Welche Bedeutung hat die Kirche?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von herrkeinname, 14. September 2006.

  1. herrkeinname

    herrkeinname Neues Mitglied

    Ich möchte euch bitte, meine Erörterung durchzulesen und dann zu korrigieren. Das Thema heißt: Rolle der Kirche im Mittelalter. Ich möchte gerne wissen, ob der Text alle nötigen Informationen enthält.


    Das Mittelalter ist eine Epoche, in der die Kirche eine vorherrschende Rolle spielte. Der Glaube beeinflusste damals alle Lebensbereiche. Nach und nach bekehrten sich die meisten westeuropäischen Länder vom Heidentum zum Christentum. Infolge der vereinheitlichten Religion bildete sich auch eine gemeinsame Weltanschauung, nach der die Welt aus dem Teufel und Gott bestehe. Das irdische Leben des Menschen wurde für eine Übergangsetappe gehalten. Die einzige Gruppe, die dessen mächtig war, die Bibel zu studieren, war der Klerus. Die Geistlichen errichteten Kirchen und Klöster , in deren Nähe sich sehr oft auch Schulen und Bibliotheken befanden und in denen die Kultur im Laufe der Zeit wesentlich gedieh. Die Herrscher waren mit einem engen Beraterkreis umgeben, zu dem vor allem ausgebildete Mönche gehörten. Die Kriegshandlungen der Kirche zielten auf die territoriale Expansion der türkischen Gebiete ab. Die Kreuzzüge waren für die in Not lebenden Menschen ein Silberstreifen am Horizont. Sie brauchten neue Territorien und Beute, um der Not zu entkommen. Da im Mittelalter alles der Kirche untergeordnet war, wurden schöne und üppige Kirchen, Abteien, Kathedralen errichtet. Die Innenräume wurden mit schönen Wandgemälden und anderem Dekor verziert. Die mittelalterliche Literatur (Gebete, Predigten, Hagiografie) fußte hauptsächlich auf der religiösen Thematik. Die Literatur sollte Gott als Essenz des menschlichen Lebens darstellen. Dank der Mönche entfaltete sich ebenfalls die Historiografie (die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres). Die Bischöfe wurden von dem Papst verpflichtet, Kathedralschulen zu leiten. Nach ein paar Jahren fingen neue Orden an, Schulen in Städten zu gründen. Das Lehrmaterial war allerdings relativ bescheiden. Den Schülern brachte man vor allem kirchliche Lieder und Gebete bei. Nach dem Vorbild der Katherdalschulen gründeten die damaligen Handwerker ihre eigenen Privatschulen. Die größeren Klöster errichteten die ersten Universitäten. Die kirchliche Bildung hat zu einem Aufschwung der Philosophie und der Wissenschaft beigetragen.
    Die Rolle der Kirche im Mittelalter ist unermesslich wichtig. Die Religion hat einen großen Einfluss auf die neuen Zivilisationen ausgeübt.
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dann erlaube ich mir einmal, mich der Sache anzunehmen...
    Zwar kann ich nicht auf alle Punkte eingehen, sondern mich nur auf einige beschränken.
    Sicherlich finden sich aber andere Forumsteilnehmer, denen ebenfalls noch einige Anmerkungen einfallen...

    Tatsächlich war dies gar nicht so einheitlich, denn man lebte nicht nur nach der verordneten Religion, sondern auch nach Vorstellungen und Bräuchen, die noch aus vorchristlicher Zeit stammten oder die eben erst im Mittelalter entstanden - als neuer 'Abergaube', wie wir heute sagen würden.
    Auch sehr gläubige Menschen (im Sinne der kath. Lehre) glaubten und praktizierten vieles, was weder in der Bibel stand noch von Geistlichen gelehrt wurde.

    Beim angesprochenen Dualismus zwischen Gott (und den Engeln und Heiligen) und dem Teufel (mit seinen Dämonen) ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß Gott als Weltenschöpfer und feudaler Himmelskönig gesehen wurde, der herrscht und zu dem es im Hochmittelalter eine stark emotionalisierte Beziehung gab, weil sich die Menschen u.a. auch darüber definierten, daß seine Liebe ihre Herzen durchdringe und diese entsprechend zu erwidern sei.
    Der Teufel hingegen ist "Gegenkönig" und Verführer, der die Menschen verderben will, worauf sie - wenn sie dem verfielen - letztlich die endlosen Qualen der Hölle erleiden würden... was es natürlich unbedingt zu vermeiden galt (wiewohl sich die Menschen sicher waren, daß der größte Teil von ihnen dazu prädestiniert war).
    Sowohl das jenseitige Paradies als auch die Hölle waren für die Menschen damals reale Orte - im Hochmittelalter schob sich zudem das Fegefeuer (purgatorium) als dritter Ort ein, wo die ohne Todsünde Verschiedenen zwar Qualen, aber eben keine endlosen Qualen zu erleiden hätten.

    Anm.: Dies ist bspw. ein deutlicher Unterschied zu dualistischen Lehren sog. Häretiker, welche den Teufel als Schöpfer und Herrn der Welt betrachten, Gott jedoch ausschließlich als Herrn, der über dieser Welt steht!

    Lit.: Peter Dinzelbacher "Europa im Hochmittelalter 1050 - 1250"

    Zunächst streiche "türkisch" und schreibe lieber von islamischen Gebieten.
    Und außerdem muß dieser Abschnitt überarbeitet werden...

    1. Die Kreuzzüge erfolgten aufgrund der Erschwernisse für das Pilgerwesen ins Heilige Land - Übergriffe gegen Pilger (z.T. waren diese auch übertrieben geschildert), Sperrung der Pilgerwege, Verbot von christlichen Prozessionen u.a. in Jerusalem, Vordringen der Seldschuken auf vormals byzantinisches Gebiet. Vornehmlich ging es um - im Kontext der Zeit gesprochen - die "Befreiung des Heiligen Landes und der Heiligen Stätten aus den Händen der Ungläubigen".
    2. Auslöser war das Hilfegesuch des byzantinischen Kaisers an den Papst, der daraufhin seine Kreuzzugspredigt auf dem Konzil von Clermont 1095 hielt.
    3. Die Kreuzzüge standen im Kontext des Pilgerwesens - Zeitgenossen sprachen damals nicht vom "Kreuzzug", sondern von "bewaffneter Pilgerfahrt" oder "Pilgerfahrt in Waffen". Sie waren also nicht einfach Beutezüge, sondern entsprachen genaugenommen der (Pilger-)Frömmigkeit der damaligen Zeit (Hochmittelalter)!
    4. Eine solche Pilgerfahrt in Waffen war ein relativ kostspieliges Unternehmen, weswegen die Sichtweise der armen und besitzlosen Kreuzfahrer incl. der zweiten Söhne des Adels, die zuhause nichts hatten, inzwischen überholt ist.

    Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang zwei Dinge:
    1. Es gab im damaligen Weltbild keinen Unterschied zwischen dem irdischen und dem himmlischen Jerusalem.
    2. Gewalt - incl. bewaffneter Kampf und Krieg - galt als gerecht(fertigt), wenn er dem Schutz des Glaubens (insbes. eben auch von christlichen Gebiete, Stätten und Gläubigen) und dem Kampf gegen den Unglauben (insbes. eben auch gegen Ungläubige) diente!

    Lit.: Jonathan Riley-Smith "Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge"

    Das solltest Du weiter ausführen.
    Die Errichtung bzw. Stiftung von Kirchen etc. ist wiederum nur im zeitlichen Kontext zu verstehen, da auch dies primär als Werk der Frömmigkeit galt - mithin als Akt des Glaubens.
    Außerdem tat sich da bei weitem nicht nur der Klerus hervor, sondern auch der Adel und später wohlhabende Bürger und Städte. Zudem war bei solchen Errichtungen auch das gemeine Volk darauf bedacht, sein Scherflein beizutragen - und sei es "nur", indem z.B. Handlangerdienste beim Bau o.ä. geleistet wurden...

    Lit.: Wilhelm Volkert "Adel bis Zunft. Ein Lexikon des Mittelalters"

    Dieser Satz ist leider falsch...
    Es waren mehr als nur Verzierungen: da der Großteil der Laien eben nicht lesen und schreiben konnte, mußten biblische und religiöse Thematiken bildlich vermittelt werden.
    Anm. zur Wortwahl: Schreibe lieber "Wandmalereien" und "Säulenornamentik"...

    Lit.: Peter Dinzelbacher "Europa im Hochmittelalter 1050 - 1250"

    Ich bitte Dich, diese Sätze noch einmal zu überarbeiten...
    Als kleine Hilfestellung dazu ein paar Links:
    http://www.lehnswesen.de/page/html_erziehung.html
    http://www.lehnswesen.de/page/html_literatur.html

    Diesen Abschluß finde ich gelungen... :yes:
     
  3. herrkeinname

    herrkeinname Neues Mitglied

    Ich bin deinem Hinweis gefolgt und habe einige Sätze überarbeitet. Könntest du diese Version noch mal schnell durchlesen?

    Das Mittelalter ist eine Epoche, in der die Kirche eine vorherrschende Rolle spielte. Der Glaube beeinflusste damals alle Lebensbereiche. Nach und nach bekehrten sich die meisten westeuropäischen Länder vom Heidentum zum Christentum. Zuerst lebte man nicht nur nach der Religion, aber auch nach vielen anderen Bräuchen und Sitten, die noch aus der vorchristlichen Zeit stammten und sich dann im Mittelalter immer noch für eine bestimmte Zeitperiode erhielten. Nach einiger Zeit bildete sich, infolge der vereinheitlichten Religion, eine gemeinsame Weltanschauung, nach der die Welt aus dem Teufel und Gott bestehe. Gott wurde als Himmelskönig gesehen. Der Teufel dagegen war ein Verführen. Diejenigen, die ihm verfallen waren, mussten die Qualen in der Hölle erleiden. Das irdische Leben des Menschen wurde nur für eine Übergangsetappe gehalten.
    Die einzige Gruppe, die dessen mächtig war, die Bibel zu studieren, war der Klerus. Die Geistlichen errichteten Kirchen und Klöster, in deren Nähe sich sehr oft auch Schulen und Bibliotheken befanden und in denen die Kultur im Laufe der Zeit wesentlich gedieh. Die Herrscher waren mit einem engen Beraterkreis umgeben, zu dem vor allem ausgebildete Mönche gehörten. Die Kriegshandlungen der Kirche zielten auf die territoriale Expansion der islamischen Gebiete ab. Die Kreuzzüge waren für die in Not lebenden Menschen ein Silberstreifen am Horizont. Sie brauchten neue Territorien und Beute, um der Not zu entkommen. Da im Mittelalter alles der Kirche untergeordnet war, wurden schöne und üppige Kirchen, Abteien, Kathedralen errichtet. Die Innenräume wurden mit schönen Wandmalereien und anderem Dekor verziert. Da die meisten Leute weder lesen noch schreiben konnten, musste man ihnen den Inhalt der Bibel auf eine bildliche und verständliche Weise beibringen. Die mittelalterliche Literatur (Gebete, Predigten, Hagiografie) fußte hauptsächlich auf der religiösen Thematik. Die Literatur sollte Gott als Essenz des menschlichen Lebens darstellen. Dank der Mönche entfaltete sich ebenfalls die Historiografie (die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres). Die Bischöfe wurden von dem Papst verpflichtet, Kathedralschulen zu leiten. In diesen Schulen wurde hautpsächlich angehende Geistliche ausgebildet. Nach ein paar Jahren fingen neue Orden an, Schulen in Städten zu gründen. Das Lehrmaterial war anfänglich relativ bescheiden. Den Schülern brachte man vor allem kirchliche Lieder und Gebete bei. Nach dem Vorbild der Katherdalschulen gründeten die damaligen Handwerker ihre eigenen Privatschulen. Die größeren Klöster errichteten die ersten Universitäten. Die kirchliche Bildung hat zu einem Aufschwung der Philosophie und der Wissenschaft beigetragen.
    Die Rolle der Kirche im Mittelalter ist unermesslich wichtig. Die Religion hat einen großen Einfluss auf die neuen Zivilisationen ausgeübt.
     
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  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied


    Vielleicht die Formulierung an sich überdenken: Können Gebiete expandieren? Zur Zeit liest es sich so, dass die Kreuzzüg geführt wurden um die Expansion des Islams aufzuhalten. Ist das wirklich das zentrale Ziel? Die Kreuzzüge waren doch eher als Angriff, denn als Verteidigung zu shen.
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zum einen konnte ich es nicht eher durchlesen (und auf die Schnelle ging auch nicht), und zum zweiten mußt Du zumindest noch die anderen bereits angesprochenen Punkte überarbeiten...

    Das ist noch immer strittig, und wie ich bereits in anderen Diskussionen angedeutet habe, spielt es im Kontext der Zeit auch kaum eine Rolle, ob es nun Angriff oder Verteidigung war.
    Wichtig war für die Menschen damals die Rechtmäßigkeit, mit welcher man zu den Waffen griff - und weil im konkreten Fall "Kreuzzüge" der Punkt des eigenen Glaubens i.S.v. einzig wahrem Glauben die Hauptrolle spielte, war diese Rechtmäßigkeit gegeben.
    Dies gilt übrigens umgekehrt auch für die jeweilige gegnerische Seite genauso...

    Ich weiß zwar nicht, wieviel Zeit Dir noch bleibt, aber Du solltest noch - wie schon oben erwähnt - die übrigen Punkte auch überarbeiten, wie Du es ja mit dem ersten Abschnitt bereits getan hast.
    Noch einmal zu dem Satz...

    Abgesehen von der bereits von Seiten Themistokles zu Recht kritisierten - weil leicht mißverständlichen - Formulierung ist es auch inhaltlich so nicht korrekt.
    Meiner Ansicht nach kannst Du es ruhig mit dem zeitlichen Kontext beschreiben, daß die Kriegshandlungen darauf abzielten, die Heiligen Stätten der Christenheit sowie das gesamte Heilige Land (Syrien & Palästina) zu gewinnen bzw. "aus den Händen der Ungläubigen zu befreien", wobei man unter "Ungläubige" in dem Fall die Muslime verstand.

    Und bitte...

    Schreibe diesen Satz nicht so, denn der ist einfach falsch - zumindest im Sinne der Historischen Wissenschaft.
    Richtig wäre eine Formulierung wie:

    Wenn dieser Beitrag von mir zu spät kommt, dann bedaure ich dies sehr, bitte jedoch um Nachsicht, da es wirklich nicht eher ging...
     

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