Welche entscheidenen Fehler hatte Deutschland im Ersten Weltkrieg begangen?

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Turgot, 1. Mai 2008.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bezüglich der Mittelprioritäten ist das richtig, die Marinerüstung ging zu Lasten des Heeres.

    Dann läßt sich die Frage anschließen: warum "Nachrangigkeit" trotz der Heeresplanungen? Da müßte man bei der Selbsteinschätzung des Heeres als ohnehin stärkste Kraft auf dem Kontinent anfangen. Ich glaube, ein "Mehrbedarf" wurde gar nicht in dieser Dimension gesehen.
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Auf der Basis derartiger Unwissenheit fröhlich Seitenlange Postings zu schreiben verlangt allerdings ein gerüttelt Maß Selbstbewußtsein.

    Dass andererseits zu ellenlangen Gemeinplätzen Ausflucht genommen wird, wundert dann allerdings ebenfalls nicht.
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Russland konnte ja wohl nicht im Ernst davon ausgehen, das der Diktatfrieden von San Stefano Bestand haben würde, zumal sie dadurch noch den Budapester Vertrag mit ÖU ganz ungeniert gebrochen haben. Großbritannien wollte beispielsweise unbedingt dafür Sorge tragen, das die Russen über die Meerengen kein Zugang zum Mittelmeer bekamen. Frankreich dachte nicht wesentlich anders. Bismarck hat während seiner Kanzlerschaft sich fortlaufend immer darum bemüht, einen ernsthaften Konflikt zwischen ÖU und Russland zu vermeiden.


    Am 18.November 1914 hat Falkenhayn Bethmann sein neues strategisches Konzept vorgestellt, welches er zuvor am 15.November 1914 mit Großadmiral Tirpitz abgestimmt hat. Das Konzept sah Frieden mit den Gegnern auf dem Kontinent vor. Bethmann war verblüfft. Dies war eine große Chance, mit der der Reichskanzler offenkundig nichts anzufangen wußte.
    Riezler notierte dazu in seinen Tagebucham 22.11.1914 auf Seite 228 :" Mögliche Motive seines Drängens nach Frieden, Gefühl der Unzulänglichkeit, Unsicherheit seiner militärischen Talente. Sicherheitsventil um, wenn es schiefgeht, sagen zu können, ich habe rechtzeitig zum Frieden geraten, die politische Leitung hat nicht gewollt."

    Bethmann war mit Falkenhayn weitesgehenden Verzeicht auf Annektionen überhaupt nicht einverstanden, denn er wollte als Sicherheit für künftige Kriege eine Art Puffer als Vorfeld im sowohl im Westen als auch im Osten. Bethmann machte sich also mehr Gedanken um die militärische Sicherheit, als der dafür zuständige Fachmann, nämlich der Generalsstabschef. Bethmann wollte dann, als er sich den militärischen Argumenten nicht so ganz verschließen konnte, doch in Richtung Russland Fühler ausstrecken, aber erst dann, wenn in Osten größere miliätische Erfoge zu verzeichnen waren, um dann wohl aus einer Position der Stärke auftreten zu können.
    Das Bethmann Vorstellungen Ende 1914 von einen Separatfrieden mit Russland und Frankreich einer Ablehnung gleichkamen, versteht sich von selbst, denn diese unrealistischen Vorstellungen hatten keine Chance auf Realisierung.
    Des Weiteren hatte Bethmann natürlich dabei auch die breite Öffentlichkeit im Auge. Bethmann war ja schon im September 1914 Falkenhayns Vorschlag, die deutsche Öffentlichkeit nach der Marneschlacht über die militärische Lage aufzuklären (1), nicht gefolgt.

    Anzumerken ist noch, das Bethmann Falkenhayn nicht ausstehen konnte und sich das in seinen Verhalten und Auftreten gegenüber Falkenhayn niedergeschlagen hat. (2)
    Bethmann hat mehr oder weniger offen daran gearbeitet, das Falkenhayn als Generalstabschef abgelöst wird und durch Hindenburg bzw. Ludendorff ersetzt wird.

    Sollte Moltke denn den Osten vollkommen ungedeckt lassen? Das wäe ja militärisch unverantwortlich, denn letzen Endes kan man den Ausgang einer Schlacht nie sicher vorhersagen.


    Hast du das hier gelesen?

    (1) Vietsch, Bethamnn Hollweg S.210; Manuskript Regenauers "Politik und Kriegführung nach der Marne 1914, S.133 -S.143

    (2) Ritter, Staatskunst III, S.72
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2008
  4. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ich kenne nicht die einschlägigen Dokumente, aber schon im Brockhaus von 1907 gibt der Autor zu erkennen, dass die Heeresrüstung nicht ausreicht. Meiner Meinung nach ist dabei das größte Problem die mangelnde Ausbildung von Reservisten. In einem Krieg, wo selbstständlich nicht nur das stehende Heer kämpfte, schwächt dies natürlich sehr. Eine Alternative zu weiteren Bataillonen wäre also eine andere Organisation des Reservewesens gewesen. Aber von solch organisatorischen Versuchen weiß ich nichts. Ich kann daraus nur den Schluss ziehen, dass selbst die Kriegstreiber eigentlich wissen mussten, dass die "stärkste Kraft" nicht stark genug war. Vor allem, wenn sie sich auf West und Ost aufteilen muss.

    Solwac
     
  5. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Deutschland Motiv für den Krieg war die Erhaltung des Großmachtstatus von ÖU.

    Bethmanns "Vorläufige Richtlinien für unsere Politik beim Friedensschluß", auch Septemberprogramm genannt, ist doch letzten Endes u.a. der Deillusionierung seines Wunschdenkens, das England "draußen" bleiben könnte und den bis dahin erfoglreichen Vormarsch der deutschen Truppen im Westen geschuldet.

    Über dieses Programm wurde in der Entstehungsphase mit allen möglichen Behörden wie das AA oder das Kolonialamt oder führenden Industriekapitänen gesprochen und beraten. Dem enstprechend sah das Programm dann im Ergebnis aus.

    Bethmann war sich nämlich eigentlich durchaus im Klaren darüber, das die Formulierung eines Kriegzielprogrammes beachtlichen innenpolitischen Sprengstoff beinhalten würde und wollte ursprünglich eine öffentliche Debatte vermeiden.



    Hier das Septemberprogramm:

    1. Weltkrieg: Annexionsprogramm des Deutschen Reiches, 04.09.2004 (Friedensratschlag)
     
  6. EL_Mercenario

    EL_Mercenario Neues Mitglied

    Stimmt, nicht die Bagdadbahn sollte von Berlin über Wien und Konstantinopel nach Bagdad reichen, sondern die militärische und politische Achse, deren Teil die Bagdadbahn werden sollte. Das hab ich falsch formuliert.

    Könntest du die Trolle bitte weglassen? Danke.
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    Das Schlieffen die vorhandene Truppenstärke für unzureichend hielt und die Aufstellung neuer Korps forderte, wird in Büchern zum 1.WK öfters mal erwähnt. Ich habe aber im Netz jetzt leider nix dazu gefunden, muß also passen.
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    Nun, nach Meinung der allermeisten Historiker deren Bücher ich gelesen habe, spielte die franz. Revancheidee keine ausschlaggebende Rolle für den Kriegsausbruch. Als Beispiel sei hier wieder mal Fromkin (Amazon.de: Europas letzter Sommer. Die scheinbar friedlichen Wochen vor dem Ersten Weltkrieg: David Fromkin: Bücher) genannt, der sinngemäß schreibt, er habe die Biografie Poincares gelesen und die Revancheidee habe in dessen Politik keine maßgebliche Rolle gespielt.

    Deutschland hat doch diplomatisch eingewirkt und Österreich Rückendeckung garantiert.

    Das Heer hat vor 1913 nicht mit der Flotte um die Gelder konkurriert, erst mit der Gründung des Wehrvereins (Deutscher Wehrverein ? Wikipedia) hat das Heer versucht, Gelder lockerzumachen, worauf auch sofort der Geldstrom entsprechend umgelenkt wurde. Es fehlte am Willen, nicht am Geld.

    Wer weiß? ;)
    Die exakte Begründung lautete, man habe den Alternativplan aufgegeben, weil es sonst im Falle der Mobilmachung zu Verwechslungen hätte kommen können.

    Ich bin da jetzt auch etwas unsicher. Während der Zeit als er Generalstabschef war, 1891-1905, muss er ja konkrete Pläne vorgelegt haben. Den Schlieffenplan präsentierte er dann mit seinem Rücktritt.
    Moltke sein Nachfolger hat den dann ja bald verändert.
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    Tja, eigentlich nicht. Andererseits, wird es meist so dargestellt, als hätten die Russen genau das erwartet. Immerhin, Bismarck hat sich, ohne von Russland dazu aufgefordert zu werden, zum Leiter einer Konferenz gemacht, auf der Österreich, Russlands Erzrivale, das keinen Finger krumm gemacht hatte, Zugewinne erhielt, während Russland seine Eroberungen wieder herausrücken musste. Die Russen waren ohne Zweifel ziemlich sauer auf Bismarck.

    Diese Darstellung ist absolut neu für mich und kann ich deshalb auch nicht viel zu sagen.
    Tirpitz und Falkenhayn schätze ich eigentlich nicht als Freunde des Ausgleichsfriedens ein, sondern eher als Anhänger der "Kampf bis zum Sieg"-Fraktion, wie eigentlich den ganzen militärischen Führungszirkel.
    Das Bethmann Annektionen im Osten verlangte ist mir ebenfalls neu, im Septemberprogramm hat er noch ganz bewußt auf solche Forderungen verzichtet und später die Kriegszieldiskussion in Deutschland abgewürgt, eben um jede sich bietende Friedensmöglichkeit nutzen zu können.
    Das Falkenhayn die Bevölkerung aufklären und auf einen Verzichtsfrieden vorbereiten wollte ist mir völlig neu.

    Logisch wäre es gewesen und Schlieffen hat es auch so vorgeschlagen. Denn wenn Frankreich nach 6 Wochen nicht niedergeworfen war, war der Krieg so oder so verloren. Aber für so etwas war Moltke natürlich nicht der richtige Mann.

    Ja. Laut der Darstellung die ich darüber gelesen habe, war das eine so allgemein formulierte Vorschrift, dass sie praktisch keine Auswirkungen gehabt hätte. Ein Scheinzugeständnis, um den Reichstag zu beruhigen.
    Soweit ich weiß, hat die Armee in der Zabernaffäre sich auch keine polizeiliche Befugnis angemaßt, sondern den Notstand ausgerufen.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Schade. Kannst du denn die Literatur nennen?


    Letzteres hat das Koalition "Bethmann-Hollweg/Moltke" auch behauptet.
    Allerdings ist das Datum nicht korrekt, es geht mindestens um 1911 bei den Heeresambitionen und dem Wettstreit mit der Marine um die Etats.
     
  8. elysian

    elysian Neues Mitglied

    @el_mercenario

    Russland ist nicht aus dem Krieg ausgetreten, weil es eine Revolution gab (wie gesagt, Russland kämpfte auch nach der Revolution im Frühjahr noch weiter!!!), sondern Russland erlebte eine Revolution, weil der Kriegsverlauf ausgesprochen negativ war. Ausgeschieden ist Russland zuletzt aber, weil es ohne Zweifel nicht länger zu kämpfen in der Lage war.

    Hinsichtlich des sog. Schlieffenplanes wissen wir nur, dass die Moltkevariante von 1914 nicht gelang und bei kritischer Betrachtung nicht gelingen konnte. Dagegen ist dies für die Vorläufer dieses Planes kein selbstverständliches Ergebnis. Dafür aber sehr spekulativ.

    Rein defensiv bezog sich in erster Linie auf die Westfront, um GB aus dem Krieg zu halten.
    Das Problem besteht aber darin, wie man den ungeschlagenen Gegner dann dazu bekommt, in einen Frieden einzuwilligen. Das ist nicht so einfach.

    Hinsichtlich der Doktrin muss man sagen, dass die Doktrin ja nicht falsch war. Sie war mit Blick auf die deutschen Möglichkeiten absolut richtig. Nicht die Doktrin war falsch, sondern dieser Krieg und insbesondere, wie man in ihn hinein gegangen ist!

    Die französische Großmachtstellung wird bereits durch einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland bedroht. Spätestens aber, wenn Deutschland gegenüber Frankreich offensiv wird. Du hast immer noch keine Antwort gegeben, warum Großbritannien zunächst hätte abwarten sollen, bis Frankreich am Rand einer Niederlage steht, bevor die Nation bereit gewesen wäre, einzugreifen. M.E. ist doch unbestreitbar, dass GB seine Ziele besser verfolgen konnte, wenn Frankreich als starker Verbündeter an seiner Seite stand und nicht als schwacher Verbündeter die Notwendigkeit für GB hervorgerufen hätte, sich dann noch stärker zu engagieren. Wobei nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass Ergebnis eines solchen Abwartens auch eine Kapitulation Frankreichs sein könnte. Und dann stünde GB plötzlich alleine da. Ich erkenne in einer solchen Haltung einfach keinen Sinn und warte bis jetzt vergebens auf eine schlüssige Erklärung deinerseits.

    Gut, verlagern wir das Problem nach Russland:
    Warum sollte Russland, solange es noch nicht niedergeworfen ist, einen Sonderfrieden anstreben und von Frankreich einen Vergleichsfrieden verlangen? Und dabei gehen wir noch nicht einmal auf die Frage ein, warum Frankreich auf diese Forderung hätte eingehen sollen!

    Und? Es ging ja nur darum, ob auch die Meinung vertreten wird, dass das Reich seit 1871 kontinentaleuropäischer Hegemon war und so gesehen diese Stellung 1914 zu verteidigen versuchte. Erhalt statt Erlangung der Hegemonie.

    Du schmeißt Kriegsgründe und Kriegsziele kunterbunt nach Belieben durcheinander.
    Nochmal:
    Es gibt Gründe, in den Krieg zu ziehen.
    Und es gibt Ziele, was man mit dem Krieg erreichen will.
    Nachweisbar ist, dass die Verantwortlichen im Reich diesen Krieg sehr wohl als Präventivschlag verstanden. Einige Zitat hierzu wurden bereits vorgelegt.
    Das Motiv dieser Aussagen ist immer wieder dasselbe:
    Angst. Die Angst, in wenigen Jahren a priori unterlegen zu sein. Du weißt doch, wie Tiere reagieren, wenn man sie in die Ecke drängt? Sie beißen zu. Und nicht anders verhielt sich letztlich das Reich, das sich in die Ecke gedrängt wahrnahm. Ob diese Wahrnehmung zutraf, ist ein anderes Thema, das bei der Frage nach dem Motiv für den Waffengang vernachlässigt werden kann.
    Dass zunächst keine konkreten Kriegsziele vorhanden waren, kann man nicht ernsthaft bestreiten. Andernfalls wäre nicht sofort eine lebhafte Diskussion in Gang gekommen.
    Welche Ziele dann im Verlauf des Krieges entwickelt wurden, lässt sich klar nachweisen. Rückschlüsse aus diesen Belegen sind dagegen wieder rein spekulativ.

    Da steht nur, dass sich die Briten und die Russen später angenähert haben. Dies bedeutet aber nicht, dass GB nunmehr bereit gewesen wäre, das Osmanische Reich nach den russischen Vorstellungen aufzuteilen. Hier wird nur darauf verwiesen, dass die Briten und die Russen ihre kollidierenden globalen Interessen mit der Zeit arrangierten.
    Ein Beispiel:Vertrag von Sankt Petersburg (1907 ? Wikipedia)

    Wenn es von vornherein abwegig ist, die 5 imperialistischen Großmächte Europas vom Krieg abzuhalten, weshalb sollten dann die Bemühungen um einen Vergleichsfrieden mehr Aussicht auf Erfolg haben? Das widerspricht sich!
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Mein Beitrag
    bezog sich darauf:

    Es ist eigentlich ganz einfach.
    Gab es kein Südvietnam, entschuldige ich mich sofort und in aller Form.

    Gab es hingegen Südvietnam, erwarte ich umgehend eine Entschuldigung für den Troll.
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ein Scheinzugeständnis? Wilhelm hat hier, entgegen deinen Behauptungen, sehr wohl auf seinen zivilen Reichskanzler gehört und eine entsprechende Dienstvorschrift für die Armee entlassen. Das war schon immerhin ein richtiger Schritt.

    Zu der Zabern-Affäre und polizeilicher Befugnisse:

    Leutnant Feiherr Günter von Forster hat Rekruten mehr oder weniger aufgefordert, bei Streiterein mit der Zivilbevölkerung von der Waffe Gebrauch zu machen. Er äußerte, "Wenn Sie dabei einen Wackes niederstechen, dann bekommen Sie von mir noch zehn Mark."

    Diese Aufforderung war schon in keinster Weise mit den Richtlinien der Armee vereinbar und dem Gesetz vereinbar. Die Reaktion von Forstners Vorgesetzten auf dessen überaus peinlichen , ja skandalösen Verhalten war, um es freundlich auszudrücken, nicht der Situation angemessen.

    Als dann die Bevölkerung demonstrierte, nahm das Militär das Recht in die eigene Hand. Es wurden einfach wahllos Bürger von Zabern verhaftet, obwohl die Armee durch einen Richter auf das rechtswidrige Handeln hingewiesen worden wurde, und eingesperrt. Die Räume des Zaberner Anzeiger wurde ohne richterliche Erlaubnis durchsucht.

    Die Armee hat sich in Zabern krassen Rechtsbruch geleistet und da kann sich wirklich niemand über das große Aufsehen wundern.

    Das kanst du alles sehr detailliert nachlesen in Mommsen, Bürgerstolz und Weltmachtstreben, S.440 - 449, Frankfurt 1995
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2008
  11. EL_Mercenario

    EL_Mercenario Neues Mitglied

    Leider nein. Ich hab bei Fiedler nachgeschlagen, aber da wird nur angedeutet (Die hierfür [Umgehung von Paris] berechneten Kräfte von sieben AKs, darüberhinaus sechs Ersatzkorps zur Einschließung von Paris, standen ja nur auf dem Papier.)
    Ich habe ausführlicheres darüber gelesen, aber mir fällt nicht mehr ein wo.
    ------------
    Was-wäre-wenn Szenarien sind immer spekulativ. Dass die Moltkevariante nicht gelingen konnte, kann man auch nicht wissen. Man kann sich nur eine Meinung dazu bilden.

    Wie gesagt, nicht Idee vom kurzen Krieg war falsch, sondern die Annahme, durch den Schlieffenplan einen kurzen Krieg erreichen zu können.

    Weil das britische Parlament pazifistisch eingestellt war und nicht in den Krieg eintreten wollte. Jedenfalls behaupten das Winston Churchill, Sebastian Haffner und Barbara Tuchmann. Laut diesen Herrschaften war eine Mehrheit für eine Kriegserklärung nur zu erreichen, weil und nachdem das Deutsche Reich in Belgien einmarschiert war.

    Warum hat Russland im Krimkrieg, im russ.-jap. Krieg 1905 und auf der Berliner Konferenz einen Vergleichsfrieden geschlossen, obwohl es noch nicht niedergeworfen war? Kosten-Nutzen-Analyse vermutlich.
    Frankreich hätte darauf eingehen sollen, weil es alleine keine Siegeschance gegen Deutschland und Österreich hat.

    Die Ziele, die ich mit dem Krieg erreichen will, sind aber nunmal die Gründe in den Krieg zu ziehen. Das ist nur eine andere Formulierung.

    Sicher lässt sich das bestreiten. Man wollte ja den Sozialdemokraten den Krieg als Verteidigungskrieg unterjubeln, das wäre wohl schlecht gegangen, wenn man vorher imperialistische Kriegsziele festgelegt hätte.

    Da steht, dass GB einem Bündnis angehörte, der Mittelmeerentente, dessen Hauptzweck es war: "In der Praxis war das Abkommen gegen die Expansion Russlands auf dem Balkan und an den Meerengen des Bosporus und der Dardanellen gerichtet. Die Existenz des Osmanischen Reiches wurde gesichert."
    1896 lösten die Briten die Mittelmeerentente auf, betrieben also keine aktive Politik mehr gegenüber Russlands Drang nach Konstantinopel, diese Rolle überliessen sie jetzt Deutschland.

    Der Unterschied ist, dass ein Vergleichfrieden nur mit Deutschland geschlossen werden muss. Alle Großmächte davon abzuhalten Krieg mit Deutschland zu führen ist nicht dasselbe wie alle Großmächte davon abzuhalten überhaupt Krieg zu führen. Beispielsweise hindert ein Vergleichsfriede mit Deutschland Russland nicht unbedingt daran, Krieg mit der Türkei zu führen, um Konstantinopel zu erobern.

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    "Troll" war ev. in der Wortwahl überzogen, wofür ich mich entschuldige, nichtstrotzodesto empfinde ich "launige" Kommentare dieser Art und insbesondere Mutmaßungen zu meiner Person als nerfig und bitte daher, solches zu unterlassen.

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    Das erinnert mich vom Stil her an die Hunnenrede und hätte durchaus aus dem Munde von Freiherr Günters allerhöchstem Vorgesetzten stammen können.
    Unsere Einschätzung der Zabern-Affäre geht absolut konform, falls das anders rübergekommen sein sollte. Einziger Streitpunkt ist, wie Wilhelms höchstselbst die ganze Sache wahrgenommen hat.
    Achso, nicht der Notstand, sondern der Belagerungszustand wurde verhängt (Fehler von mir).
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. September 2008
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Muss ich also nochmals Dich zitieren:
    Habe ich das geschrieben:

    ....vielleicht muss man es tatsächlich nicht wissen, ob es Südvietnam gab.....
    (ich sehe es anders, aber OK)

    Wenn aber ein anderer Diskutant "Südvietnam" erwähnt, kann man ja zumindest auf die Idee kommen mal das Wort "Südvietnam" in die Suchfunktion zu tippen.

    Das macht es allen anderen etwas leichter.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die vielberufene Mittelmeer-Entente gab es als förmlichen Bündnisvertrag gar nicht.
    Sie beschränkte sich auf einen Notenwechsel der beteiligten Regierungen.

    Das stimmt so nicht. Noch 1908 hinderten sie Rußland am Zugriff. Siehe Bosnien-Krise.
     
  14. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Bismarck hat im Hintegrund an der Mittelmeerentente ganz schön mitgewerkelt. Er hat auf Großbritannien nämlich mit dem Hinweis, das er den französischen Interessen an Ägypten oder den russischen im Orient dann unterstützen würde, ganz schön Druck ausgeübt.

    Nach der Entlassung Bismarcks wollte man im AA ja unbedingt die Allianz mit England. Man hat diesen wichtigen Eckpfeiler von Bismarcks Bündnissystem rausgebrochen, ohne auf der anderen Seite, mit England, schon etwas brauchbares in der Hand zu haben. Die Herren im AA haben offenkundig von Bismarck nicht viel gelernt.

    Die Deutschen haben sich dann also den Briten schon fast angebiedert. Man bot weitreichende Konzessionen in Afrika für eine Allianz an. Holstein brachte sogar eine Garantie für Indien ins Spiel. Die größte Dummheit war aber, als der Staatsekretär Marschall von Bieberstein die Briten darüber informierte, das der Rückversicherungsvertrag nicht verlängert worden ist.

    Für ein Salisbury war es jetzt ein Leichtes, die deutschen Bemühungen ins Leere laufen zu lassen. Er erfaßte natürlich auch die Vorteile, die sich für die Briten dadurch boten. Der deutschen Außenpolitik fehlte nämlich jetzt der Rückhalt (1), wie Salisbury bei passender Gelegenheit geäußert hat, im Konzert der Mächte, vor allem aber gegenüber Großbritannien.

    Nach der Nichtverängerung des Rückversicherungsvertrages bestand für Großbritannien eigentlich kein zwingendeer Grund mehr, der Mittelmeerentente anzugehören. Dementsprechend wurde diese 1896 auch beendet. Die Affäre um die Krüger-Depesche mag da den letzten Anstoß gegeben haben.

    (1)Hallmann, Rückversicherungsvertrag, S.244
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. September 2008
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Meutereien, eigentlich waren es ja eher Militärstreiks, waren den Deutschen tatsächlich unbekannt geblieben, eine peinliche Panne des deutschen Geheimdienstes. Die Frage ist, ob die Deutschen überhaupt in der Lage gewesen wären, genügend Truppen für eine Gegenoffensive zu mobilisieren. Nivelles Offensive war die größte französische des Krieges und verschliss auch viele deutsche Truppen. Gleichzeitig konnten die Briten in der Osterschlacht bei Arras für die Westfront durchaus respektable Geländegewinne von ca. 6 km Tiefe erzielen, und gleichzeitig wurde schon für Haigs Lieblingsprojekt, eine Materialschlacht am Ypern- Bogen gerüstet. Viele französische Divisionen meuterten ja nicht im eigentlichen Sinne, sondern weigerten sich, in sinnlosen Angriffen verheizt zu werden, und mit einer Mischung aus Härte und Konzilianz gelang es Petain relativ schnell, die Revolte niederzuschlagen. In der Verteidigung haben sich die Franzosen stets als überaus zähe Gegner erwiesen. Die Franzosen verhielten sich klüger, als die Italiener unter Cadorna, der überhaupt nicht auf Forderungen der Soldaten einging, sondern Einheiten dezimieren ließ, mit dem Resultat, dass sich die Italiener in ihrem Militärstreik in Scharen von den Deutschen und Österreichern gefangennehmen ließen.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das war in der Tat kein Ruhmesblatt des deutschen Nachrichtendienstes.


    Ich denke, das darf getrost bezweifelt werden. 1917 wurde doch die Front der 1., 2. und 6. Armee gerade auch deshalb zurückgenommen, weil die personelle Decke immer kürzer wurde. Die Rücknahme wurde dann gleich noch mit taktischen Änderungen, wie beispielsweise, das die vordere, erste Linie nur noch sehr dünn besetzt wurde oder die ganze Verteidigung mehr in die Tiefe ausgerichtet war.
     
  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In 1917 hörte der Krieg gar nicht mehr auf, aufzuhören, und die Deutschen waren nach Verdun und der Somme gezwungen, sparsamer mit den menschlichen Ressourcen umzugehen. Der Rückzug auf die Siegfriedlinie brachte dann allerdings den Aufmarsch der Alliierten für die Doppelschlacht im Artois und der Champagne durcheinander, und die deutsche Taktik, die ersten Linien nur dünn zu besetzen und die Verteidigung mehr in die Tiefe auszurichten trug ja durchaus dazu bei, den Deutschen in der 3. Flandernschlacht Defensiverfolge zu bescheren.

    Im Spätherbst 1917 zeigte sich allerdings, dass die Deutschen allzu viel Vertrauen auf die Siegfriedlininie hatten, die gerade bei Cambrai besonders stark ausgebaut war. Die Briten erzielten am 20. November 1917 einen ganz beachtlichen Einbruch. Ganze Bataillione wurden überrannt, und die Deutschen entgingen nur mit Mühe einer Katastrophe, worüber die ebenso spektakulären Erfolge beim Gegenangriff hinwegtäuschten. Wie die Deutschen nach der Einnahme von Douaumont hatten auch die Glocken von St. Paul´s zu früh geläutet.

    Trotz wirtschaftlicher Engpässe haben die Deutschen es völlig versäumt, eigene Tanks und Tankeinheiten aufzustellen, wobei einige deutsche Militärs eine "Abnahme des Angriffsgeistes" befürchteten, wenn die Armee mit allzuviel "totem Material" ausgestattet würde.
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Deutschen haben die "Meutereien" oder "Streiks" bei den Franzosen tatsächlich nicht richtig mitgekriegt.
    Umgekehrt haben die Franzosen/Briten den Rückzug in die Siegfried-Stellung nicht geschnallt. Was ihre Angriffsplanungen für 1917 gehörig durcheinander brachte
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das Beste war noch, dass die Deutschen von der Nivelleoffensive vorzeitig erfuhren. Bei Juvincourt geriet ein Adjutant mit seinem Täschen in einen deutschen Sturmangriff, und französische Offiziere hatten bereits auf ihren Sieg getoastet und den Angriffstermin ausposaunt. 400 französische Piloten, die ihre Maschinen an die Front fliegen sollten, feierten statt dessen in Paris.
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Gerade der Abwehrerfolg bei Cambrai, immerhin wurde gut ein Drittel der 400 dort eingesetzten britischen Panzer vernichtet und des weiteren konnten gut 11.000 britische Soldaten gefangengenommen werden, hat den Herren der OHL doch ganz gehörig den Blick verstellt. Man hat nicht die Bedeutung der Tanks wahrgenommen, meinte aufgrund der gelungenen Abwehr keine eigenen Tankwaffe bauen zu müssen.

    Man hat in der OHL offenkundig nicht wirklich registriert, das man bei Cambrai nur knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. September 2008

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