Warum die Gründungssage?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Johanna1434, 22. Oktober 2013.

  1. Johanna1434

    Johanna1434 Neues Mitglied

    Hallo :) Ich bin neu hier, die Seite wurde mir von einer Freundin empfohlen und daher hab ich leider keine Ahnung, wie ich mich hier zurecht finde. Also entschuldigung, falls es das Thema schon gibt!

    Könnt ihr mir etwas darüber sagen, WARUM und WER sich die Gründungslegende Roms ausgedacht hat? Welcher Sinn steckt dahinter, wurde es von den Römern selbst erfunden.. etc.

    Vielen Dank schon mal!
    Lg
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Schau mal hier nach:

    http://www.geschichtsforum.de/f28/die-gr-ndungssage-roms-15031/

    und http://www.geschichtsforum.de/f28/r-mische-gr-ndungssage-26811/

    Zur Überlieferung kannst Du auch in den Wiki-Artikel nachsehen: Romulus und Remus ? Wikipedia

    Einen Erfinder/Autor der Gründungssage gibt es nicht. Diese sind nur von Autoren niedergeschrieben worden, dabei hat man sich aber letztendlich auf "Volksgut" gestützt. Das haben die Gebrüder Grimm mit ihren Märchen auch so gemacht. Was und ob historisch daran sein mag, wissen die Götter (v. a. Mars:pfeif:).
     
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  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Willkommen im Forum!

    Ein wenig zur Entwicklung der 'Gründungslegende' findet sich schon bei Wikipedia.

    Ausgedacht ist allerdings ein zu hartes Wort. Die Geschichtsschreibung war noch nicht erfunden, also reflektierte man die Vergangenheit unter Heranziehung des Mythos. Zum einfacheren behalten, um Hintergründe für nicht mehr verstandene Dinge zu finden, oder um die eigenen Ahnen in den Vordergrund zu spielen, erfand man Geschichten. 'Lupa' z.B. soll nicht nur die Bezeichnung für Wölfin gewesen sein, sondern auch Prostituierte und zuvor Ammen benannt haben. Einiges war auch allgemein üblich. So wurden z.B. Stadtgründer gerne nach ihrem Tod zu den Göttern gezählt, wie es auch Romulus wiederfuhr, indem er während eines Unwetters verschwand. Nach einer anderen Version haben ihn übrigens die Senatoren verschwinden lassen.

    Dann hat man die so erzählten Geschichten auch noch ausgeschrieben, will heißen, ausgeschmückt. Jeder Autor ein bisschen mehr. So soll Karl der Große nicht nur die Irminsul, sondern ein zugehöriges Heiligtum zerstört und schließlich unermessliche Schätze erbeutet haben. Das wurde immer weiter ausgeschmückt, indem man Dinge hinzufügte, die einem logisch erschienen. Der Einzelne konnte dies sogar für eine Tatsache halten, obwohl es von ihm hinzugefügt wurde. Dieser Vorgang findet schon unbewusst mit unserem eigenen Erlebten statt.

    Andere setzen dann den Mythos mit anderen Mythen in Verbindung. Bei Rom war das die Troja-Sage.

    Das Dumme an der Angelegenheit ist, dass man nur in Ausnahmefällen die tatsächliche Geschichte wieder vom Mythos trennen kann. Im Falle Roms kennt man die Namen von 3 Tribus: Ramnes, Tities und Luceres. Die Beziehungen Ramnes - Remus/Romulus; Tities - Titus Tatius; Luceres - Tarquinier sind augenfällig, aber nicht näher zu ergründen. Auch wird im Mythos ein (nicht mehr verstandenes) Erbrecht zum Schwestersohn für einen Teil der Römer dargestellt. Wir können nicht wissen, ob dies auf einem Zufall der Entstehung des Mythos beruht, oder ob es dies wirklich gab, auch wenn es einiges erklären würde.

    Ich schreibe mal wieder zu viel. Daher überlasse ich erst mal anderen das Feld.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal ist die Sage eine sogenannte ätiologische/aitiologische Legende. Ätiologische Legenden dienen dazu, Namen zu erklären. Hier eben Rom(a) von Romulus. Gleichzeitig wird mit dieser Legende aber auch die römische "Urgeschichte" mit der karthagischen Urgeschichte und der trojanischen verknüpft.
    Aeneas war der mutigste Kämpfer der Trojaner - außer Hektor, aber der wurde ja von Achilles getötet. Von Aeneas abzustammen war also ein Privileg. Und Alter und Adel stand auch schon bei den Römern in einem engen Zusammenhang.
     
  6. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    El Quijote bezieht sich auf die Aeneis, gewissermaßen die "Prequel" der Romulus/Remus-Sage. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit dieses Epos zur damaligen Zeit Quellen oder Vorgänger hatte; Vergil stattete jedenfalls einige alte römische Familien mit Wurzeln aus, darunter u. a. den sympathischen Kunstfreund und -förderer Maecenas mit seinem "Vorfahr" Mezentius (einem ziemlichen Ekelpaket).
     
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  7. Eichelhäher

    Eichelhäher Neues Mitglied

    In Ergänzung zu El Quijote: Zu dem trojanischen Helden in der Vorfahrenschaft der Römer gesellt sich ja direkt seine göttliche Mutter Venus und ihr Vater Jupiter. Als Vater von Romulus kommt dann gleich noch Mars hinzu. So ist denn für das römische Volk direkt allerhöchster Götteradel etabliert.
     
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  8. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Wahrhaftig eine Stiftungssage für Augustus' "New World Order".
     
  9. Eichelhäher

    Eichelhäher Neues Mitglied

    Nein, auf Vergils Mist ist es dann doch nicht gewachsen. Tante Wiki sagt:
    Der olle Cato. Soso. ;)

    Aber in Augustus' Gründungsmythos passte er natürlich perfektestens, nicht zuletzt durch Sohn Iulus -> Iulius.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Verknüpfung von Aeneas mit Rom reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im 5. Jhdt. v. Chr. schrieb der griechische Autor Hellanikos von Lesbos, dass Aineias mit Odysseus nach Italien gekommen sei und Rom gegründet habe. In den folgenden Jahrhunderten gab es dann mannigfache Ausformungen des Mythos, wobei dann zwar meist Romulus der Gründer war, aber noch als Sohn oder Enkel von Aeneas galt. Irgendwann merkte man dann, dass sich das chronologisch nicht ausging, und schob daher die Könige von Alba Longa als Bindeglied ein.

    Mezentius ist allerdings keine Erfindung von Vergil. Bereits der alte Cato erwähnte ihn im ersten Buch seiner "Origines".
    Auf welche Stelle beziehst Du Dich hinsichtlich einer Abstammung des Maecenas von Mezentius?
     
  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es sollte vielleicht noch darauf hingewiesen werden, dass Alba Longa nie eine Stadt, sondern wohl 'nur' ein Kultplatz war.
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Was wohl kaum mehr als eine Theorie ist.

    Man hat Alba Longa zwar noch nicht ausgegraben, aber das liegt schon mal daran, dass man die Stadt nicht mehr so genau lokalisieren kann. Außerdem darf man sich ohnehin keine schöne große Stadt aus Stein erwarten, das war Rom lange Zeit auch nicht.

    Ich weiß natürlich, dass man Mythen nur mit allergrößter Vorsicht auf historische Inhalte abklopfen kann, aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass die Geschichte von der Niederringung und Zerstörung der ehemaligen Hegemonialmacht Latiums durch die Römer überhaupt keinen historischen Hintergrund gehabt haben soll.

    Sogar hinsichtlich des Iulus gab es unterschiedliche Mythen: Die Iulier selbst setzten ihn mit Aeneas' Sohn Ascanius gleich, aber bei Dionysios von Halikarnassos war er "nur" ein Sohn von Ascanius und unterlag nach dessen Tod im Streit um die Nachfolge Ascanius' Halbbruder Silvius (Sohn von Aeneas und Lavinia), weil das Volk den Silvius wählte. Iulus wurde mit einem Priesteramt abgefunden.
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Das habe ich auch mal gesagt. Dann habe ich zuviel gelesen, was das anders sieht. Wie das so ist, irgendwann...

    Ich dachte, das sei untersucht und man habe nur Tempel gefunden, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Vielleicht reden wir von verschiedenen Zeiten bzw. Dingen. Nach der Zerstörung der Stadt durch Rom (der Sage nach unter König Tullus Hostilius) wurde sie nicht wieder aufgebaut, aber der Albanerberg (auf dem direkt die Stadt vermutlich nicht gelegen ist) weiterhin tatsächlich als Kultplatz benutzt. Hier befand sich das Heiligtum des Iupiter Latiaris, des zentralen Gottes des Latinerbundes, und hier wurde alljährlich unter Führung Roms das Latinerfest als gemeinsames Fest Roms und der Latiner veranstaltet. Auf dem Albanerberg veranstalteten römische Feldherrn, denen ein echter Triumphzug vom Senat verwehrt wurde, mitunter auch eine Art Ersatztriumph.
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ergänzend zum schon Geschriebenen: Die Wurzeln liegen völlig im Dunkeln. Wir haben das Problem, dass aus den ersten Jahrhunderten Roms fast keine Texte erhalten sind (die wichtigsten Ausnahmen sind Teile des Zwölftafelgesetzes und ein paar Inschriften), somit auch keine frühen Aufzeichnungen der Gründungsmythen. Die ältesten Erwähnungen von Sagen um die Gründung Roms stammen von griechischen Autoren. Die ältesten römischen Belege für den Romulus-Mythos stammen aus dem 3. Jhdt. v. Chr. (was natürlich nicht bedeutet, dass er auch erst damals entstanden sein kann). Somit lässt sich nichts Zuverlässiges darüber sagen, wie die Gründungslegende entstanden ist.

    Die ältesten griechischen Überlieferungen (5./4. Jhdt. v. Chr.) lassen sich jedenfalls dahingehend zusammenfassen, dass in ihnen Aeneas oder ein Sohn oder Enkel von ihm namens Rhomos Rom gegründet habe. Erst ab etwa 300 v. Chr. tauchen bei den griechischen Autoren die Brüder Rhomylos (=Romulus) und Rhomos (=Remus) auf. In der bekannten Fassung wurde die Romulus-und-Remus-Sage erstmals von Diokles von Peparethos erzählt.

    Wann und wie die Romulus-und-Remus-Sage in Rom entstand und wann und wie man dort eine Verknüpfung mit Aeneas herstellte, lässt sich aus den oben angeführten Gründen nicht sagen. Im 3. Jhdt. v. Chr. wurden in Rom Silbermünzen geprägt, die die Zwillinge mit der Wölfin zeigten. Der erste römische Autor, der die Sage von Romulus niedergeschrieben hat, dürfte Quintus Fabius Pictor (spätes 3. Jhdt. v. Chr.) gewesen sein, der Diokles als Quelle verwendet haben soll. Somit lässt sich nicht einmal sagen, was am Mythos alles "original-römisch" ist und was von den Griechen übernommene Ausschmückungen.

    Allerdings scheint die Verknüpfung der Aeneas-Sage mit der Dido-Sage recht späten Datums zu sein. Ursprünglich hatten die beiden Sagen nichts miteinander zu tun. Noch Livius und Dionysios von Halikarnassos erwähnten Dido in Zusammenhang mit Aeneas nicht. Umgekehrt war die Sage von Dido (=Elissa), der Gründung Karthagos und dem Konflikt mit dem einheimischen Fürsten Iarbas auch schon wesentlich älter, wurde aber noch von Pompeius Trogus ohne Verknüpfung mit Aeneas erzählt. Sofern ich nicht etwas übersehen habe, scheint also erst Vergil die beiden Sagen ganz bewusst - ohne Verankerung im Volksgut - miteinander verbunden zu haben.
     
  16. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    @ Ravenik: Ich schließe mich hiermit Deinen Ausführungen an.
     

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