Warum der Wettlauf zum Mond?

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Anduril, 23. April 2012.

Schlagworte:
  1. Anduril

    Anduril Neues Mitglied

    Hi

    Ich möchte mich mit dem Wettlauf zum Mond für meine Abschlussprüfung auseinandersetzen. Da ich nur einen Teil des ganzes Thema behandeln darf, würde ich gerne die Gründe für dieses Wettrüsten genauer untersuchen.

    Nun ist es ja so, dass es immer hiess, dass es um Prestige, Machtdemonstration, etc. ging.
    Ich habe bei Google schon einige Seiten durchsucht, aber finde immer nur Artikel über Abläufe, Entwicklungen, das Raketenprogramm selber, aber die genauen Ziele sind mir noch immer unbekannt.

    Hat mir jemand einen guten Artikel, Quellen, Bücher, oder wisst ihr grad selber etwas?
     
  2. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Die "Demütigung" der USA durch die Sowjetunion mit Sputnik und Gagarin waren zu groß.
    Sputnikschock ? Wikipedia
    Wostok 1 ? Wikipedia
    Sie mussten etwas dagegen setzen.

    Weshalb die UdSSR dann unteranderem den Wettlauf verlor: Aus ARD.de
    "Der Tod Gagarins war bereits der zweite Rückschlag, den das sowjetische Raumfahrtprogramm zu verkraften hatte. Nachdem man eine Krebserkrankung bei ihm diagnostiziert hatte, war Sergej Koroljow im Januar 1966 während einer Operation an Herzschwäche gestorben. Er hinterließ eine Lücke, die nicht zu füllen war und das bemannte Mondprogramm, an dem der "Chefkonstrukteur" zuletzt gearbeitet hatte, geriet zunehmend ins Stocken. Dagegen schien die USA den so genannten "Sputnik- und Gagarin-Schock" überwunden zu haben. Nachdem die Sowjetunion den ersten Satelliten und den ersten Menschen in den Weltraum befördert hatte, war es nun zu einer Frage der nationalen Ehre geworden, den Wettlauf zum Mond zu gewinnen. "
     
  3. Alex74

    Alex74 Aktives Mitglied

    Meine Meinung (die sicher diskutabel ist):

    Die Amerikaner waren schon immer sehr empfindlich wenn sie irgendwo "getroffen" wurden, weil man sich auf der riesigen Landmasse halt sehr sicher fühlt; sei es Pearl Harbour (was zeigte daß die USA generell angreifbar sind), sei es 9/11 (was zeigte daß selbst eine Großmacht wehrlos gegen ein paar Irre ist), Korea und Vietnam (die zeigten daß man auch rein militärisch nicht alles erreichen kann), Kuba (das zeigte daß man auch vor fremden Atomraketen nicht weit genug weg ist) - und mit dazu gehört imho auch der "Sputnik-Schock", der zeigte daß die USA technisch nicht mehr die Weltführung inne haben.

    Das betraf vielerlei Ebenen: Im 2.Weltkrieg hatte man unglaublich viele Güter in die Sowjetunion verschifft um militärisch zu helfen; da war die SU also Hilfsempfänger; dann entwickelte sie sich zum Feind und plötzlich war sie in der Raketentechnik aber voraus - und wer weiß wo noch alles?

    Das den Amerikanern wichtige Gefühl für Sicherheit war also verletzt, weswegen es einfach war, das Projekt Raumfahrt voranzutreiben um zu zeigen daß man auch hier Nr.1 in der Welt ist.

    Ferner könnte ein solcher Erfolg natürlich eine gute Ablenkung von Vietnam gewesen sein...

    Wie gesagt, das sagt mir so mein Bauch. Konkrete Quellen für diese Vermutung zu finden dürfte indes unmöglich sein, höchstens aus Interviews der damals beteiligten.

    Gruß Alex
     
  4. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Mondlandung

    Hallo

    Natürlich nicht zu vergessen, der von beiden Seiten ausschlachtbare "Erfolg" als Sieg des jeweiligen politischen . Systems zu erklären. Das galt in gleicher Weiase für den Sport , besoinders bei Olympischgen Spielen und Weltmeisterschaften, auch dort wird ein Sieg der Nationalmannschaft, als Sieg des Systems über das jeweils andere vermarktet.

    mfg
    schwedenmann
     
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  5. CvClausewitz

    CvClausewitz Neues Mitglied

    Um etwas tiefer in die Materie zu gehen in sachen Raketenentwicklung.

    So paradox es klingt es war für die Amerikaner eine Möglichkeit nachzuziehen im Wettlauf ins All.

    Die UDSSR hatte einen frühen Vorsprung das wissen wir, dieser Vorsprung war durch die Notwendigkeit der UDSSR geprägt eine Interkontinentalrakete mit großer Nutzlast zu bauen die R-7.
    Die Amerikaner konnten ja alle größeren Russischen Städte mit Mittel und Kurzstreckenraketen erreichen aus EU die Russen mussten über den Nordpol was erheblich weiter ist.

    Nun wenn man sich die frühen erfolge der Sowjetischen Raumfahrt ansieht kommt der Gedanke auf sie seien weit überlegen gewesen (daher auch oft die Theorie Mondlandung Lüge da Vorsprung nicht einzuholen)

    Fakt ist jedoch die Russen haben in technologischer Sicht kaum Land gewonnen, die R-7 zb bündelt einfach eine Menge A-4 Triebwerke auch wurden kaum Erfahrungen mit Zündung in der Schwerelosigkeit gemacht, kaum Teststände gebaut und Hintergrundforschung getrieben.
    Es wurde einfach schnell eine praktische Lösung präsentiert die auch durchaus zu Würdigen ist.

    Die Zielsetzung der Mondlandung war so weit von den Sowjetischen und Amerikanischen Möglichkeiten entfernt, dass die Amerikaner mit ihrer neuen Nasa und auch mit den endlich zum Einsatz kommenden Deutschen den Vorsprung aufholen konnten und auch ausbauen konnten.

    Gruß
     
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist mE sogar der zentrale Punkt.

    Wie bereits erwähnt,
    ist der Ursprung der sogenannten* Raumfahrt militärisch.

    Die eingekreiste Sovietunion konnte ihren strategischen Nachteil, im Bezug auf die Erreichbarkeit der Territorien durch Trägersysteme für Atomwaffen, gegenüber dem ideologischen Hauptgegenspieler nur durch Interkontinentalraketen ausgleichen.
    Und diese nehmen ihren Weg notwendig durch den Orbit.

    Daher auch der „Sputnikschock“ 1957.
    Denn die Fähigkeit den Orbit zu erreichen, beinhaltet letzlich auch die Fähigkeit jeden Ort der Erde nuklear treffen zu können.

    Andererseits war gerade die sogenannte Raumfahrt, denn als solche kann man sie ja hier nicht ohne Weiteres bezeichnen, in der allgemeinen Wahrnehmung die Spitze der technisch-kulturellen Fähigkeit und wurde zum beachteten Prüfstein der Fähigkeiten verschiedener Gesellschaftsentwürfe.
    Ohne diesen Grundgedanken bleibt möglicherweise das Rennen zum Mond unbegreiflich.
    Denn die Begründung der Rede Kennedys für die künftige Mondmission, die er bezeichnenderweise in einem football-stadium hält, findet ihren Schwerpunkt in einer Glorifzierung der USA als die Krone der geschichtlichen Entwicklung. Es ist eine Propagandarede die eben das hervorhebt: Es geht um eine Demonstration der Überlegenheit des eigenen Gesellschaftssystems.
    https://archive.org/download/jfks19620912/jfk_1962_0912_spaceeffort_64kb.mp3

    Nun waren die USA schließlich die Erfolgreichen, insbesondere was die Resonanz der Weltöffentlichkeit anging. Eine wissenschaftliche Mission war das nur sehr bedingt.

    Allerdings gelang auch der UDSSR eine Mondlandung, (sogar) unbenannt mit der Lunokhod.
    Mit der Luna 24 konnte 1976 (ebenfalls unbemannt) Mondgestein zur Erde gebracht werden.
    Nachdem sich daraus kein Hollywoodstreifen basteln lässt, und man sich halt auch nicht mit dem Schicksal eines Roboters indentifizieren kann, war der Erfolg in der öffentlichen Wahrnehmung sehr gering.
    Das Konzept selber aber war, ganz im Gegensatz zum amerkanischen Ansatz, technisch zukunftsweisend.

    ----

    *Was war denn damals bei der Apollo 11geschehen?
    Es war gelungen Menschen, in den Abstand einer Lichtsekunde zur Erde zu bringen, diese auf dem Mond zu landen und wieder heil nach Hause zu bringen, und die ganze Welt blickte gebannt auf das Ereignis.
    Die Aussage Kennedys, man beabsichtige „buchstäblich den Griff nach den Sternen“ kann nur als eine Metapher verstanden werden, denn als astronomisch sachbezogene Begründung wäre sie an Unsinnigkeit kaum zu übertreffen.
     
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