Warum ist Namibia heute noch so "deutsch"?

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von mitsch, 7. Oktober 2007.

  1. mitsch

    mitsch Neues Mitglied

    hallo
    warum ist namibia heute noch so ,, deutsch" im vergleich zu den restlichen ehemaligen deutschen kolonien ? der zeitraum der deutschen herrschaft in den einzelnen kolonien war doch in etwa überall gleich lang bzw . gleich intensiv oder ?
    besten dank im voraus, schönen gruß michi
     
  2. Tekker

    Tekker Gast

    Weil dort nach wie vor noch Deutsche leben, nehme ich mal an. ;)

    Im Gegesatz zu den anderen Kolonien kann man das damalige Deutsch-Südwestafrika als Siedlungskolonie klassifizieren; eine Einwanderung deutscher Siedler hat es in dem Ausmaß in den anderen Schutzgebieten nicht gegeben.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Waffenstillstandsvereinbarungen waren für die deutschen Siedler auch relativ vorteilhaft.
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Weil das Land so lebensabweisend ist, dass sich in Namibia die paar Bewohner an einem Abend die Hand gegenseitig reichen könnten.
    Da die Deutschen mal dieses unfruchtbare Land ihr eigen nannten, haben sie Häuser gebaut und lebten dort. Nach dem 1.Weltkrieg hat sich keine europäische Macht um Namibia geschert, sondern überliessen die Verwaltung Südafrika.
    Die Südafrikaner widerrum waren froh, dass ein paar Deutsche geblieben sind, die im südafrikanischem Auftrag das ärmliche Land verwalteten.
     
  5. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Na ich glaube nach dem Massaker an den Herero war keiner so erfreut darüber, dass die Deutschen dort blieben.

    Aber die Deutschen Siedler waren halt da und niemand hat sie herausgeworfen. Warum im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika mehr Deutsche blieben als anderswo? Hmm vielleicht waren von vornherein mehr dort, als in den anderen Kolionien?

    Wikipedia sagt:
    und:

     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2007
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Waffenstillstandsbedingungen 1915 ließen den deutschen Siedlern erhebliche Rechte. Die anderen Kolonien wurden schlicht erobert, während in Südwestafrika die Schutztruppe durchaus noch Mittel zur Fortsetzung des Krieges gehabt hätte.
    Auch hätte es durchaus noch die Möglichkeit gegeben, dass sich ein Teil nach Ostafrika durchgeschlagen hätte.

    Diese Pluspunkte wuirden in den Verhandlungen erfolgreich geltend gemacht.

    Der Völkermord an den Hereros ist schlimm. Ganz Zweifellos. War aber damals "Stand der Dinge" für den Umgang mit den Afrikanern. Also für Afrika nichts besonderes.

    Dass sich keiner groß darum gekümmert hat, ist so nicht richtig. Es gab und gibt z. B. reichlich Diamanten dort. Die Südafrikaner haben das Land erobert, und sich vermutlich schon vorher "das Eigentum" zusichern lassen.

    Näheres weiß der sicher der "Foren-Kolonial-Spezialist" Arne. Also im Zweifel dort Anfragen.
     
  7. Arne

    Arne Premiummitglied

    Au weia, nee! Die Verteidigung war 1915 am Ende, da war nichts mehr groß möglich. Glaube nicht den Märchen aus der 30/40er Jahre Literatur. Die Ideen vom Durchschlagen nach Ostafrika gab es vereinzelt. Hätten es zwei Soldaten geschafft, hätten sie ein Buch drüber schreiben können.

    Warum es in Namibia heute noch so viele Deutschstämmige gibt?
    Zwei Gründe, die beide schon genannt wurden:
    1) DSWA war die einzig nennenswerte Siedlungskolonie.
    2) Nur verhältnismäßig wenige Deutsche wurden (nach dem 1. und 2.WK) ausgewiesen. Die Südafrikaner waren trotz Kriegsverpflichtung durch GB, eigentlich immer recht deutschfreundlich.

    und als dritter vielleicht noch: Es gab einige deutsche Auswanderer, die auch später, noch nach 1945, dorthin gegangen sind.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich bin in Kolonialgeschichte nicht so firm wie @Arne, glaube mich aber erinnern zu können, gelesen zu haben, dass auch in Deutsch- Ostafrika Deutsche gesiedelt haben, die dann allerdings von den Briten ausgesiedelt oder interniert wurden, während in Südwestafrika die Siedler bleiben oder sich wiederansiedeln durften.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Mal sehen, vielleicht studiere ich ddie Literatur nochmal.:grübel:

    Irgendwann in den 60ern sah ich im "Kicker" mal eine Anzeige in der ein Fussballverein aus Südwestafrika (Windhoek?) einen Trainer suchte, die Mannschaft sei kpl. deutschsprachig.
     
  10. Arne

    Arne Premiummitglied

    Richtig, Scorpio. In DOA wurde schwerpunktmäßig am Kilimandscharo (Moschi) und im nördlichen Küstenstreifen (Tanga, Bagamoyo, Pangani, Daressalam) gesiedelt. Zahlenmäßig aber insgesamt viel geringer als in DSWA.

    Da wurden nach dem 1.WK viele enteignet und vertrieben. Einige kamen wieder und erlebten das dann zu Beginn des 2.WKs gleich noch einmal.

    @ Repo: Auch heute gibt es in Namibia noch zig deutsche Vereine und Organisationen. Von Volkstanzgruppen, Schulvereinen über Pfadfindern bis zu Sportclubs...
    Zur Geschichte der deutschen Verteidigung im 1.WK liegt übrigens ein neues Buch von W. Nuhn fertig in der Schublade, was Fehler in der Kriegführung (sinnlose Stellungsverteidigung und vertane Chancen) kritisch anhand von Originalquellen bearbeitet. Zur Zeit wird ein Verlag gesucht. In einem halben Jahr könntest du guten Lesestoff bekommen - falls du daran Interesse hast.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Oktober 2007
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Deutsch-Südwest war die einzige Kolonie, die zu Siedlungszwecken erworben wurde. Allerdings blieb die Zahl der Auswanderer unter den Erwartungen. In den anderen deutschen Kolonien waren viel weniger Deutsche, und fast alle von ihnen gehörten entweder zur Verwaltung oder zu Firmen und betrieben die wirtschaftliche Nutzung und Ausbeutung der Kolonien. Eine Ausnahme bildete da meines Wissens nur noch Kiautschou/Tsingtau in China, wo eine größere Militäreinheit lag.
    Dazu kommt noch, dass die Deutschen sich in Südwest relativ rasch verbreiten konnten. Dagegen blieb die deutsche Kolonie in Kamerun zunächst für Jahre auf einen kleinen Teil des späteren Staates beschränkt, und es dauerte fast zehn Jahre, bis umfangreichere Eroberungskampagnen begannen.
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Der zweite Halbsatz klingt wie Landkauf.
    Man hätte aber nicht so weit reisen müssen, um unwirtliche Landstriche besiedeln zu wollen.

    Die heute ca. 20000 deutschsprachigen Personen haben anscheinend durch die deutsche Vereinsseele das deutsche Brauchtum in Namibia so intensiv über die Jahrzehnte pflegen und retten können.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Meines Wissens ließ man sich beim Erwerb Südafrikas von der Hoffnung leiten, dort Diamanten, Gold und Silber zu finden. Der Siedlungszweck ergab sich daraus und war zunächst eine nachrangige Motivation.
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Noch einer, der von "erwerben" spricht.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Und würde man uns fragen, was hält euch denn hier fest,
    wir könnten nur sagen, wir lieben Südwest.


    Die Neigung zum Zusammenschluß in der "Diaspora" ist ungleich größer.
    Meine Schwester in Kentucky hat ständig Besuch, hat Bekannte quer durch die "States" parlieren längst überwiegend auf Ami-English, deutsch nur noch mit Anlauf. Aber die Laugenbrezeln, die Laugenbrezeln..... und das Roggenbrot.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Oktober 2007
  16. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Tatsächlich hat Adolf Lüderitz, der den Stein ins Rollen gebracht hatte, die Bucht von Angra Pequena per Vertrag mit einem örtlichen Hottentottenkapitän erworben. Was freilich spätere Eroberungen nicht ausnimt oder entschuldigt.

    Dass dies so kam, hing mit den Merkwürdigkeiten des Kolonialisierungsprozesses des Deutschen Reiches zusammen. Bis auf Kiautschou wurden alle anderen deutschen Kolonien auf Initiative von Privatleuten bzw. Unternehmen gegründet. Zum Teil - wie in Togo oder Kamerun - waren es Regionen, wo Firmen schon länger Faktoreien betrieben. Im Falle von Ostafrika bzw. Südwest waren es Lüderitz und Carl Peters, die Neuland für wirtschaftliche Unternehmungen suchten und mit Hilfe der Regierung sicherten. Bismarck selbst hatte kein großes Interesse an der Koloniegründung. Das Reich gewährte aber deshalb Schutzbriefe, weil die Unternehmer und Firmen - grob verkürzt gesagt - versprachen, die finanziellen Kosten zu tragen und sich um die Infrastruktur zu kümmern.
    Dieser Plan ging grandios schief und trug mit zu den späteren Aufständen und Kriegszügen des Reiches bei. Schon nach wenigen Jahren erfolgte in den größeren Kolonien der Ruf nach direkter militärischer und polizeilicher Intervention des Reiches.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    'Ich dachte, das wäre eher umgekehrt gewesen. Die ersten dort waren doch Missionare.

    Der Stosch´sche Diamantenfund war doch ein Zufallsfund.

    Ich denke auch, die Briten hätten, wenn da was zu erwarten gewesen wäre, die Finger längst drauf gelegt. saßen doch lange vorher schon in Walfishbay.
    Bei den Buren hatten sie ja auch absolut keine Hemmungen
     
  18. Frage

    Frage Neues Mitglied

    In Namibia wird heutzutage immer noch so viel Deutsch gesprochen weil dort ca. 22000 Deutschstämmige und ca. 30000 Deutschemuttersprachler leben. Am Ende der Deutschen Kolonnialzeit lebten dort ca.12000 Deutsche.
     
  19. Tekker

    Tekker Gast

    Weiter oben konnte man schon eine ähnliche Zahl lesen:
    Sehr interessant finde ich eure unterschiedliche Wortwahl, "deutschsprachigen Personen" bzw. "Deutschstämmige". Wenn man sich mit den betreffenden Menschen unterhält, bemerkt man sehr schnell die schlichte Eigenbezeichnung "Deutsche". :fs:

    Ach so? Wer außer den Deutschen dort hat denn noch deutsch als Muttersprache? :confused:

    Ach ich seh grad, deine Informationen hast du anscheinend von dieser Wikipediaseite. So ganz scheinst du das mit den Zahlenangaben aber wohl nicht verstanden zu haben?

    Hier mußt du auch zwischen Deutsch und Küchendeutsch unterscheiden. Letzteres ist eine eigenständige (Pidgin-) Sprache. ;)
     
  20. wufi

    wufi Gast

    Nochmals zur ursprünglichen Frage:

    1. In Namibia wurde nur ein Teil der Deutschen Siedler ausgewiesen
    In allen anderen ehem. Deutschen Kolonien wurden alle ausgewiesen.

    2. Namibia war im Vergleich zu den anderen Deutschen Kolonien ein Haupteinwanderungsland für deutsche Siedler (wie schon vorher genauer beschrieben)
     

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