Warum wollte Österreich zu Deutschland?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Osman61, 9. August 2011.

  1. Osman61

    Osman61 Neues Mitglied

    Hallo, ich wollt fragen ob ihr wisst, warum Österreich auf einmal zu Deutschland wollte, immerhin hatte Bismarck Österreich sogar aus Deutschland rausgeworfen.
    Freue mich auf Antworten!
    LG Osman61
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Sprichst du vom Anschluss Österreichs 1938?

    Dazu gibt es hier eine interessante Diskussion:

    http://www.geschichtsforum.de/f67/anschluss-sterreichs-1938-a-36923/

    Vor allem solltest du diese Beiträge mal durchlesen:

    http://www.geschichtsforum.de/559109-post20.html

    http://www.geschichtsforum.de/559300-post31.html
     
  3. Osman61

    Osman61 Neues Mitglied

    Nein, ich meinte nach dem 1.Weltkrieg, als Österreich ja kurzzeitig Deutschösterreich wurde.
     
  4. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    1919 war Österreich-Ungarn zerfallen. Man hatte mit Nachkriegswirren zu kämpfen und der Anschluss an die Kulturgenossen erschien der beste Weg die Probleme des Staates zu lösen. Allerdings gab es schon vorher den Willen zum Anschluss der deutschen gebiete an das Deutsche Reich (bzw. in einem Großdeutschen Staat) nur standen da die nichtdeutschen Gebiete der Habsburgermonarchie im Weg. Man sah sich als Teil der deutschen Kulturnation und fühlte sich Deutschland verbunden.
     
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  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Dann solltest du dir angewöhnen, deine Fragen genauer zu stellen. Also mit einer Zeitangabe etc. :winke:
     
  6. Osman61

    Osman61 Neues Mitglied

    In Ordung werde ich machen.
    LG Osman61 :winke:
    Zu @YoungArkas: Danke für die Antwort!
     
  7. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Auch wenn ich alte Kamellen aufwärme:
    Bismark hat Österreich nicht aus Deutschalnd rausgeworfen, sondern das "Deutsche Reich" ohne Österreich gründen lassen.
    Deutsch Österreich wollte sich kurzzeitig dem "Deutschen Reich" anschließen, zu Deutschland fühlten/fühlen sich viele Bürger zugehörig, es sind "Deutsche"

    Von Deutschland zu sprechen, wenn man die "Bundesrepublik Deutschland" meint ist meines Erachtens immer noch falsch und wird auch immer falsch bleiben.

    Denn Deutschland bezeichnet den zusammenhängenden Sprachraum und würde man den Begriff auf die Bundesrepublik Deutschland einengen, wie hieße dann der Sprachraum , der Geltungsbereich des Dudens? Andersrum könnte man , bei dieser Begriffsverkürzung, leicht den Nichtdeutschsprachigen Minderheiten sehr leicht das Recht auf "Bürger der Bundesrepublik Deutschland " absprechen wollen. Und das fände z.B. die dänische Minderheit überhaupt nicht lustig.
     
  8. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Was die Österreicher durchaus als Rauswurf empfunden haben ...

    Das wäre eigentlich unüblich. Normalerweise bezeichnet man mit "Deutschland" die politische Abgrenzung und das andere nennt man dann "deutscher Sprachraum".
    Die Schweiz oder Eupen rechnet man eigentlich im normalen Sprachgebrauch nicht zu Deutschland. Bei Elsaß/Lothringen oder Südtirol würde man damit auch ziemliche Kontroversen auslösen ...

    Ist durchaus ein bedenkenswerter Aspekt, aber die kommen offenbar ganz gut mit dem Spagat "Paß-Deutsche" und "Sprach-Dänen" zurecht. Zufällig treffe ich morgen einen dänisch-sprachigen Schleswiger, den werde ich mal fragen, was er unter "Deutschland" versteht.
    Übrigens bezeichnen umgekehrt die Dänen mit "Dänemark" auch nur das Staatsgebiet und nicht die dänisch-sprachigen Gebiete in der Bundesrepublik.
     
  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Es war nur ein Hinweis bzw eine Bitte von mir, "sprachliche Schludrigkeiten" zu vermeiden. Es gibt nun mal die verschiedenen Bezeichnungen für deutsche Staaten zu unterschiedlichen Zeiten. Und es gibt bzw gab nun mal etliche, die sich als "Deutsche " bezeichnen, aber die überhaupt keine Lust haben/hatten, in einem "deutschen Staat" zu leben. Die offiziellen Bezeichnungen sind einfach "wertneutraler".
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Den Österreichern ging es einzig und allein um den Erhalt der Vormachtstellung im Deutschen Bund. Das Interessen an ein Großdeutsches Reich war dort nicht sonderlich ausgeprägt. Bismarck hingegen hatte die Zeichen der Zeit richtig erfasst und sie für seine Machtpolitik, eben die Mehrung der Macht Preußens, genutzt.

    Der Prozess des Zerfalls setzte aber schon früher ein.
     
  11. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Bis 1919 war es aber noch ein Staat und somit war ein Beitritt zum Deutschen Reich ausgeschlossen. Natürlich war Österreich-Ungarn eigentlich schon seit dme Ausgleich ein instabiles Gebilde.
     
  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Und wo habe ich dem wiedersprochen?
     
  13. Nikodemus

    Nikodemus Neues Mitglied

    Im Oktober 1918 erfolgte der politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenbruch der Donaumonarchie. Die einzelnen Völker des Habsburgerreichs bildeten selbstständige Staaten.
    Die deutschsprachigen Österreicher stellten sich nun die Frage, in welcher staatlichen und politischen Ordnung sie zukünftig leben sollten. Am 12. November 1918 beschlossen im Parlament die deutschsprachigen Abgeordneten die Gründung der Republik. In der neuen Verfassung hieß es unter anderem:" Deutschösterreich ist Bestandteil der Deutschen Republik."

    Viele Menschen hielten damals den "Reststaat" wirtschaftlich für nicht lebensfähig. Wien z.B. war ja mehr oder weniger eine Verwaltungsstadt. Auch die Parteien hatten ein Interesse an einer Vereinigung. Wobei man sich nicht "unterwerfen" wollte, wie später im Jahre 1938. Deutsch-Österreich sollte gleichberechtigt neben Preußen, Wien gleichberechtigt neben Berlin, innerhalt einer Deutschen Republik existieren. Vielen schwebte ein ähnliches Modell vor, wie es der Deutsche Bund von 1815 war. Das HRRDN geisterte da wohl auch noch in einigen romantischen Köpfen herum.

    Außerdem ging es um den Erhalt des Staatsterritoriums. Tirol wurde von den Italienern bis zum Brenner besetzt. In Kärnten drangen SHS-Truppen ein. Die Frage Deutsch-Westungarns(Burgenland) war nicht geklärt und die Deutschböhmen wollten auch nicht der CSR angehören.

    Und als Deutsch sah man sich sowieso, da man ja auch in der Monarchie immer von den Deutschen gesprochen hatte. Auch in der Legitimation stand "Nationalität: Deutsch". Eine Österreichische Nation gab es damals ja noch nicht und sie wird auch von einigen bis heute nicht anerkannt. Das Österreichertum bezog sich damals auf das Kaiserhaus und nicht auf eine Nation.

    Jedenfalls kam es nicht zu dieser Fusion, weil die Siegermächte das unterbanden. Damit wurde der erste Baustein für die Anschluss-Begeisterung von 1938 gelegt. Das Anschlussverbot von 1919(St.Germain) hat man immer als Unrecht empfunden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2011
  14. rrttdd

    rrttdd Mitglied

    Es ging dabei letztlich um den Kampf der Hohenzollerndynastie/Preußen vs. Habsburger/Österreich.

    Hohenzollern=Jungdynamische Aufsteiger der letzten 200 Jahre
    Habsburger=Alte Dynastie der Kaiser des Heiligen röm. Reiches

    Deutschland zu vereinigen war wohl der Traum beider Dynastien, wobei jeder natürlich davon ausging, dass das unter seiner Vorherrschaft passieren sollte.:devil:

    Durch clevere Politik und den ein oder anderen Krieg haben es die Hohenzollern dann schließlich geschafft. Sie haben z.B. auch die Südstaaten Bayern und Württemberg mehr oder weniger "herumgekriegt".

    Als sie alles zusammenhatten, haben sie dann das Kaiserreich ausgerufen mit Preußen als dominierende Macht.

    Österreich bzw. Habsburg bleib dann außen vor. Das wäre die ganz große Version, die "großdeutsche" gewesen. das zu verwirklichen, wäre aber wirklich schwer gewesen. Sowohl die Habsburger als auch die Hohenzollern + Bismarck hätten dazu harte Kompromisse schließen müssen. Nachdem man sich noch wenige Jahre zuvor bekämpft hatte.

    Deutscher Krieg ? Wikipedia

    Ich bezweifle, dass die großdeutsche Lösung unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts je realistisch möglich gewesen wäre...

    Auf der anderen Seite war ein vereintes Großdeutschland aber der große Traum des Bürgertums und der nationalen Bewegungen, und blieb es auch lange Zeit nach der Vereinigung D unter Preußen 1871. Preußen und Österreich hätten es vermutlich nur nie gebacken bekommen...

    Dann kam der 1. Weltkrieg, der vom hohenzollerngeführten Deutschland und vom habsburgischen Österreich verloren wurde. In beiden Ländern wurde die Monarchie abgeschafft und die Demokratie eingeführt. Österreich verlor zudem den ganzen ungarischen Teil sowie seine Gebiete im heutigen Tschechien, Jugoslawien etc. und wurde auf das heutige Maß geschrumpft.

    Es war jetzt ein Reststaat mit einer fast ausschließlich deutschsprachigen Bevölkerung, während es früher ein riesiger Vielvölkerstaat (Österreich-Ungarn) gewesen war. Vor allem mit den tschechischen Gebieten ging auch viel Industrie und Zugang zu Rohstoffen verloren. Triest ging an Italien, und damit war der Seehafen weg....

    Dieser Reststaat hieß ab 1919 zunächst Deutsch-Österreich. Viele Kräfte in Restösterreich hätten damals einen Beitritt zur Weimarer Republik/Deutschland begrüßt.

    Gründe:
    1) Ideologisch-Nationalistisch: Den "Fehler von 1871" korrigieren. Alle deutsch sprechenden wären dann in einem Staat vereint, der alte große Traum der nationalistischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts.

    2) Wirtschaftlich: Das Gebiet von Restösterreich war vor 1918 wirtschaftlich natürlich sehr eng mit Tschechien, Ungarn, Jugoslawien...verknüpft; hier waren nun plötzlich überall Grenzen dazwischen, und es gab einige Länder die recht stolz auf ihre neuen Eigenständigkeit waren. Restösterreich war von einem großteil seiner traditionellen Absatzmärkte abgeschnitten und hatte auch keinen Zugang zu Industriegebnieten und Rohstoffen mehr. Die Österreichische Wirtschaft erhoffte sich einen besseren Zugang zum deutschen Markt als Ersatz.

    Und der Zeitpunkt nach dem verlorenen Krieg, wo sich beide Länder sowieso neu ordnen mussten, wäre 1918-20 für sowas natürlich recht günstig gewesen. ;)


    Insbesondere Wien als Hauptstadt hatte ja auch wahnsinnig von dem jahrhundertelangem Kaisertum mit seinem Riesengebiet profitiert, das kann man heute noch sehen. Schönbrunn, die Hofburg, all die Museen und Kultureinrichtungen in der Stadt hätten so nie entstehen können, wenn Österreich immer schon sein heutiges Staatsgebiet gehabt hätte; da braucht es schon mehr dahinter.

    Die Siegermächte haben aber den Beitritt dann verhindert.

    1938 erfolgte dann unter zwiespältigen Umständen der "Anschluss" durch Hitler, was manche Leute gut und manche schlecht fanden; diese Verbindung wurde dann nach 1945 aber sofort rückabgewickelt.

    Wien wirkt in Ö heute etwas überdimensioniert...

    Zum Teil gibt es sogar noch heute im Umfeld der FPÖ bzw. des sog. "Dritten Lagers" Leute in Österreich, die einen Beitritt zu Deutschland befürworten, aber das ist die absolute Minderheit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. August 2011
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  15. mescalero

    mescalero Gesperrt

    Die KPÖ wollte auch zu Deutschland in den 20 iger Jahren.

    Was aber auch logisch war, die KPÖ war eine Kleinpartei ( bei Wahlen nie über 1% der Stimmen) die KPD war dagegen eine Massenpartei. Damit wäre die KPÖ bei einem Anschluss durch die KPD zur Großpartei geworden.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Woran machst Du das denn fest?
     
  17. mescalero

    mescalero Gesperrt

    Ja aber wie du schon sagst, das ist eine kleine Minderheit in der FPÖ.

    Der Ösi-Führer von der VAPO Gottfried Küssel hat sich nach Kühnens Tod zum neuen deutschen Führer ausgerufen. :autsch:
    Besonders klug war das nicht aber immerhin mutig, der bekam dann 10 Jahre Haft.
     
  18. mescalero

    mescalero Gesperrt

    Versteh die Frage jetzt nicht ganz.

    Die KPÖ war bis Mitte der 30 iger Jahre für einen Anschluss an Deutschland. ( natürlich nicht an ein Nazi-Deutschland).

    Erst KPÖ-Theoretiker Alfred Klahr ( es wird ja behaupten auf Befehl von Stalin wurde die österreichische Nation erfunden) ist dann umgeschwenkt.

    "
    Im März und April 1937 erscheint in der theoretischen Zeitschrift der KPÖ „Weg und Ziel“ eine Artikelserie Zur nationalen Frage in Österreich. In dieser Serie setzt sich Klahr unter dem Pseudonym „Rudolf“ mit der Frage auseinander, ob Österreich ein Teil der deutschen Nation sei oder eine eigenständige nationale Identität nachweisbar wäre. Er kommt letztendlich zu dem Schluss, dass dieser Nachweis erbracht werden kann. Diese Arbeit wurde überdies am 13. März 1938 im Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Österreichs veröffentlicht, mit welchem das „Volk von Österreich und alle Völker Europas und der Welt“ zum Widerstand gegen den Faschismus aufgerufen wurden.
    Klahr stützte sich bei seiner Arbeit allerdings ausdrücklich auf die politischen Klassentheorien des sowjetischen Diktators Josef Stalins. Seine Ausführungen wurden denn auch von allen ernst zu nehmenden Zeitgenossen als spinnerhaft angesehen und entsprechend öffentlich kommentiert. Die Arbeit des Kommunisten Klahr war im Grunde genommen weder bemerkenswert noch besonders wissenschaftlich fundiert.
    Klahr verstand Nationen nicht als übergeschichtliche unveränderliche Tatsachen, sondern ordnete gemäß seiner marxistischen Methode lediglich die 'nationalen Probleme' in soziale und klassenmäßige Zusammenhänge ein.
    Es ist im Lichte des repressiven Klimas im Moskau dieser Jahre fraglich, ob Klahr diese Schrift aus eigenem Antrieb verfasst hat. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass dies im Auftrag der Kremlführung, also Stalins, geschah, der ein politisches Interesse am Erhalt des Vereinigungsverbotes von 1919 zwischen Deutschösterreich und dem Deutschen Reich hatte, das durch die alliierten Sieger aus Furcht vor einem zu großen und erneut mächtigen Deutschen Reich erlassen worden war."

    Alfred Klahr ? Wikipedia
     
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  19. mescalero

    mescalero Gesperrt

    Insgesamt haben sich alle Parteien in Ö als Deutsche gefühlt und wollten zu Deutschland ( nur unter welchen Bedingungen da waren halt die Meinungen verschieden).

    Ob Sozialdemokraten, Christlich Soziale, Landbund, Großdeutsche Partei, KPÖ, Heimatblock, NSDAP usw. alle wollten zu Deutschland.
     
  20. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Woran machst du fest, wie sich die österreichischen Parteien gefühlt haben. Parteien sind Zusammenschlüsse von verschiedenen Menschen mit gemeinsamen politischen Zielen. Gehörte der Anschluss an Deutschland dazu?


    Nicht für alle Menschen, die deutsch sprachen, muß es Ziel gewesen sein, zu einem deutschen Nationalstaat zu gehören.
    Die deutschsprachigen Schweizer hatten dieses Ziel nie, soweit ich weiß.
     

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