Warum entstanden in der Nähe von Klöstern Städte?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Habukaz, 25. August 2014.

  1. Habukaz

    Habukaz Neues Mitglied

    Warum siedelten Menschen in der Nähe von Klöstern?
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Taten sie das? Oder wurden Klöster in der Nähe von Ortschaften gegründet? Müsste man sehen, um welche Beispiele es geht, aus welcher Zeit, Region etc.
     
  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Weil sie teilweise als Leibeigene oder Hintersassen auf den Klostergütern arbeiteten oder diesen zehntpflichtig waren.
    Weil die Klosterverwaltung auch Laienpersonal benötige,und weil etliche Klöster befestigt und damit Zufluchtstätten für die Landbevölkerung waren.
    Außerem hatten viele Klöster Reliquien,die Pilgerströme anzogen und wo Pilger waren waren auch Wirte,Handwerker und andere Dienstleistungsgewerbe aller Art und Güte ;)

    Viele Klöster waren auch in bereits bestehenden Städten angesiedelt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2014
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gerade die Zisterzienser sind ja gerne von landbesitzenden Adeligen zu Klostegründungen eingeladen worden, weil der Zister-Orden aufgrund seines Verständnisses der Regula Benedicti sich bewusst Orte gesucht hat, die abseits der Siedlungen lagen und bewusst auf Selbstversorgung ausgerichtet waren. Wenn sich ein Zisterzienserkloster aber einmal etabliert hatte, war die Wildnis i.d.R. urbar gemacht. Sprich vormalige Wildnis wurde durch die Zisterzienser zu attraktivem Siedlungsland, was der Grund für die Grundherren war, Zisterzienser einzuladen (außerdem konnte es ja nicht schaden, als Grundherr in den Gebeten der Klöster genannt zu werden). Also insbesondere bei den Zisterziensern ist es tatsächlich so, dass hier das Kloster vor der Siedlung da war. Nun ist nicht bei jedem Zisterzienserkloster eine Siedlung entstanden. Andere Klöster sind sehr bewusst in den Städten entstanden, gerade die Bettelorden waren ja von einem Publikum abhängig. Es lag eben auch an der Auslegung der Ordensregeln, ob ein Kloster eher siedlungsnah oder siedlungsfern gegründet wurde.
     
  5. Hundenase

    Hundenase Neues Mitglied

    Sie taten es - v.a. während der Landnahme (die Eingangsfrage verstehe ish als: wenn sie es taten - warum taten sie es); Auftrag/Stiftung des Markgrafen.

    Die Menschen brauchten Stätten zum Beten. Es gab zwar Wanderpreister, die aber durften manche Sakramente nicht geben (taten sie es doch: war das Sakrament gültig? - keine unwichtige Frage damals). Außerdem lag es im Aufgabenbereich der Klöster, den Kalender zu berechnen (Ostern z.B.)

    Im Grunde folgt es dem Angebot-Nachfrage-Prinzip: wo beides zusammentrifft,entsteht 'Markt' für:
    Seelsorge, Arbeit, Nahrung, Sicherheit, Wissen
     
  6. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Zwei Beispiele als Ergänzung zum Beitrag von El Quijote:

    1. Erfurt

    Erste urkundliche Erwähnung 742.
    1. Kloster – Ursulinenkloster 1136.
    2. Kloster – Augustienerkloster 1277.

    2. Schmölln/Thüringen

    Erste urkundliche Erwähnung als Ansiedlung 1066.
    Da bestand aber bereits das Benediktinerkloster mit Markt-, Münz- und Zollrechten des Bistum Naumburg.
    1127 wurde ein 2. Kloster gebaut das zu dem Zisterzienserorden gehörte. Wurde dann 1138 nach Pforta verlegt ca. 84 km Nordwestlich.
     
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es gibt zahlreiche Beispiele, wo zuerst Klöster gegründet wurden, in deren Nähe allmählich Siedlungen entstanden. Die wuchsen dann zu Städten heran, wie z.B. Essen, Quedlinburg oder Kempten.

    Das Kloster versprach zunächst einen gewissen Schutz, den der Klostervogt oder der Stiftsadel garantierten. Zur Belieferung des Klosters mit Waren siedelten sich Handwerker und Kaufleute an, die auch die weitere Region mit ihren Produkten versorgten.

    Nur große Klöster mit zahlreichen Insassen waren in dxr Regel Ausgangspunkt für solche Entwicklungwn; vorzugsweise mächtige Reichsabteien wie Fulda oder Essen, wo Fürstäbte oder Fürstäbtissinnen innerhalb ihres Stiftsterritoriums wie weltliche Fürsten residierten.
     
  8. Hundenase

    Hundenase Neues Mitglied

    Zisterzienser siedelten im Tal an Flüssen, meistens in engen Tälern. Enge Täler und Flüsse waren überhaupt bevorzugtes Siedlungsgebiet, nicht nur von Klöstern; Flüsse waren nötig für den Handel und für den Betrieb von Mühlen, außerdem waren sie die beste Möglichkeit, weiter in nicht besiedeltes Gebiet vorzudringen, weshalb zwangsläufig Siedlungen entstanden (zur Versorgung nachrückender, andere blieben zurück, gegen Siedlungen hatten Markgrafen in der Regel nichts einzuwenden, weil diese für die Instandhaltung bestehender Wege und Straßen verantwortlich waren).

    Es treffen sich also in den Tälern, an Flüssen die Interessen von Klöstern und 'Privaten'. Da Klöster für die Urbarmachung initialverantwortlich waren, wurden (ELQ hat's schon erwähnt), diese zum Magnet für weitere Siedlungen, nach dem Motto: wozu alles neu bauen, wenn eh schon Infrastruktur vorhanden ist. Weil aber die Täler eng waren, blieben die Siedlungen bescheiden (bis heute). Das gilt zumindest für die ottonische Mark im Osten und die Steiermark, also Gegenden, die keine (christliche) Siedlungskontinuität aufweisen. Mir ist in diesem Bereich kein Kloster bekannt, das nicht Siedlungen hervorgebracht hätte.
     

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