und organisiert werden, wobei der Süden, da er sich schon länger auf ein Konflikt eingestellt hatte im Vorteil war und sich früher positionierte.

    Dann kann man noch die Geographie erwähnen. Das umkämpfte Territorium war enorm und recht unwegsam.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2013
  3. Charger

    Charger Neues Mitglied

    Als Ergänzung zu Bdaian , kommt noch der Punkt, das man seitens der Nordstaaten genau wusste, das man sich Zeit lassen konnte.
    Auch sollten sich sehr verlustreiche debakel wie bei Frederiksburg nicht wiederholen, das wäre ganz schlecht für die Moral gewesen.
    Man hatte auch einen ziemlichen respekt vor Lee, und um der nachteile der Konföderierten war er sich auch bewusst.
    Also entschied er sich alle Kräfte zusammenzuziehen, und mit der gesamten Südstaaten Armee nach Norden zu ziehen um eine Entscheidungsschlacht zu seinen gunsten zu erzwingen.
    Das hätte durchaus funktionieren können, aber durch eine Verkettung ungünstiger ereignisse auch durch Fehleinschätzungen und unterlassungen von komandierenden
    Generälen, führte dies letztlich zu einer verheerenden Niederlage bei Gettysburg.
    Die Südstaaten verloren hierbei nicht mehr zu ersetzende Kräfte, und mussten sich von da an in die devensive begeben.
    Die Schuld an einer unnötigen Hinauszögerung des Krieges lag bei dem Oberbefehlshaber der Unionstruppen General Meet war das glaube ich, da er nicht die chance nutzte um den Konföderierten bei Gettysburg, den entscheidenden gegenschlag zu versetzen.
    Lincoln soll deswegen ziemlich verärgert gewesen sein.
    Und deswegen zog sich der Krieg noch zwei weitere jahre.
     
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  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    General Meade war der Kommandeur der Potomac-Armee bei Gettysburg, jeodoch nicht Oberbefehlshaber der Unionstruppen. Er Versäumte es nach der Schlacht den Truppen Lees energisch nachzusetzen, da seine Armee auch gewaltige Verluste bei der Schlacht hatte und er sich des Ausmaßes seines Sieges gar nicht bewusst war.

    Die Verzögerung nutzte Lee um sich über den Potomac mit einer eiligst gebauten Pontonbrücke zu setzen und seine Truppen wieder in Form zu bringen.

    Ob dieses Zögern der Grund für weitere zwei jahre Krieg war, ist Diskussionssache. Lees Armee war organisiert genug, um sogar noch Gefangene mitzunehmen. Der Nachstoß einer angeschlagenen Armee gegen einen so gewieften Gegner hätte eventuell auch nach hinten losgehen können.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Einerseits kann man in den Maßstäben der "Entscheidungs-"Schlacht denken.

    Andererseits sind die logistischen und ökonomischen Bedingungen für die "Entscheidung" beachtenswert. Von Kennedy stammt der Versuch eines Nachweises, dass alle neuzeitlichen Kriege letztlich durch mobilisierte Potenziale entschieden wurde.

    Folgt man dem, und ordnet dem die taktische "Entscheidung" und die Wechselfälle des Krieges unter, braucht das also Zeit.

    Ein Aspekt des Zeitbedarfs war die Eisenbahn:
    Railroad's Critical Role in the Civil War
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das eine Ausweitung Getysburgs zur "Entscheidungsschlacht" nicht unbedingt zu einem sofortigen kriegsende geführt hätte kann man eigentlich daraus inferieren, dass die Südstaaten danach kaum noch die offene Feldschlacht riskierten und ihren Wiederstand auf Abnutzungskämpfen hinter Verschanzungen bzw. hinhaltenden Kleinkrieg reduzierten. Das hätten sie vermutlich nicht anders gemacht wenn Lees Armee vernichtet worden wäre.

    Der komplette Zusammenbruch erfolgte m.E. erst als die Blockade ihre volle Wirkung zeigte, kombiniert mit der Teilung durch die Einnahme des kompletten Mississipi-Laufes und den zerstörerischen Streifzügen Shermans und Sheridans.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ja, und auch dafür gibt es logistische Darstellungen, die den Aufwand erhellen, der für die Kampagnen getrieben wurde.
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Der Hauptgrund für die lange Kriegsdauer trotz der klaren Kräfteverteilung zu Gunsten des Nordens ist ein strategisch-politischer: Der Norden musste eine vollständige militärische Unterwerfung bzw Kapitulation des Südens anstreben, sonst hätte das primäre Kriegsziel (Erhalt der Union) nicht erreicht werden können. Beim Hauptziel des Südens, der Unabhängigkeit, lag das anders. Der Krieg musste "nur" solange geführt werden, bis der Norden die Lust verlor und die Konföderation anerkennen würde; militärisch eine weit weniger anspruchsvolle Geschichte.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Auf weniger anspruchsvoll würde ich das bei der erwähnten Kräfteverteilung nicht unbedingt setzen.

    In dem Kontext - nachteilige strategische Lage für den Süden - ist die "offensive-defensive"-Debatte zu erwähnen, die nach dem eigentlichen Civil War fast zu einem "Historian War" ausgewachsen ist.
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    McClellan war tatsächlich ein Zauderer, der trotz zahlenmäßiger Überlegenheit mehrere günstige Gelegenheiten verpasste und selbst bei großer zahlenmäßiger Überlegenheit einer Schlacht auswich. Mcclellans Stärken lagen auf dem Gebiet der Organisation. Der Aufbau und die Ausbildung der Armee des Nordens war zum großen Teil Mcclellans Werk, der sogar ein Modell für einen Kavalleriesattel entwarf, der in der US- Army in Gebrauch war, bis die letzten Kavallerieeinheiten aufgelöst wurden.
     
  11. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Wie zuvor auch schon beschrieben, ist das "Hineinwachsen" in den Bürgerkrieg sicher mit einer der Gründe für dessen "Länge". Das musste sich, um ein Bild zu benutzen, erst einmal zurechtrütteln. Anfänglich wusste keiner so recht, wo der Hebel anzusetzen ist. Es gab ja keine Aufmarschpläne usw. in den Schubladen.

    Für einen Bürgerkrieg, um es mal ehrlich zu sagen, kommen mir die vier Jahre eher nicht sehr lange vor.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Darstellung von McClellan als "Zauderer" und die Kritik an seinen militärischen Führungsqualitäten ist sicher die überwiegende, jedoch ältere Darstellung.

    Man findet sie auch so bei Wikipedia.

    Neuere Literatur sieht das jedoch differenzierter, und hat die Entscheidungen gerechtfertigt, siehe zum Beispiel (von den Kontroversen im JoMH ganz abgesehen):

    Armstrong, Unfurl These Colours, 2008.
     
  13. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Der amerikanische Bürgerkrieg war ein Volkskrieg und ein totaler Krieg.

    Im Grund der Anfang vom Ende von den Kriegen in denen einzelne Schlachten den Krieg entschieden. Es reichte nicht Lees Armee zu vernichten man musste entweder den Gegner physisch oder psychisch völlig zermürben.
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur McClellan-Kontroverse gibt es eine aktuelle Rezension, da sich auch Slotkin in der Debatte mit einer Publikation (The Long Road to Antietam: How the Civil War Became a Revolution) gemeldet hat:

    "Overall, however, Slotkin’s work remains disappointing. ...
    Earlier works, including Stephen Sears’s George B. McClellan and more recentlyand Ethan Rafuse’s McClellan’s War, analyze the controversial general. Slotkin’s interpretation of McClellan is decidedly unsympathetic. He characterizes the Union general as a self-serving, maniacal individual who believed that the fate of the Union, and the principles on which it was founded, depended on his success and that of the army he commanded. Slotkin interprets McClellan as a general who continually fought a war on two fronts: against the Confederate army in the field and against the Lincoln administration in his “quest for power in Washington” (p. 405). His operational and tactical decisions on the battlefield were made with an eye toward political consequences. Not only did this calculated decision-making influence Federal military strategy, but it also challenged the relationship between civil and military authorities. Though Slotkin never directly labels McClellan’s behavior as treasonous, he does suggest that the general’s primary loyalty often lay with his own personal and political interests, and not the Union cause.
    ...
    Slotkin’s interpretations of the Maryland Campaign and the relationship between McClellan and Lincoln, though contentious, remain familiar. As noted, his portrayal of McClellan characterizes the general as an awkward dictatorial figure consciously working at odds with Lincoln and the Union cause. Slotkin largely dismisses Ethan Rafuse’s study of McClellan, which offers a more balanced and complicated interpretation of the much-maligned general. The author’s lack of original research is readily apparent. He consistently relies on secondary sources, namely the works of Stephen Sears and Joseph Harsh. This lack of sophisticated primary research makes many of his claims subjective. Thorough research may have eliminated several factual errors.
    ...
    Thoughtful, engaging, and original research on the Maryland Campaign and its implications, however, will have to be found outside The Long Road to Antietam."


    Murray, JoMH 2013, S. 345-356. Das zeigt wohl die kontroverse Beurteilung auf, wobei in der Rezension Slotkin nicht gut abschneidet.

    Bei Wikipedia wird diese Kontroverse leider nicht abgewogen herausgestellt.
     
  15. Charger

    Charger Neues Mitglied

    Die Haltung der Bevölkerung bezüglich der Sklavenfrage inerhalb der Union, war ja auch sehr gespalten.
    Zwar hatte die Union einen sehr deutlichen Rüstungs Vorteil, tat sich aber sehr schwer damit, geeignete mittel gegen einen sehr gerissen reagierenden gegner zu finden.
    Lincoln sah sich bis Gettysburg, stets mit der Gefahr konfrontiert, das seine Bestrebungen die Union zu bewahren, aufgrund der ohnehin schon sehr geteilten Volksstimmung endgültig kippen könnte.
    Diese Gegebenheit wurde logischerweise von den Konföderierten in deren Strategie und Taktik der Gefechtsführung mit eingebunden.
    Aufgrund der sehr beschränkten möglichkeiten zum übermitteln von Nachrichten, machten es auch der Kräftemäßig überlegenen Union, sehr schwierig wenn nicht gar unmöglich, jederzeit den überblick zu haben.
    Dasselbe galt selbstverständlich auch umgekehrt.
    Bis Gettysburg lag der psychologische Vorteil bei den Konföderierten, nach Gettysburg hatte sich die Stimmung dann langsam gedreht.
    Interessant sind auch die innenpolitischen verhältnisse in den Konföderierten Staaten zu jener Zeit, unter die Lupe zu nehmen.
    Das die solange durchhielten, hing an nicht sehr vielen Köpfen.
     
  16. Bayar Iskander

    Bayar Iskander Neues Mitglied

    Warum der Bürgerkrieg so lange dauerte.

    Damalige Feldzüge orierntierten sich an der Strategie Napoleons, auf die gegnerische Hauptstadt zu marschieren und den Gegner dort zu schlagen. In diesem Fall war dies Richmond.

    Allerdings konnte die Army of the Potomac die Südstaatenarmee aus zwei Gründen nicht schlagen:
    1) schlechte Führung der Armee, die nach nur "halben" Niederlagen zum Rückzug führten (siehe Seven Days, Chanchellorsville)
    2) das Kräfteverhältnis von etwa 120.000 "Yankees" zu ca. 70.000 "Rebellen",
    was es auch einem offenisven Strategen wie Grant nicht erlaubte, Lee zu überrennen. Dieser kämpfte nämlich gerne aus Schützengärben heraus oder anderem, deckungsreichen Gelände (siehe Wilderness, Spotsylvania, Cold Harbor).

    Daher musste der Krieg im Westen entschieden werden. Hier allerdings konnten nach jedem Vorstoß der Nordstaaten die Südstaaten sich in das Innere ihres Landes zurückziehen. Dies ging solange gut, bis Atlanta, ihr Versorgungszentrum im Westen, fiel. Danach war faktisch der Krieg entschieden.

    Zwischen den einzelnen Vorstößen des Norden (Fort Pillow bis Shiloh, erste und zweite Vicksburg- Kampagne, Chattanooga, Atlantafeldzug) lagen aber teils mehrere Monate, während die Feldzüge selbst sechs- acht Wochen dauerten. Da der Krieg im Westen also nicht in einem Feldzug entschieden werden konnte, sondern es mehrerer bedurfte, zog sich das ganze in die Länge.

    Der Preußisch-österreichische Krieg 1866 hingegen wurde in einem Feldzug entschieden (Königgrätz).
     
  17. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig, weil es sich nur auf Ausschnitte des Krieges bezieht.

    Lee war bei weitem kein Freund der Defensive - er suchte wo möglich die Offensive (Seven Days: egal ob Malvern Hill, Gaines Mill oder Mechanicsville, Lee war der Angreifer, Antietam ware eine defensiv geführte Schlacht bei einer offensiven Operation, Gettysburg war Offensive pur.
    Defensiv führte Lee den Krieg nur in den letzten Monaten nach Gettysburg, als ihm nichts anderes übrig blieb. Betrachtet man den Verlauf der Schlacht von Cold Harbor, insbesondere die Tage 31.5. - 2.6., wird man mehrfach Angriffe Lees finden. Die Kräfteverhältnisse waren ca. 108 000 Mann Union und 62 000 Mann Konföderation.

    Chancellorsville würde ich nicht nun ganz und gar nicht als "halbe Niederlage" der Union sehen (und wer war der Angreifer? - Lee).

    Mit den preußisch - österr. Krieg würde ich den Bürgerkrieg schon gar nicht vergleichen, denn 1866 ging es nicht um die Existenz Österreichs, sondern "nur" um eine Frage der Vormachtstellung. Das kann man im Prinzip durch eine Schlacht oder einen relativ kurzen Waffengang entscheiden. Im Sezessionskrieg ging es um das Bestehen der Union bzw. der Konföderation ... das konnte nur durch einen kompletten Sieg / die völlige Niederlage des Gegners entschieden werden.
     
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  18. FragileXFactor

    FragileXFactor Neues Mitglied

    In den Diskussionen um den Amerikanischen Bürgerkrieg (Dauer, Verlauf) nehmen in der Breite die militärischen Führer und deren Schlachten eine ungewöhnlich dominante Stellung ein. Obwohl sie viele Erklärungsmuster liefern, bleiben auf diese Weise leider viele Fragen unberücksichtigt.
    Die Frage nach der Ökonomie und den Potentialen ist in vielen Fällen ergiebiger. Der Hinweis von silesia auf Kennedy, ist auf den Sezessionskrieg bezogen, ein sehr spannender Blickwinkel. Welche Potentiale wurden aktiviert. Es ist schon interessant, wie z.B. der Süden Nachteile auszugleichen versuchte und ihre Potentiale verhältnismäßig effektiv an die Front bringen konnten, bzw. der Norden mit seiner militärischen Übermacht vermeitlich unbeholfen wirkte. Dabei vernachlässigt man allerdings gerne die unterschiedliche Strategie der Kontrahenten. Der Süden konnte zu Beginn mit seinen Kräften konzentriert zuschlagen, während der Norden (gerade nach Bull Run) erst mal etliche Potentiale für die Sicherung seines Territoriums aufbringen musste.

    Trotzdem möchte ich eine Brücke schlagen, die sich von der rein militärisch-logistischen Sichtweise löst und zu der Alternativlosigkeit der politischen Führungen führt. Im Prinzip waren für politische Lösungen alle Türen zugeschlagen und es gab während des Krieges keine nennenswerten Vermittlungsaktivitäten, z.B. durch Drittstaaten.
    Wie hätte eine Lösung auch aussehen sollen? Der Erhalt der Union konnte aus damaliger Sicht nur durch die Niederwerfung des Südens erreicht werden. Im Norden zeichnete sich schon sehr früh ab, dass man nach den jahrelangen Zugeständnissen gegenüber dem Süden, keine politische Lösung mehr erreichen würde.
    Die Position des Südens war da schon komfortabler. Sie zielte auf die Anerkennung ab, welche durch einen Sieg (Ziel: Washington) oder mit genügend Durchhaltewillen erreicht hätte werden können. Die geringe Tragfähigkeit des konförderierten Staates konnte teilweise nur mit Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Unwissenheit der Bevölkerung kompensiert werden. Gerade Lee hoffte bis zuletzt, dass die politische Führung die Katastrophe abwenden würde, ohne sich bewusst zu sein, dass nur er allein einen frühreres Kriegsende hätte herbeiführen können.

    Wie hier ja schon betont wurde, unterscheidet sich der Sezessionskrieg gegenüber anderen Konflikten aufgrund seiner ideologischen Prägung. Sie ist in meinen Augen eine wesentliche Ursache für die Länge des Krieges.
     
  19. Poncirus

    Poncirus Neues Mitglied

    wahrscheinlich haarscharf bis ganz am thema vorbei aber wie sah es eigentlich mit den privaten und wirtschaftlichen kontakten und auch den der beiden staaten bzw regierungen untereinander aus? ich habe vor kurzem den film lincoln gesehen und da reisten sogar zwei unterhändler der konföderierten in den norden um über einen waffenstillstand zu verhandeln...
     
  20. FCBfreak85

    FCBfreak85 Neues Mitglied

    Es gab schlicht und ergreifend zu viele Soldaten auf beiden Seiten. Freiwilligen-Armeen, Massenheere, schwer zu lenken, napoleonische Taktiken, die wegen der größeren Reichweite der gezogenen Musketen aber zu irrsinnigen Verlusten führten.

    Der Süden hatte aufgrund der dortigen Traditionen die besseren Offiziere und konnte durch geschicktes Manövrieren immer wieder die zu zaghaften Gegner besiegen - trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit von 1:2. Lee konnte teils durch gutes Verschanzen sehr starke Angriffe immer wieder abwehren und selbst mit geringeren Kräften durch das Schaffen von örtlichem Übergewicht die größeren Nordarmeen in die Flucht schlagen.

    Der Norden konnte diese massive numerische Überlegenheit im Osten nie ausnutzen und im Westen, wo letztlich die Entscheidung fiel, konnte man auch nicht in nur einem Jahr den Sack zumachen. Das gab die Weite des Raumes gar nicht her.

    Ich würde sogar soweit gehen und die militärischen Aktionen des Nordens als Pleiten, Pech und Pannen in den ersten Jahren im Osten beschreiben. Selbst bei Gettysburg hat sich der Süden eher selbst geschlagen. Wenn man sich das im Nachhinein anschaut, ist es unglaublich, dass der Norden im Osten so wenig aus den eigenen Möglichkeiten gemacht hat.
     

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