Weimarer Verfassung

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Gast, 23. Juni 2006.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hi,
    ich bräuchte dringend eure Hilfe und zwar zu folgender Frage:
    Art. 1 der Weimarer Verfassung besagt: "die Staatsgewalt geht vom Volke aus"
    Welche Sicherung wurde in die Verfassung eingebaut, damit der jeweils aktuelle Volkswille nicht überspielt werden konnte?

    Über Antworten wäre ich äußerst dankbar!!!

    MfG
    Silva
     
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Man könnte man die Direktwahl des Reichspräsidenten vom Volk aus damaliger Sicht-und Absicht als eine beabsichtigte Sicherung benennen.Was draus geworden ist ..ein ander Ding...:

    -- die Souveränität liegt beim Volk, dessen Wille durch den Reichstag verkörpert wird, da es den Reichspräsid. direkt wählt und das Wahlvolk durch Volksentscheide an d. Legislative mitwirken kann, hat das Volk dadurch eine große Bedeutung im polit. Prozeß. Durch Volksbegehren und Volksentscheid kann das Wahlvolk Beschlüsse des Reichsrats und des Reichstages außer Kraft setzen.

    Der v. Volk direkt gewählte Reichspräsident hat hohe Machtbefugnisse , die da sind ;

    -Beteiligung a.d. Gesetzgebung,
    er kann d. Reichstag auflösen,
    er kontrolliert d. Regierung durch Ernennung bzw. Entlassung von Ministern und dem R-Kanzler.
    Er ist Oberbefehlshaber aller Streitkräfte und im Fall des Notstands praktisch Diktator auf Zeit.
    Der Notstandsparagraph (Art. 48 ) gibt ihm das Recht der Reichsexekution.

    Die Machtfülle d. RP könnte man aus damaliger Sicht also als Regulativ , als Sicherung gegen Parteienmauschelei und "Koalitionsarithmetik " interpretieren.
    Als machtpolit. Rückendeckung hatte sich das polit. Establishment allerdings schon frühzeitig auf die "alten Mächte " eingelassen, sicher zwecks mangelnder Alternative ..aus demokratischer Sicht jedenfalls...schließlich brauchte man auch einen "Ersatzkaiser " für das bürgerliche Wahlvolk, welches die Demokratie vorrangig als "kleineres Übel "ansah.

    Als "Sicherung" oder Errungenschaft das Wahlvolk an d. Entscheidungen zu beteiligen , kann man auch die Einführung des Wahlrechts ab 20 Jahren auch für Frauen ansehen, bisher waren die "Honoratioren " unter sich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juni 2006
  3. Gast

    Gast Gast

    Vielen lieben Danke!!!
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Inwiefern konnte die Sicherung seit 1930 so genutzt werden, dass schließlich demokratische Grundprinzipien damit missbraucht wurden?

    Durch den Notstandsparagraph, oder? Dieser wurde ja ausgerufen, und alle demokratischen "Regeln" waren außer Kraft gesetzt...

    LG
     
  5. ning

    ning Gesperrt

    Brünings Notstandsverordnungen? In erster Linie dienten sie dem Zweck eines Budgetkonsolidierungsversuches und richteten sich gegen Sozialleistungen. Das heißt, ein hartes Sparprogramm, dass die Sicherungsleistungen für die zuvor erzeugte Arbeitslosigkeit auch noch schmälerte aber anderseits der Arbeitgeberseite keine verpflichtenden Maßnahmen zu Schaffung neuer Arbeitsplätze auferlegte.

    Hier gut und straff zum NAchlesen.
    http://www.thueringer-forum.de/internetbibliothek/publikationen/1996/kahl_06.html

    Ich bin nicht der exakte Kenner der Weimaraner Geschichte, aber mir erscheint plausibel, dass Brünings Politik via Notstandsverordnungen 30-32 (welche ja den Verfassungsgrundsätzen vorangestellt wurden) die von dir so genannte "Sicherung des direkten Volkswillens" ausschaltete, als sie damit eine Pro Arbeitnehmer- und Sparpolitik als Rettungsversuch unternahm. Vielleicht weiß ja Arcimboldo genaueres, wie sich die SPD (als trad. Arbeitnehmerseite und -partei) hierbei verhielt
    Interessant ist sicher, und ich hoffe, ich irre mich nicht, dass die NSDAP gegen manche (alle?) Notstandsverordnungen stimmte (und aus dem Reichstag sogar auszog?), sich also zu Fürsprecherin der Arbeiter emporschwang und damit den Namensteil "sozialistische Arbeiterpartei" aufpolierte

    lg
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juni 2006
  6. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Bereits vor d. Abstimmung im Reichstag über das erste Finanzprogramm Brünings, das mit einer drastischen Senkung d. Löhne +Gehälter im öffentl. Dienst den Forderungen d. Unternehmer nachzukommen suchte, hatte die Reichsregierung
    über die Anwendung eines Ermächtigungsgesetzes zur Durchsetzung ihres Programms beraten, sich aber für ein verfassungsrechtl. abgesichertes Verfahren entschieden.
    Da das Programm jedoch im Reichstag scheiterte, versuchte Brüning es durch eine Notverordnung gemäß Art.48 d. Verfassg. durchzusetzen.
    Als daraufhin das Parlament die Aufhebung eben dieser Verordung beschloß, wurde d. Reichstag auf Veranlassung v.Brüning aufgelöst.
    Mit diese Maßnahme war eine qualitativ neue Stufe i.d. diktatorischen Auslegung und Anwendung d. Verfassung erreicht worden, die auch nicht durch die Verfassungsnorm abgesichert werden konnte, denn i.d. Verfassung
    war (siehe Beitrag oben ) d. Reichstag ausdrücklich das Recht zuerkannt worden, Notverordnungen außer Kraft zu setzen.
    Bis zu d. Reichstagswahlen im Sept. 1930 stüzte Brüning sich ausschließlich auf auf Notverordnungen.
     
  7. Gast

    Gast Gast

    Vielen Dank für die tollen Antworten :-D
     
  8. Elis

    Elis Gast

    Hallo.
    Möchte mich dem Thema gerne anschließen. Und zwar habe ich eine Frage zur Gesellschaft. In mancherlei Hinsicht unterschied sich diese ja nicht von der deutschen Vorkriegsgesellschaft.
    Ich soll diese These nun präzisieren und zwar
    1. Unter welchen Aspekten betrachtet wird man kaum oder keine Unterschiede feststellen?
    2.Unter welchen Aspekten fallen Veränderungen ins Auge?

    Kann mir da bitte jemand behilflich sein?

    zu 1. würd ich sagen, dass der großteil der Gesellschaft antidemokratisch gesinnt war. Sie sehnten sich nach der Monarchie und standen somit der Weim. Rep. ablehnend gegenüber.
    2. Veränderungen sind an der Aktivität der Gesellschaft bei den Wahlen zu verzeichnen??
    Was würdet ihr sagen???

    Tschüss und hoffentlich bis bald...
     
  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Würde ich so nicht ausdrücken wollen. Die Demokratie als Staatsform war völlig ohne Tradition im Dt. Reich, ohne Erfahrungswerte der Vor-und Nachteile .So könnte man eher sagen, die Gesellschaft war großenteils " demokratieunwillig " aus Mangel an Demokraten und deren Verteidiger.
    Die Gesellschaft zerfiel in die Teile, die die Monarchie mit einem Kaiser als Identifikationsfigur-oder Objekt zusammenhielt. Von einer Führungs-und Führer-orientierten Gesellschaft, die in keine pluralistische Tradition eingespielt gewesen ist,war das von der Masse der Gesellschaft zuviel verlangt.
    Die Eliten , die es hätten stemmen müssen ,waren die Ersten, die vom ersten Tag an die Axt an das zarte Demokratie-Bäumchen gelegt haben : Militär, hohes Beamtentum, Justiz, vorallem Großindustrie......diese haben sich bald ganz andere Führer gebaut.........
     
  10. Arne

    Arne Premiummitglied

    Da will ich mich Arcimboldo anschliessen. Man kann nicht davon ausgehen, daß der Großteil der Monarchie hinterhertrauerte. Viele waren froh, daß der Kaiser "verjagd" war, auch weil man enttäuscht vom Ausgang des Krieges und seiner Flucht war.
    Die Monarchie war nicht das, was der Großteil sich wiederwünschte. Aber die Demokratie stellte sich in den ersten Jahren, gerade durch die Verhandlungen von Versailles sehr negativ dar. Mir ist da immer das Bild einer orientierungslosen Masse vor Augen, die nicht weiß, wodurch es besser werden könnte - sehr empfänglich für starke Führerfiguren mit einfachen, klaren Versprechungen....
     
  11. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Aber zu einer Reserve gegenüber der Demokratie, die teils auch stark ablehend gegenüber dem "demokratisch-plutokratischem System" geäußert wurde, führte diese Entwicklung dann doch, oder?
     
  12. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Wobei berücksichtigt sein muß , daß die "Verhandlungen " und Vorverhandlungen betreffes Versailler Vertrag mit "Demokratie" noch nichts zu tun hatte. Es lag schließlich nicht an d. Demokratie, daß die Herren von d. OHL die zivilen Politiker mit Berechnung zu Sündenböcken einer kommenden Demokratie gemacht haben. Große Teile d. Gesellschaft, nicht nur die Eliten, waren gern bereit diese Sündenböcke und ihr "Verhandlungsergebnis " als Ausgeburt einer verjudeten Demokratie zu brandmarken.
     
  13. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Das Problem war ja auch, dass die junge Demokratie die Fehler des Alten Regimes verteidigte (Stichwort: Kriegsschuld). Besser wäre es gewesen, wenn sie diese Fehler offen gebrandmarkt hätte: die Sieger hätten mehr auf das neue Deutschland eingehen müssen und der eigenen Bevölkerung wäre klarer geworden, dass die Volksherrschaft nun für die Fehler des kaiserlichen Regimes haften muss.
     
  14. Arne

    Arne Premiummitglied

    Klar, das meinte ich damit, wie sie sich "darstellte", also wie die Bürger sie "erlebten". Die demokratische Regierung mußte die Probleme ausbaden, die sie nicht verschuldet hatte. Sie konnte ja auch in den harten Verhandlungen, deren Ergebnisse sie nur "abnicken" konnte, eh nichts groß bewegen.
     
  15. Gast

    Gast Gast

    Hmmm,...
    die Gesellschaft stand also der Demokratie ablehnend gegenüber (wg. Versailler Vertrag) Aber nun auf die Frage zurück: Unter welchen Aspekten betrachtet, wird man kaum oder keinen Unterschied feststellen?? Leider bin ich da immer noch nicht dahintergekommen...:-(
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Erinnert mich an eine Figur bei Fallada "Bauern, Bomben und Bonzen" ein halbverrückter Justizwachtmeister zieht bei den diversen Reservisten-Festen und Stahlhelm-umzügen durch die Stadt und verkündet angesichts jeder schwarz-weiß-roten Fahne: "Unter dieser Fahne haben wir nicht gehungert"

    Grüße Repo
     
  17. molly-smile

    molly-smile Neues Mitglied

    Ich muss total dringend ein referat über die probleme der weimarer verfassung halten... aber ich find kaum was....
    könnt ihr mir helfen?
     
  18. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

  19. molly-smile

    molly-smile Neues Mitglied

    Da steht nichts von den problemen der weimarer verfassung:autsch:
     
  20. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Lies genau den Text unter "Berwertung", denn dort lassen sich einige Probleme auffinden.

    "Vor allem die starke Machtposition des Reichspräsidenten wird kritisiert. Dabei war der Weimarer Präsident, wieder verglichen mit anderen Verfassungen, ganz und gar nicht übermächtig. Der Reichstag konnte seine Eingriffe überstimmen – doch dazu hätte sich eine handlungsfähige Mehrheit dort finden müssen, was eher selten der Fall war."

    Wenn das kein Problem ist, weiß ich auch nicht.
    Klar steht in dem Txt nicht: "Probleme: ....", lesen und ausarbeiten sollte man schon selber ;)

    Grüße
     

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