Weimarer Republik - Wie kam es zu so vielen Regierungswechseln?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Imperanon, 13. Februar 2011.

  1. Imperanon

    Imperanon Neues Mitglied

    Guten Tag die Damen und Herren,

    ich hole momentan mein Fern-Abi nach und werde aus der entsprechenden Lektüre nicht schlau.

    Wie konnte es zu so vielen Regierungswechseln kommen?
    1920 wurde Friedrich Ebert zum Reichspräsident gewählt, Phillip Scheidemann zum Reichskanzler.
    Einer Grafik hier im Heft zufolge wird der Reichskanzler vom Reichspräsidenten ernannt.

    Hat der Reichstag dem Reichkanzler bzw. dem gesamten Kabinett das Vertrauen entzogen und deshalb musste die Regierung so oft wechseln?

    Wer bestimmt den neuen Reichskanzler? Eine Wahl [von wem?]? Oder direkt der Reichspräsident?
    Und wenn es der Reichspräsident tut, warum wurden dann nach Eberts' Tod als Hindenburg gewählt wurde weiterhin Politiker aus dem mittleren Feld Reichkanzler und keine eher nach rechts geneigten?

    Und wie zur Hölle kann es sein dass sich die Abgeordnetenzahlen im Reichstag jährlich verändert haben wo doch nur Wahlen alle 4 Jahre sind (oder wurden hier lediglich mehr Sitze eingerichtet, sodass mehr Abgeordnete in den Reichstag konnten)?

    Bitte dringendst um Hilfe!

    Viele Grüße
    Meno
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich zäum' das Pferd mal von hinten auf:

    Die Weimarer Republik dauerte 14 Jahre. In diesen 14 Jahren kam es zu neun Reichstagswahlen (minus einer Nationalversammlungswahl). Kannst ja mal nachrechnen wie oft im Durchschnitt gewählt wurde.



    Richtig.

    Gut überlegt.


    Richtig, der Reichspräsident.

    So würde ich so pauschal nicht sagen. Aber auch der Reichspräsident ist ja zunächst einmal dem Willen des Volkes untertan. Und er muss eine handlungsfähige Regierung einsetzen, also eine, die eine Parlamentsmehrheit hinter sich hat (was in der Weimarer Republik oft auch nur Fiktion war), nicht eine, die ihm genehm ist.
    Das wird problematisch, wenn zu viele Parteien im Parlament sind, auch heute noch gelten Koalitionen aus mehr als drei Parteien als eher instabil. Die Reaktion der Verfassungseltern von 1949 ist die 5%-Klausel.

    In der Endphase der Weimarer Republik herrschten dann auch folgerichtig die Präsidialkabinette.
     
  3. Imperanon

    Imperanon Neues Mitglied

    Super, danke für deine schnelle Antwort! :D

    Kapier ich nicht!
    Wie war es denn möglich öfter als die eigentlichen 4 Jahre zu wählen?!
    Hat der Reichspräsident den Reichstag so oft aufgelöst?
    Wenn dem so war, dann war die Weimarer Republik ja noch viiieeeel instabiler als ich gedacht habe :grübel:.


    Daran hatte ich nicht gedacht, leuchtet aber ein.

    Vielen vielen Dank!

    EDIT: Wie war das eigentlich mit dem Ministerkabinett? Das wurde immer vom Reichskanzler festgelegt oder?
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2011
  4. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    In der Weimarer Republik kam erschwerend hinzu, dass sich links und rechts der bürgerlichen "Mitte" zwei radikale Gruppierungen bildeten, die keinesfalls miteinander (und nur in eingeschränktem Maße mit der"Mitte") koalitionsfähig bzw. -willig waren (und umgekehrt). Das ergibt schon rein mathematisch ein Risikopotential für die Möglichkeiten einer Mehrheitsbildung.
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    In der Weimarer Republik gab es keine 5%-Prozenthürde. So das sehr viele kleine Splitterparteien in den Reichstag gewählt wurden, die zum Teil nicht miteinander reden, geschweige denn Koalieren konnten.
    Hindenburg war auch zum anderen auch nicht gerade ein Demokrat. Wie sehr viele anderen Leute der damaligen Zeit. Dafür war die gesamte Stimmung wohl zu sehr aufgeheizt. Weltwirtschaftskrise, damit verbunden eine hohe Arbeitslosigkeit. Der als ungerecht empfundene Versailler-Vertrag. Die Ruhrbesetzung und die Dolchstoßlegende, vom im Felde unbesiegt... Und im Weltkrieg hat sich schon die Stimmung politisch stark aufgeheizt.

    Apvar
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Eigentlich brauchte der Reichskanzler eine parlamentarische Mehrheit, und die hatte der jeweilige Reichskanzler in den 20ern auch... meist aber nur eine Zeitlang.

    Die Präsidialkabinette der Endzeit der WR bzw deren Reichskanzler wurden vom Reichspräsidenten ernannt; dies geschah auf Grund von Notverordnungen, stellte also, wie der Name schon sagt, einen Ausnahme- oder Sonderfall dar.

    Ein Grund für die häufigen Regierungswechsel lag in der Möglichkeit des "destruktiven" Mißtrauensvotums.

    http://www.geschichtsforum.de/f63/misstrauensvotum-33509/

    Die häufigen Neuwahlen waren u.a. deshalb nötig, weil sich der Reichstag nach einem solchen Misstrauensvotum nicht auf einen neue Regierung einigen konnte; eine Situation, die auch heute noch vorkommt, wenn auch in Dtld ausgesprochen selten.
     
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