Weimarer Republik

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von lenny, 22. Juni 2009.

Schlagworte:
  1. lenny

    lenny Gast

    Welche Maßnahmen, die die provisorische Republik zu Anfang erbrachten, waren positiv bzw. negativ? Also zum Beispiel,dass sie die alte Elite beibehielten eurer Meinung nach positiv oder eher negativ?
     
  2. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied


    Das ist ambivalent zu betrachten. Die MSPD konnte sich, indem sie die alten Eliten nicht absägte, mithilfe der Verwaltung, Armee und Administration, die ja von den alten Eliten dominiert wurde, gut gegen die Revolutionäre vorgehen.

    Später rächte es sich jedoch, dass man erklärte Monarchisten nicht aus dem Staatsapparat entfernt hatte.

    Die arbeiteten nämlich oft gegen die demokratischen Machthaber und ließen an ihrer antirepublikanischen Einstellung keinen Zweifel.

    So ging die Reichswehr z.B. während dem Kapp-Putsch 1920 trotz Befehls nicht gegen die rechten Putschisten vor.

    In Staaten, wo Demokraten Schlüsselpositionen in Verwaltung, Polizei usw. besetzten, wie z.B. in Preußen, war die Demokratie wesentlich schlagkräftiger. Preußen wurde so bis zum Papenschen "Preußenschlag" 1932 auch durchgängig sozialdemokratisch regiert.
     
  3. Sophie

    Sophie Neues Mitglied

    Man muss aber auch bedenken, dass die neue Regierung nicht auf einen Schlag Richter, Offiziere, Polizisten, Verwalter etc... ersetzen konnten und das die gesamte Bevölkerung nicht viel Erfahrung mit Demokratie hatte...
    Auch konnte die damalige Regierung sich nicht gegen den Versailler Vertrag wehren, da Deutschland als "Alleinschuldiger" galt.
    Das geschah ja mehr oder weniger nur, weil die Reichswehr bis auf 100.000 Mann aufgelöst werden sollte (Versailler Vertrag) und den Soldaten dementsprechend die Arbeitslosigkeit drohte...
    Die Seperatisten im Rheinland, und die Rheinbesezung resultierten auch aus dem Versailler Vertrag.
    Aber es ist ja aus heutiger Sicht sehr leicht zu sagen, die Regierung hätte sich mehr gegen den Versailler Vertrag wehren müssen etc. bzw. versuchen sollen Freundschaften zu alten Gegnern aufzubauen.
     
  4. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Naja, also es gibt noch viele andere Beispiele, wo die Reichswehr forciert gegen linke Kräfte vorgegangen ist, rechte Attacken auf die Republik eher hingenommen hat. (Niederschlagung des kommunistischen Aufstandes in Thüringen z.B.).

    Außerdem kann man der Regierung meiner Meinung nach in Bezug auf den Versailler Vertrag allenfalls eins vorwerfen, nämlich, dass sie falsche Prioritäten gesetzt hat: Man war auf "Ehrparagraphen" wie die Auslieferung des Kaisers und die Alleinschuld fixiert, sah nicht, dass eine völlige Revision sowieso aussichtslos war und man nicht besser in Teilbereichen wie den Reparationen oder den abzutretenden Gebieten o.ä. viel eher Kompromissregelungen hätte finden können. Die außenpolitischen Möglichkeiten Weimars waren um 1919/20 doch sehr begrenzt.

    Mit der konfrontativen "Ehrbewahrungs"haltung hat man sich doch viele Möglichkeiten verbaut.

    Natürlich kann man, wenn man an die Macht kommt, nicht die komplette Beamtenschaft austauschen. Trotzdem hätte man versuchen sollen, eine gewisse "Demokratisierung" der Verwaltung herbeiführen sollen und zumindest die Schlüsselstellen mit Republikanern besetzen sollen, wie in Preußen.
     
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